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Analytisch und tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapien Analytische Therapieverfahren im Vergleich

Im Fokus der analytischen und der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie stehen unbewusste Erlebnisse und Erfahrungen als Hauptursache einer seelischen Erkrankung. Für eine Heilung ist es deshalb notwendig, die unbewussten Dynamiken aufzudecken.

Author: Elke Hardegger

Published at: 8-10-2020

Therapeut macht Notizen, Patientin liegt auf der Couch und erzählt.  | Bild: picture-alliance/dpa

In der "analytischen Psychotherapie" und in der "tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie" wird versucht, die unbewussten Zusammenhänge und Ursachen einer seelischen Erkrankung aufzudecken und zu begreifen. Die Therapie soll zu mehr Lebensfreude verhelfen, weil sie Menschen in ihrer seelischen Gesundheit stärkt und ihnen das Gefühl vermittelt, dass sie ihren Ängsten und Zwängen nicht völlig ausgeliefert sind.

Konflikthafte Erlebnisse prägen das Verhalten und Denken

Ungelöste Konflikte in der Kindheit prägen sich ein.

Es gibt unterschiedliche Methoden, Techniken und Verfahren in der Psychotherapie. Die wissenschaftlich anerkannten Verfahren unterscheiden sich im Wesentlichen in den Theorien, wie sich eine seelische Erkrankung entwickelt hat. In einer Verhaltenstherapie werden die Ursachen der Entstehung als gelerntes Verhalten und Denken verstanden, welches durch gezieltes Training wieder verlernt werden kann. In der analytischen Psychotherapie hingegen spielen Erlebnisse und Prägungen in der Kindheit eine zentrale Rolle, zum Beispiel für die Entwicklung einer Angststörung. Konflikte und Krisensituationen prägen das Verhalten und können unbewusste Reaktionensmuster hervorrufen, die sich im Laufe des Lebens immer mehr verfestigen. Eine analytische oder eine tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie wird deshalb nicht die Symptome behandeln und sie bei der Therapie in dem Mittelpunkt stellen, sondern versuchen, die Ursachen zu finden und die jeweiligen Verstrickungen und ungelösten Konflikte bewusst zu machen. Weiß der Patient, warum er Ängste entwickelt hat, dann kann er im nächsten Schritt in der Therapie neue Wege zur Bewältigung finden.

Auf der Suche nach unbewussten und verdrängten Erlebnissen

Die analytische Psychotherapie hat sich aus der klassischen Psychoanalyse von Sigmund Freud entwickelt. Es gibt inzwischen verschiedene Weiterentwicklungen, die durch Alfred Adler und Carl Gustav Jung geprägt wurden. Generell ist die klassische analytische Psychotherapie eine Langzeittherapie, die über mehrere Jahre läuft. Das bekannte Setting ist: Der Patient liegt auf einer Couch und erzählt, was ihn gerade beschäftigt. Die Therapeutin oder der Therapeut halten sich im Hintergrund und verstehen sich als sogenannte Projektionsfläche für frühere Bezugspersonen oder innere Konflikte des Patienten. Das Erkennen und Bewusstmachen von verdrängten Gefühlen und Erinnerungen soll die Selbstheilungskräfte in Gang setzen, unverständlich erscheinendes Fühlen und Handeln verstanden und verändert werden. Indem der Patient seine Konflikte bewusst anschaut, beginnt er, sich emotional davon zu befreien.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie blickt auf das "Hier und Jetzt"

Im Vergleich zur analytischen Psychotherapie wird der Fokus in der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie auf die psychosozialen Konflikte und verstärkt auf die Gegenwart gelegt. Ziel ist weniger eine tiefgründige Aufarbeitung der Lebensgeschichte, aber dennoch sollen die Funktion eines Verhaltens und seine Ursachen geklärt werden, um dann mithilfe des Therapeuten nach Lösungen zu suchen. Durch Einsichten in die Zusammenhänge und Ursachen aktueller Probleme soll eine Veränderung im Verhalten und Erleben erreicht werden.

Psychotherapien bieten einen geschützten Raum

Wissenschaftlich anerkannte Psychotherapien wurden in zahlreichen Studien auf ihre Wirksamkeit untersucht. Laut Bundespsychotherapeutenkammer zeigen die Ergebnisse sogar, dass Psychotherapien erfolgreicher sind als Behandlungen bei körperlichen Erkrankungen. Die Methoden und Verfahren werden stets weiterentwickelt und von den jeweiligen Therapeutinnen und Therapeuten unterschiedlich angewendet. Letztlich ist der Behandlungserfolg nicht allein auf die Art der Therapie zurückzuführen, sondern immer auch abhängig von der Beziehung und Zusammenarbeit zwischen Therapeut und Patient. Nur so kann ein geschützter und vertrauensvoller Rahmen entstehen, der es möglich macht, Ängste und Probleme anzusprechen und Veränderungen herbeizuführen.


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