ARD alpha Uni Evangelische Pfarrerin

Von: Christian Wurzer

Stand: 20.12.2023

Dorothée hat evangelische Theologie studiert und ist seit 2022 Pfarrerin an der Dreifaltigkeitskirche in Kaufbeuren. Immer weniger Gläubige besuchen die Gottesdienste, daher probiert sie neue Wege aus, um Jesus und seine Botschaft spürbar zu machen, z.B. mit Gottesdiensten an ungewöhnlichen Orten, wie einer Kneipe.

Dorothée Stürzbecher-Schalück, seit 2022 Pfarrerin an der Dreifaltigkeitskirche in Kaufbeuren | Bild: Bayerischer Rundfunk/BR/Basti Baumann/BR / picture-alliance/epd-bild/Heike Lyding

Zulassungsvoraussetzungen

Evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer haben Evangelische Theologie für das Pfarramt studiert und mit dem ersten theologischen Examen abgeschlossen; oder sie haben Evangelische Theologie in einem Magister- oder Masterstudium absolviert und ebenfalls zusätzlich zum Magister- oder Masterabschluss das erste theologische Examen abgelegt. Nur so können sie in den kirchlichen Dienst als evangelische Pfarrerin oder Pfarrer übernommen werden.

Danach haben sie ein in der Regel zweijähriges Vikariat absolviert und dieses mit dem zweiten theologischen Examen abgeschlossen. Das erste und zweite theologische Examen sind Prüfungen, die vor der jeweiligen Landeskirche abgelegt werden. Danach können die Bewerber und Bewerberinnen für den Pfarrdienst zunächst auf drei Jahre ordiniert werden. Nach dieser Zeit erfolgt in der Regel die Feststellung der sogenannten „Anstellungsfähigkeit“. Damit können sich die angehenden Pfarrerinnen und Pfarrer auf eine Pfarrstelle bewerben. Damit einher geht die Aufnahme in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit.

Interessieren sich Bewerber und Bewerberinnen für den Gemeindedienst in anderen Teilen Deutschland, müssen sie, um dort auch in den Kirchendienst eintreten zu können, de facto die bisherige evangelische Kirche verlassen und in die andere evangelische Landeskirche übertreten.

Seelsorger:innen müssen da sein, wo die Menschen sind

Dorothée Stürzbecher-Schalück, seit 2022 Pfarrerin an der Dreifaltigkeitskirche in Kaufbeuren | Bild: Bayerischer Rundfunk/BR/Basti Baumann

"Ich versuche, die Leute zu erreichen und auch allgemein mehr Begeisterung für den Glauben zu schaffen, indem ich mal schaue, was gefällt. Sonntag ist für viele heute der Tag des Ausschlafens. Und wo man vielleicht zum Brunchen geht und nicht unbedingt in die Kirche. Dann ist die Kirche, der Kirchenraum, irgendwie negativ behaftet, negativ konnotiert, sodass man sagt: Oh nee, da musste ich immer stillsitzen. Oder es gibt so ultralangweilige Predigten. Also schaue ich und gehe ich halt dorthin, wo die Leute sind. Ich mache jetzt mal das, wo ich sage, da würde ich selber hingehen. Es ist die Kneipe, das ist da, wo viele Leute zusammenkommen. Denn da ich bin auch Seelsorgerin. Und es geht mir darum, dass es den Menschen gut geht."

Dorothée Stürzbecher-Schalück, seit 2022 Pfarrerin an der Dreifaltigkeitskirche in Kaufbeuren

Welche Skills brauchst Du als evangelische Pfarrerin oder Pfarrer?

  • Psychische Stabilität
  • Kreativität und Erfindergeist
  • Kulturelles Interesse
  • Gottvertrauen und gelebte Spiritualität
  • Soziale Kompetenz
  • Freude an der Arbeit mit Menschen
  • Bereitschaft für einen Beruf 24/7
  • Lebensfreude

Gott will, dass die Menschen glücklich sind davon ist Dorothée überzeugt und predigt im Kneipengottesdienst

Dorothée Stürzbecher-Schalück, seit 2022 Pfarrerin an der Dreifaltigkeitskirche in Kaufbeuren | Bild: Bayerischer Rundfunk/BR/Basti Baumann

"Der Himmel ist eine Kneipe? Nun, ob der Himmel jetzt eine Kneipe ist, das weiß ich nicht. Aber ich weiß, wenn man zusammenkommt, so wie heute, wenn man gemeinsam lacht, gemeinsam trinkt, gemeinsam feiert, gut miteinander dabei umgeht, dann gefällt das Gott. Und dann ist Gott auch hier, mitten unter uns. Denn es heißt, nicht umsonst in Psalm 34 „Schmecket und sehet, wie freundlich der Herr ist“ und damit endet auch diese Predigt. Denn jetzt erheben wir die Gläser und schmecken und sehen, wie freundlich der Herr ist, Armen und Prost."

Dorothée Stürzbecher-Schalück, seit 2022 Pfarrerin an der Dreifaltigkeitskirche in Kaufbeuren

Wo arbeiten evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer?

