40 Jahre Smiley-Emoticon Wie wir mit Emojis und :-) kommunizieren

Von: Marisa Gierlinger

Stand: 13.09.2022

Vor 40 Jahren erschien der Smiley zum ersten Mal als Tastenkombination auf einem Bildschirm. Heute ist er aus unserer digitalen Kommunikation nicht mehr wegzudenken. So hat der Smiley sich entwickelt - und dabei auch euch geprägt.

Eine Hand hält eine Tasse mit Smiley-Aufdruck von rechts ins Bild | Bild: picture-alliance/Zoonar|Andreas Berheide
Gegenüberstellung von einem Smiley als getipptem Emoticon und Emoji | Bild: emojiterra.com

Links Emoticon, rechts Emoji. Das farbenfrohe Kerlchen hat seinen Vorgänger heute fast verdrängt.

Emoticon vs. Emoji Smiley ist nicht gleich Smiley

  • Emoticon ist eine Wortschöpfung aus dem Englischen. Es setzt sich aus den Begriffen Emotion und Icon, also Bild, zusammen.
  • Emoticons bestehen aus ASCII-Zeichen, also unterschiedlichen Tastenkombinationen. Ihr könnt sie mit jeder Standard-Tastatur für beispielsweise die englische oder deutsche Sprache tippen.
  • Am 19. September 1982 verschickte der Informatikprofessor Scott Fahlmann den ersten elektronischen Smiley, gebildet aus drei Satzzeichen :-)
  • Emoticons sind gleichzeitig Bild und Text. Sie geben den Zeichen und Buchstaben, aus denen sie gebildet werden, eine andere Funktion (das o wird zum staunenden Mund, * zum Kuss). Man liest sie meist 90 Grad gekippt.
  • Emoticons stellen hauptsächlich Gesichtsausdrücke dar. Smiley und Zwinkersmiley werden am häufigsten genutzt, wahlweise mit oder ohne "Nase" (Bindestrich).
  • Dass die Worte Emoticon und Emoji ähnlich klingen, ist Zufall. Das japanische Emoji setzt sich aus dem Laut e für Bild und dem Wort moji für Zeichen zusammen.
  • Emojis sind Piktogramme, also kleine Grafiken, die zusätzlich zum Text in die Nachricht eingefügt werden können.
  • Als Schöpfer der Emojis gilt der Japaner Shigetaka Kurita. 1999 programmierte er für ein Telekommunikationsunternehmen 176 Bildchen, die man zusätzlich zu den damals begrenzten Schriftzeichen pro SMS verwenden konnte. Viele der heute gängigen Emojis lassen sich auf sein damaliges Set von Grafiken zurückführen.
  • Auch Emojis haben vor allem als Gesichtsausdrücke angefangen. Der gelbe Ur-Smiley wurde dafür wieder aufgegriffen. Mittlerweile hat sich das Repertoire um zahlreiche Gegenstände, Aktivitäten, Orte und Symbole erweitert.

Geburt einer Ikone: Harvey Ball und der Ur-Smiley

Der Werbegrafiker Harvey Ball mit seiner Schöpfung, dem Smiley. | Bild: picture-alliance/Associated Press/Paul Connors

Mit (s)einem Entwurf fing alles an. 1998 lässt sich Harvey Ball noch einmal mit dem Smiley ablichten.

Die Geschichte des Smileys beginnt eigentlich schon zwanzig Jahre vor seinem Digital-Debut, genauer gesagt im Jahr 1963. Der Werbegrafiker Harvey Ball soll für die Versicherungsgesellschaft State Mutual ein Symbol entwerfen, um die Arbeitsmoral unter den Mitarbeitern zu heben. Sein Entwurf ist simpel: ein Kreis, gelb ausgemalt, mit zwei Punkten als Augen und einem Halbkreis als Mund. Der Smiley ist geboren. Als Anstecknadel wird er an die Mitarbeiter ausgeteilt. Seine Botschaft: Vergiss bei der Arbeit nicht zu lächeln. Schnell wird der fröhliche Button ein Hit. Erst bei der Belegschaft, dann bei den Kunden, und bald auch im ganzen Land. Bis 1971 verkauft sich der Smiley Face Button über 50 Millionen mal. Er wird zu einer internationalen Ikone. Kaum ein Symbol hat einen so hohen Wiedererkennungswert, wird so universell verstanden. In den 1980er und 1990er Jahren schwingt sich der Smiley mit seiner simplen und positiven Message zu Weltruhm auf, ziert unzählige Buttons, T-Shirts und Aufkleber. Und Harvey Ball? Der hat für seinen Entwurf gerade einmal 45 Dollar bekommen. Ein Patent hat er darauf nie angemeldet.

