alpha Uni Studiengang Modedesign - Lernen, Kleider sprechen zu lassen

Von: Christian Wurzer

Stand: 23.02.2022

Mustafa studiert Modedesign an der Hochschule Hannover. In seiner Kollektion spiegelt sich seine Lebensgeschichte, die vor Jahren in einem Flüchtlingsboot einen neuen Anfang nahm. Der gebürtige Iraker konnte einen der wenigen Studienplätze für Modedesign ergattern.

Mustafa, Student Modedesign im 9. Semester an der Hochschule Hannover | Bild: picture-alliance/dpa

Welche Voraussetzungen Welche Voraussetzungen musst du für den Studiengang Modedesign mitbringen?

Willst du an einer Hochschule oder Universität studieren, brauchst du die Allgemeine Hochschulreife oder ein Fachabitur. Einige Hochschulen und private Modeschulen akzeptieren auch die Mittlere Reife. Allerdings musst du dann eine „besondere künstlerische Eignung“ nachweisen.

Grundsätzlich gilt: Für die Bewerbung musst du eine Mappe mit Arbeitsproben einreichen. Darunter können erste eigene Modeentwürfe sein, aber auch Porträt- oder Aktzeichnungen. Du solltest aber auch unterschiedliche Techniken verwenden. Neben Zeichnungen können das Collagen, Grafiken oder Fotos sein. Die genauen Vorgaben für die Bewerbungsmappe musst du bei der Hochschule oder Modeschule deiner Wahl nachfragen.

Einige Hochschulen oder Modeschulen verlangen zusätzlich, dass du ein anspruchsvolles Aufnahmeverfahren bestehst. Und manche Ausbildungseinrichtungen fordern ein zwei- bis sechsmonatiges Vorpraktikum oder gar eine einschlägige Berufsausbildung, zum Beispiel als Damen- oder Herrenschneider:in.

In jedem Falle aber erhöhen solche Qualifikationen deine Chancen, angenommen zu werden. Denn Studienplätze im Fach Modedesign sind rar.

Als Bachelorarbeit - eine Modekollektion mit 9 Outfits

Welche Skills oder Begabungen solltest du mitbringen?

  • Gespür für Ästhetik, Farben und Proportionen
  • Kreativität
  • Durchhaltevermögen
  • Talent im Umgang mit Gestaltungsmaterialen und -werkzeugen, vom Zeichenstift über die Schere bis hin zum Anwenderprogramm
  • Technisches Verständnis
  • Kommunikationsvermögen
  • Kaufmännisches Denken

Welche Studieninhalte erwarten dich im Studiengang Modedesign?

Der Studiengang Modedesign ist neben aller Theorie sehr praxisnah angelegt und umfasst ein breites Fächerspektrum, zum Beispiel:

  • Materialkunde
  • Entwicklungsgeschichte der Kleidung
  • Design- und Modetheorie 
  • Modesoziologie
  • Modepsychologie
  • Skizzierungstechniken und Modellentwicklung
  • Schnittkonstruktion
  • Illustration und Bildbearbeitung 
  • CAD/Modezeichnen
  • Produktmarketing und Werbetheorie
  • Erstellung und Präsentation ganzer Kollektionen

Studiengang Modedesign: Regelstudienzeit, Praxissemester, Prüfungen

Die meisten Hochschulen und Universitäten bieten Modedesign als sechs- bis achtsemestrige Bachelorstudiengänge an. Wobei die kürzeren Studiengänge meist weniger praktisch angelegt sind.

Einige Hochschulen haben ein Praxis- oder Auslandssemester in den Studiengang integriert. Die Hochschulen helfen, die entsprechenden Kontakte zu knüpfen.

Prüfungen finden oft als Projektarbeiten statt, du entwirfst einzelne Stücke oder ganze Kollektionen. Auch deine Bachelorarbeit ist eine Projektarbeit mit theoretischen und praktischen Anteilen: Du entwirfst eine Kollektion, beschreibst das Konzept und realisiert die einzelnen Stücke bis hin zum Styling deiner Models, die sie präsentieren. Die Universitäten und Hochschulen verleihen dir dann den akademischen Grad Bachelor of Arts (B.A.)

Wer einen Masterstudiengang anschließen möchte, muss – je nach Hochschule oder Universität – mit zwei bis vier weiteren Semestern rechnen. Danach darfst du dich Master of Arts (M.A.) nennen.

