Lesen lernen Wie ihr Kinder dabei unterstützt

Author: Simone Peer

Published at: 29-2-2024

Kinder, die gut lesen können, profitieren von vielen Vorteilen, die für die Schule, den Beruf und das ganze Leben entscheidend sind. 25 Prozent der Viertklässler haben jedoch Probleme beim Lesen. So fördert ihr eure Kinder beim Lesenlernen.

Eine Mutter liest mit ihrer Tochter auf dem Sofa ein Buch. Lesenlernen ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass Kinder erfolgreich lernen können. Wir erklären euch, wie ihr Kinder dabei unterstützen und fördern könnt. | Bild: colourbox.com/ Dmitrii Shironosov

Lesekompetenz: Warum Lesen für Kinder wichtig ist

Lesen beeinflusst die Bildungschancen von Kindern besonders. Kinder, die gut lesen, können Texte schneller erfassen und Aufgaben in unterschiedlichen Fächern besser verstehen. Lesen vergrößert auch den Wortschatz und das Allgemeinwissen. Es verbessert die Rechtschreibung und die Ausdrucksfähigkeit. Kinder, die viel lesen, sind kreativer, können sich selbstständig weitere interessante Themen erschließen und Texte, Meinungen und Quellen auch einfacher kritisch bewerten. Wer lesen kann, kommt von der Grundschule bis ins hohe Alter leichter durchs Leben, denn Texte begegnen uns überall: zum Beispiel beim Einkaufen, Busfahren, Chatten mit Freunden, Surfen im Netz und Abschließen von Verträgen. Lesen ermöglicht uns, selbstständig zu sein und aktiv an der Gesellschaft teilzunehmen. Durch Lesen werden auch Ideale, Werte und Kultur vermittelt. Die Lesekompetenz und den Spaß am Lesen zu fördern, ist deshalb eine wichtige Aufgabe von Schule und Eltern.

Gesellschaft: Es führt kein Weg am Lesen vorbei.

Lukas Heymann, Wissenschaftlicher Projektleiter des Instituts für Lese- und Medienforschung der 'Stiftung Lesen'. | Bild: Copyright Stiftung Lesen

"Nach wie vor leben wir in einer Gesellschaft, in der sehr viel schriftbasiert kommuniziert wird. Um in dieser Gesellschaft gut zurecht zu kommen, ist es wichtig, gut Lesen und Schreiben zu können. Da führt einfach kein Weg dran vorbei."

Lukas Heymann, Wissenschaftlicher Projektleiter des Instituts für Lese- und Medienforschung der 'Stiftung Lesen'

Video: Kinder beim Lesenlernen unterstützen

IGLU-Studie 2021: Lesekompetenz von Grundschülerinnen und Grundschülern in Deutschland

Im Mai 2023 wurden die Ergebnisse der Internationalen Grundschul-Lese-Untersuchung (IGLU) aus dem Jahr 2021 veröffentlicht - sie fielen schlecht für Deutschland aus: Die Lesekompetenz ist im Vergleich zu 2001 gesunken. Jeder vierte Grundschüler erreichte beim Lesen nicht den international festgelegten Standard, der für das weitere erfolgreiche Lernen nötig wäre. An der Studie hatten rund 4.600 Schülerinnen und Schüler aus 252 vierten Klassen teilgenommen. Deutschland liegt damit nur im Mittelfeld der rund 400.000 Schülerinnen und Schüler aus 65 Staaten und Regionen. Die IGLU-Untersuchungen werden seit dem Jahr 2001 alle fünf Jahre erhoben.

