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Bedrohte Schwalben Rauchschwalben und Mehlschwalben werden immer seltenere Gäste

Der Frühling ist da, aber an vielen Orten fehlt ein beliebter Frühlingsbote: die Schwalbe. Schon seit Jahren offenbart sich, dass der Lebensraum der Zugvögel bei uns immer begrenzter wird und sie ihre angestammten Plätze verlieren.

Stand: 22.05.2019

Eine Mehlschwalbe (Delichon urbicum) baut an ihrem Nest am 17.05.2017 unter dem historischen Verladeturm am Fluss Oder in Groß Neuendorf im Oderbruch (Brandenburg) | Bild: dpa-Bildfunk

Früher galten Schwalben als Boten des Glücks, die das Haus vor Feuer und Blitz sowie das Vieh im Stall vor Krankheiten bewahrten. Und heute? Der Landesverband für Vogelschutz in Bayern (LBV) und der Naturschutzbund Bayern (NABU) sind besorgt: Immer weniger Schwalben bevölkern den Frühlingshimmel. Die beiden häufigsten Arten bei uns, die Mehl- und die Rauchschwalbe, stehen in Bayern mittlerweile auf der Vorwarnliste der Roten Liste.

Mensch gegen Schwalbe

Die Gründe sind vielfältig, haben aber immer wieder dieselbe Ursache: den Menschen. Einerseits sind wir für den massiven Rückgang der Insekten verantwortlich, weil wir die Lebensräume der wichtigen Futtertiere für Vögel aller Art zerstören. Für die Schwalben ist das ein großes Problem: Die Zugvögel kommen nach ihrer langen Reise aus Afrika ausgezehrt bei uns an und brauchen Futter. Ziehen sie ihre Jungen auf und es fehlt an Insekten, dann verhungert ihr Nachwuchs.

Zu wenig Brutplätze für die Zugvögel

Und das, obwohl Schwalben vor vielen Jahrzehnten noch gern gesehene Gäste waren, rund um Haus und Hof. Wer Schwalben hatte, hatte weniger Mücken um sich herum. Doch selbst wenn es noch genügend Insekten gäbe: Es fehlen für die Vögel auch Brutplätze an Hauswänden oder in Ställen.

"Während Hausbesitzer aus Angst vor Verschmutzung die Nester der Mehlschwalben entfernen, verschließen besorgte Bauern den Rauchschwalben ihre Ställe, um vermeintlichen Hygieneanforderungen gerecht zu werden. Dabei gefährden die kühnen Flugakrobaten unsere Gesundheit mitnichten, sind aber auf dem Land auf genau solche Brutplätze angewiesen."

Eric Neuling, Vogelschutzexperte des NABU

Moderne Ställe und Hallen sind heute oft so abgedichtet, dass die Vögel keinen Unterschlupf finden. Viele alte Gebäude werden auch abgerissen oder saniert. Die ortstreuen Schwalben kommen dann zurück aus ihrem Winterquartier und finden ihren Nistplatz nicht wieder.

Mehlschwalben ziehen unters Dach ...

Mehlschwalben an einem Nest direkt unter dem Hausdach

Die Mehlschwalbe mit ihrem leuchtend weißen Bürzel und Bauch sowie dem tief gekerbten Schwanz nutzt vor allem rau verputzte Hauswände unter geschützten Dachvorsprüngen zum Bau ihres Nestes. Sie brütet gerne in großen Kolonien.

Rauschwalben mögen Stallgeruch

Rauchschwalbe

Rauchschwalben, die über ihre braunrote Färbung von Kehle und Stirn gut erkennbar sind, bevorzugen Balken oder Mauervorsprünge in Ställen, Scheunen oder Carports. Leider bleiben die notwendigen Einflugluken nach Renovierungen zunehmend verschlossen oder sind bei Neubauten gar nicht erst vorhanden.

"Viele Lager und Ställe müssten zumindest in der warmen Jahreshälfte nicht komplett verschlossen sein. Eine Einflugluke reicht Rauchschwalben bereits."

Eric Neuling, Vogelschutzexperte des NABU

Fallender Schwalben-Kot stört Hausbesitzer

Viele Menschen wollen gar keine Schwalbennester an ihrem Haus mehr haben, unter Dächern oder anderen Vorsprüngen. Denn aus den runden Nestern fällt – gerade zur Brutzeit – viel Kot herab. Eine Lösung dafür wären sogenannte "Kotbretter", die Hausbesitzer 40 bis 90 Zentimeter unterhalb des Nests anbringen können. Dort wird der Kot aufgefangen und kann später auf den Kompost geworfen werden.

Hausbesitzer können noch mehr tun, sagt der LBV. Zum Beispiel Lehmpfützen aufstellen. Denn die Schwalben brauchen den klebrigen Lehm damit ihre Nester stabil bleiben. Dazu muss man nur einen großen Lehmklumpen in einen Blumenuntersetzer geben und mit Wasser vermischen. Wer hat, kann noch Stroh und ein paar Pferdehaare dazu legen.

Übrigens: Schon bestehende Nester dürfen nicht entfernt werden, Schwalben und ihre Behausungen sind geschützt. Und: Gebäude mit vorhandenen und erhaltenen Nistplätzen für Schwalben werden vom NABU als "Schwalbenfreundliches Haus" mit einer Plakette ausgezeichnet.

  • Schwalben - Flugakrobaten und Baumeister: radioWissen, Bayern 2, 08.04.2022, 09:05 Uhr
  • Schwalben - Flugakrobaten und Baumeister: radioWissen, Bayern 2, 03.05.2019, 09:05 Uhr
  • "Vogelschutz: Kein Platz für Schwalben?": in "Abendschau", BR Fernsehen 09.08.2017, um 17.30 Uhr
  • "Nishilfen 6 Co: Warmes Willkommen für die Schwalben": in "Abendschau", BR Fernsehen, 10.05.2017, um 17.30 Uhr

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