Liebe und Evolution In wen wir uns verlieben

Author: Susi Weichselbaumer

Published at: 5-7-2022

Warum verlieben wir uns ausgerechnet in diese eine Person? Hinter der Liebe steckt wenig Romantik. Denn die Evolution hat bestimmte Grundmuster entwickelt, nach denen sich Paare finden. Unser Körper bestimmt also, mit wem wir uns verbinden - und vielleicht sogar vermehren.

Ein verliebtes Paar. In wen wir uns verlieben, bestimmt unser Körper. | Bild: colourbox.com

Erfolgsrezept Sex: Geschlechtliche Fortpflanzung mischt unsere Gene durch

Samen- und Eizelle unter dem Mikroskop. | Bild: picture alliance / Zoonar | Maksym Yemelyanov

Bei der Befruchtung verschmelzen Ei- und Samenzelle. Die Genome von Mann und Frau werden auf diese Weise neu kombiniert.

Warum suchen wir uns einen bestimmten Partner, eine bestimmte Partnerin aus? Wie sich zwei finden, um sich später vielleicht sogar fortzupflanzen, das ist eine zentrale Frage der Menschheit. Und ein uraltes Muster in der Natur. Zwar haben sich Organismen die ersten zwei Milliarden Jahre ohne Sexualität fortgepflanzt. Doch habe Sexualität sich dann offensichtlich bei vielen Pflanzen und fast allen Tieren als großer Vorteil erwiesen, sagt Thomas Junker, Evolutionsbiologe an der Universität Tübingen. Denn bei der Fortpflanzung durch Geschlechtsverkehr werden die Gene ordentlich durchgemischt. "Das hat man nicht, wenn man sich nur über Klonen oder Zellteilung fortpflanzt," so Thomas Junker.

Prinzipien der Partnerwahl: Was Männer und Frauen attraktiv macht

Attraktives Paar | Bild: colourbox.de

In wen wir uns verlieben, bestimmt unser Körper: Frauen schätzen fitte Partner, Männer finden Frauen rund um deren Eisprung besonders attraktiv.

Studien zeigen, dass es bei der Partnerwahl gewisse Prinzipien gibt. Sucht eine Frau einen Mann, sollte er meist abenteuerlustig, kräftig und ausdauernd sein. Gute Chancen, das zu erkennen, hätte sie beim Tanzen! Wissenschaftler der Universität Göttingen fanden heraus, dass der männliche Tanzstil so einiges verrät: Die Forscher filmten Männer beim Tanzen und übertrugen ihre Bewegungen auf Trickfiguren. Damit spielte das Aussehen keine Rolle mehr.

Die Frauen in der Studie begeisterten sich dann vor allem für die Trickfiguren, die Hals und Oberkörper häufig und auf verschiedene Art wandten und bogen sowie das rechte Knie schnell bewegten. Tatsächlich erwiesen sich diese Tänzer in weiteren Untersuchungen als körperlich stärker und wagemutiger. Evolutionsbiologisch betrachtet also als gesunde und fitte Partner - mit wahrscheinlich guten Genen.

Und welche Frau sucht ein Mann aus? Männer fanden tanzende Frauen besonders attraktiv, die gerade im fruchtbaren Zeitraum ihres Zyklus sind. Studien zeigen, dass Frauen sich dann auffälliger kleiden, eine gesündere Gesichtsfarbe besitzen und insgesamt mehr strahlen. Der hohe Östrogenspiegel rund um den Eisprung sorgt außerdem für vollere Lippen.

Auf dem Prüfstand: Ob sich das Herz zum Herzen findet?

"Wenn man sich anschaut, dass man durch das Küssen oder sich Näherkommen, sich Streicheln, sich Berühren ganz viele Informationen kriegt über den körperlichen, charakterlichen und den geistigen Zustand der anderen Person (...) Das ist im Prinzip ja eine Art Geschmacksprobe: Man testet, ob das Immunsystem zusammenpasst, wechselseitig."

Thomas Junker, Evolutionsbiologe an der Universität Tübingen

Reinhören Die Evolution des Verliebens

Gute Paarung? Aufs Immunsystem kommt's an

Paar mit bunten Regenschirmen  | Bild: picture alliance / Uta Poss | Uta Poss

Wenn zwei sich finden, sind vor allem unterschiedliche Immunsysteme entscheidend.

Wenn zwei sich suchen und finden, spielen so romantische Vorstellungen wie Seelenverwandtschaft keine Rolle - zumindest vorerst nicht. Die Auswahl bestimmen vor allem biologische und chemische Prozesse, die sich während der Evolution bewährt haben, um Nachkommen zu garantieren. Denn evolutionsbiologisch gesehen gibt es vor allem ein Ziel: Es finden sich zwei, deren Immunsysteme möglichst unterschiedlich sind. Bekommen sie zusammen Kinder, haben diese durch die verschiedenen Anlagen der Eltern eine breite Krankheitsabwehr.

Wessen Immunsystem zwecks Nachwuchsplanung am besten zu einem passt, das verraten vor allem Duftstoffe. Denn bestimmte Gene beeinflussen den Körpergeruch. Bereits beim ersten Schweiß-Erschnuppern meldet das Gehirn: Dranbleiben oder weiterziehen. Um dann weiter Ausschau zu halten nach jemandem zum Dranbleiben.

Aufwendiger Nachwuchs: Wenn Männer nützlich werden

Dadurch, dass Kinder sich über viele Jahre hinweg nicht selbst versorgen können, wurden die Männer im Laufe der Evolution immer wichtiger, um die Frauen bei der Kindererziehung zu unterstützen. | Bild: colourbox.com

Im Laufe der Evolution waren Männer zunehmend auch als zuverlässige Kinderpfleger gefragt: Zu zweit lässt sich der Nachwuchs einfacher hüten.

Wenn wir einen festen Partner suchen, halten wir Ausschau nach Kandidaten, mit denen wir gut harmonieren und lange zusammenbleiben können. Evolutionsbiologe Thomas Junker weiß, warum: "Beim Menschen ist das eigentlich relativ eindeutig. Das liegt an dieser extremen Aufwendigkeit." Der Aufwendigkeit, Kinder auszutragen und großzuziehen. Denn Menschenkinder werden erst spät flügge, ihr Gehirn muss noch viel lernen und wachsen - und das dauert: "Nach der Geburt geht das über Jahre. Das ist so aufwendig, dass das die Frauen alleine nicht gut geschafft haben - vor etwa zwei Millionen Jahren. Da wurden die Männer immer nützlicher, wenn man so will", sagt Junker. Ein zuverlässiger, tatkräftiger Partner - der war für Höhlenfrauen einst also genauso wichtig wie für Frauen heute.