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Baustoffe Wie Bauschutt wiederverwendet werden kann

Häuser werden immer gebaut - und auch wieder abgerissen. Die Folge: Viel Bauschutt fällt an. Der könnte viel umfassender wiederverwertet werden, als dies bisher noch geschieht, sagen Experten.

Von: Hellmuth Nordwig

Stand: 24.08.2020

Raus aus der Tonne: Baustoffe

Viele alte Häuser müssen derzeit neuen Bauten weichen. Was beim Abriss der alten Gebäude übrig bleibt, ist jede Menge Bauschutt: Kunststofffenster, Dämmplatten, Heizkörper, das Holz vom Dachstuhl. Nicht alles davon kann wiederverwertet werden. Holz zum Beispiel taugt für die Wiederverwertung wenig, weil es für den Bau meist "entweder gegen Pilzbefall oder gegen Feuchtigkeit behandelt wurde", verrät Berthold Schäfer von der Initiative "Kreislaufwirtschaft Bau". Doch von der größten Menge an Bauschutt bekommen 90 Prozent ein neues Leben. Eine Quote, die nach Aussage von Norbert Leiss, Experte am Fraunhofer-Institut für Bauphysik (Fraunhofer IBP) in München-Holzkirchen, noch viel höher sein könnte. Voraussetzung hierfür sei lediglich die Verwendung einer speziellen Technik, die den Bauschutt besser sortiert - und die Anpassung der gesetzlichen Vorschriften.

Baustoffe: Was davon wiederverwertet wird, was nicht

Holzteile, die in einem Haus verbaut wurden, können nach dem Abriss in der Regel nur noch verbrannt werden. Auch der Kunststoff aus den Fensterrahmen lässt sich nur sehr eingeschränkt recyceln. Zu viele Sorten gibt es davon und meist sind Flammschutzmittel in den Kunststoffen enthalten. Problemlos wiederverwerten lässt sich hingegen Metall. Auch Ziegel, Mörtel, Putz, Estrich und Beton - der die größte Menge des beim Abriss von Bauwerken übrig gebliebenen Schutts ausmacht - wird ebenfalls zu einem hohen Prozentsatz wiederverwertet.

Wie Bauschutt derzeit wiederverwendet wird

Um aber diesen Bauschutt aus Ziegeln, Mörtel, Putz, Estrich und Beton wieder verwerten zu können, wird das Material in einer Recyclinganlage erst einmal grob zerkleinert und aus Beton zum Beispiel der sogenannte Bewehrungsstahl, der zur Verstärkung von Betonbauteilen eingesetzt wird, entfernt.

"Was dann übrig bleibt, geht in der Regel in einen Brecher und wird auf verschiedene Kornfraktionen, so wie sie für verschiedene Anwendungen gebraucht werden, runtergebrochen. Und dann wird das Feinmaterial nochmal abgesiebt, das durch den Brechprozess anfällt."

Berthold Schäfer, Koordinator Initiative 'Kreislaufwirtschaft Bau'

Die meisten der kleinen Körnchen, die so entstehen, werden für den Untergrund von Straßen verwendet. Auch Böschungen und Bahndämme werden mit dem Material aufgeschüttet. Insgesamt drei Viertel des Materials landen dort.

Neue Technik zur Wiederverwendung von Bauschutt

Das müsste nicht sein, findet Norbert Leiss vom Fraunhofer IBP. Gemeinsam mit seinen Kollegen hat Leiss auf der letzten Bau-Messe in München demonstriert, wie Bauschutt künftig noch nachhaltiger und umfassender wiederverwertet werden könnte. Kernstück der neuen Technologie ist ein Förderband, über dem eine Infrarotkamera angebracht ist. Die Lampe kann die verschiedenen Materialien des zuvor geschredderten Bauschutts unterscheiden, die mittels speziellem Trichter auf dem Band landen. Druckluft pustet die nur ein paar Millimeter großen Steinchen dann jeweils je nach Sorte in unterschiedliche Richtungen, wo sie - nach Sorten getrennt - in verschiedene Behälter fallen. Eine hundertprozentige Reinheit der Stoffe werde zwar mit dieser Trenntechnik laut Fachmann Leiss vom Fraunhofer IBP nicht erreicht. Aber mehr als Kieselsteine zum Bau von Straßen oder das Aufschütten von Bahndämmen könnte aus dem Bauschutt dank der neuen Sortier-Technik allemal entstehen.

Was mit neuer Sortier-Technik möglich ist

Norbert Leiss hat auch schon bewiesen, was möglich ist: Ihm ist es gelungen, sogenannten Porenbeton, einen leichten Ziegelersatz mit guter Wärmedämmung, aus dem neuen alten Bauschutt herzustellen. Oder eine Fassadenplatte, bei der das recycelte Material Zement ersetzt.

"Die [Fassadenplatte] besteht zu 70 Prozent aus Bauschutt, ist zementfrei, und damit muss man bei der Produktion kein CO2 ausstoßen. Also ein sehr nachhaltiges Material. Es ist sehr leicht und kann auch in den notwendigen Festigkeiten hergestellt werden."

Norbert Leiss vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik in München-Holzkirchen

Anteil an recyceltem Material in Beton zu niedrig

Zugelassen ist die neue Trenntechnik von Leiss und seinen Kollegen noch nicht. Aber immerhin wird schon jetzt aus einem Viertel des Schutts, der in Deutschland beim Abriss von Häusern anfällt, neues Baumaterial, nämlich sogenannter Recyclingbeton. Dabei handelt es sich um Beton, der teilweise mit bereits verbautem Material angemischt wird. Weil er Frost und Tausalz nicht so gut verträgt wie normaler Beton, darf Recyclingbeton derzeit nur innerhalb von Gebäuden eingesetzt werden. Tests haben allerdings ergeben, dass der Anteil an recyceltem Material in Beton problemlos erhöht werden kann, ohne dass die Qualität leidet. "Im normalen Wohnungsbau ist es kein Problem, Recyclingbeton einzusetzen", sagt Berthold Schäfer von der Initiative "Kreislaufwirtschaft Bau". Bis jetzt wird gut ein Drittel so verbaut. Etwa die Hälfte wäre möglich. Eine Änderung der entsprechenden Vorschrift ist bereits in Arbeit.


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