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Altes Ägypten Die Geheimnisse der Königsgräber

Schon in der Antike waren die Pyramiden von Gizeh ein geheimnisvolles Weltwunder. Jahrtausendelang wusste niemand, wofür sie einst dienten. Und noch heute rätseln Wissenschaftler, wie die Ägypter die Steine zu Pyramiden auftürmten.

Published at: 14-9-2022 9:23 AM

Pyramiden von Gizeh | Bild: picture-alliance/dpa

Lange wusste man nicht, wozu Pyramden dienten, heute wissen wir: Die Bauwerke dienten ägyptischen Herrschern als Grabmal. Doch bis die Pyramiden von Gizeh stehen, ist es ein weiter Weg.

Die Entstehung erster Pyramiden im Alten Ägypten

Prototyp der Pyramiden: die Stufenpyramide von Pharao Djoser

Die Grabanlagen der frühen ägyptischen Herrscher sind flach. Erst durch König Djoser, dem Begründer der dritten Dynastie (Regentschaft etwa von 2720 bis 2700 v. Chr.), bauen die alten Ägypter um das Jahr 2650 vor Christus für die Gräber ihrer Könige Pyramiden. Das Grabmal von König Djoser ist damit die älteste der ägyptischen Pyramiden. Es steht in Sakkara und ist rund 62 Meter hoch. Den nächsten großen Schritt im Pyramidenbau macht König Snofru (regiert etwa von 2670 bis 2620 v. Chr.). Er experimentiert mit neuen, riskanten Bautechniken und müht sich während seiner Regierungszeit sogar mit mehreren Pyramiden ab. Gemessen am verbauten Material ist er der größte Baumeister der ägyptischen Geschichte: Er lässt 3.750.000 Kubikmeter Stein auftürmen. Sein Sohn Cheops verbaut eine Million Kubikmeter weniger.

Knickpyramide wird die größte Bauruine Ägyptens

Gigantischer Misserfolg: die Knickpyramide des Pharaos Snofru

Berüchtigt ist Snofrus sogenannte Knickpyramide in Dahschur. Der Bau soll etwa 125 Meter in die Höhe ragen, aber der Boden gibt nach und Risse ziehen sich durch die Kammern im Inneren. In einem verzweifelten Rettungsversuch flachen die Baumeister den Neigungswinkel der Pyramide auf halber Höhe ab. Ohne Erfolg: Die Knickpyramide wird die größte Bauruine Ägyptens. Als Ersatz für seine missratene Ruhestätte beginnt Snofru den Bau der "Roten Pyramide". Sie wird als erste mit waagrecht umlaufenden Steinschichten gebaut. Das verringert den Druck auf die Kammern im Inneren und das Bauwerk bleibt stehen bis heute. Die "Rote Pyramide" ist die dritthöchste in Ägypten.

Die Rote Pyramide oder Cheops-Pyramide - die drittgrößte Ägyptens

Meisterleistung: die Cheops-Pyramide in Gizeh

König Cheops (regiert etwa von 2620 bis 2580 v. Chr.), Sohn oder Stiefsohn König Snofrus, profitiert von den Erfahrungen seines Vaters. Für seine Riesenpyramide sucht er einen besonders festen Untergrund aus, denn die etwa 2,5 Millionen Kubikmeter Stein für sein Grabmal wiegen über drei Millionen Tonnen. Doch nicht nur die schiere Masse ist beeindruckend: Das eigentliche Wunder der Cheops-Pyramide ist die Messgenauigkeit, mit der der Koloss in den Sand gesetzt wird. Die 230 Meter langen Seiten differieren im Durchschnitt nur um ganze 2,3 Zentimeter voneinander. Das Fundament ist so exakt waagrecht, dass das Gefälle zwischen Nord- und Südseite nur 22 Millimeter beträgt.

Wie die Pyramiden gebaut wurden - die wahrscheinlichste Theorie

Vermutlich mithilfe von Rampen wie in diesem Modell türmten die Ägypter riesige Steine zu Pyramiden auf.

Seit es Ägyptologen gibt, fragen sie sich, wie die Menschen damals derartige Bauwerke errichten konnten. Die meisten Erklärungsmodelle gehen von Rampen aus, über die die Arbeiter die Steine auf Rollschlitten hinaufzogen. Doch diese Methode hat einen Haken: Je höher die Pyramide, desto länger muss die Rampe sein. Das bedeutet konkret: Wenn die Cheops-Pyramide 146 Meter hoch ist und die Steigung nicht mehr als fünf Prozent betragen soll, wird die Rampe nach und nach so lang, dass sie am Ende die zehnfache Masse der Pyramide selbst hat. Außerdem wäre sie drei Kilometer lang oder müsste sich mehrmals um den Bau herumwinden.

