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Nach Fidel Castros Tod Kuba vs. USA: Fast 60 Jahre beste Feinde

Über ein halbes Jahrhundert gab es zwischen den USA und Kuba statt diplomatischer Beziehungen nur militärische Drohungen. 2014 dann die historische Wende, beiderseits in Fernsehansprachen verkündet: Embargo-Erleichterungen, Kuba wird von der US-Terrorliste gestrichen, Botschaften wieder eröffnet, der Obama-Besuch in Havanna. Nur: Warum waren sie überhaupt so lange Feinde? Eine Chronologie des Konflikts:

Von: Silke Schmidt-Thrö, Sylvaine v. Liebe, Christiane Böhm und Lena Glatz (Grafik)

Stand: 28.11.2016

Kuba - Revolution und Embargo

Fidel Castro

Fidel Castro, kubanischer Revolutionskämpfer und von 1959 zunächst Verteidigungsminister, ab 1976 bis 2008 Staatspräsident des Inselstaates, wird - wie seine fünf Geschwister unehelich - als Sohn eines aus der spanischen Provinz Galizien stammenden Zuckerrohrplantsgenbesitzers und dessen Hausköchin am 13. August 1927 in Biràn auf Kuba geboren. Schon früh engagiert er sich politisch, studiert aber zunächst Jura und wird Rechtsanwalt. Ab 1953 versucht Castro das diktatorische Regime Batistas zu stürzen, was ihm 1959 als treibende Kraft der Kubanischen Revolution schließlich gelingt. Mit insgesamt 49 Jahren ist er der am längsten regierende nichtmonarchische Herrscher.

Revolution

Vor allem der Sturz des Diktators Fulgencio Batista durch die Widerstandsbewegung Fidel Castros "Bewegung des 26. Juli" wird als Kubanische Revolution bezeichnet. Aber auch die radikalen Maßnahmen, die Castro in den Jahren 1959 bis 1961 ergreift, um den Staat im Sinne der marxistisch-leninistischen Ideologie umzubauen - so die Verstaatlichung der Industrie und die Einführung der Planwirtschaft - fallen unter den Begriff. Die kubanische Führung selbst versteht unter der Kubanischen Revolution die "Beibehaltung des revolutionären Kurses in Kuba", sprich den ewigen Führungsanspruch der Kommunistischen Partei Kubas. Nach ihrem Verständnis ist jede andere politische Meinung eine "contrarevolución".

Kalter Krieg

Der Zeitraum zwischen 1945 und 1989 - vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Fall der Mauer - wird als "Kalter Krieg" bezeichnet, weil die Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Ostblock unter Führung der Sowjetunion beinahe einen neuen Weltkrieg ausgelöst haben. Dreimal ist die Gefahr eines Weltkriegs in dieser Zeit besonders groß: während der Berlin-Blockade (1948/49), in der Kuba-Krise (1962) und während des Streits um die Mittelstreckenraketen (1979 bis 1982/1983). Neben den militärischen Auseinandersetzungen geht es dabei auch um den Konflikt der beiden politischen Systeme von Kapitalismus und Kommunismus.

Che Guevara

Che, eigentlich Ernesto Guevara, der 1928 in Rosario (Argentinien) geborene Arzt, trifft 1955 in Mexico auf Fidel Castro. Er schließt sich der Revolutionsbewegung Castros an, lässt sich militärisch ausbilden und wird während der Kubanischen Revolution zum Kommandanten ("comandante") ernannt. Nach dem Sieg der Revolutionäre nimmt er 1959 die kubanische Staatsbürgerschaft an. Guevara ist Präsident der kubanischen Nationalbank (1959-1961) und Industrieminister (ab 1961). 1965 bricht er mit Fidel Castro und tritt von allen Staatsämtern zurück, taucht unter und geht Ende 1966 als Guerilla-Führer nach Bolivien, wo er am 9. Oktober.1967 erschossen wird. Für die 68er Generation ist er eine der führenden linken Leitfiguren.

Dry Feet

Seit 1996 gilt für Kubaner: Jeder, der trockenen Fußes (dry feet) die USA erreicht, bekommt eine Arbeitserlaubnis und nach einem Jahr eine Daueraufenthaltserlaubnis. Diese Regelung, auch als Cuban Adjustment Act bekannt, gilt immer noch - obwohl ein Relikt des Kalten Krieges und dazu gedacht, der kommunistischen Regierung zu schaden, indem man die Menschen zur Flucht animiert. Bei vielen Kubanern besteht nun die Befürchtung, dass dieses Gesetz aufgrund der neuen US-kubanischen-Annäherung kassiert wird. Seit Sommer 2015 ist die Zahl ausreisewilliger Kubaner - wohl deshalb - enorm gestiegen.

Perioda especial

Die "perioda especial en tiempo de paz", die "Sonderperiode in Friedenszeiten", ist ein beschönigender Ausdruck der kubanischen Regierung für eine mehrjährige Wirtschaftskrise, die das Land ab 1990 erleidet. Auslöser der Krise ist einerseits der abrupte Abbruch der Handelsbeziehungen zur ehemaligen Sowjetunion durch den Fall des Eisernen Vorhangs und andererseits eine verschärfte Wirtschaftsblockade seitens der USA. Kuba ist von Treibstoff- und Lebensmittellieferungen abgeschnitten, es kommt zu Lebensmittelknappheit. Ehemalige Zuckerrohrfelder - früher für die Zucker-gegen-Öl-Politik gebraucht - nutzen die Kubaner fortan für den Anbau von Gemüse und Obst.

Helms-Burton-Act

Einer der Gründe, warum auf Kubas Straßen immer noch so viele Autos aus den 1950er-Jahren zu sehen sind, ist das von den USA gegen Kuba verhängte Handelsembargo. Schon seit 1960 gibt es immer wieder verstärkte Handelsbeschränkungen seitens der USA. Im Helms-Burton-Act, einem Gesetz aus dem Jahr 1996, wird das Embargo dann auf die Handelspartner Kubas ausgeweitet. Investitionen aus dem Ausland sollen so verhindert werden, um die Wirtschaft Kubas weiter zu schwächen. In den letzten Monaten werden die Handelsbeschränkungen teilweise wieder aufgehoben, andere bleiben, weil die Republikaner die notwendige Zustimmnung dafür verweigern.

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Kommen Erzfeindschaften von Nachbarländern aus der Mode? Sieht fast so aus. Auch bei der fast siebzigjährigen Eiszeit zwischen China und Taiwan herrscht anscheinend wieder Tauwetter. Die beiden Staatschefs Ma und Xi trafen sich Anfang November 2015 erstmals seit 1949 wieder zu Gesprächen. Sind sie die nächsten, die sich wieder vertragen?


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