ARD alpha Uni Physik studieren · Phänomene der Natur erforschen

Author: Christan Wurzer

Published at: 30-11-2022

Physik studieren, bedeutet mit Mathematik die Natur zu erklären, also viel rechnen aber auch ganz praktisch Experimente machen, sie messen und auswerten. Lea, Physikstudentin an der Uni Marburg, mag diesen Mix aus Theoretischer Physik und Experimentalphysik.

Lea, Physikstudentin an der Universität Marburg | Bild: BR

Zulassungsvoraussetzungen

Für das Bachelor Studium Physik musst du die allgemeine oder eine fachgebundene Hochschulreife vorweisen. Selten ist der Studiengang Physik mit einem Numerus Clausus (NC) belegt. Das bedeutet auch, dass fast immer genügend Studienplätze vorhanden sind und du dich direkt einschreiben, immatrikulieren kannst.

Auch mit einschlägigen Berufsabschlüssen kannst du ein Physikstudium starten. Lass dich dazu aber von der Hochschule oder Universität beraten, an der du studieren willst.

Für das Master Studium musst du den Bachelor in Physik oder ein einem vergleichbaren Studiengang vorweisen. In diesem vergleichbaren Studiengang muss aber ein gewisser Mindestanteil an Physikinhalten gelehrt worden sein. An der Uni Marburg zum Beispiel müssen aus diesem Studiengang 90 Leistungspunkte (LP) aus physikalischen Fächern angerechnet werden können. Andere Universitäten, zum Beispiel die LMU München, haben ein Bewerbungsverfahren vorgeschaltet.

Physik kannst du auch für das Lehramt Grundschule, Mittelschule, Realschule und Gymnasium studieren, aber auch nur als Didaktikfach für Grundschule und Mittelschule.

Mit Mathematik hast du in allen Physikstudiengängen reichlich zu tun, sei es im Bachelorstudiengang, im Masterstudiengang oder auch im Lehramtsstudium. Manche Unis bieten daher Studienanfänger:innen vor Studienbeginn einen Mathe-Crashkurs an. So kannst du deine Schulmathematik auffrischen und dürftest später weniger Schwierigkeiten haben, wenn es darum geht physikalische Zusammenhänge zu berechnen.

Für alle Physik Studiengänge gilt: Du solltest keine Angst vor Mathematik haben.

Lea, Physikstudentin an der Universität Marburg | Bild: BR

"Für das Studium der Physik sollte man auf jeden Fall erst mal sehr viel Interesse an der Physik mitbringen und vor allem auch Interesse an der Mathematik. Denn die Mathematik ist die Sprache der Physik und ohne Mathe kommt man einfach nicht weiter im Studium."

Lea, Physikstudentin an der Universität Marburg

Manche Universitäten bieten einige Wochen vor Studienbeginn ein einwöchiges Probestudium für das Fach Physik an. Das ist für jene ein Tipp, die in der Studienwahl noch unsicher sind.

Wer Physik im Masterstudiengang studieren will, muss einen Bachelor Abschluss vorweisen oder einen Bachelorabschluss in einem verwandten Fachbereich. Da viele Bachelor Absolvent:innen ein Master Studium anschließen, lassen einige Hochschulen und Universitäten nur Bewerber:innen mit einem Notendurchschnitt von 2,5 oder besser zu.

Physik studieren heißt experimentieren, messen, rechnen, auswerten

Studiendauer, Studieninhalte und Studienablauf

Ein Bachelor Studium in Physik dauert je nach Hochschule oder Universität zwischen sechs und acht Semester.

Deine Bachelorarbeit fertigst du ab dem 6. Semester an; an Hochschulen und Universitäten, in denen das Bachelorstudium mit acht Semestern angelegt ist, entsprechend in den höheren Semestern. Nach erfolgreichem Bestehen verleiht Dir die Universität den akademischen Grad des Bachelor of Science (B.Sc.). Mit dem Masterabschluss, wird dir der akademische Grad Master of Science (M.Sc.) verliehen.

