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Marianengraben Jacques Piccards Tauchrekord zur tiefsten Stelle im Meer

Am 23. Januar 1960 tauchten Jacques Piccard und Don Walsh als erste Menschen bis auf den Grund des Marianengrabens im Pazifik - der tiefsten Stelle im Meer. Wir erklären mithilfe einer Karte, wo der Meeresgraben liegt, was an dem Rekord so besonders war - und warum sogar die Umwelt davon profitierte.

Published at: 22-1-2024

23.01.1960: Jaques Piccard taucht auf den Grund des Marianengrabens

Jacques Piccard und Don Walsh mit der "Trieste"

Der Knall, den Jacques Piccard 1960 in seinem U-Boot hörte, hätte auch in einer Katastrophe enden können. Doch der Tauchgang wurde ein Erfolg - und der Schweizer einer der bedeutendsten Pioniere der Tiefseeforschung. Am 28. Juli 1922 kam Piccard in Brüssel zur Welt. Am 23. Januar 1960 schrieb er zusammen mit dem Amerikaner Don Walsh Geschichte: Als erste Menschen erreichten sie das Challenger-Tief im Marianengraben, eine der tiefsten Stellen der Meere. Doch ihre Tiefseeexpedition war weit mehr als ein Rekord, der erst im Mai 2019 vom US-Abenteurer Victor Vescovo geknackt wurde. Sie war eine technische und menschliche Meisterleistung, die auch den Weltmeeren zugutekam.

Tauchgang in den Marianengraben: U-Boot-Kapsel kam aus Deutschland

Am 23. Januar 1960 tauchten Jacques Piccard und Don Walsh mit der Trieste auf den Grund des Challengertiefs im Marianengraben.

Das U-Boot, das die beiden Männer für ihre vier Stunden und 47 Minuten währende Reise in den Marianengraben benötigten, hatte Jacques Piccard gemeinsam mit seinem Vater Auguste, einem bekannten Luftfahrtpionier, entworfen. Die Tauchkapsel, die dem immensen Wasserdruck von 1.100 bar in 10.916 Metern Tiefe standhalten musste, wurde vom Stahlbauer Krupp in Essen gefertigt. Piccard soll das U-Boot nicht, wie bei einer Schiffstaufe üblich, mit Champagner, sondern mit Weihwasser bespritzt haben.

Was ist so besonders am Marianengraben im Pazifik?

Der Marianengraben ist ein Tiefseegraben, genauer eine Tiefseerinne. Er liegt im westlichen Pazifischen Ozean, ungefähr 2.000 Kilometer östlich der Philippinen. Seinen Namen hat der Marianengraben, wie auch die Marianeninseln, von Maria Anna von Österreich, im 17. Jahrhundert Königin von Spanien (Mariana de Austria). Ursache für die Entstehung von Tiefseerinnen ist die Plattentektonik, also Erdplatten, die sich bewegen. Im Fall des Marianengrabens war es die Kollision der Philippinischen und der Pazifischen Platte. In dieser "Subduktionszone" taucht die Pazifische Platte nahezu senkrecht unter die Philippinische Platte.

Wie tief ist der Marianengraben im Pazifik?

Die dabei entstandene Rinne ist an ihrer tiefsten Stelle knapp 11.000 Meter tief und damit die tiefste Stelle des Weltmeeres. Im April 2019 erreichte der US-amerikanische Entdecker Victor Vescovo mit seinem Tauchboot die neue Rekordtiefe von 10.928 Metern.

Karte: Der Marianengraben im Pazifischen Ozean

Piccard und Walsh bewiesen gute Nerven in der Tiefsee

Ausgestattet mit Sauerstoff, der für zwei Tage reichen sollte, einem Unterwassertelefon und amerikanischen und schweizerischen Schokoriegeln ging es in die Tiefe. Beängstigend fand Piccard das Abenteuer nicht, wie er in einem Interview kurz vor seinem Tod verriet:

"Am Grund war es dann so schön, friedlich und still, da kamen wir nicht auf die Idee, Angst zu haben."

Jacques Piccard in einem Interview im Jahr 2007 über seine Tiefseeexpedition am 23. Januar 1960

So ganz ohne Zwischenfälle verlief die Reise auf den Meeresgrund aber nicht: Bei fast 10.000 Metern Tiefe hörten die beiden Männer eine laute Implosion, wie Walsh 2017 in einem Video erzählt, das den Tauchgang in Virtual-Reality-Manier zeigt. "Weil wir noch lebten und alle Instrumente funktionierten, sagten wir uns, es kann nicht so schlimm gewesen sein und entschieden, den Tauchgang fortzusetzen", so Walsh. Wie sich später herausstellte, hatte eine Luke am Einstiegsschacht unter dem enormen Wasserdruck Risse bekommen. Aber sie hielt.

Was wurde im Marianengraben gefunden?

Am Meeresgrund angekommen, sahen Piccard und Walsh aus ihrem Fenster ein paar Meter über dem Meeresboden in lichtloser Tiefe einen etwa 30 Zentimeter langen Plattfisch. Wissenschaftler meinten später, es könne auch eine Seegurke gewesen sein. Wie auch immer: Damals war das eine Sensation. Denn dass es so tief am Meeresboden Leben gab, war bis dahin unbekannt.

Kein Atommüll im Meer dank Piccard und Walsh

"Das Ziel meines Vaters war es ja nicht, einen Rekord aufzustellen, sondern zu sehen, ob es dort Leben gibt", sagte Jacques' Sohn Bertrand Piccard 2020 am 60. Jahrestag des Tauchrekords. Seinerzeit sei überlegt worden, Atommüll auf dem Meeresboden zu deponieren. Die Entdeckung von Piccard und Walsh habe das verhindert, sagt Piccard junior.

Die Piccards: Eine Familie mit "Entdecker-Gen"

Bertrand Piccard wurde knapp zwei Jahre vor dem legendären Tauchgang in den Marianengraben geboren. Eine seiner ersten Erinnerungen sei, dass er seinen Vater im Fernsehen sah und hinter die Kiste kroch, um zu sehen, ob der Vater sich dort versteckt hatte, erzählt er. Schon sein Großvater hat Geschichte geschrieben. Auguste Piccard war 1931 in einem Ballon so hoch wie niemand vor ihm geflogen: 15.785 Meter.

Bertrand Piccard: mit Solarflieger um die Welt

Jacques Piccard und sein Sohn Bertrand

Aber auch Bertrand Piccard hat bereits mehrere Einträge in die Geschichtsbücher erreicht: 1999 umrundete er gemeinsam mit Brian Jones als erste die Welt nonstop in einem Ballon. 2015 und 2016 steuerte Piccard, abwechselnd mit dem Schweizer Piloten und Unternehmer André Borschberg, das mit Solarenergie angetriebene Flugzeug "Solar Impulse" um die Welt. Dieses Flugabenteuer hat sein Vater Jacques Piccard jedoch nicht mehr miterlebt, er war 2008 gestorben. Bertrand Piccard, der eigentlich ausgebildeter Psychiater ist, sagt zu den Erfolgen in seiner Familie: "Jeder von uns hat etwas gemacht, von dem man zu dem Zeitpunkt annahm, dass es unmöglich war."

Sendungen über Jacques Piccard und den Marianengraben


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