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Aluminium Gefährlich für die Gesundheit?

Aluminium ist ähnlich wie Plastik ein Stoff, dem wir in unserer modernen Gesellschaft kaum entkommen können. Manche sagen sogar, wir leben im "Aluminiumzeitalter" - und das könnte gefährlich sein.

Published at: 8-2-2021

Aluminium | Bild: picture-alliance/dpa

Aluminium kommt gebunden als Gestein in der Erdkruste vor und findet so seinen Weg als Spurenelement ins Gemüse oder Trinkwasser. Doch für Lebewesen ist es nicht überlebenswichtig, genauso wie Silber oder Gold. In biochemischen Prozessen kommt es nicht vor, Tiere und Pflanzen verarbeiten es nicht. Im Schnitt befinden sich rund 50 bis 150 Milligramm Aluminium im Körper eines Erwachsenen, hauptsächlich im Lungengewebe. Es ist somit als Spurenelement ein natürlicher Bestandteil des Menschen.

Als Aluminium in unser Leben trat

Aluminium im Erdmantel

Aluminium kommt ganz natürlich auf unserer Erde vor, in mineralischer Form, als Gestein. Es ist das dritthäufigste Element und das häufigste Metall der Erdkruste.

Durchbruch vor 120 Jahren

Sinnvoll gewinnen lässt sich Aluminium nur aus dem Erz Bauxit. Vor 120 Jahren entwickelte der österreichische Chemiker Carl Josef Bayer ein Verfahren, um das Aluminium im großen Stil aus dem Erz zu lösen.

Seitdem wir Aluminium im großen Stil produzieren können, kommen wir immer häufiger in Kontakt mit der löslichen Form des Leichtmetalls - was vorher kaum möglich war. Experten fürchten: Unsere Gesundheit könnte darunter leiden.

Zu viel Aluminium schadet der Gesundheit

Viele Tierversuche zeigen: Lebewesen vertragen zu viel Aluminium überhaupt nicht. In saurem Regen zum Beispiel ist Aluminium gelöst. Fische sterben daran, weil das Metall ihre Kiemen zerstört. Bei Mäusen hat man schon zeigen können, dass sich ein Zuviel an Alu auf ihre Gehirnentwicklung auswirkt. Doch nicht nur das:

"Bei sehr hoher Konzentration kann auch im schwangeren Tierweibchen der Embryo geschädigt werden."

Dr. Andreas Luch, Leiter der Abteilung für Chemikalien und Produktsicherheit am Bundesinstitut für Risikobewertung, Berlin

Aluminium und Alzheimer

Aluminium könnte gefährlich für die Gesundheit sein - es steht zum Beispiel im Verdacht, Alzheimer auszulösen.

Aluminium in hohen Mengen wirkt giftig auf embryonale Zellen, das beeinträchtigt ihre Entwicklung. Es könnte sogar sein, dass Alzheimer und Aluminium miteinander zusammenhängen. Denn Alu kann die sogenannte Blut-Hirn-Schranke überwinden. Eigentlich ist diese Schranke sehr dicht, damit das Gehirn vor giftigen Stoffen geschützt wird. Bei Alzheimerpatienten finden die Wissenschaftler regelmäßig hohe Alu-Konzentrationen im Gehirn. Noch ist nicht klar, ob das eine Begleiterscheinung der Krankheit ist oder ob Alu Alzheimer mit auslöst.

Verstopftes Gehirn

Experten haben dabei auch den Mechanismus im Blick, wie schädliche Eiweiße aus dem Gehirn abtransportiert werden. Es ist bekannt, dass manche Umweltgifte und Medikamente die gehirneigene Müllabfuhr behindern können. Aluminium gehört dabei auch zu den verdächtigen Stoffen, weil es sich mit Eiweißen verbindet und dann biochemische Vorgänge stören könnte.

"Das heißt nicht, dass Aluminium die Krankheit ausgelöst hat. Aber es ist sehr wahrscheinlich, dass eine bereits bestehende Krankheit, die vielleicht relativ mild verläuft, durch Aluminium beeinflusst wird. Sie tritt vielleicht früher auf und wird aggressiver."