Die erste Arbeitsstelle für evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer sind die Pfarrstellen in den Kirchengemeinden. Dafür studieren sie. Bei diesem Seelsorge-Beruf geht es um die Menschen, für sie da zu sein, mit ihnen zu leben, für sie Gutes zu tun. Manch einer und manch eine entdeckt im Studium eine Affinität für die Wissenschaft und versucht dort zu bleiben. Andere entdecken in den Auslandssemestern oder gar Auslandsjahren die Liebe für die Arbeit in der Mission in fremden Ländern. Das kann bedeuten, dass sie sich in Entwicklungsländern in Projekten engagieren. Im Ausland gibt es aber auch deutsche Gemeinden, die Pfarrerinnen und Pfarrer brauchen und die von den Landeskirchen in Deutschland mit Seelsorgerinnen und Seelsorgern beschickt werden. Und da kann es sein, dass ein evangelischer Pfarrer, weil sich die Gelegenheit ergibt, sich für eine Stelle bewirbt und für einige Jahre in der evangelisch-lutherischen Gemeinde in Dubai landet. Erfahrene Pfarrerinnen und Pfarrer kümmern sich um die Ausbildung der Vikarinnen und Vikare, andere um berufliche Fortbildung. Pfarrerin sein, Pfarrer sein bedeutet also nicht automatisch ausschließlich in der Gemeindeseelsorge beschäftigt zu sein.

Evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer arbeiten in vielen Arbeitsfeldern:

  • Gemeindedienst
  • Landeskirchenämter
  • Evangelische Ordensgemeinschaften
  • Kirchliche Bildungseinrichtungen
  • Kirchliche Schulen
  • Auslandsseelsorge
  • Kirchliche Entwicklungsprojekte
  • Wissenschaft
  • Soldatenseelsorge
  • Diakonie, Brot für die Welt und andere evangelische NGOs

….. und sicher in vielen Bereichen mehr.

Das Dienstverhältnis von Pfarrerinnen und Pfarrer ist "beamtenähnlich"

Dorothée Stürzbecher-Schalück, seit 2022 Pfarrerin an der Dreifaltigkeitskirche in Kaufbeuren | Bild: Bayerischer Rundfunk/BR/Basti Baumann

"Es ist organisatorisch wie das klassische Beamtentum. Ich verdiene auch A13. Das ist vergleichbar mit einem Gymnasiallehrer, Lehrerin und am Anfang von Beruf. Wir haben ja vor dem den Ruf des Vikariats. Da wird man rumgeschickt und jetzt auch auf die erste Stelle, auf der ich mich jetzt befindet, wirst du normalerweise auch geschickt. Da kann man sich also nicht direkt darauf bewerben. Du darfst immer deine Präferenzen angeben und die Kirche schaut dann schon, dass es einem gut geht. Danach wird es ganz klassisch: Ich bewerbe mich. Wir haben ein kirchliches Amtsblatt, das stehen die freien die Stellen drin. Und dorthin schicke ich dann meine Bewerbung auch hin."

Dorothée Stürzbecher-Schalück, seit 2022 Pfarrerin an der Dreifaltigkeitskirche in Kaufbeuren

Der Verdienst variiert je nach Berufstand und Landeskirche

Evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer, bzw. Pastoren und Pastorinnen, wie sie überwiegend in Norddeutschland genannt werden, verdienen zwischen 3672 Euro brutto und 6750 Euro brutto, abhängig von der Position, die sie in einer Pfarrstelle, einem Dekanat oder im Kirchenamt bekleiden. Zum Berufseinstieg werden Pfarrerinnen und Pfarrer in das Beamtenverhältnis übernommen und zum Beispiel in Bayern gemäß den Besoldungsgruppen des gehobenen Dienstes A13, A14, A15 bezahlt, Bischöfinnen und Bischöfe werden in den höheren Dienst eingestuft. Ein Landesbischof wird zum Beispiel nach der Besoldungsgruppe B10 besoldet, ein stellvertretender Landesbischof in B9. Tatsächlich können einzelne Landeskirchen auch unterschiedliche Tarifverträge abschließen, sodass evangelische Pfarrerinnen und Pfarrer in Hessen, Baden-Württemberg und Bayern besser verdienen, als evangelische Amtsträger in den nördlich und östlich gelegenen Bundesländern, bzw. Landeskirchen.
Quelle: Bundesagentur für Arbeit / Gesetz zur Ausführung konkordats- und staatskirchenvertraglicher Verpflichtungen Bayerns (AGKStV)

Evangelische Vikarinnen und Vikare, also Pfarrerinnen und Pfarrer im zweijährigen Vorbereitungsdienst verdienen zwischen 1800 Euro brutto bis 2500 Euro brutto. Das Vikariat begründet in der Regel ein öffentlich-rechtliches Dienstverhältnis. Daher fallen keine Abzüge für die Rentenversicherung an.
Quelle: beruf-trifft-kirche.de

Pfarrerinnen und Pfarrern geht die Arbeit nicht aus

Dorothée Stürzbecher-Schalück, seit 2022 Pfarrerin an der Dreifaltigkeitskirche in Kaufbeuren | Bild: Bayerischer Rundfunk/BR/Basti Baumann

"Ich habe keine Angst, dass mein Job überflüssig sein könnte. Das glaube ich nie. Ich bin so überzeugt von meinem Glauben, von meiner Sache, von meinem Gott und letzten Endes auch davon, dass der Beruf nicht überflüssig wird. Aber klar wird es schwierig, wenn die Stelle wegfällt. Andererseits müssen wir auch denken: Die ganzen Babyboomer-Jahrgänge, die gehen jetzt in den Ruhestand. Also, es kommt viel Leerstand und es kommen weniger Leute nach. Ich glaube, ich habe einen sicheren Job. Vielleicht nicht hier in Kaufbeuren, aber in Bayern auf jeden Fall, wo auch immer ich wohne."

Dorothée Stürzbecher-Schalück, seit 2022 Pfarrerin an der Dreifaltigkeitskirche in Kaufbeuren.

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