Fehlende Bildungsgerechtigkeit in Deutschland

Ein weiteres Ergebnis der IGLU-Studie 2021: Die Chancengleichheit hat sich in den letzten 20 Jahren in Deutschland nicht verbessert. Im internationalen Vergleich fallen die sozialen und migrationsbedingten Unterschiede bei den Lesekompetenzen besonders hoch aus. Kinder, die zu Hause nur manchmal oder nie Deutsch sprechen, erreichen deutlich schlechtere Leseleistungen als Kinder, die zu Hause Deutsch sprechen. Ähnlich groß ist der Unterschied je nach sozialer Herkunft in Deutschland. Kinder aus Haushalten mit mehr als 100 Büchern können deutlich besser lesen als Kinder aus Elternhäusern mit weniger als 100 Büchern. Prof. Dr. Nele McElvany, Studienleiterin für Deutschland, berichtet, nur rund ein Drittel des Leistungsabfalls lasse sich durch die veränderte Zusammensetzung der Schülerschaft erklären. Nicht die ausländische Herkunft sei maßgeblich. Sondern der soziale Status - Buchbesitz, Bildungsabschluss und Berufsstatus der Eltern - und die zu Hause gesprochene Sprache würden die Leistungsunterschiede erklären.

Zu wenig Lesezeit im Unterricht und mangelnde digitale Ausstattung in Grundschulen

Die Forscher der IGLU-Studie konnten außerdem nachweisen, dass die mangelnde Lesekompetenz der Viertklässler mit zu wenig Lesezeit zusammenhängt. Sie fällt im internationalen Vergleich mit durchschnittlich 141 Minuten pro Woche zu gering aus. Außerdem würden digitale Medien im Leseunterricht zu selten genutzt. Die Ausstattung mit digitalen Medien für das Lesenlernen an deutschen Schulen beschreiben die Wissenschaftler als unterdurchschnittlich.

Das empfiehlt das Forscherteam der IGLU-Studie zur Verbesserung der Lesekompetenz

Das Autorenteam der IGLU-Untersuchungen empfiehlt für Deutschland unter anderem, die wöchentliche Unterrichtszeit für das Lesen zu erhöhen und einer verbesserten Lesekompetenz einen hohen Stellenwert einzuräumen. Kinder mit besonderem Förderbedarf sollen individuell unterstützt werden. Wichtig sei außerdem, dass Grundschullehrer im Bereich der Lese- und Sprachförderung weitergebildet und Kinder schon in der Kita sprachlich gefördert werden.

Nachgefragt: Welche Gründe gibt es für die schlechten IGLU-Ergebnisse?

"Es gibt nicht den einen Grund, das wäre viel zu einfach. Man kann es auf zwei Dimensionen zusammenfassen: Das eine wäre, was außerhalb und das andere, was innerhalb der Schule passiert. In der IGLU-Studie 2021 haben wir vor allem Kinder, die die Einschränkungen und Schulschließungen während der Corona-Pandemie erlebt haben. Da gab es viel 'Unterricht' zu Hause und auch der Unterstützungsbedarf der Eltern war gefragt. Da liegt im Grunde das eine Problem: Es gibt Familien, die unterstützen können und andere Familien, die ihre Kinder eben nicht so gut unterstützen können und damals auch nicht unterstützt haben. Ein Einflussfaktor ist die formale Bildung der Eltern. Kinder, bei denen die Eltern eine formal niedrige Bildung haben oder auch in prekären Verhältnissen leben, wurden nicht so gut unterstützt, wie das notwendig gewesen wäre oder wie es passiert wäre, wenn die Kinder ganz normal in die Schule gegangen wären.
Und das andere sind natürlich die Dinge, die in der Schule passieren, da zeigt die IGLU-Studie gut, dass die Zeit, die im Unterricht in Deutschland zum Lesen verwendet wird, im Vergleich zu anderen Ländern deutlich geringer ist. Man hat sich in den letzten Jahren nicht so sehr auf das Lesen konzentriert, wie es vielleicht notwendig gewesen wäre."

