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Wirtschafts-Nobelpreis 2022 Für die Forschung zu Banken und Wirtschaftskrisen

Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften geht 2022 an drei Wirtschaftswissenschaftler, die die wichtige Rolle von Banken in Wirtschaftskrisen und zugleich deren Verletzlichkeit erforscht haben.

Stand: 10.10.2022 11:53 Uhr | Archiv

Der Wirtschaftsnobelpreis 2022, der Sonderpreis der Sveriges Riksbank für Wirtschaftswissenschaften im Gedenken an Alfred Nobel, geht 2022 an die drei US-Ökonomen Ben Bernanke (links), Douglas Diamond (Mitte) und Philip Dybvig (rechts).  | Bild: dpa-Bildfunk, Collage: BR

Der Sonderpreis für Wirtschaft geht zu gleichen Teilen an die drei US-amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Ben Bernanke (Brookings Institution), Douglas Diamond (University Chicago) und Philip Dybvig (Washington University) für ihre Grundlagenforschung zu Banken in Finanzkrisen.

"Die diesjährigen Preisträger der Wirtschaftswissenschaften - Ben Bernanke, Douglas Diamond und Philip Dybvig - haben unser Verständnis der Rolle von Banken in der Wirtschaft, insbesondere in Finanzkrisen, erheblich verbessert. Eine wichtige Erkenntnis ihrer Forschung ist, warum es so wichtig ist, Bankenzusammenbrüche zu vermeiden."

Begründung der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften zum Wirtschaftsnobelpreis 2022

Die drei Ökonomen legten in den frühen 1980er-Jahren die Grundlagen für moderne Bankenforschung, die heute untersucht, wie man Banken weniger verletztlich macht, da ein Kollaps von Banken eine Finanzkrise erheblich verschärft.

Die Nobelpreisträger analysierten beispielsweise an der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre den Konflikt zwischen Sparern, die jederzeit über ihr Angespartes verfügen möchten, und Unternehmen, die für Investitionen aufgenommene Kredite nicht vorzeitig abzahlen können. Banken vermitteln in diesem Konflikt, doch genau diese Position macht sie auch krisenanfällig. Bekannt gegeben wurde der Wirtschaftsnobelpreis 2022 am 10. Oktober.

Run auf die Bank

Tauchen Gerüchte über eine mögliche Instabilität der Bank auf, kommt es zu einem förmlichen Run der Sparer auf die Bank und das Gerücht wird zur sich selbst erfüllenden Prophezeiung: Die Bank kollabiert. Eine Einlagensicherung über den Staat kann hier wirkungsstark eingreifen.

Kein echter Nobelpreis

Der Preis für Wirtschaftswissenschaften nimmt unter den Nobelpreisen eine Sonderstellung ein: Er wurde erst 1969 zum ersten Mal verliehen. 2009 erhielt erstmals eine Frau diesen Preis. Und bei den männlichen Preisträgern überwiegen deutlich Ökonomen, die an US-Universitäten oder in den Vereinigten Staaten gearbeitet haben. Der Wirtschafts-Nobelpreis ist streng genommen kein echter Nobelpreis, denn er geht nicht auf Alfred Nobels Testament zurück, sondern wurde erst nachträglich von der Schwedischen Reichsbank gestiftet - "in Gedenken an Alfred Nobel". Der Anlass war der 300. Geburtstag der Bank.

Preisträger am Rande und im Anhang

Dem Chemiker und Industriellen Alfred Nobel selbst sollen die Wirtschaftswissenschaften jedoch nie ganz geheuer und deshalb niemals preiswürdig gewesen sein. Jedoch werden die Preisträger wie bei den Nobelpreisen für Physik und Chemie von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften nominiert und auch im Rahmen der gesamten Preisverleihung überreicht. Doch ihre Namen tauchen im Verzeichnis der Nobelpreisträger nur in einem Anhang auf und werden statt auf die Flächen der Nobel-Medaille auf deren Rand eingraviert.

Wirtschafts-Preisträger der vergangenen Jahre

  • 2021: David Card, Joshua D. Angrist und Guido W. Imbens für ihre Arbeitmarkt- und Armutsforschung.
  • 2020: Paul R. Milgrom und Robert B. Wilson für ihre Forschung zur Autionstheorie.
  • 2019: Abhijit Banerjee, Esther Duflo und Michael Kremer für ihre experimentellen Theorien in der Entwicklungsökonomie
  • 2018: William D. Nordhaus und Paul M. Romer (beide USA) für ihre Theorien zum Zusammenhang von Wirtschaftswachstum und Umweltfolgen sowie technischen Innovationen
  • 2017: Richard H. Thaler (USA) für die Begründung der Verhaltensökonomie
  • 2016: Oliver Hart (Großbritannien) und Bengt Holmström (Finnland) für ihre Forschungsarbeiten zur Vertragstheorie im Wirtschaftsleben
  • 2015:Angus Deaton (Schottland) für seine bahnbrechenden Arbeiten über Konsum, Armut, Ungleichheit und Gesundheit
  • 2014: Jean Tirole (Frankreich) für seine Arbeiten zu den Themen Marktmacht und Regulierung, vom "Zähmen mächtiger Firmen"
  • 2013: Eugene F. Fama, Lars Peter Hansen und Robert J. Shiller (alle USA) für ihre empirischen Analysen von Aktienkursen
  • 2012: Die Spieltheoretiker Alvin E. Roth (USA) und Lloyd S. Shapley (USA) für ihre grundlegenden Erkennisse, wie verschiedene wirtschaftliche Akteure optimal für alle zusammenkommen.
  • 2011: Thomas Sargent und Christopher Sims für ihre empirische Untersuchung von Ursache und Wirkung in der Makroökonomie
  • 2010: P. Diamond, D. Mortensen, C. Pissarides: für ihre Such-Theorie für Märkte wie den Arbeitsmarkt
  • 2009: Elinor Ostrom, Oliver Eaton Williamson, USA: für ihre Studien über eine konfliktfreie Organisation der Märkte
  • 2008: Paul Krugman, USA: für seine Studien als Handelstheoretiker
  • 2007: Leonid Hurwicz, Eric Maskin, Rober Myerson, alle USA: für die Entwicklung der Theorie des Mechanism Design
  • 2006: Edmund Phelps, USA: für die Erforschung des Zusammenhangs von Preisentwicklung und Arbeitsmarkt
  • 2005: Robert Aumann, Israel und USA, Thomas Schelling, USA: für die Weiterentwicklung der Spieltheorie auf Konfliktsituationen
  • 2004: Finn Kydland, Norwegen, Edward Prescott, USA: für ihren Beitrag zur dynamischen Makroökonomie
  • 2003: Robert Engle, USA, Clive Granger, Großbritannien: für Methoden zur Analyse ökonomischer Zeitreihen
  • 2002: Daniel Kahneman, USA und Israel, Vernon Smith, USA: für die Einführung psychologischer Herangehensweisen in die Wirtschaftswissenschaft
  • 2001: George Akerlof, Michal Spence, Joseph Stiglitz, alle USA: für ihre Analyse von Märkten asymmetrischer Information

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