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Europäische Kostbarkeiten (1) Die Höhle von Lascaux – Morgendämmerung der Kunst

Schamanismus, Beutebeschwörung, Jägerstolz oder einfach "nur" Kunst? Über die Bedeutung der 17.000 Jahre alten Höhlenbilder von Lascaux rätselt die Forschung noch immer. Nur eines erschließt sich auf Anhieb: Die Schönheit einer Malerei, deren Feinheit und Raffinesse uns noch heute staunen lässt.

Author: Volker Eklkofer & Simon Demmelhuber, ein Film von Franz Baumer

Published at: 21-5-2012

Ein Abbild eines Pferdes in der Höhle von Lascaux | Bild: BR

In Südwestfrankreich, im Herzen der Dordogne, befindet sich das Tal der Vézère, das von hohen Felswänden eingerahmt wird. Hier liegt eine Höhle, in der vor etwa 17.000 Jahren Menschen der Altsteinzeit faszinierende Abbildungen schufen.

Die Sendung führt durch die Höhle von Lascaux, die im Jahr 1940 entdeckt wurde. Zu sehen sind lebensechte Malereien, die meist größere Tiere wie Pferde, Stiere, Hirsche und Auerochsen zeigen. Hinzu kommen Fabelwesen und eine einzige Person. Die Grundfarben der Malereien, die Jahrtausende unbeschadet überdauerten, sind gelb, braun und rot bis violett. Vor allem aber beeindrucken die Bilder durch ihre ästhetische Qualität.

Welche Bedeutung haben die Höhlenbilder?

Erste Deutungen gingen davon aus, dass ein Wohnort verschönert wurde. Dann rückte die Jagd als Motiv der Wandmalereien in den Fokus. Es gibt auch die Vermutung, dass die Bilder Zeugnisse des Schamanismus und Belege für eine ursprüngliche Form religiöser Betätigung sind. Ethno-Astronomen meinen, dass in Lascaux ein prähistorischer Kosmos dargestellt ist. Was immer die als "Sixtinische Kapelle der Prähistorie" gerühmte Höhle gewesen sein mag - für uns ist sie ein Uranfang der Kunst aus dem Dunkel der Vorzeit.

Rundgang durch die Höhle

Als imposantester Teil der Höhle gilt die Halle der Stiere; hier sind verschiedene Stiere, Pferde und Hirsche, aber auch ein Bär, abgebildet. Die Schar der Tiere wird von einem Fabelwesen, dem Einhorn, angeführt. Im axialen Divertikel fällt der Blick des Betrachters sogleich auf die Decke am Eingang. Man sieht Pferde, einen auffälligen schwarzen Stier und ein imposantes schwarz-rotes Pferd, eingerahmt von Zeichen, die an einen Baum erinnern.

Es folgt der Durchgang mit vielfältigen Ritzungen und Malereien. In der Apsis können mehr als 600 Figuren betrachtet werden, die einander oft überlagern. Im Schiff befinden sich fünf voneinander getrennte Flächen mit Steinböcken, Pferden, Hirschen, Bisons und einer schwarzen Kuh, wohl einer geheiligten Figur, die über andere Tiere herrscht.

Im Kabinett der Katzentiere überqueren Hirsche einen Fluss, Pferde und Bisons sind zu sehen, dazu sechs Raubtiere. Im Schacht befindet sich die einzige Menschendarstellung in der Höhle von Lascaux: ein Mann mit Vogelkopf und erregtem Glied unter einem aggressiv wirkenden Bison, dem die Därme aus dem Bauch quellen. Nahe des Mannes ist ein Stock mit Vogelprofil zu sehen.


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