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Bedrohter Nerz Verdrängt vom amerikanischen Mink

Der Europäische Nerz gilt als stark gefährdet. Nur noch zwischen 10.000 und 20.000 Tiere leben in ganz Europa. Schuld am Schwund der Tiere sind heutzutage Lebensraumverlust und der amerikanische Mink, der sich in Europa ausbreitet.

Stand: 08.06.2020

Ein Europäischer Nerz schaut hinter einem Stamm hervor. Die Tierart gilt als stark gefährdet. | Bild: picture-alliance/dpa

Anfang des 20. Jahrhunderts ging es dem Mardertier wegen seines Fells an den Kragen. 1925 wurde in Deutschland das letzte bekannte wilde Exemplar erlegt. Mustela lutreola, so sein lateinischer Name, wurde nicht nur massenhaft gejagt, auch sein natürlicher Lebensraum wurde zerstört.

Den wenigen restlichen Tieren machte schließlich ihr entfernter amerikanischer Verwandter, der Mink, fast den Garaus. Er entwischte aus Pelzfarmen oder wurde von Tierschützern befreit und siedelte sich in Europa an. Doch Biologen haben den Europäischen Nerz noch nicht aufgegeben und versuchen ihn nachzuzüchten und auszuwildern.

Erst gejagt, dann verdrängt

Die kleinen, flinken Tiere waren zunächst wegen ihres Fells sehr begehrt. Vor allem in Russland wurden in den 1920er-Jahren bis zu 50.000 Tiere jährlich getötet. Und das, obwohl ihr Fell nicht so wertvoll ist wie das des Amerikanischen Nerzes, dem Mink. Doch nicht nur die Jagd dezimierte ihren Bestand: Auch der natürliche Lebensraum der Einzelgänger wurde immer stärker zerstört.

Verlust des Lebensraums

An Gewässerufern ist der Europäische Nerz in seinem Element.

Der Europäische Nerz lebt in Feuchtgebieten und braucht einen Zugang zu Wasser. Sein Lebensraum schwand rapide, als immer mehr Flüsse begradigt wurden, Seeufer eingefasst, Wälder gerodet, Kraftwerke gebaut und das Wasser verschmutzt wurde. Damit nahm auch seine Nahrungsangebot ab, etwa Frösche, kleine Säugetiere, Vögel oder Insekten. Zu all dem kam auch noch Konkurrenz aus Übersee: Der Amerikanische Nerz machte dem heimischen Nerz Beute und Reviere streitig.

Der Amerikanische Mink

Der Mink, wie der Amerikanische Nerz Mustela vison auch genannt wird, ist größer, robuster und anpassungsfähiger als sein entfernter europäischer Verwandter. Deshalb und weil sein Fell schöner ist, wird der Mink als Pelztier gezüchtet, während der Europäische Nerz sich nicht dazu eignet. In den 1950er-Jahren holten Pelztierfarmer den Amerikanischen Nerz zur Zucht nach Europa. Doch zahlreiche Exemplare entkamen, andere wurden von Tierschützern befreit. Der Kampf ums Überleben in freier Natur begann.

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Zuchtprojekte in Deutschland

Früher gab es den Europäischen Nerz in ganz Europa. Heutzutage ist er stark gefährdet. Um die Tierart vor der Ausrottung zu retten, wurde 1998 von Biologen der Universität Osnabrück der Verein "EuroNerz" gegründet. Die Forscher beteiligen sich am europaweiten Projekt zur Nachzucht und Auswilderung der hundeartigen Raubtiere. So wurden die ersten Tiere 2006 im Saarland und 2010 am Steinhuder Meer in Niedersachsen in die Freiheit entlassen.

Die Nerz-Zucht ist nicht einfach: Oft werden die Weibchen nicht schwanger oder sie ziehen die Jungtiere nicht auf. Trotzdem gibt es im Steinhuder Meer Zucht-Erfolge zu vermelden - und Probleme im Saarland. Wiederangesiedelte Biber sorgten für so große ideale Nerz-Reviere, dass die ausgewilderten Tiere vereinzelten und sich zur Paarungszeit nicht wiederfanden. Das Projekt wurde inzwischen eingestellt.

Zuchtprojekt in Estland

Auch der Zoo im estländischen Tallin kann Zuchterfolge vorweisen. Dort begann Ende der 1990er-Jahre die Wiederansiedlung der Tiere auf der einsamen Ostseeinsel Hiumaa. Mit Erfolg: Von rund 300 ausgewilderten Tieren überlebten 40 bis 50 Exemplare und siedelten sich fest an. Abgesehen davon gibt es in Europa nur noch vereinzelte Populationen in Spanien, Russland (Ural), der Ukraine (Donaudelta) und Rumänien. Die Population in Südwest-Frankreich gilt momentan als ausgestorben (Stand 2020).

Freiheit mit Hindernissen

Auch auf Hiumaa hatten sich schon Minks breit gemacht. Sie wurden mit Lebendfallen eingefangen, bevor die ersten Europäischen Nerze im Jahr 2000 freigelassen wurden. Nerze zu überwachen ist allerdings nicht einfach: Die Tiere zu besendern ist schwer, weil sie scheu sind. Zudem verlieren sie oft ihre Sender. So konnten nur vereinzelt ausgewilderte Tiere wiedergefunden werden. Die schwierigste Aufgabe, die die freigelassenen, an Menschen gewöhnte Nerze bewältigen müssen, ist die Futtersuche. Gefährlich wird es, wenn die Raubtiere vor Hunger beim Jagen unvorsichtig werden.

Gefahr durch Mink-Befreier

Eine ernsthafte Gefahr für ihre Auswilderungsprogramme sahen die Biologen auch lange in Tierschützern, die Minks aus Pelztierfarmen befreiten. Wenn bei solchen Aktionen Tausende von Minks in freier Wildbahn ausgesetzt wurden, hatten die ehrenamtlich arbeitenden Biologen mit ihren Europäischen Nerzen keine Chance mehr: Die eingewanderten Tiere machten sich breit und verdrängten heimische Nerze aktiv.

Nur Minks werden als Pelztiere gezüchtet.

Inzwischen gibt es hierzulande kaum noch Pelztierfarmen. Sie sind nach Osteuropa (Weißrussland, Ukraine) abgewandert. Die vier größten Pelz-Produzenten weltweit sind allerdings Dänemark, China, Polen und die Niederlande. Pelze sind weiterhin sehr gefragt, werden aber nicht mehr so offen zur Schau gestellt wie früher.


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