Experte: Wie der Pyramidenbau vermutlich gelingen konnte

Der Ingenieur und Ägyptologe Frank Müller-Römer hat die bisherigen Modelle durchgerechnet und ist zur Ansicht gekommen, dass keines von ihnen funktioniert. Er geht daher von einem Bauverfahren aus, bei dem auf allen vier Seiten der Pyramide gleichzeitig gearbeitet werden kann. In seiner Theorie sind die Rampen deutlich steiler. Die Steine können daher nicht direkt nach oben gezogen werden, sondern werden mit Hilfe von Seilzügen in die Höhe befördert. Steile Rampen sparen Baumaterial und Platz, und außerdem lassen sich - zumindest im unteren Teil der Pyramide - auf einer Seite gleich zwei Rampen anbauen.

Pyramidenbau: Spektakulärer Fund 2018 stärkt Rampen-Theorie

Dass die Rampen, die zum Bau der Pyramiden dienten, zumindest deutlich steiler waren, so wie es der Archäologe Frank Müller-Römer annimmt, belegt ein Fund aus dem Jahr 2018. Forscher entdeckten damals im antiken Alabastersteinbruch von Hatnub nördlich von Luxor Überreste einer solchen Rampe, die aus der Regierungszeit Cheops stammen sollen.

Die ausgegrabene, mehrere Meter breite Rampe besteht aus einer glatten Wegfläche mit zwei Treppen rechts und links, entlang derer sich zahlreiche Pfostenlöcher befinden. An den Pfosten waren vermutlich Seile befestigt, mit denen das Baumaterial über eine Schräge von bis zu 20 Prozent per Schlitten nach oben transportiert worden sein könnte, mutmaßen die Wissenschaftler.

Spezialisten statt Sklaven errichteten wahrscheinlich die Pyramiden

Sitzbild von Hemiunu, dem Baumeister der Cheops-Pyramide, aus dem Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim

Nach Müller-Römers Berechnungen hätte der Bau rund 22 Jahre gedauert. Cheops herrschte etwa 23 Jahre, die Pyramide wurde also möglicherweise noch zu seinen Lebzeiten fertig gestellt. Für diese relativ kurze Bauzeit wären auch nicht die 100.000 Sklaven notwendig gewesen, von denen der griechische Geschichtsschreiber Herodot berichtet. Ägyptologen gehen heute davon aus, dass etwa 12.000 bis 15.000 Arbeiter mit dem Bau der Cheops-Pyramide beschäftigt waren, aber nur höchstens ein Viertel von ihnen dürfte direkt an der Pyramide gearbeitet haben. Neueste Berechnungen gehen sogar von noch weniger Arbeitern beim Bau der Cheops-Pyramide aus. Demnach sollen es nur maximal 7.000 Beschäftigte gewesen sein, rechnet der tschechisch-kanadische Umweltwissenschaftler Vaclav Smil in einem in der Fachzeitschrift "IEEE Spectrum" im Mai 2022 veröffentlichten Artikel vor. Die Arbeiter waren nach derzeitigen Erkenntnissen vermutlich auch keine Sklaven, sondern gut ausgebildete Facharbeiter, die auch auf den Baustellen der Pyramiden der Nachfolger beschäftigt waren.

Pyramiden - im Neuen Reich nicht mehr nur für Pharaonen

Die Sphinx von Gizeh vor der Chephren-Pyramide

Auch Cheops' Sohn Chephren (Regierungszeit von etwa 2570 bis 2530 v. Chr.) lässt sich eine Pyramide errichten. Er will noch höher hinaus als sein Vater, schafft das aber nur mit Tricks. Er baut höher im Gelände, auf kleinerer Grundfläche und mit einem steileren Winkel. Chephrens Nachfolger Mykerinos ( herrscht etwa von 2530 bis 2510 v. Chr.) baut wieder in Gizeh. Seine Pyramide ist zwar kleiner, dafür baut er eine umso aufwendigere Anlage um sie herum. Das wird zum Trend für die nächsten Dynastien: kleinere Pyramiden bei großartigeren Kultanlagen. Tausend Jahre später, im Neuen Reich, hat die Pyramidenform ihre Exklusivität als Königsgrab verloren. Nun sind es tatsächlich die Facharbeiter, die selbstbewusst für sich kleine Pyramiden bauen, während sie für die Könige die Felsengräber im Tal der Könige anlegen.

Die Könige des Alten Ägypten werden zu Pharaonen

Statue des altägyptischen Königs Thutmosis III.

Erst diese Könige heißen übrigens erstmals Pharaonen. Die Bezeichnung geht auf das ägyptische Wort "Per aa" zurück, was "großes Haus" bedeutet. Ursprünglich war dies weder ein Herrschertitel noch ein Eigenname, sondern die Bezeichnung für den königlichen Hof oder Palast. Doch selbst mit dem Aufkommen des Titels ab dem sechsten altägyptische Königs Thutmosis III. (geboren um 1486 v. Chr.; gestorben am 4. März 1425 v. Chr.) war er selten Teil des offiziellen Protokolls und nicht die Regel. Heute dagegen ist es durchaus üblich, alle Könige des Alten Ägyptens als Pharaonen zu bezeichnen.


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