22

Mücken-Abwehr Mücken merken sich zuschlagende Menschen

Die Chemie-Keule gegen Mücken können Sie sich sparen: Sie müssen den Mücken nur tat- und schlagkräftig begegnen. Laut einer neuen Studie meiden die Plagegeister Menschen, die nach ihnen hauen. Dafür müssen Sie nicht einmal treffen!

Published at: 29-1-2018

Die Ägyptische Tigermücke (auch: Gelbfiebermücke, Aedes aegypti) ist als Überträgerin von Zika-, Dengue, Chikungunya- und Gelbfieber berüchtigt. | Bild: picture-alliance/dpa

Sie müssen eine Mücke nicht totschlagen, ja noch nicht einmal treffen, um Ruhe vor ihr zu haben. Oder anders gesagt: Sie brauchen sich nicht zu ärgern, wenn Sie eine Mücke erschlagen wollen und danebenhauen. Sie wird Sie trotzdem in Ruhe lassen! Laut einer Studie von US-Forschern lernen Mücken, wenn sich ihre Opfer wehren und setzen danach alles daran, die Schläger zu meiden. Der Effekt soll ähnlich stark sein wie der von chemischen Insektenschutzmitteln!

Mücken verknüpfen den gefühlten Schlag mit dem Körpergeruch

Die Wissenschaftler um den Biologen Jeffrey Riffell von der University of Washington in Seattle konnten nachweisen, dass die Tiere den Duft eines Menschen mit ihren unangenehmen Erfahrungen - also den erlebten Nahtod-Erfahrungen - verbinden. Hierfür kombinierten die Forscher im Labor bei Gelbfiebermücken (Aedes aegypti, auch Ägyptische Tigermücke genannt) die Gerüche bestimmter Menschen mit für die Insekten unangenehmen Situationen. In ihren Versuchen simulierte eine Vibrationsmaschine die Erschütterung beim Schlag nach dem Tier. Einen Tag später mussten sich die Tiere dann beim Fliegen in einer Y-förmigen Röhre zwischen dem vorherigen und einem anderen menschlichen Körpergeruch entscheiden. Auffällig war, dass sie den Duft, der die zuvor gemachten schlechten Erfahrungen begleitet hatte, vermieden. Sie hatten ihn scheinbar damit verknüpft und wiedererkannt.

"Hatten die Mücken die Gerüche und die damit verbundene Vermeidung gelernt, reagierten sie auf diese Düfte ähnlich stark wie auf DEET, eines der wirksamsten Mückenabwehrmittel."

Jeffrey Riffell, Biologe, University of Washington, Seattle

Dopamin ist fürs Lernen wichtig

Ähnlich wie beim Menschen spiele bei diesen Lernprozessen der Botenstoff Dopamin eine wichtige Rolle, schreiben die Forscher. Den Mücken, die aufgrund einer genetischen Veränderung kein Dopamin produzieren konnten, fiel es nämlich deutlich schwerer, Gerüche zu lernen. Das könnte wichtig sein für die Bekämpfung von Stechmücken und durch Mücken übertragene Krankheiten. Gerade die Gelbfiebermücke (auch: Ägyptische Tigermücke) ist als Überträgerin von Zika-, Dengue, Chikungunya- und Gelbfieber berüchtigt. Sie ist vor allem in den Tropen und Subtropen zuhause, kommt aber wegen des Klimawandels immer öfter in Europa vor.

"Leider können wir nicht sagen, was einen Menschen für Mücken besonders attraktiv macht. Jedes Individuum besitzt einen molekularen Cocktail aus Verbindungen von mehr als 400 Chemikalien. Aber nun wissen wir immerhin, dass Mücken bestimmte Gerüche ihrer Opfer lernen können und jene Opfer meiden, die sich mehr verteidigen."

Chloé Lahondère, Hochschule Virginia Tech


22