ARD alpha Uni Sport studieren – ohne Schwimmen geht nichts

Von: Susanne Bauer-Schramm

Stand: 26.07.2022 09:17 Uhr

Sportlich sein und immer gute Noten in Sport haben, das reicht noch lange nicht, um Sport zu studieren. Da gehört mehr dazu, immensen Druck aushalten ist das eine, aber auch eine Dauermotivation für sich und andere gehört dazu. Till studiert im 2. Semester Angewandte Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Gesundheit und Training an der TH Deggendorf.

Till studiert "Angewandte Sportwissenschaften" mit Schwerpunkt Gesundheit und Training an der TH Deggendorf | Bild: BR

Zulassungsvoraussetzungen

Neben dem Abitur, der Fachhochschulreife oder zumindest einer fachgebundenen Hochschulreife ist bei dem Studium Angewandte Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Gesundheit und Training ein ärztliches Attest zur uneingeschränkten Sporttauglichkeit nötig. In Bayern wird die Durchführung der Tauglichkeitsuntersuchungen u.a. durch die sportärztlichen Beratungsstellen des BSÄV (Bayerischer Sportärzteverband) und BLSV (Bayerischer Landes-Sportverband) angeboten. Und du musst ein Eignungsfeststellungsverfahren der jeweiligen Hochschule bestehen. Man muss eine Eignung für den Studiengang vorweisen, um zu zeigen, dass man den Anforderungen des Studiums überhaupt gewachsen ist, denn man muss fähig sein, im Arbeitsmarkt universell einsatzbar zu sein und den methodisch-didaktischen Transfer hinbekommen. Es variiert von Hochschule zu Hochschule.

Das Eignungsfeststellungsverfahren besteht aus drei Teilabschnitten:

1. Sportabzeichen des DOSB (Deutscher Olympischer Sportbund) in Gold.
2. Fragebogentest zur Evaluierung der sozial-kommunikativen Kompetenz und qualifizierten Interdisziplinarität.
3. Eignungstest grundlegender Bewegungsfertigkeiten in den Sportspielen.

Ganz wichtig, es müssen alle Teilabschnitte bestanden werden, sie werden bei der Bewertung gleich gewichtet.

Die Eignungsprüfungen und die Leistungsanforderungen grundsätzlich sind von Bundesland und von Hochschule zu Hochschule sehr unterschiedlich, hier lohnt es sich, sich vor der Entscheidung zu einem Sportstudium aktuell bei der Wunsch-Uni zu informieren, was gerade wo gebraucht wird. An der Uni Frankfurt am Main zum Beispiel wurde der Sporteignungstest abgeschafft. Hier reicht die Vorlage des Deutschen Sportabzeichens (mindestens Bronze für die Altersspanne 18-29 Jahre) oder auch eine bestandene Sporteignungsprüfung einer anderen Universität (nicht älter als ein Jahr).

Sporteignungsprüfungen finden zweimal im Jahr statt.

Um als Ausländer an der TH Deggendorf zu studieren, brauchst du ein C1-Zertifikat in Deutsch bzw. beim Test Deutsch als Fremdsprache mindestens 15 Punkte.

Sportstudium - Die Schwimmprüfung ist in jedem Fall zu bestehen

Studiendauer und Abschluss

Das Studium für Angewandte Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Gesundheit und Training an der TH Deggendorf schließt du mit einem Bachelor of Science (B.Sc.) ab. Du deckst viele Teilbereiche der Sportmedizin und Sportwissenschaft in 7 Semestern ab. Am Schluss steht die Bachelorarbeit.

Studienbeginn ist immer im Wintersemester.

Nach dem B.Sc. kannst du noch in 3 Semestern den Master of Science (M.Sc.) an der TH Deggendorf erreichen. Auch hier ist Studienbeginn im Wintersemester. Hier hast du die Möglichkeit deine Kenntnisse noch weiter in empirischer Forschung zu vertiefen.

Insgesamt werden an 46 Hochschulen davon 5 Fachhochschulen 98 Studiengänge zu Sportwissenschaften mit Abschlüssen B.Sc. und M.Sc., in Vollzeit, Teilzeit, dual und berufsbegleitend angeboten. (Quelle: Studycheck)

Um später als Lehrer:in arbeiten zu können, brauchst du noch ein Kernfach wie Mathematik, Deutsch oder Englisch. Mit einem Mono-Bachelor schließt du die Option, Lehrer:in zu werden, aus.