Unicode: Wie die Smileys auf das Smartphone kommen

Milliarden von Emojis werden täglich verschickt. Möglich macht das erst die technische Grundlage: Unicode, ein internationaler Codierungs-Standard für elektronische Kommunikation. Er umfasst all jene Zeichen, die von jeder Tastatur erzeugt und von jedem Rechner gelesen werden können, unabhängig vom Betriebssystem oder der Schriftart. 2010 wurden die ersten 722 Emojis in den Unicode Zeichensatz aufgenommen. Inzwischen sind es über 3.000. Im Unicode sind sie jeweils mit Code und offizieller Bezeichnung gelistet. Zum Beispiel: U+1F604, oder auch Grinning Face with smiling eyes. Wie genau der Smiley dann aussieht, hängt aber nicht nur vom Unicode ab. Je nach Betriebssystem, Schriftart oder Plattform kann sich die Grafik in Details unterscheiden. Deshalb sieht der Smiley auf eurem Smartphone anders aus als zum Beispiel in der Facebook-Darstellung. Alle im Unicode enthaltenen Emojis findet ihr auch in der Datenbank Emojipedia. Das Portal feiert jeden 17. Juli den World Emoji Day. Das ist übrigens der Tag, den das Kalender-Emoji standardmäßig anzeigt.

Große Gefühle: Diese Smileys nutzen wir am häufigsten

Nicht alle Smileys und Emojis sind überall gleich beliebt. In Italien etwa führt das Herz-Symbol das Ranking an, in Venezuela die gefalteten Hände. Internationaler Gewinner ist der Tränen-Lach-Smiley. Und es ist kein flüchtiger Ruhm: Die Oxford Dictionaries haben ihn im Jahr 2015 zum Wort (!) des Jahres erklärt. Er führt seit Jahren das Feld an. 2021 bekam er Konkurrenz, ausgerechnet von dem traurigen Tränen-Wein-Smiley, der seit Beginn der Corona-Pandemie einen Aufschwung erlebt hat. Auffällig ist aber: Es überwiegen eindeutig die positiv besetzten Symbole. Der Smiley mag sich verändert haben, seine Message bleibt erhalten.

Darstellung der 10 beliebtesten Emojis im Jahr 2021 laut Unicode Konsortium | Bild: BR

Es gibt 3.633 Emojis, aber nicht alle sind gleich beliebt. Das tränen-lachende Gesicht allein macht 5 Prozent aller verschickten Emojis aus.

Kommunikation: Welche Funktion haben Emoticons und Emojis?

Am 19. September 1982 heftete der IT-Professor Scott Fahlman eine Nachricht an das elektronische schwarze Brett der Carnegie Mellon Universität:
Ich schlage folgende Zeichenkombination vor, um Witze zu kennzeichnen:  : - )  Lest es seitlich. Wobei, in Anbetracht der aktuellen Lage macht es vielleicht mehr Sinn, die Dinge zu kennzeichnen, die KEIN Witz sind. Nutzt dafür   : - (

Fahlman reagierte damit auf ein Grundproblem der digitalen Kommunikation. Ihr kennt das bestimmt: Eine schriftliche Nachricht kann man leicht missverstehen. Die Linguistin Christa Dürscheid erklärt, warum: "In einem persönlichen Gespräch gibt es verschiedene Indizien, die anzeigen, wie eine Aussage gemeint ist: die Intonation, die Mimik, die Gestik, der Blick. All das fällt in schriftlichen Dialogen weg. Was lag da näher, als dies durch andere Strategien zum Ausdruck zu bringen?" Emoticons waren eine Möglichkeit dafür. Mit den Gesichtern aus ASCII-Zeichen ließen sich Aussagen nun kommentieren. Zum Beispiel anzeigen, dass etwas ironisch gemeint ist. Mittlerweile wurden die Tastenkombinationen aber weitgehend von Emojis verdrängt. Sie sind deutlich variantenreicher, sagt Christa Dürscheid. Nicht nur, weil es von den kleinen Bildchen mittlerweile mehr als 3.000 gibt. Sie lassen sich auch vielfältiger in der Kommunikation nutzen.

Jemand tippt auf dem Smartphone eine Whatsapp-Nachricht mit Emojis | Bild: picture-alliance/dpa/Christiane Oelrich

Wir geben Emojis in unseren Texten unterschiedliche Funktionen - spielerisch und ganz nebenbei.

Bitte lächeln: Emojis machen uns sympathisch

"Emojis und Emoticons können beide zur Kommentierung dienen, Emojis fungieren aber auch als Wortersatz, zum Beispiel das Sonnen-Emoji für das Wort Sonne. Möglich ist auch, dass ein Emoji für eine ganze Nachricht steht, zum Beispiel das Daumenhoch-Emoji als Antwort auf einen Vorschlag. Sie können als Grenzmarker zwischen Satzteilen stehen (und damit das Komma ersetzen) oder am Ende einer Nachricht anstelle des Satzschlusspunktes. Steht kein Emoji in einer Nachricht, so wirkt diese oft abweisend. Oder anders gewendet, wie Studien zeigen: Der Text (und damit die Person, die den Text verfasst hat) wirkt sympathischer, wenn Emojis verwendet werden."

Christa Dürscheid, Professorin für Deutsche Gegenwartssprache an der Universität Zürich

Piktogramme: Bilder als Anleitung für den öffentlichen Raum

Hinweisschilder am Flughafen | Bild: picture-alliance/ blickwinkel/fotototo

Abbildungen, die jeder versteht - keine Selbstverständlichkeit, sondern durchdachtes Design.