Prof. Christopher Exley, Keele University, Staffordshire, Großbritannien

Wie wir Aluminium aufnehmen

Grenzwert

Die Behörden gehen davon aus, dass ein Mensch pro Kilo Körpergewicht bis zu ein Milligramm Aluminium in der Woche aufnehmen kann, ohne mit negativen Folgen rechnen zu müssen. Die Experten gehen davon aus, dass wir diese Menge an Alu hauptsächlich über Nahrung aufnehmen. Doch es gibt viele Wege, wie Aluminium sonst noch in unseren Körper gelangen kann und die sind kaum reguliert.

Unverarbeitete Lebensmittel

Gemüse zum Beispiel: Pilze, Spinat, Rettich, Mangold, Kopfsalat und Feldsalat haben hohe Aluminium-Werte.

Verarbeitete Lebensmittel

Hinter etlichen E-Nummern verbergen sich Aluminiumverbindungen. E 520-23 sind Aluminiumsulfate, sie kommen als Festigungsmittel zum Einsatz. Aluminiumsilikate helfen dabei, dass Milchpulver gleichmäßig aus der Tüte rieselt. Wenn Käsescheiben in der Packung nicht zusammenkleben sollen, ist ebenfalls Aluminium im Spiel.

Verpackungen

Kommt das Metall als Aluminiumoxid vor, wie bei vielen Haushaltsprodukten aus Alu, sind die Moleküle zu groß, um durch die Hautbarriere zu gelangen. Alu anfassen ist also ungefährlich. Anders sieht es aber bei Einwegaluschalen aus, wie man sie beim Essen auf Rädern bekommt. Säure löst dabei besonders viel Aluminium aus der Verpackung, und das betrifft dann auch Tomatensoßen. Man sollte auch lieber kein Sauerkraut im Alutopf kochen und Essiggurken nicht in Alufolie wickeln.

Kosmetika

Am bekanntesten sind wahrscheinlich Deos mit Aluminiumsalzen, doch auch in Lippenstiften, Cremes oder Make-up kann sich Aluminium verstecken. Als Alusalz ist es löslich und kann die Haut durchdringen. So kommt es bis in einzelne Zellen, die absterben, wenn die Dosis zu hoch ist.

Medikamente

In vielen Arzneimitteln steckt Aluminium, zum Beispiel in Mitteln gegen Sodbrennen. In Impfstoffen wird Aluminium als Wirkverstärker verwendet. Am Helmholtz-Zentrum für Gesundheit und Umwelt in München erforschen Wissenschaftler eine weitere Alu-Verbindung: Aluminiumhydroxid. Es wird als Wirkstoff in Medikamenten eingesetzt und steht im Verdacht, Alzheimerähnliche Symptome auszulösen. Bewiesen ist bis jetzt noch nichts.

Risiko von löslichem Aluminium ungewiss

Das Gefährliche an Aluminium ist laut vielen Experten nicht das Metall selbst, sondern seine lösliche Form. Sie vermuten, dass es sich so an Zellen binden und krank machen kann. Den Grenzwert der EU halten sie für problematisch, weil den die meisten Menschen schon über die Nahrungsaufnahme voll ausschöpfen. Dabei werden zum Beispiel Kosmetika, die häufig Aluminiumverbindungen enthalten, vergessen. Dazu gehören die sogenannten "Antitranspirantien".

Im Gegensatz zu Deodorants, die lediglich den Schweißgeruch durch die Abtötung schweißzersetzender Bakterien beseitigen, haben Antitranspirantien schweißhemmende Wirkung. Anders als die Deodorants enthalten sie Aluminiumsalze, die die Hautporen zusammenziehen. Zudem bildet sich bei Antitranspirantien ein Aluminium-Protein-Komplex, der temporär die Ausführgänge der Schweißkanäle blockiert.

Neue Studie: Gefahr aluhaltiger Antitranspirantien "unwahrscheinlich"

Die Aufnahme von Aluminium durch Lebensmittel oder Trinkwasser lässt sich im Alltag nur in begrenztem Maße steuern. Daher empfahl das Bundesinstitut für Risikobewertung den Verbrauchern und Verbraucherinnen im Jahr 2014, auf die Wahl der Kosmetikartikel zu achten. Aufgrund der damaligen verfügbaren Daten kam das BfR zu dem Schluss, dass beim Benutzen von von aluminiumhaltigen Antitranspirantien die tolerierbare wöchentliche Aufnahmemenge bereits ausgeschöpft wird. Um die individuelle Aluminiumaufnahme zu reduzieren, empfahl das BfR, keine Antitranspirantien unmittelbar nach der Rasur bzw. bei geschädigter Achselhaut zu verwenden.

