alpha Uni Beruf oder Lebenseinstellung? Freie Künstlerin

Von: Christian Wurzer

Stand: 15.02.2022

Lena Schabus ist freie Künstlerin und hat schon einige Ausstellungen und Stipendien gehabt. Bislang kann sie von ihrer Kunst aber nicht leben. Deswegen arbeitet Lena als Grafikerin und Hochschullehrerin und versucht, ihre eigenen Projekte in ihrer Freizeit umzusetzen.

Lena Schabus, Künstlerin aus Leidenschaft, nebenbei arbeitet sie als Grafikdesignerin und Lehrbeauftragte der Uni Regensburg | Bild: BR

Zulassungsvoraussetzungen: erstmal keine, oder doch?

"Künstler" bzw. "Künstlerin" als gesetzlich geschützte Berufsbezeichnung gibt es in Deutschland nicht. Künstler:in kann eigentlich jeder und jede werden, mit und ohne Studium. Doch der klassische Weg ist, an einer staatlichen Kunsthochschule oder Akademie zu studieren.

Das Studium ist auch sehr hilfreich, wenn du – vor allem zu Beginn deiner Karriere – nicht von deiner Kunst leben kannst. Und in diese Situation geraten viele. Ein Abschluss an einer Kunsthochschule hilft dir, dich auf Jobs zu bewerben, die im Berufsfeld der künstlerischen Betätigung liegen.

Wenn du Künstler:in sein willst, geht es nicht nur um dein kreatives Schaffen, sondern auch um deine Persönlichkeit und deine Fähigkeit, dich gut vermarkten zu können. Die, die es ganz nach oben schaffen, bringen neben der künstlerischen Begabung auch ihre individuelle Sicht und Eigenart in ihren Werken zum Ausdruck. Sie haben es geschafft, mit ihrer Kunst einen Nerv zu treffen, der ihre Werke für andere Menschen relevant, wertvoll und damit auch vermarktbar macht.

Es gibt sehr viele Künstlerinnen und Künstler, die das versuchen und nur sehr wenige, die es schaffen. Darum ein zunächst etwas spießig anmutender Rat: Sichere dich ab, wenn du als Künstler:in arbeiten willst! Qualifiziere dich in deinem Studium etwas breiter! Und versuche, wie Fotokünstlerin und Grafikdesignerin Lena, ausgehend von einem relativ sicheren Brotjob, der das tägliche Leben absichert, das zu verwirklichen, was du mit deiner Kunst ausdrücken willst.

Einblicke: Künstler:in sein, kennt keinen Feierabend

Künstler:innen-Skills: Kreativitat kombiniert mit Wirtschaftlichkeit

  • Künstlerische Kreativität
  • Handwerkliches Geschick
  • Kreatives wirtschaftliches Denken
  • Organisationstalent
  • Ausdauer
  • Visionen haben und verfolgen
  • Ausgeprägtes Freiheitsbedürfnis

Verdienst: abhängig vom Erfolg

Dein Verdienst bemisst sich an deinem künstlerischen Erfolg. Als Künstler:in ist dein Verdienst in erster Linie von dir selber abhängig. Nur wenige schaffen es direkt vom Studium weg so viel zu verdienen, dass sie allein von ihrer Kunst leben können.

Dein Verdienst hängt von vielen Faktoren ab:

  • Wie viele Werke kannst du verkaufen?
  • Wie viele Ausstellungen kannst du organisieren?
  • Findest Du einen Galeristen oder ein Galeristin, der/die deine Kunst vermarktet?
  • Erhältst du Stipendien oder andere Finanzierungen, zum Beispiel wie Lena als "Artist in Residence"?
  • Und welche Jobs hast du neben deinem eigentlichen Beruf als Künstler:in?


Bist du als bildende:r Künstler:in im Bereich Kunst und Kunsthandwerk bei einem Unternehmen, an einer Hochschule, im öffentlichen Dienst oder als Lehrer:in angestellt, kannst du mit einem relativ sicheren Einkommen rechnen. Du verdienst dann, je nach Anforderungsniveau und Berufserfahrung, zwischen rund 3350 Euro und 6250 Euro brutto im Monat (Entgeldatlas der Bundesagentur für Arbeit). Allerdings bedeutet das, dass du in einem Fulltime-Job arbeitest und nur noch sehr wenig Zeit für die eigene Kunst hast.

Quelle: Statistik, Bundesagentur für Arbeit

Branchen: vom Lehren bis zur Kunsttherapie

Freie Künstler:innen arbeiten in vielen Bereichen, zum Beispiel als Lehrer:in oder im sozialen Bereich. Ob in der Malerei, der Bildhauerei, der Fotografie oder im Bereich dreidimensionaler Objekte und Installationen: Freie Künstler:innen liefern ihren eigenständigen Beitrag zur Kunst. Über Galerien, Ausstellungen und Aktionen versuchen sie, ihre Werke an die Kunden zu bringen.

Künstler:innen können aber auch in einem Angestelltenverhältnis arbeiten. Zum Beispiel in den Bereichen Design und Gestaltung, in der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit, in der Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur. Künstler:innen können Fachleute sein, wenn es um das richtige Layout, das richtige Logo, den richtigen Online- und Social Media-Auftritt geht – immer abhängig davon, wie du dich spezialisiert hast. Und die digitale Technik erschließt ständig neue Arbeitsfelder.

Viele arbeiten nach ihrem Studium als Lehrer:innen an Hochschulen und Universitäten. Oder sie haben sich mit einem zusätzlichen Lehramtsstudium für den Kunstunterricht an Schulen qualifiziert.

Manche spezialisieren sich auch im sozialen Bereich weiter und helfen Menschen durch die therapeutische
Beschäftigung mit Bildender Kunst: in Krankenhäusern, Kurzentren, Sanatorien, Einrichtungen für Senioren oder für behinderte Menschen.

Künstler:in sein heißt: Mit dem Brot-Job um Zeit für die "freie Kunst" zu kämpfen

Lena Schabus, Künstlerin aus Leidenschaft, nebenbei arbeitet sie als Grafikdesignerin und Lehrbeauftragte der Uni Regensburg | Bild: BR

"Nach dem Abschluss ist der Berufseinstieg für Künstler besonders schwer, weil es ja gar kein richtiger Einstieg ist, also, dass man irgendwo aufgefangen wird oder so. Man ist ja völlig frei! Man kann machen, was man möchte und muss schauen, in welche Richtung man geht. Langfristig wäre es natürlich toll, allein von der Kunst leben zu können. Aber im Moment ist es halt besonders schwierig. Deshalb bin ich froh, dass ich als Grafikdesignerin arbeiten kann und jetzt auch Lehraufträge an der Universität Regensburg und an der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg bekommen habe. Das ist spannend, auch das Lehren, nur merke ich, dass mit der 25-Prozent-Stelle Grafikdesign und mit den Lehraufträgen die Zeit für die freie Kunst immer knapper wird."

Lena Schabus, freie Künstlerin, Grafikdesignerin und Lehrbeauftrage an der Uni Regensburg sowie an der OTH Regensburg