Grips


145

GRIPS Deutsch 26 Das macht Gedichte und Lyrik aus

Lieder, Geburtstagsfeiern, Werbung und auch Gedichtbände: Gedichte und Lyrik begegnen dir in vielen Bereichen deines Lebens. Hier erklären wir dir, welche Merkmale Gedichte und Lyrik haben und wie du sie besser verstehen kannst.

Published at: 20-9-2011 | Archiv

Illustration GRIPS Deutschlehrerin- Lektion 26 | BR | Bild: BR

Die Lyrik ist eine der drei Hauptgattungen literarischer Texte. Neben der Prosa / Epik (erzählende Texte, wie z.B. Romane, Kurzgeschichten) und der Dramatik (Theatertücke, Dialoge) ist die Lyrik die dritte große Gattung. Lyrische Texte werden auch als Gedichte bezeichnet.

Merkmale lyrischer Texte

1. Gedichte sind auf das Nötigste reduziert. Mit wenigen Worten kann eine Geschichte erzählt werden. Allerdings wird die Handlung nicht ausgeschmückt und ausführlich geschildert, sondern kurz und prägnant vermittelt.

2. Bei lyrischen Texten spielen Gefühle eine bedeutende Rolle.
Beispiele:
- Liebe, Freude, Glück, Frohsinn oder
- Wut, Zorn, Angst, Trauer, Hass

3. Die äußere Form bei Gedichten unterscheidet sich von der erzählender Texte. Klassische Gedichte sind in Strophen eingeteilt, welche aus Versen bestehen.

4. Lyrische Texte bedienen sich bestimmter sprachlicher Mittel. Dazu zählen die Reime, der Rhythmus, sprachliche Mittel wie Metaphern und auch die besondere Wortwahl und ein spezieller Satzbau.

5. Wortwahl und Satzbau müssen nicht den gültigen Regeln gehorchen.

zu 3. Die außere Form

Ein klassisches Beispiel von Heinrich Heine:

Ein Jüngling liebt ein Mädchen

Ein Jüngling liebt ein Mädchen,
Die hat einen Andern erwählt;
Der Andre liebt eine Andre,
Und hat sich mit dieser vermählt.

Das Mädchen heiratet aus Ärger
Den ersten besten Mann,
Der ihr in den Weg gelaufen;
Der Jüngling ist übel dran.

Es ist eine alte Geschichte,
Doch bleibt sie immer neu;
Und wem sie just passieret,
Dem bricht das Herz entzwei.

Dieses klassische Gedicht besteht aus drei Strophen zu je vier Versen!

zu 4. Sprachliche Mittel

Lyrische Texte bedienen sich bestimmter sprachlicher Mittel. Dazu zählen die Reime, der Rhythmus, sprachliche Mittel wie Metaphern, sprachliche Bilder oder Redensarten und auch die besondere Wortwahl und ein spezieller Satzbau.

Sprachliche Mittel: Reime

Reim

Keim und Leim - ein Reim

Die letzten Wörter der Verse können sich reimen. Dabei unterscheidet man den Paarreim und den Kreuzreim.

Paarreim

Der gelbe Riese ...

auf der grünen Wiese
liegt mit der Hand
an der kalten Wand.

Riese - a
Wiese - a
Hand - b
Wand - b
Das ist ein Paarreim.

Kreuzreim

Der gelbe Riese ...

Riese - a
Hand - b
Wiese - a
Wand - b
Das ist ein Kreuzreim.

Sprachliche Mittel: Rhythmus

Rhythmus

Viele Gedichte haben einen speziellen Rhythmus, sowohl klassische Gedichte als auch moderne. Gerade die Rap-Texte (gehören auch zur Lyrik) leben vom Rhythmus, da es sich hierbei um Lieder ohne Melodie handelt!

Zeichen

Es gibt bestimmte Zeichen, die dir helfen, ein Gedicht im richtigen Rhythmus vorzutragen:

.= Silbe ist sehr kurz
-= Silbe ist kurz
(drei Striche übereinander) = Silbe ist lang
/ = kurze Pause
//= lange Pause

Beispiel

Beispiel: Anna (Freundeskreis)

Immer wenn es regnet, muss ich an dich denken.
 .  .    .       .    -  -      .      .    .    .     -   -  
Wie wir uns begegnet sind, kann mich nicht ablenken.
 .     .    .     .  .  .     .        .      .      .      .  -  -

Sprachliche Mittel: Sprachliche Figuren

Sprachliche Figuren sind sprachliche Bilder und Vergleiche, Metaphern, Wiederholungen, viele Adjektive oder auch Alliterationen.

Alliteration - Metapher - Redensarten

Alliteration

Eine Alliteration ist zum Beispiel eine literarische Stilfigur, bei der die Anfangsbuchstaben mehrerer benachbarter Wörter gleich sind.
Ein Beispiel:
Die Sonne scheint schön.