Studienhinhalte Worum geht es konkret beim Sportstudium?

Angewandte Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Training und Gesundheit mit dem Abschluss B. Sc. ist für alle Studieninteressierten geeignet, die einerseits sportbegeistert sind, aber auch ein besonderes Interesse an praxisorientierter Forschung haben. Im Laufe deines Studiums legst du in 40 Sportarten Prüfungen ab.

Es werden biologischen Grundlagen von Sport und Bewegung vermittelt. Im Mittelpunkt steht bei dem Studium eine sehr praxisnahe Auseinandersetzung mit den Themen Prävention, Rehabilitation, Sporttherapie und Wettkampfsport. Hier aufgelistet die Fächer:

  • Anatomie mit funktioneller Anatomie und Arthrokinematik
  • Physiologie
  • Methodik und Didaktik des Trainings
  • Neurowissenschaften
  • Statistik
  • Kommunikation und interdisziplinäres Arbeiten
  • Biomechanik im Sport
  • Biokybernetik
  • Grundlagen der Trainingslehre, Sportgeschichte
  • Sportpraxis
  • Methodik und Didaktik des Trainings
  • Grundlagen von Technik und Taktik
  • Adaption der Organsysteme
  • Systemische Medizin
  • Fachenglisch
  • Krankheit und Sport
  • Gender-Problematik im Sport
  • Kinder- und Jugendsport
  • Hochleistungs- und Spitzensport
  • Spezialsportarten
  • Sportpraxis
  • Antidoping, Ethik und Fairness im Sport
  • Allgemeine Verhaltenspsychologie
  • Sportpsychologie, Teamleading
  • Grundlagen der Prävention
  • Sporttherapeutische Interventionen
  • Sportbedingte Krankheiten
  • Sportmedizinische Untersuchungsmethoden
  • Ernährungslehre, Sport- und Wettkampfernährung
  • Sportgerätetechnik Grundlagen des Rehasports
  • Wissenschaftliches Arbeiten
  • Management, BWL in Gesundheit und Sport
  • Sport in BGF (Betriebliche Gesundheitsförderung) und BGM (und -management)
  • Spezielles Krafttraining, MTT (Medizinische Trainingstherapie)
  • Belastungsmonitoring mit angewandter Leistungsdiagnostik

Skills Sportleidenschaft und Menschenfreund

  • Vielseitigkeit in Sportarten
  • Sport bis an deine körperlichen Grenzen, auch in Sportarten, die man nicht mag
  • Umgang mit Leistungsdruck
  • Lust auf medizinische Themen
  • Kontaktfreudigkeit
  • Empathiefähigkeit mit allen Generationen
  • Hilfsbereitschaft
  • Teamfähigkeit
  • Affinität zu Mathematik
  • Naturwissenschaftliches Verständnis
  • Ehrgeiz
  • Zielstrebigkeit

Sportwissenschaft ist herausfordernd: Spitzenleistungen in nur einer Sportart reichen nicht!

Prof. Dr. Fritz Martin, Prüfer an der TH Deggendorf | Bild: BR / Michael Ackermann

"Wir vermitteln die Sportwissenschaften in ihrer ganzen Breite und möchten unsere Studierenden sehr gut für ihren Weg ins Berufsleben, in die reale Arbeitswelt vorbereiten. Da reicht es manchmal nicht, wenn Studierende nur in einer einzigen Sportart sehr aktiv sind und dort gute Leistungen erbringen. Man sollte in der Lage sein, einen Transfer eigener sportartspezifischer Fähigkeiten in andere Sportarten zu realisieren, um sich dort ebenfalls zu verbessern und diese Sportarten dann auf dem geforderten Level zu beherrschen. Das ist manchmal ein schwieriges Problem für diejenigen, die bisher eine sportliche Monokultur gelebt haben. Für sie ist dann die im Studium geforderte Multisportivität eine große Herausforderung, der sie sich stellen müssen. Man kann aber sagen, dass die meisten Studierenden es sehr gut hinbekommen - insbesondere durch die sporttypische kameradschaftliche Gruppendynamik motiviert. Unsere Studiensemester sind nicht sehr groß, wir arbeiten mit maximal 40 bis 50 B.Sc.-Studierenden pro Jahrgang. Das ermöglicht eine sehr familiäre Atmosphäre. In diesem Umfeld helfen sich die Studierenden auch sehr viel untereinander. Sie werden dabei von ihren Dozierenden gut betreut und schaffen es dann letztendlich auch, diese Hürden gemeinsam zu überwinden."