Lukas Heymann, Wissenschaftlicher Projektleiter des Instituts für Lese- und Medienforschung der 'Stiftung Lesen'

Video: Kinder können immer schlechter lesen

Lesekompetenz: Lesen lernen Schritt für Schritt

Das Lesenlernen ist ein Zusammenspiel von fünf verschiedenen Stufen, die einzeln geübt werden müssen. Jedes Kind hat dabei sein eigenes Tempo: Manches braucht mehr Zeit für eine Stufe, ein anderes überspringt vielleicht sogar eine.

Stufe 1:
Hier lernt das Kind Laute zu hören und zu erkennen. Zum Beispiel, dass das Wort "Ball" mit dem Laut B beginnt, "Mama" mit dem Laut M. Anschließend übt das Kind den Lauten Buchstaben zuzuordnen.

Stufe 2:
Das Kind kennt die Laute und die dazugehörigen Buchstaben und lernt jetzt die Buchstaben zu Silben zu verbinden. Das wird trainiert, bis das Kind die Silben schnell und auf einen Blick erkennt. Werden dann zwei Silben zusammengesetzt und gelesen, entstehen schon erste Wörter. Aus "Na - se" wird "Nase" und aus "Pa - pa" wird "Papa". Jetzt erkennt das Kind zum ersten Mal, dass es lesen kann. Ein großer Erfolg, denn erst wenn es diese Fähigkeit beherrscht, kann überhaupt echtes Lesen stattfinden.

Stufe 3:
Das Kind kann jetzt kurze Wörter wie "Nase" oder "Leiter" am Stück lesen. Die Wörter können nun länger werden und mehrere Silben enthalten. Das Vorgehen bleibt immer gleich: Das Kind liest die Silben zu Wörtern zusammen. Je öfter die Wörter geübt werden, desto schneller werden sie wiedererkannt. Irgendwann speichert das Kind die bekannten Wörter im Gedächtnis als Bild ab und erkennt sie auf einen Blick. Ein Sichtwortschatz wird aufgebaut.  

Stufe 4:
Wenn das Kind Wörter flüssig lesen kann, ist es bereit für den nächsten Schritt: Mehrere Wörter in einem Satz lesen. Es muss sich nicht mehr Gedanken um Laute und Silben machen. Es liest und versteht den Zusammenhang und kann jetzt Informationen aus Sätzen entnehmen.
Zum Beispiel: Lukas geht um 15 Uhr zum Fußball-Training. Das Kind versteht, wann Lukas' Fußball-Training beginnt. Es kann sich auf den Inhalt des Satzes konzentrieren.

Stufe 5:
Das Kind kann nun Sätze und ihre Informationen meistens ohne Probleme lesen und begreifen. Jetzt beginnt es auch kurze Texte zu verstehen. Zunächst bestehen sie aus drei bis vier Sätzen, dann werden die Texte immer länger. Das Lesen fällt dem Kind nun leicht, nur bei schwierigen, seltenen oder unbekannten Wörtern hält es kurz inne. Der Leselernprozess ist abgeschlossen.
Flüssig lesen zu können, bedeutet allerdings noch nicht, Texte auch verstehen zu können. Das Textverständnis setzt aber flüssiges Lesen voraus. Trotzdem muss das Kind noch üben, mit Inhalten und Merkmalen von unterschiedlichen Textformen wie Sachtexten, Märchen, Tabellen oder Gedichten umzugehen. Das Kind braucht dafür Strategien, die ihm dabei helfen.

Quelle: ISB - Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München

Nachgefragt: Wie lange dauert es, bis Kinder lesen können?

"Wir haben tatsächlich Kinder, die können schon im Kindergarten lesen, sie haben es sich selbst beigebracht, weil die Lust auf Buchstaben so groß ist. Dann gibt es Kinder, die lernen in der ersten Klasse Lesen, andere brauchen bis zum Ende der vierten Grundschulklasse. Das ist hochindividuell und das ist auch völlig in Ordnung. Deshalb findet so ein IGLU-Test auch erst am Ende der vierten Klassen statt. Bis dahin haben die Kinder Zeit Lesen zu lernen und auch nach der vierten Klasse geht das Lesenlernen ja weiter. Es geht auch darum zu verstehen, was da geschrieben steht. Ein wichtiger Teil des Lesens ist die Leseflüssigkeit. Erst, wenn sich in meinem Gehirn die Buchstaben, Silben und Laute automatisiert zu Worten und Inhalten verbinden, kann ich auch verstehen, was da geschrieben steht."