An jeder Hochschule und Universität umfasst das Physik Bachelor Studium dieselben Grundfächer:

  • Experimentalphysik
  • Theoretische Physik
  • Mathematische Grundlagen


Jedes Physikstudium hat viele Praktika. In den Laborpraktika lernst du, wie du Versuche aufbaust, Messungen vornimmst und deren Ergebnisse auswertest. Manche Hochschulen und Universitäten haben in ihrem Curriculum auch ein Betriebspraktikum angelegt. Das ist hilfreich, weil du im Praktikum bei einer Firma Anwendungsgebiete dessen kennenlernst, was du studierst. Aber du kannst auf diese Weise auch interessante Spezialgebiete für dich entdecken, an die du vorher gar nicht gedacht hast.

In den höheren Semestern führt dich das Bachelorstudium in Physik über Vertiefungs- und Wahlpflichtfächer in Fachbereiche, die dein Studium der Physik kompatibel mit vielen Anwendungsbereichen macht.

An der Uni Marburg, an der auch Lea studiert, kannst du Studienrichtungen wählen, wie zum Beispiel “Physik und Wirtschaft” oder “Physik grüner Technologien”. Dann machen die Lehrveranstaltungen, die Physik mit Fächern aus dem Bereich der nichtphysikalischen Naturwissenschaften und der Wirtschaftswissenschaften kombinieren, einen größeren Anteil in deinem Fächerkanon aus. Zum Beispiel:

  • Physik mit Materialwissenschaften
  • Physik mit Biologie
  • Physik mit Informatik
  • Physik mit Wirtschaft


Andere Hochschulen und Universitäten bieten Vertiefungen wiederum in anderen Fächern an, zum Beispiel:

  • Mechanik
  • Laserphysik
  • Photonik
  • Elektro- und Thermodynamik
  • Quantenmechanik
  • Astronomie und Astrophysik
  • Nanotechnologie
  • Atom- und Molekülphysik


Im Übrigen solltest du schnell sein beim Lehrmodul belegen. Einige, vor allem praktische, physikalische Lehrveranstaltungen, finden im Labor statt und da kommt es darauf an einen Laborplatz zu ergattern. Es liegt in der Natur der Sache, dass nicht immer jeder zur gewünschten Zeit sein gefordertes Laborpraktikum machen kann.

Auslandssemester sind möglich. Fast alle Hochschulen und Universitäten unterhalten intensive Kontakte zu Hochschulen und Universitäten im Ausland. Bei Fragen zum Thema Auslandsaufenthalt wendest du dich am besten an die zentrale Studienberatung deiner Hochschule oder Universität.

Die Inhalte des Masterstudienganges Physik bauen auf den Grundlagen des Bachelor Studiums auf, vertiefen und führen in praktischen Arbeiten, oft auch in der Gruppe, verstärkt hin zum selbstständig wissenschaftlichen Arbeiten. Deiner Masterarbeit kannst du dann eine forschungs- oder anwendungsorientierte Ausrichtung geben. Spezialisierungen im Master Studium sind zum Beispiel:

  • Quantenmechanik
  • Festkörperphysik
  • Biologische und Statistische Physik
  • (Fortgeschrittene) Experimentelle Physik
  • Optik und Spektroskopie
  • Physik der kondensierten Materie
  • Physikalische Systeme und Anwendungen


Für das Masterstudium musst du zwischen zwei und vier Semester veranschlagen. Meist ist es so, dass Hochschulen und Universitäten, die ihren Bachelorstudiengang in sechs Semestern angelegt haben, ein viersemestriges Masterstudium anbieten und die, die ein achtsemestriges Bachelorstudium angelegt haben, einen zweisemestrigen Masterstudiengang anbieten. In wieweit es sinnvoll ist auf einen sechssemestrigen Bachelorstudiengang einen zweisemestrigen Masterstudiengang zu setzen, darüber kann die Studienberatung deiner gewünschten Hochschule oder Universität Auskunft geben.

Welche Skills brauchst Du?

