Weltraumteleskop Hubble Seit mehr als 30 Jahren unser Auge im All

Stand: 16.11.2021

Hubble versorgt uns seit 1990 mit Aufnahmen aus den Tiefen des Alls. Das Weltraumteleskop hat uns heiße Sonnen und explodierende Supernovas ins Wohnzimmer geholt und entdeckt nach wie vor immer wieder Neues.

Weltraumteleskop Hubble in der Umlaufbahn | Bild: NASA

Vor mehr als 30 Jahren, am 24. April 1990, flog das Weltraumteleskop Hubble an Bord der Raumfähre Discovery in den Weltraum. Einen Tag darauf wurde es im Orbit ausgesetzt. Viele tausend Male umrundete das Hubble Space Telescope (HST) seither die Erde, nahm dabei zigtausende Objekte ins Visier und hielt sie auf Millionen Fotos fest. Hubble hat bis zu 13 Milliarden Lichtjahre tief ins All geschaut und damit weit in die kosmische Vergangenheit.

Premiere: Das erste Bild

Erste Aufnahme des Weltraumteleskops Hubble | Bild: NASA

Rechts die erste Aufnahme von Hubble, linkes der gleiche Himmelsausschnitt aufgenommen am Las Campanas Observatorium in Chile.

Zum ersten Mal "klick" machte es am 20. Mai 1990. Das dabei entstandene Foto ist wenig beeindruckend. Sollte es auch gar nicht sein - es war nur der erste Test der Optik, das sogenannte "First Light" des Teleskops. Der Schock war trotzdem groß: Hubbles 2,4 Meter großer Hauptspiegel war fehlerhaft und die Bildqualität daher eben nicht besser als bei bodengebundenen Teleskopen. Austauschen ließ er sich nicht, doch zumindest war Hubble - bis dahin einmalig in der Raumfahrtgeschichte - so gebaut, dass es im All repariert werden konnte. So bekam Hubble 1993 eine "Brille" verpasst, in Form eines speziellen optischen Systems. Seither liefert das Teleskop exakte Aufnahmen. Wissenschaftler arbeiten meist mit den Rohdaten, die Hubble zu Erde sendet. Die Bilder für die Öffentlichkeit sind hingegen meist nachbearbeitet. Unsichtbares UV- und Infrarot-Licht wird zum Beispiel in Farben dargestellt, die das menschliche Auge wahrnehmen kann.

Mission: Hubble blickt tief ins All

Carinanebel, aufgenommen von Hubble | Bild: NASA, ESA, M. Livio and the Hubble 20th Anniversary Team (STScI)

Die Aufnahme des Carinanebels zählt zu den bekanntesten Bildern, die Hubble zur Erde geschickt hat.

Jede Woche sendet das Weltraumteleskop, das nach dem Astronomen Edwin Powell Hubble benannt ist, rund 120 Gigabyte Daten zur Erde. Rund 18.000 wissenschaftliche Veröffentlichungen sind zu den Beobachtungen des Teleskops bislang erschienen (Stand: Januar 2021). Hubbles Hauptaufgabe ist dabei nicht, hübsche Bilder zu schicken, sondern für verschiedene Forschungsprojekte gezielt bestimmte Stellen im All genau zu untersuchen. Diese Forschungszeit Hubbles ist sehr gefragt und muss lange im Voraus von den forschenden Institutionen gebucht werden.

Astronomie: Spektakuläre Teleskope

Hubble hat längst Konkurrenz bekommen. Mit immer größeren Werkzeugen beobachten Astronomen das All, aus der Atacama-Wüste oder im Heck eines Flugzeuges, um noch genauere Einblicke zu erhalten.

Koloss: So groß wie ein Schulbus

Galaxie NGC 4258, aufgenommen von Hubble, Chandra, Karl Jansky Very Large Array und Spitzer | Bild: NASA/CXC/Caltech/P.Ogle et al; Optical: NASA/STScI; IR: NASA/JPL-Caltech; Radio: NSF/NRAO/VLA

Galaktisches Feuerwerk nennt die NASA dieses Bild der Galaxie NGC 4258. Es ist eine Kombination von Hubble-Aufnahmen mit denen anderer Teleskope.