Lukas Heymann, Wissenschaftlicher Projektleiter des Instituts für Lese- und Medienforschung der 'Stiftung Lesen'

Video: Mehr Zeit im Unterricht zum Lesen, Schreiben und Rechnen - was soll dafür gekürzt werden?

Tipps: Wie ihr Kinder beim Lesenlernen unterstützen könnt

  • Habt Geduld. Lesenlernen dauert. Bis es so weit ist, heißt es üben, üben, üben. Jedes Kind lernt dabei in seinem eigenen Tempo.
  • Lobt Fortschritte. Ein Lob motiviert und ist wichtig, damit das Kind weiterhin gerne liest und nicht den Mut verliert.
  • Nichts demotiviert mehr als ständiges Korrigieren beim Lesen. Besprecht gemeinsam, wie ihr Lesefehler korrigieren wollt. Wenn das Kind mitbestimmen kann, ist die Chance größer, dass es Korrekturen annimmt. Vielleicht korrigiert ihr durch Antippen am Ellenbogen oder ihr lest den Satz noch einmal richtig vor, wenn das Kind ihn zu Ende gelesen hat.
  • Achtet auf eine gute Stimmung, damit das Kind auch in Zukunft gerne liest. Seid ihr genervt, überlasst das Lesen mit dem Kind lieber eurem Partner oder eurer Partnerin.
  • Übt täglich. Es muss nicht lang sein. Kurze Leseübungen von fünf bis zehn Minuten sind effektiver, als einmal in der Woche eine Stunde lang mit Druck zu üben.
  • Wiederholt Wörter und Sätze. Das ist wichtig, damit das Kind die Wörter abspeichern kann.
  • Kann das Kind schon Wörter lesen, könnt ihr die Leseflüssigkeit trainieren. Zum Beispiel indem ihr im Tandem lest, euch also mit Lesen und Vorlesen abwechselt.
  • Wenn ihr unsicher seid, fragt die Lehrerin oder den Lehrer auf welcher Lesestufe ihr üben sollt.
  • Überlegt euch ein Lese-Ritual. Ihr könnt zum Beispiel eine gemütliche Leseecke einrichten und dort in entspannter Atmosphäre, am besten ohne Zeitdruck, üben. Vielleicht hilft auch das Anzünden einer Lesekerze oder ein Kuscheltier, das mitlesen möchte. Solche Rituale machen das Lesen zu etwas Besonderem und motivieren vor allem jüngere Kinder.
  • Zum Lesen motivieren können außerdem: ein aufgemalter Weg, eine Kette mit Perlen oder ein Ausmalbild. Für jede abgeschlossene Leseübung darf ein Stück des Weges oder ein Teil des Bildes ausgemalt werden oder eine Perle aufgefädelt werden. So wird der Leseerfolg sichtbar.
  • Lieblingshelden helfen beim Lesenlernen. Die meisten Kinder haben Figuren, die sie mögen und bereits aus Geschichten oder Videos kennen. Zu fast allen Helden gibt es spannende Erstlesebücher. Nutzt die Vorlieben eures Kindes beim Lesenlernen und wählt Bücher, die der Lesestufe des Kindes entsprechen.
  • Ihr könnt zum Lesenlernen verschiedene Medien wählen. Auch mit Zeitschriften, Apps oder Comics können Kinder Lesen üben. Mit einem Bibliotheksausweis könnt ihr Medien kostengünstig ausleihen.
  • Lest weiter vor. Das Vorlesen unterstützt das Lesenlernen und es stärkt die Bindung zwischen euch. Außerdem sind Vorlesegeschichten viel komplexer und spannender als die, die kleine Leseanfänger selbst lesen können.