Metapher

Bei einer Metapher ist ein Wort oder Ausdruck nicht in seiner wörtlichen, sondern in einer übertragenen Bedeutung gebraucht. Dadurch lassen sich Sachverhalte, Personen und Stimmungen anschauliche darstellen. Sie kommen in literarischen Texten, vor allem eben in Gedichten, aber auch in der Alltagssprache vor.
Beispiele:
Abend des Lebens = Alter
zehntausend Dinge = viele Dinge

Redensarten

Auch Redensarten kommen in Gedichten vor. Es gibt auch redensartliche Metaphern.
Beispiele:
Jemanden in den Himmel loben = Jemandem höchstes Lob aussprechen
rosarote Brille = nur das Positive wahrnehmen

Vergleich

Um Bilder im Kopf entstehen zu lassen, werden in Gedichten auch gern Vergleiche herangezogen.
Beispiele:
wie Schmetterlinge in meinem Bauch
ohne dich fühle ich mich wie ein Tag ohne Sonne

zu 5. Wortwahl und Satzbau

Bei Gedichten ist es erlaubt, ein Wort zu verändern, damit es sich zum Beispiel reimt oder in den Rhythmus passt.
Zum Beispiel: geh'n, ich renn oder ähnliches.

Auch der Satzbau muss nicht unbedingt grammatikalisch korrekt sein, so sind auch Ellipsen, das heißt unvollständige Sätze zulässig.
Zum Beispiel: Fenster auf - Vogel raus - frei sein

Moderne Lyrik - klassische Lyrik

Moderne Lyrik setzt sich über viele Regeln der klassischen Lyrik hinweg und ist der Prosa ähnlich.
Merkmale:
Reime sind nicht unbedingt erforderlich
Es gibt keine einheitlichen Strophen und Verse
Der Rhythmus ist unregelmäßig
Zur modernen Lyrik zählen heutzutage alle Liedtexte und auch Rap-Songs.

Gedicht-Vergleich Klassik Moderne

Sternblut

Komm wir malen uns das Leben

Wir malen Musik,
mit unsren Stimmen,
all ihren Farben,
den Melodien und dem was sie zusammenhält.

Wir malen Gefühle,
mal glücklich und froh
traurig und wütend,
Liebe und Einsamkeit.

Komm wir malen uns das Leben,
komm wir malen uns die Welt,
mit all ihren Farben,
Höhen und Tiefen
und mit allem was uns gefällt.

Wir malen Freiheit,
alles leicht und schön,
zu nichts gezwungen,
einfach nur hier sein , das ist die Traumwelt.

Ich mach die Augen zu und denk an dich.
Denk an damals, an unsre frühere Welt,
und mal mir daraus ein Bild, mal mir daraus ein Bild.

(Moderner Liedtext der Band Sternblut)

Heinrich Heine

Ein Jüngling liebt ein Mädchen

Ein Jüngling liebt ein Mädchen,
Die hat einen Andern erwählt;
Der Andre liebt eine Andre,
Und hat sich mit dieser vermählt.

Das Mädchen heiratet aus Ärger
Den ersten besten Mann,
Der ihr in den Weg gelaufen;
Der Jüngling ist übel dran.

Es ist eine alte Geschichte,
Doch bleibt sie immer neu;
Und wem sie just passieret,
Dem bricht das Herz entzwei. 

(Klassisches Gedicht von Heinrich Heine)

Aufgabe

Lesen und vergleichen

Um jetzt zu erkennen, was ein klassisches Gedicht von einem modernen unterscheidet, muss man sich mit den Gedichten genauer beschäftigen.

Vergleiche das klassische Gedicht von Heinrich Heine mit dem modernen Songtext von Sternblut. Was fällt dir auf? Findest du Gemeinsamkeiten und Unterschiede?

Gemeinsamkeiten

Was haben Heine und Sternblut gemeinsam?

- wenige Worte
- einfache Worte
- Gefühle
- Strophen mit Versen
- beide Texte lassen Möglichkeiten zur Interpretation

Unterschiede

Was unterscheidet Heine und Sternblut?

Heine:
- Reime
- alle Strophen haben gleich viele Verse
- eine Metapher

Sternblut
- keine Reime
- Strophen haben unterschiedlich viele Verse
- Satzbau folgt nicht unbedingt den gültigen Regeln
- viele Metaphern

Fazit

Was kannst du aus den Texten schließen?

Obwohl die beiden Texte in so unterschiedlichen Zeiten geschrieben wurden, zeigen sie doch einige Gemeinsamkeiten. Die Unterschiede beruhen auch auf den verschiedenen Epochen.

Allerdings haben auch Gedichte, die in derselben Zeit geschrieben wurden, oft große Unterschiede, denn Gedichte sind sehr vom persönlichen Stil des Dichters abhängig.

Dennoch sind beide eindeutig der Lyrik zuzuordnen.


145