Hubble ist ziemlich groß: Mit einer Länge von mehr als 13 Metern und einem Gewicht von rund elf Tonnen ist das Teleskop etwa so groß wie ein Schulbus - der mit 28.000 Kilometern pro Stunde um die Erde rast und dabei das All erkundet: 615 Kilometer weit draußen, um mit seinen hochauflösenden Kameras einen möglichst klaren Blick in die unendlichen Weiten zu haben.

Kooperation: Gemeinsames Projekt von NASA und ESA

Galaxie NGC 2336, aufgenommen vom Weltraumteleskop Hubble | Bild: ESA/Hubble & NASA, V. Antoniou; Acknowledgment: Judy Schmidt

Die Galaxie NGC 2336 ist groß, blau und sehr weit weg: Rund 100 Millionen Lichtjahre trennen sie von der Milchstraße.

Hubble ist das Ergebnis der Zusammenarbeit der US-amerikanischen Weltraumagentur NASA und ihrem eurpäischen Pendant ESA. Das Weltraumteleskop hat verändert, wie wir den Kosmos wahrnehmen, ferne Galaxien und explodierende Sonnen bis in die Wohnzimmer gebracht. Astronomen und Astrophysiker bringt es Einblicke in bislang unbekannte Welten und Weiten.

Rettung: Reparatur statt Absturz

Jupiter, aufgenommen vom Weltraumteleskop Hubble | Bild: NASA, ESA, STScI, A. Simon (Goddard Space Flight Center), M.H. Wong (University of California, Berkeley), and the OPAL team

Hubble zeigt, wie im August 2020 Stürme an der Oberfläche des Gasriesen Jupiter toben.

Längst nagt der Zahn der Zeit an Hubble. Schon 2005 stand das Teleskop kurz vor dem Ende: Die NASA wollte das schadhafte Oberservatorium gezielt zum Absturz bringen. Doch noch einmal wurde Hubble für die Zukunft fit gemacht: Bei der letzten Reparaturmission 2009 erhielt das Teleskop neue Batterien, Ersatzteile für zwei kaputte Kameras, eine ganz neue Kamera und neue Gyroskope, die für den richtigen Schwung sorgen und die Lage des Teleskops stabil halten. Zuhilfe kam ihm das US-Shuttle Atlantis mit sieben Astronauten an Bord.

Cluster im Herzen der Milchstraße, aufgenommen von Hubble | Bild: ESA/Hubble and NASA, R. Cohen

Der Kugelsternhaufen ESO 520-21 (Palomar 6) ist eine dichte, etwa kugelförmige Ansammlung von Sternen nahe dem Zentrum der Milchstraße.

Das Weltraumteleskop soll nun noch mindestens bis 2026 im Einsatz sein. Damit hat Hubble die ursprünglich geplanten zehn Jahre Betriebszeit weit übertroffen. Ob das klappt, steht aber noch in den Sternen, denn der Zahn der Zeit nagt etwas an Hubble: Das Teleskop versetzt sich in jüngster Zeit immer wieder mal in den Safe Mode, weil Geräte Fehlermeldungen liefern.

Nachfolger: James-Webb-Weltraumteleskop

James-Webb-Teleskop als Modell in Originalgröße | Bild: NASA Goddard

Das James-Webb-Teleskop als Modell in Originalgröße: Rund 24 Meter lang, 12 Meter breit und 12 Meter hoch.

Hubble hat bereits einen Nachfolger: das "James Webb Space Telescope" (JWST). Nach jahrelanger Verzögerung soll es Ende 2021 ins All starten. Das Teleskop ist das Ergebnis einer Kooperation von NASA, ESA und der kanadischen Weltraumagentur CSA. Das James-Webb-Teleskop soll hauptsächlich Daten im Infrarotbereich sammeln, aber auch Bilder im sichtbaren Lichtspektrum aufnehmen. So kann es Informationen vom Beginn des Universums, den ersten Sternen und Galaxien liefern. Benannt ist es nach James Webb, der von 1961 bis 1968 NASA-Direktor war.

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