Emoticons und Emojis sind aus der digitalen Welt nicht wegzudenken. Aber wir lernen nicht erst jetzt, uns durch Bilder und Zeichen zu orientieren. Denkt an den öffentlichen Raum: Ihr müsst keine koreanischen Schriftzeichen kennen, um am Flughafen in Seoul eine Toilette zu finden. Dass wir die Welt um uns herum auch in Symbolen lesen können ist keine natürliche Leistung, sondern kulturell erlernt. Eines der ersten Bildsysteme dafür hat der Museumspädagoge Otto Neurath in den 1920er Jahren geschaffen. Sein Ziel war eine Art Universalsprache aus Piktogrammen, die Informationen darstellen - ganz ohne zusätzlichen Text. Viele seiner Gestaltungsprinzipien gelten noch heute für Symbole im öffentlichen Raum. Auch die Olympia-Piktogramme von Otl Aicher waren davon inspiriert.

Alles klar? Missverständliche Zeichen

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Aber sagt es jedem von uns dasselbe? Sind Emojis universell verständlich? Dieser Frage widmet sich das Fraunhofer IESE seit 2017 in einer Online-Umfrage. Bisher mit dem Ergebnis, dass der Großteil der Teilnehmer Bilder gleich oder sehr ähnlich deutet. 93% der Emojis lassen sich einer Stimmung eindeutig zuordnen. Aber nicht alle Zeichen werden einheitlich gelesen oder verwendet. Oder so, wie sie ursprünglich gedacht waren. Ein Überblick.

Smileys und Emojis Kein Untergang der deutschen Sprache

Jährlich wird der Emoji-Katalog um neue Zeichen erweitert. Wir können immer mehr Dinge mithilfe von Bildern ausdrücken, immer mehr Wörter durch sie ersetzen. Für die Sprachprofessorin Christa Dürscheid bleibt das aber immer noch eine Spielerei. "Einen längeren Text wird man nicht mit Emojis schreiben können." Grammatische Beziehungen kann man mit Emojis nicht darstellen, und auch abstrakte Gedanken lassen sich damit schwer übermitteln. Was sich verändert, ist weniger die Sprache als die kommunikative Ebene, sagt Dürscheid. Sie bezieht sich dabei auf die Kommunikationstheorie des Philosophen Paul Watzlawick. Demnach "vollzieht sich die menschliche Kommunikation eben nicht nur auf der Inhaltsebene, sondern auch auf Beziehungsebene. In der schriftlich-digitalen Alltagskommunikation übernehmen Emojis hier wichtige Aufgaben, sie dienen der Beziehungsgestaltung." Man nennt das auch die phatische Funktion. Sie ist zuständig für die zwischenmenschliche Bindung, die beim kommunikativen Austausch geknüpft und gefördert wird. Ein Lächeln im richtigen Moment kann Wunder wirken - digital wie analog.

Von wegen einsilbig: Jugendliche leben heute in zwei Sprachwelten

"Bilder sind überall: Emojis, Sticker, GIFs, Memes, Videoclips und so weiter. Diese piktorale Ebene existiert in den sozialen Netzwerken neben dem Sprechen und dem Schreiben und kann beides gelegentlich ersetzen. Zum Beispiel, wenn kommentarlos ein Meme weitergeleitet wird oder ein Emoji ohne Text als eine Antwort auf eine Frage geschickt wird. Dafür muss aber ein bestimmtes Setting gegeben sein: informelle Alltagskommunikation, Schreiben in sozialen Netzwerken, keine Normorientierung. In der Schule gelten andere Rahmenbedingungen, und das wissen die Jugendlichen."

Christa Dürscheid, Professorin für Deutsche Gegenwartssprache an der Universität Zürich

Schon gewusst? So könnt auch ihr den Smiley weiterentwickeln

Emojis, die 2022 beim Unicode Konsortium beantragt wurden | Bild: emojipedia.org

Kommt das ersehnte pinke Herz endlich? Diese und andere Entwürfe könnten noch 2022 in den Unicode aufgenommen werden.

Der Unicode-Katalog wird laufend erweitert. 3.633 Emojis sind zurzeit darin enthalten. Im Herbst werden die diesjährigen Neuzugänge erwartet. Fehlt euch ein Zeichen, das ihr unbedingt braucht? Beim Unicode-Konsortium könnt auch ihr ein neues Symbol vorschlagen - für die Aufnahme muss es aber eine ganze Reihe strenger Kriterien erfüllen. Kann man das Zeichen auf der ganzen Welt verstehen und nutzen? Besitzt es gesellschaftliche Relevanz? Trägt es zur Toleranz unterschiedlicher Religionen und Kulturen bei? In den vergangenen Jahren wurde der Katalog um Abbildungen mit Menschen unterschiedlicher Hautfarbe, Frauen mit Kopftuch, verschiedene Beeinträchtigungen und geschlechtlich diverse Personen erweitert. Neben all diesen Zeichen kann sich der gelbe Standard-Smiley aber immer noch behaupten. Und vielleicht gerade deshalb: weil er als Symbol für uns alle steht.