Prof. Dr. med. Jens Martin, Studiengangsleiter Angewandte Sportwissenschaften, THD - Technische Hochschule Deggendorf

Beruf und Karriere

Sportwissenschaftler:innen mit Schwerpunkt Gesundheit und Training haben in diesen Bereichen gute Berufschancen:

  • Trainertätigkeiten (Breitensport, Gesundheitssport, Leistungssport)
  • Leistungsdiagnostik im Sport und Fitnessbereich
  • Beratung und Gesundheitsmanagement
  • Präventives Gesundheitsmanagement in Firmen und Krankenkassen
  • Mitarbeit in Sportorganisationen
  • Sportwissenschaftliche Tätigkeiten bei Bildungseinrichtungen, Verbänden und Vereinen
  • Tätigkeiten im Bereich Sport- und Verbandsmanagement
  • Dozententätigkeiten in der Erwachsenenbildung


Früher schloss man das Studium mit einem Diplom ab. Die Bezeichnung Diplom-Sportwissenschaftler:in ist auch heute noch zu finden.

Gehalt

Das Gehalt eines Sportwissenschaftlers / einer Sportwissenschaftlerin hängt von den Inhalten der Tätigkeit ab und steigt im Laufe der Berufserfahrung von 2.650 Euro / Monat auf 4.650 /Monat. Im Schnitt beträgt der Brutto-Verdienst 3.280 Euro /Monat. (Quelle: Bruttogehalt laut Entgeltatlas der Bundesagentur für Arbeit)

Sportwissenschaftler:innen im IT-Bereich und im Direktions- und Leitungsbereich sowie im Produktmanagement können auch auf ein Bruttogehalt von 7.400 Euro brutto im Monat kommen. (Quelle.Gehalt.de)

Wenn du eine Karriere als Lehrer vorhast, ist dein Gehalt durch Tarife geregelt. Als Grundschullehrer landet man in einer Besoldungsgruppe von etwa 4.000 Euro brutto im Monat, auf dem Gymnasium liegt dein Verdienst im Schnitt bei 4.750 Euro brutto im Monat (Quelle: Studycheck)

Stress pur: Sogar mit Mathe-Leistungskurs kommst du an die Grenzen

Till, Student für Sportwissenschaften an der TH Deggendorf | Bild: BR / Michael Ackermann

"Müdigkeitsanfälle habe ich quasi jeden Tag. Das ist natürlich anstrengend, die ganzen Vorlesungen quasi morgens, dann den Sport danach. Und man muss sich abends irgendwie hinsetzen zum Lernen. Also man muss es schon auf jeden Fall wollen, weil es zeitintensiv ist. Anatomie ist sehr viel auswendig lernen. Wenn man genau wissen muss, wie der eine Höcker auf dem Knochen heißt, wo die einzelnen Muskeln von wo bis wo die gehen, wo die ansetzen. Ich hab auch nicht damit gerechnet, dass wir überhaupt rechnen müssen, so viel. Gerade in Biomechanik mit der Winkelberechnung und so was alles. Da komme ich auch gut an meine Grenzen, obwohl ich Mathe Leistungskurs hatte. Ja, und bei naturwissenschaftlichen Grundlagen muss man sich schon bewusst sein, das ist nicht wie Biologie in der Schule, sondern deutlich komplexer. Und viel detaillierter. Mit vielen Fachbegriffen. Wenn ich einen guten Tag habe, dann sitze ich auch mal bis 23 Uhr, 1 Uhr nachts oder so und lerne da noch mal ein bisschen was."

Till, Student für Sportwissenschaften, TH Deggendorf