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Zecken FSME - Sollte man sich impfen lassen?

Published at: 14-3-2022

Zecken können durch ihre Stiche Krankheitserreger wie für eine Borreliose oder FSME übertragen.  | Bild: picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte

Die Impfung muss insgesamt dreimal erfolgen, damit der Schutz vollständig ist. Bis zu zwölf Monate dürfen zwischen den Impfungen im größten Notfall vergehen, ohne dass der bisher erreichte Schutz verloren sei. Empfohlen seien ein bis drei Monate Zeit zwischen den Impfungen, so das Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Das PEI in Langen ist als "Bundesamt für Sera und Impfstoffe" für die Zulassung von Impfstoffen zuständig.

FSME-Schutzimpfung - sinnvoll oder nicht?

In Deutschland liegen die FSME-Risikogebiete vor allem in Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen, im südöstlichen Thüringen und in Sachsen. In diesen Regionen ist eine FSME-Impfung nicht nur sinnvoll, die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt sie dringend.

Im Jahr 2021 wurden vom Robert Koch-Institut insgesamt 390 FSME-Erkrankungen übermittelt (Stand: 21.01.2022). Dies entspricht einer Abnahme von 45 Prozent gegenüber dem Rekordwert im Vorjahr (712 FSME-Erkrankungen in 2020). Durch einen technischen Fehler konnten jedoch etwa 5 Prozent der 2021 gemeldeten FSME-Erkrankungen nicht gezählt werden. Die jährliche Fallzahl seit 2001 schwankt stark zwischen 195 (2012) und 712 (2020), im Median 313.

Allein in Bayern ist nach Angaben des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) seit 2017 ein deutlicher Anstieg der FSME-Fallzahlen zu beobachten: In den Rekordjahren 2017-2020 wurden jeweils über 200 Infektionen für Bayern gemeldet (Stand 14.03.2022). Angesichts der Fallzahlen beklagte das Robert-Koch-Institut (RKI) in seinem "Epidemiologischen Bulletin" vom März 2022 eine zu geringe Impfquote, gerade in Risiko-Gebieten.

FSME-Impfvorsorge: Nur zehn Prozent der Deutschen denkt daran

Mehr als die Hälfte der Deutschen (64 Prozent) ist sich des Risikos bewusst, bei einem Urlaub in FSME-Gebieten von einer Zecke gestochen werden zu können. Doch nur zehn Prozent lassen sich vor der Abreise impfen. Dabei wird die Impfvorsorge immer wichtiger, so die Experten. FSME ist eine Erkrankung der Hirnhäute und des zentralen Nervensystems, die nicht mit Medikamenten heilbar ist.

"Impfen ist der beste Schutz vor einer FSME-Erkrankung."

Professor Gerhard Dobler, Zeckenexperte

Wichtig: Wer sich zeitnah auch gegen Corona impfen lässt, sollte darauf achten, dass zwischen beiden Impfungen ein Abstand von zwei Wochen besteht.

FSME-Fallzahlen hängen vom Wetter ab

Eine Sprecherin des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) sagt, es sei stark vom Wetter abhängig, wie häufig Menschen von Zecken gestochen werden. "Ist das Wetter schlecht, geht der Mensch seltener in die Natur." Bei schönem Wetter seien mehr Menschen draußen, dadurch erhöht sich auch die Möglichkeit, mit einer Zecke in Kontakt zu kommen.

FSME-Impfung - Vorsicht bei Kindern unter drei Jahren!

Bei Kindern unter drei Jahren sollte man nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission mit dem Arzt absprechen, ob eine Impfung tatsächlich notwendig ist: Bei Kleinkindern können teilweise gravierende Nebenwirkungen auftreten, unter anderem Fieberschübe bis zu 41 Grad. Normalerweise verläuft eine FSME-Infektion bei Kindern weit weniger schwer als bei Erwachsenen. Ältere Erwachsene ab 50 Jahren sind die Hauptrisikogruppe für FSME. Sie sollten sich impfen lassen.

Der Begriff "Zeckenimpfung" führt in die Irre

FSME ist jedoch nur eine der Krankheiten, die Zecken übertragen können: Eine Impfung schützt nur vor der seltenen FSME-Erkrankung. Gegen die weitaus häufigere Borreliose gibt es keinen Impfschutz. Der Begriff "Zeckenimpfung" ist daher irreführend.

Schutz für Haustiere

Vor allem Hunde und freilaufende Katzen leiden unter Zecken. Über Zecken können sich Hunde mit gefährlichen, teils tödlichen Krankheiten infizieren - zum Beispiel mit Borreliose, Babesiose - die sogenannte Hundemalaria - und Anaplasmose. Zeckenhalsband und Permethrinpräparate, die eine Abwehrschicht auf der Haut bilden, bieten für Hund und Katze gegen Zeckenbefall einen gewissen Schutz.

Die Braune Hundezecke nistet sich auch in Wohnungen ein

Mit dem Klimawandel wächst nach Ansicht von Forschern die Gefahr von Infektionen durch eingewanderte Zeckenarten - wie zum Beispiel durch die Hyalommazecke. Es gibt aber noch eine weitere Zeckenart, die aus dem Mittelmeerraum und Nordafrika eingewandert ist und sich inzwischen auch in Deutschland wohlfühlt: die Braune Hundezecke. Ihr Liebling kann eine eingewanderte Zeckenart in die Wohnung einschleppen, wo sich die "Braune Hundezecke" pudelwohl fühlt. Dort kann sie sich zur Plage auswachsen und auch auf den Menschen übergehen.


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