  • Analytisches und komplexes Denken
  • Lösungsorientiertes Denken
  • IT-Affinität
  • Verständnis für naturwissenschaftliche Zusammenhänge
  • Bereitschaft eigene Ideen, aber auch die anderer in Frage zustellen
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Englisch, insbesondere Fachenglisch, Niveau B2 empfohlen
  • Selbstorganisation

Physiker:innen können in vielen Branchen arbeiten:

Physiker:innen können als Spezialisten in der Industrie und in der Wirtschaft einsteigen, aber auch in der öffentlichen Verwaltung. Physiker:innen sind in allen Forschungsbereichen der Natur- und Ingenieurwissenschaften an Hochschulen, Universitäten und öffentlichen wie privaten Forschungseinrichtungen gesucht:

  • IT und Softwarebranche
  • Elektronik und Elektrotechnik
  • Optik- und Lasertechnik
  • Halbleitertechnik
  • Automobilbranche
  • Luft- und Raumfahrttechnik
  • Energiebranche
  • Unternehmensberatung
  • Telekommunikationsbranche
  • Maschinenbau
  • Medizintechnik
  • Chemie
  • Finanzberatung
  • Wissenschaftsjournalismus
  • Öffentliche Verwaltung, wie z.B. Strahlenschutz
  • Ja sogar bei Banken und Versicherungen trifft man Physiker als Fachspezialisten
  • Wissenschaft und Forschung

Berufsaussichten und Verdienst

Unter Physikern und Physikerinnen herrscht Vollbeschäftigung. Damit der Berufseinstieg problemlos von Statten geht, solltest du einen Masterabschluss haben. Ein Doktortitel ist für den Berufseinstieg nicht notwendig. Etwas schwieriger ist es für Berufsanfänger:innen, die nur mit einem Bachelorabschluss in die Berufswelt starten wollen. Die Deutsche Physikalische Gesellschaft e.V. rechnet damit, dass der Fachkräftemangel aber auch die nun anstehenden geburtenschwachen Jahrgänge die Nachfrage nach gut ausgebildeten Physiker:innen noch verstärken werden.

Besonders gesucht sind Physiker:innen, die sich in Data Science und Quantencomputing auskennen, hier wiederum insbesondere in der Quantenoptik und Quantenphotonik.

Physiker:innen verdienen zwischen 4748 Euro Brutto und 7100 Euro Brutto, doch auch mehr ist durchaus möglich. Das hängt von deinem Studienabschluss, aber auch von dem Unternehmen oder dem Institut ab, in dem du arbeitest und von der Position, die du dort innehast.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Die Deutsche Physikalische Gesellschaft e.V. empfiehlt, nach dem Bachelorstudium noch mindestens ein Masterstudium anzuschließen. Der Grund: Es gibt kaum Physiker:innen nur mit einem Bachelor-Studienabschluss, denn die Berufsaussichten sind mit einem Masterabschluss viel besser.

Klar ist: Ein abgeschlossenes Promotionsstudium, also ein Doktortitel, zahlt sich später auch in der Physikbranche auf dem „Gehaltszettel“ aus. Mit einem höheren Abschluss hast du mehr Chancen für eine leitende Position, sei es in einem Unternehmen, einer Forschungseinrichtung oder in der öffentlichen Verwaltung und den Behörden.

Physikerin sein, heißt die Natur verstehen wollen

Lea, Physikstudentin an der Universität Marburg | Bild: BR

"Ich habe mich für die Physik entschieden, weil ich lernen will, lernen wollte, wie die Welt und alles um mich herum funktioniert. Sei es die Technik oder auch die Natur, wie sie aufgebaut ist und wie ich sie verstehen kann. Das Studium der Physik ist da herausfordernd für mich, weil man nie an dem Punkt ist, wo man fertig ist mit dem Lernen. In der Physik kann man immer weiterlernen und man wird nie an den Punkt kommen, wo man sagt: Okay, jetzt habe ich alles gelernt. Mittlerweile kann ich damit besser umgehen, weil ich nicht mehr so den Anspruch habe, einfach alles zu können. Sondern ich weiß, was mich interessiert und versuche da so viel mitzunehmen wie möglich."

Lea, Physikstudentin an der Universität Marburg