Liebe & Chemie Wenn Liebe wie der Blitz einschlägt

Author: Susi Weichselbaumer

Published at: 5-7-2022

Die Liebe auf den ersten Blick setzt uns die rosarote Brille auf. Dann rattern im Körper komplexe chemische Prozesse los. Die Hormone steigen in die Achterbahn. Botenstoffe werden ausgeschüttet. Wir sind wie berauscht.

Junge, lächelnde Frau mit rosa Brille. (Symbolbild) | Bild: colourbox.com

Plötzlich verliebt: Was in unserem Körper passiert

Das Hormon Adrenalin beispielsweise macht dem Herzen Beine, indem es den Herzschlag beschleunigt. Es lässt Schmetterlinge im Bauch fliegen, färbt Wangen rot und weitet Pupillen. Dazu schießt die Konzentration von Phenylethylamin im Körper in die Höhe und löst erotisches Verlangen nach genau der einen auserwählten Person aus.

Ist die Nase krumm? Der Schwarm einen Kopf kleiner? Egal! Hat Amors Pfeil getroffen, sind für uns sämtliche andere Menschen weniger attraktiv als das Objekt der Begierde. Das zeigen Studien. Bewusst suchen wir uns Partner nicht aus, das übernehmen chemische Prozesse im Körper.

Ausser Rand und Band: Im Rausch der Botenstoffe

Durch den Anstieg des Neurothrophin-Spiegels, ein Botenstoff, sind wir zu allem bereit, was auch zu irrationalen Handlungen führen kann, sagt die Gynäkologin Maria Frank vom Hormon- und Kinderwunschzentrum der LMU München. Auch die Hemmschwelle sinke.

Dazu aktiviert leidenschaftliche Liebe noch Hirnareale, die mit Euphorie, Belohnung und Motivation zusammenhängen. An diesen Stellen docken auch Opiate oder Kokain an und treiben den Dopaminwert hoch. Wer verliebt ist, ist dauereuphorisch, vergisst jedes Hunger- und Schlafbedürfnis. Durchschnittlich vier Stunden pro Tag denken Verliebte ausschließlich an den oder die Geliebte. Die Umwelt rückt in den Hintergrund.

Ausnahmezustand Liebe: Warum sich Verliebte seltsam verhalten

"Warum bekomme ich keine Antwort?!" Verliebte neigen zu zwanghaftem Verhalten. (Symbolbild) | Bild: colourbox.com

Der Körper dreht noch weiter auf - oder in diesem Falle zu: Während viele Botenstoff-Pegel bei Verliebten ansteigen, sinkt der Serotonin-Spiegel. Verliebte leiden unter Entzugserscheinungen und sind traurig, wenn der geliebte Mensch nicht da ist oder sich nicht sofort auf Kurznachrichten meldet. Am zwanghaften Verhalten von Verliebten ist der Botenstoff Serotonin schuld.

Gesagt: Ferngesteuert durch Serotonin?

"Serotonin ist ein wichtiger Botenstoff, der sogenannte Glücksbotenstoff, der bei Verliebtheit interessanterweise abnimmt. Dieser Widerspruch lässt sich dadurch erklären, dass es ähnlich wie bei einer Zwangsstörung zu einer Serotonin-Abnahme kommt. Und somit das zwanghafte Verhalten, das wir ja auch von Verliebten kennen, dadurch begründet sein kann."

Maria Franz, Gynäkologin, München

Reinhören: Wenn uns Amors Pfeil trifft

Nähe: Warum Verliebte ständig kuscheln wollen

Homosexuelles Paar beim Kuscheln. | Bild: colourbox.com

Durch Streicheln, Umarmen und Küssen steigt der Spiegel des Bindungs- oder Kuschelhormons Oxytocin an und Verliebte finden schnell heraus, ob sie sich gut riechen und schmecken können. In der Evolutionsbiologie ist das ein Zeichen dafür, dass die Immunsysteme der Partner gut zusammenpassen. Eine ideale Voraussetzung für Nachwuchs.

Liebelei oder Liebe? Das zeigt sich nach sechs Monaten

Nach drei bis sechs Monaten lässt bei den meisten Menschen das Gefühl des Verliebtseins nach. Manche Paare trennen sich, bei anderen geht es intensiver weiter: Das Gehirn schaltet dann auf Langzeitbindung um und produziert Hormone wie Oxytocin und Vasopressin.

Der Dopaminspiegel sinkt. Damit werden im Gehirn wieder Regionen eingeschaltet, die während der heißen Phase des Verliebtseins nahezu ausgeschaltet waren. Zum Beispiel die Regionen, die für das Empfinden von Angst und für das Lösen von Problemen zuständig sind. Wir legen die rosarote Brille ab und sehen wieder klar.