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Teacup Dogs Mini-Modehunde sind Tierquälerei

Große Kulleraugen, runde Köpfe und winzige Körper: Teacup Dogs sind in sozialen Medien der Renner. Stars wie Paris Hilton haben die Mini-Hunde bekannt gemacht. Doch die Züchtungen sind eine Qual für die Hunde.

Author: Anja Bühling

Published at: 22-5-2023

Teacup Dog - Teetassen-Hund - mit Hut. Teacup Dogs sind in sozialen Medien der Renner. Stars wie Paris Hilton haben die Mini-Hunde bekannt gemacht. Doch die Mini-Züchtungen sind eine Qual für die Hunde. | Bild: picture alliance/Mary Evans Picture Library

Ein Hund mit einem winzigen Körper und großen Kulleraugen im praktischen Handtaschenformat - wie ein Welpe und das ein Leben lang: Das sind Teacup Dogs, Teetassen-Hunde. Die Mini-Hunde, die das Kindchen-Schema voll erfüllen, liegen seit ein paar Jahren im Trend. Es gibt sie unter anderem als Miniversion eines Chihuahua, Spitz, Yorkshire Terrier oder Pudel. Dabei handelt es sich jeweils nicht um eigene Rassen, sondern um spezielle Züchtungen einer Rasse, die wesentlich kleiner sind als das Original, viel weniger wiegen und selbst ausgewachsen in einen Tee-Pott passen. Teacup-Hunde sind häufig nicht größer als 20 Zentimeter und wiegen meist weniger als eineinhalb Kilogramm. Diese Züchtungen bringen für die Tiere gravierende gesundheitliche und soziale Probleme mit sich, unter denen die Hunde ihr ganzes Leben leiden müssen.

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Mini-Hunde: schwächste Welpen als Zuchttiere

Die These Darwins des "Surviving of the fittest" - "Nur das am besten angepasste Lebewesen überlebt" - ignorieren die Züchter von Teacup Dogs vollkommen: Sie paaren die sogenannten Kümmerlinge miteinander. Das sind die schwächsten und kleinsten Tiere eines Wurfs, so Andrea Mihali, vom Deutschen Tierschutzbund. Die Folge dieser Züchtungen sind zahlreiche Erkrankungen, denn nicht alle Organe oder auch das Gehirn lassen sich bei Hunden in gleichem Maße durch Zucht verkleinern.

Fehlbildungen bei Teacup Dogs als Folge der Schrumpf-Zucht

Eine Folge der Miniaturisierung kann sein, so die Spezialistin, dass die Fontanelle am Kopf der Tiere nicht zuwächst. Bei der Leber kann die Züchtung zu einem sogenannten Lebershunt führen. Das ist ein Blutgefäß, das das Blut um die Leber herum transportiert, sodass es nicht in der Leber entgiftet werden kann. Daran leidende Hunde müssen häufig kostspielige Operationen über sich ergehen lassen und teures Spezialfutter fressen. Auch einen Trachealkollaps erleiden Teacup Dogs früher. Dabei verursacht eine Instabilität im Halsbereich, dass die Luftröhre an einer Stelle zusammenklappt. Die Luftzufuhr wird gestört, der Hund bekommt zu wenig Sauerstoff und kann kaum atmen. Herzdefekte, Kreislaufschwächen, Gebiss- und Kieferanomalien, fragile Knochen, Zittern durch eine zu niedrige Körpertemperatur und Unterzucker - können weitere Folgen der Schrumpf-Zucht sein. Es ist geradezu absurd, dass Leute sich einen so krank gezüchteten Mini-Hund kaufen, der dann auch noch hohe Arztkosten verursachen kann, bestätigt Mihali.

Teacup Dogs sind keine Mode-Accessoires

Diese Winzlinge sind eine Modeerscheinung, die ins Designertäschchen passt und mit dem die Besitzer auffallen möchten. Stars und Sternchen wie Paris Hilton machten die Mini-Züchtungen berühmt. Hilton ließ sich gern und oft mit ihren Mini-Hunden fotografieren. Ihre Bilder und Videos sorgten vor allem in sozialen Medien für Furore.

Promis wie Paris Hilton machen es vor und viele machen es nach: Erst hatte sie einen Chihuahua, dann einen Teacup-Hund.

Es handelt sich jedoch um ein lebendes Tier und kein Spielzeug, betont Expertin Mihali. In den USA tragen die Tiere genau diesen Namen: "Toy-Dog", "Spielzeug-Hund". Auch wenn die Mini-Züchtungen als modisches Accessoire gekauft werden: Sie bleiben Hunde, die regelmäßig Auslauf und Futter brauchen. Häufig werden die Hunde aber nur herumgetragen, haben keine sozialen Kontakte zu Artgenossen und sind nicht sozialisiert.

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Die Mini-Hunde werden oft im Netz gehandelt

Offizielle Zahlen, wie viele der Teacup Dogs es in Deutschland gibt, sind nicht zu bekommen. Die speziell kleingezüchteten Tiere werden in keinem Zuchtverzeichnis geführt. Hinzu kommt: Die meisten Tiere werden über das Internet gehandelt.

Dass Mini-Hunde weltweit versandt werden und die Verkäufer die künftigen Besitzer nicht genau kennen, spreche gegen die Seriosität des Angebotes, sagt Daniela Schrudde, inhaltliche Leiterin der Welttierschutzgesellschaft. Zudem sind auch die Zertifikate keine Garantie dafür, dass es den Tieren gut geht, so die Tierexpertin weiter. "Es gibt immer wieder auch Tierärzte, die Zertifikate ausstellen, die dann aber nichts wert sind."

Seriöse Zucht von Teacup Dogs gibt es nicht

Ginge es nach der "Zuchtordnung des Verbandes für das deutsche Hundewesen" (VDH) mit Stand 2021 müsste die Zucht von Teacup-Hunden verboten sein. Diese sieht bei Zuchthunden ein Mindestgewicht von zwei Kilogramm vor. Teacup-Hunde wiegen jedoch häufig sogar weniger als 1.000 Gramm. Zur Zucht dürfen nach der Zuchtordnung des VDH außerdem nur gesunde, verhaltenssichere und rassetypische Hunde zugelassen und eingesetzt werden. 

Keine Handhabe gegen Qualzucht von Teacup Dogs

Für Tierschützer fallen Teacup Dogs unter die sogenannte "Qualzucht". Sie fordern eine Neuregelung, einen "konkreten Qualzuchtparagrafen", und ein gesetzliches Zuchtverbot für Teacup-Hunde. Der jetzige Paragraf 11b des Tierschutzgesetzes, der das Verbot von Qualzuchten regelt, sei "sehr offen formuliert", sagt Andrea Mihali. Daher sei es sehr schwierig gegen Züchter von Mini-Hunden vorzugehen.

Nachfrage bestimmt die Zucht der Mini-Hunde

Am Ende mag eine Gesetzesänderung vielleicht dafür sorgen, dass Züchter oder Händler eher zur Rechenschaft gezogen werden. Dass Teacup Dogs nicht mehr gezüchtet werden, hängt aber vor allem von der Nachfrage ab. Kauft keiner mehr Modehündchen, wird die Zucht unrentabel - und vielleicht eingestellt werden.

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