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Orang-Utans Die Menschenaffen sind vom Aussterben bedroht

Die letzten freilebenden Orang-Utans auf Borneo und Sumatra verlieren ihre Heimat: Immer mehr Palmölplantagen und Brände zerstören ihre Wälder. Die friedlichen und faszinierenden Menschenaffen sind vom Aussterben bedroht.

Published at: 17-8-2022

Ein Orang-Utan klettert in einem Baum. Die letzten freilebenden Orang-Utans sind in Gefahr. Der Bau von Palmölplantagen, Waldbrände und Wilderei gefährden das Überleben der Menschenaffen.  | Bild: dpa-Bildfunk/pda/Andrew Walmsley

Orang-Utans sind die einzigen Menschenaffen in Asien und sie sind selten geworden. Vor 20.000 Jahren lebten sie noch in weiten Teilen Südostasiens und waren vom Himalaya und Südchina bis nach Java verbreitet. Heute sind sie nur noch auf den beiden indonesischen Inseln Borneo und Sumatra zu finden. Laut der Roten Liste der Weltnaturschutzunion (IUCN) gelten Orang-Utans als "critically endangered", also als vom Aussterben bedroht. 2021 gab es nur noch rund 120.000 Orang-Utans. In den letzten zwei Jahrzehnten sind auf Borneo mehr als 100.000 Orang-Utans verschwunden - trotz intensiver Schutzbemühungen. Das hat das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung in Leipzig untersucht.

Orang-Utans: Gefährdete "Waldmenschen"

Orang-Utan in Tanjung Puting National Park in Kalimantan (Borneo)

Die überlebenden Tiere bewohnen die schmalen Streifen des Regenwalds, die auf Borneo und Sumatra noch übrig sind. Ohne den Regenwald können Orang-Utans nicht überleben. Denn die Menschenaffen machen ihrem Namen alle Ehre: Übersetzt aus dem Malaiischen bedeutet Orang-Utan so viel wie "Waldmensch". Die Menschenaffen sind die größten baumlebenden Säugetiere der Welt und verbringen fast ihr ganzes Leben in den Bäumen. Doch nicht nur Orang-Utans sind von der Vernichtung des Regenwaldes auf Borneo und Sumatra betroffen. Auf den beiden Inseln mit ihren besonderen Ökosystemen aus Torfmoorwäldern, Sümpfen und Meeresküsten haben viele seltene Arten ihre Heimat.

Abholzung, Palmölanbau und Wilderei bedrohen Orang-Utans

Wir Menschen haben den Lebensraum der Orang-Utans, den Regenwald auf Borneo und Sumatra, zum großen Teil vernichtet. Um Monokulturen aus Ölpalmen anzulegen, werden seit Jahrzehnten Torfmoorwälder durch Brandrodung abgeholzt oder abgebrannt - mit dramatischen Folgen für die Orang-Utans, aber auch für das Klima. Die indonesischen Inseln Sumatra und Borneo decken einen Großteil des weltweiten Palmölverbrauchs. Das Fett steckt in Tiefkühlpizzen und Schokocremes genauso wie in Lippenstiften, Körperlotionen, Biodiesel oder Waschmittel. Auch die Wilderei ist eine Bedrohung für die Tiere.

Aus zwei Orang-Utan-Arten wurden drei

Zu den Orang-Utans zählen erst seit 2017 drei verschiedene Arten: der Borneo-Orang-Utan, der ausschließlich auf Borneo lebt, der Sumatra-Orang-Utan und der Tapanuli-Orang-Utan, die beide Sumatra bewohnen. Die Tapanuli-Orang-Utans wurden erst 2017 als eigene Art anerkannt. Diese Orang-Utan-Art besteht nur aus rund 800 Tieren. Mindestens genauso groß wie die Freude der Forscher über ihre Neuentdeckung ist die Sorge um die Tiere: Denn der Tapanuli-Orang-Utan gilt wie die beiden anderen Orang-Utan Arten als vom Aussterben bedroht. Der neuen Art macht vor allem der Bau eines Wasserkraftwerks in ihrem Lebensraum auf Sumatra zu schaffen.

"Kaum entdeckt ist die neue Art mit nur 800 Individuen leider schon akut bedroht. Neben Goldabbau, illegaler Entwaldung und Wilderei stellt ein geplantes Dammbauprojekt die größte Bedrohung für sie dar. Der Tapanuli-Orang-Utan lebt im Batang-Toru-Wald auf einer Fläche von nur 1.100 Quadratkilometern."

Susanne Gotthardt, Indonesien-Referentin beim WWF Deutschland

Schon gewusst? Orang-Utan-Fakten:

Orang-Utans gehören zu unseren nächsten Verwandten. Sie sind meistens als Einzelgänger unterwegs, sind wahre Kletterkünstler und die größten Baumbewohner im ganzen Tierreich. Ihre zur Seite ausgestreckten Arme haben eine Spannweite von rund zwei Metern. Männchen legen lebenslang an Gewicht zu und können im höheren Alter bis zu 100 Kilogramm wiegen. Weibchen wiegen etwa die Hälfte. Nur alle vier bis acht Jahre - und das auch nur zwei- bis dreimal in ihrem Leben - bekommt ein Weibchen ein Junges, um das es sich jahrelang kümmert. Das macht Orang-Utans so verletzlich: einmal dezimiert, erholen sie sich fast nicht mehr.


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