Achtung! Der Studiengang Modedesign kann teuer werden: Materialkosten mitdenken!

An allen Hochschulen, privat wie staatlich, müssen neben den Studiengebühren auch die Materialkosten selbst finanziert werden. Tatsächlich unterschätzen viele Studierende die Ausgaben für Stoffe und Nähutensilien. Eine Abschlusskollektion kann schnell ein- bis zweitausend Euro oder mehr kosten. Viele Studierende haben daher Nebenjobs, was wiederum das Studium verlängern kann.

Auch Modewettbewerbe können helfen. Bei renommierten Wettbewerben gibt es bis zu 50.000 Euro Preisgeld. Aber auch dort musst du erstmal hinkommen.

Sponsoren können ebenfalls bei der Studienfinanzierung helfen, materiell und finanziell. Dazu brauchst du gute Kontakte, etwa zu Stoffproduzenten, Garnzulieferern oder gar Schuherstellern. Schuhe sind wichtig für die Modenschauen, bei denen Models deine Kreationen auf dem Laufsteg präsentieren. Von diesen Netzwerken profitierst du auch später beim Berufseinstieg. Du kannst dich direkt bei diesen Firmen bewerben. Eventuell helfen sie dir auch, dein eigenes Mode-Startup zu finanzieren.

In welchen Bereichen arbeiten Modedesigner:innen?

Klassisch entwerfen Modedesigner:innen Kollektionen. Sie beobachten dabei modische Trends, Stile ihrer Kunden und Zielgruppen. Vor allem selbstständige Modedesigner:innen müssen ihre Kollektionen von der Idee bis zum fertigen Kleidungsstück managen, bewerben und verkaufen.

Wenn du nicht selbstständig arbeiten willst, kannst du dich bei Unternehmen in der Mode- und Textilbranche bewerben. Ein Masterabschluss hilft dir, dich als Führungskraft in der Modeindustrie zu etablieren, im Produktmanagement oder bei der Weiterentwicklung eines ganzen Mode-Labels.

Unternehmen der Textilbranche beschäftigen Modedesigner:innen in Abteilungen wie:

  • Produktmanagement
  • Design
  • Schnittkonstruktion und Schnittgestaltung
  • Bekleidungstechnik
  • Marketing
  • Einkauf und Vertrieb
  • Redaktion
  • Öffentlichkeitsarbeit


Aber auch Theater, Film und Fernsehen brauchen Modedesigner:innen, wenn es um die Kostümausstattung bei Theater- oder Filmproduktionen geht.

Es gibt wenige eindeutige Quellen, was den Verdienst von Modedesigner:innen betrifft

Niemand kann dir wirklich sagen, wie viel du nach deinem Studium verdienen wirst. Als Selbstständiger bzw. Selbständige ist dein Verdienst von deinem Fleiß, deiner Kreativität und deinem Erfolg abhängig.

Bist du angestellt, kommt es darauf an, bei welchem Unternehmen und in welcher Position du arbeitest. Gestaltest du nur einzelne Kleidungsstücke oder entwirfst du gar eine ganze Kollektion? Die Höhe der Einstiegsgehälter wird sehr unterschiedlich beziffert. Manche Quellen gehen von 2800 Euro, andere von 3200 Euro brutto im Monat aus. Mit Berufserfahrung und steigendem Renommee sind die Grenzen nach oben hin offen.

Quelle: Gehalt.de

Sicherheit im Verdienst gibt es eigentlich nur bei den großen Handelsketten. Diese Stellen sind wiederum heiß begehrt.

Modedesign studieren bedeutet: In Konkurrenz zu den Mitstudierenden stehen

Mustafa, Student Modedesign im 9. Semester an der Hochschule Hannover | Bild: Lisabell Shewafera, BR

"Dass man sich im Studium mit anderen Studierenden vergleicht, gehört dazu. Da ist es besonders wichtig, seinen eigenen Stil zu finden. Unserer Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, dazu ermutigen uns auch unsere Professoren und Dozentinnen. Die Dokumentation der eigenen Arbeit gehört ebenfalls zum Studium. Das könnte ich auch bei einem späteren Bewerbungsgespräch gefragt werden: Wieso hast du das so geschneidert? Kannst du uns den Prozess deiner Kollektion schildern?"

 Mustafa, Student Modedesign im 9. Semester an der Hochschule Hannover