Aufgrund der widersprüchlichen Daten beauftragte der wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit (Scientific Committee on Consumer Safety, SCCS) der EU-Kommission im Jahr 2015 die europäische Kosmetikbranche damit, zu klären, wieviel Aluminium tatsächlich durch die Haut in den menschlichen Körper gelangt. Der gleichen Frage ging eine unabhängige Forschergruppe aus Erlangen nach. Die endgültigen Ergebnisse der europäischen Studie lagen 2019 vor, im Juli 2020 äußerte sich das Bundesinstitut für Risikobewertung dazu.

Dem BfR zufolge belegen die neuen Studien, dass nur ein kleiner Bruchteil der in den Antitranspirantien enthaltenen Aluminiumsalzen in den Körper eindringt: Die Bioverfügbarkeit liegt bei 0,00192 Prozent und damit deutlich unter der aufgrund einer Studie von 2001 bisher angenommenen 0,014 Prozent. Nach dem SCCS stellte deshalb auch das BfR fest:

"Gesundheitliche Beeinträchtigungen für Verbraucherinnen und Verbraucher sind bei täglichem Gebrauch von Antitranspirantien mit Aluminiumchlorohydrat nach derzeitigem wissenschaftlichen Kenntnisstand unwahrscheinlich."

Bundesinstitut für Risikobewertung, Juli 2020

Brustkrebsrisiko und aluhaltige Deos

Die Gesundheitsrisiken durch aluhaltige Deos sind laut BfR nicht so hoch wie ursprünglich gedacht.

Ob es einen Zusammenhang zwischen Aluminiumsalzen in Deos und Brustkrebs gibt, ist nach wie vor nicht bewiesen. Forscher der Universität Reading in Großbritannien wollen in einer Studie (2011) einen Zusammenhang zwischen Alu und Brustkrebs gefunden haben. Denn die Tumore entstehen häufig in der Region neben den Achselhöhlen, also dort, wo täglich viele Chemikalien auf die Haut aufgetragen werden. Ihre Vermutung: Alu könnte dafür sorgen, dass sich Tumorzellen im ganzen Körper verbreiten.

Doch genauso wie bei Alzheimer ist dieser Zusammenhang nicht eindeutig belegt. Das Deutsche Krebsinformationszentrum in Heidelberg spricht aluhaltigen Deos wenn überhaupt nur einen kleinen Effekt zu und auch die Lage der Tumoren bei Brustkrebs könnte einen anderen Grund haben.

"Je mehr Zellen ich habe, desto größer ist das Risiko. Da die meisten Zellen in der Region neben den Achselhöhlen sind, ist hier die Wahrscheinlichkeit höher, dass dort Krebs entsteht."

Prof. Anton Scharl, Chefarzt Frauenklinik am Klinikum Amberg

Dem Bundesinstitut für Risikobewertung zufolge ist die Datenlage Stand Juli 2020 immer noch uneinheitlich und zum Teil widersprüchlich, es bestehe "weiterer Forschungsbedarf". Deswegen rät das BfR dazu, den empfohlenen Alugrenzwert ernst zu nehmen und das Aluminium im Alltag zu reduzieren.

Nichts Genaues weiß man nicht

Aluminium ist also theoretisch schädlich und kommt immer häufiger in unserem Alltag vor. Praktisch lässt sich aber nicht eindeutig nachweisen, ob und wenn ja, bis zu welchem Grad es für Krankheiten wie Alzheimer oder Brustkrebs mitverantwortlich ist. Es bleibt also nur, aufmerksam die Inhaltsstoffe von Kosmetika und Nahrungsmitteln zu studieren und darauf zu hoffen, dass nationale und internationale Behörden bald tatsächlich herausfinden, welche Dosis bei Aluminium denn nun tatsächlich das Gift macht.


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