Quellen: "Stiftung Lesen", ISB - Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung München

Nachgefragt: Spielen Eltern beim Lesenlernen eine große Rolle?

"Eltern haben einen sehr großen Einfluss. Es ist wichtig, dass Kinder ihre Eltern lesend erleben, weil Eltern Vorbilder sind, und dass sie sehen, Lesen ist eine ganz normale und alltägliche Tätigkeit. Ich meine damit auch nicht nur unbedingt das Lesen von klassischen Medien wie Zeitschriften oder Büchern. Auch wenn man ins Handy guckt, kann man sagen: Ich lese da gerade einen Artikel. Das ist das eine: Vorbild sein.
Das andere ist, Kinder zu motivieren. Ihnen Texte, Bücher und Geschichten zugänglich zu machen, die sie interessieren und mögen. Verschiedenes ausprobieren, sich von den Kindern vorlesen lassen, gemeinsam lesen, abwechselnd lesen. Da gibt es ganz viele Ansätze und Möglichkeiten, wie Eltern unterstützend, motivierend und ein Stück weit fordernd ihren Kindern gegenüber auftreten können. Lesen muss geübt werden. Auch am Nachmittag, nach der Schule oder am Abend vorm Schlafengehen, sollten sich die Kinder auch noch mal mit Texten auseinandersetzen."

Lukas Heymann, Wissenschaftlicher Projektleiter des Instituts für Lese- und Medienforschung der 'Stiftung Lesen'

Vorlesen: Welche Vorteile gemeinsames Lesen für Kinder hat

Ein Vater liest seinem Sohn im Bett ein Buch vor. Gut lesen zu können, ist wichtig für das erfolgreiche Lernen. Wie ihr Kinder beim Lesenlernen unterstützen könnt und warum Vorlesen eine besondere Rolle spielt. | Bild: picture alliance/ Westend61/ Anastasiya Amraeva

Vorlesen verbindet und regt Kinder dazu an, selbst Bücher in die Hand zu nehmen und Lesen zu lernen.

Vorlesen ist schon in der frühen Kindheit, weit vor der Schulzeit, für die Bildung von Kindern wichtig. Es beeinflusst ihre Entwicklung positiv: Regelmäßiges Vorlesen fördert ihre Kreativität, einen großen Wortschatz, das eigene Lesenlernen, die Lust am Lesen, das Allgemeinwissen, die Konzentrationsfähigkeit und den schulischen Erfolg in allen Fächern. Vorlesen stärkt auch emotionale Kompetenzen wie Mitgefühl und Empathie und kann Kindern zeigen, wie sie mit Konflikten und Schwierigkeiten umgehen können. 

Trotzdem wird mehr als einem Drittel der Kinder zwischen einem und acht Jahren selten oder nie vorgelesen. Das ist das Ergebnis des Vorlesemonitors 2023. Initiatoren der Studie sind die "Stiftung Lesen", die Wochenzeitung "Die Zeit" und die "Deutsche Bahn Stiftung". Seit 2004 rufen sie auch jährlich zum "Bundesweiten Vorlesetag" auf. Für den Lesemonitor 2023 wurden 833 Eltern von ein- bis achtjährigen Kindern befragt. Laut der Studie lesen vor allem Eltern mit niedriger Bildung selten oder nie vor. Dieses Ergebnis zeigt sich bei Eltern mit und ohne Migrationshintergrund. 63,4 Prozent der Kinder zwischen einem und acht Jahren wird dagegen regelmäßig mehrmals in der Woche vorgelesen. Dazu zählte auch das gemeinsame Anschauen von Bilderbüchern.

Vorlesen wird über Generationen weitergegeben

Die Studie zeigt auch, dass Eltern, denen früher selbst vorgelesen wurde, ihren eigenen Kindern häufiger vorlesen, mehr Bücher für ihre Kinder besitzen und öfter Angebote von Bibliotheken nutzen, um Bücher für ihre Kinder auszuleihen. Sie lesen regelmäßig selbst, sind damit Vorbilder und teilen Inhalte und Geschichten mit ihren Kindern, die sie selbst geprägt haben. Das Vorlesen hat somit über Generationen hinweg eine wichtige Rolle.

Bücher verschenken kann einen Unterschied machen

Geschenkte Bücher führen dazu, dass Eltern häufiger vorlesen, besonders bei Eltern mit einer niedrigeren Bildung. Auch wenn Bücher über die Kita oder die Schule ausgeliehen werden können, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Kinder und ihre Eltern das Angebot annehmen und regelmäßig vorgelesen wird.

Video: Wann fiebern Kinder bei Geschichten mit?

Vorlesen: Wann Kinder bei Geschichten mitfiebern

Nachgefragt: Buch oder Tablet - sollen Schüler lieber digital oder analog lesen?

"Ich glaube gar nicht, dass es um ein 'entweder - oder' geht, sondern es muss ein 'und' sein. Alles hat seinen Anwendungsbereich und seinen Zweck. Es ist toll, dass wir über gedruckte Bücher verfügen und auch digitale Lesemöglichkeiten haben. Es gab vor mehreren Jahren eine Konferenz in Stavanger, wo es um das digitale Lesen ging. Da wurde die Stavanger-Erklärung verabschiedet. Man hat unter anderem gesehen, dass es Unterschiede im digitalen oder analogen Lesen gibt, wenn es um das Verständnis von narrativen, also erzählenden Texten, und um Texte mit Sachinhalt geht. Bei narrativen Texten war kein großer Unterschied auszumachen. Bei den Sachtexten kam heraus, dass man digital etwas flüchtiger gelesen hat.
Ich glaube, man muss entscheiden, bei welchem Anwendungsgebiet analoges oder digitales Lesen sinnvoll ist. Vielleicht ist es auch praktisch eine Kombination aus beidem anzubieten. Die Schulranzen von vielen Kindern sind ja oft sehr voll und schwer. Warum kann man den Kindern nicht beides anbieten? Dass sie sowohl Arbeitshefte zum Bearbeiten an einem Ort haben und an dem anderen ein digitales Angebot - auch im Krankheitsfall oder, wenn man mal was in der Schule vergessen hat, ist das dann einfach praktisch und so wird das eine nicht durch das andere ersetzt."

Lukas Heymann, Wissenschaftlicher Projektleiter des Instituts für Lese- und Medienforschung der 'Stiftung Lesen'

Aktionstage: Rund ums Lesen und Vorlesen von Büchern

  • 2. April: Internationaler Kinderbuchtag: Jährlich gibt es am Geburtstag des dänischen Dichters Hans Christian Andersen weltweit Aktionen, die das Lesen und die Beschäftigung mit Literatur bei Kindern und Jugendlichen fördern sollen. Mehr Informationen findet ihr hier: Internationaler Kinderbuchtag
  • 23. April: Welttag des Buches: An diesem Tag hat die UNESCO weltweit einen Aktionstag für das Lesen, für Bücher, für die Kultur des geschriebenen Wortes und auch für die Rechte ihrer Autoren eingeführt. Mehr Infos und Aktionen zum Welttag des Buches.
  • 6. September: Internationaler Lies-ein-Buch-Tag: Dieser Tag soll jedes Jahr zum Lesen ermutigen.
  • Dritter Freitag im November: Jedes Jahr findet im November der Bundesweite Vorlesetag statt. Mehr Infos und Aktionen zum Bundesweiten Vorlesetag findet ihr hier.

Mehr Wissen: Sendungen und Quellen zum Lesen, Lesenlernen und Vorlesen von Büchern

Quellen: