ARD alpha Uni Aerospace - Luft- und Raumfahrttechnik studieren

Von: Christian Wurzer

Stand: 13.07.2022

Eine mit Wasserstoff-Brennstoffzellen-betriebene Drohne entwickeln, das will Felix zusammen mit anderen Studierenden in einer studentischen Initiative an der TU München. Schon immer, wollte er was mit Flugzeugen machen, darum ist Aerospace, bzw. Luft- und Raumfahrttechnik sein Traumstudiengang.

Felix wollte schon immer was mit Flugzeugen machen, darum ist Aerospace, bzw. Luft- und Raumfahrttechnik sein Traumstudiengang. | Bild: BR

Zulassungsvoraussetzungen

Für das Studium der Luft- und Raumfahrttechnik Studium an Universität oder Hochschule brauchst du eine Allgemeine oder aber eine Fachgebundene Hochschulreife.

Manche Fakultäten verlangen zusätzlich einschlägige Vorkenntnisse in Form von Praktika, oder die Teilnahme an Wettbewerben; Preise und Auszeichnungen, die du auf dem Gebiet schon gewonnen hast, auch in außerschulischen Leistungen.

Die TU München zu Beispiel lässt die Studienbewerber ein sogenanntes Eignungsfeststellungsverfahren durchlaufen. Dazu müssen die Studierenden einen Nachweis ihrer Englischkenntisse mindestens auf dem Level B2 vorweisen; ausländische Studienbewerber Deutschkenntnisse auf dem Level A2.

Das Fach ist an einigen, nicht allen Hochschulen und Universitäten mit einem Numerus clausus (NC) belegt, den die Universitäten und Hochschulen für jedes Semester selbst festlegen, oder aber auch außer Kraft setzen.

Es gilt also: Genau hinschauen, auf das, was die jeweilige Universität, oder Hochschule als Zugangsvoraussetzung für den Studiengang Luft- und Raumfahrttechnik bzw. Aerospace, wie das Studienfach an der TU München heißt,  festgelegt hat.

Manche Hochschulen unterscheiden sich durch auch Schwerpunkte, die sie in ihren Studiengängen gesetzt haben. Manche setzten eher auf Luftfahrt, andere mehr auf Raumfahrt. Und gut zu wissen, ist auch, daß manche Hochschulen das Fach Luft- und Raumfahrttechnik dem Fachbereich, oder der Fakultät Maschinenbau angegliedert haben.

Wasserstoffantrieb für Drohnen und Flugzeuge - die Zukunft?

Studienablauf

Das Bachelor Studium Luft- und Raumfahrtechnik, bzw. Aerospace, wie das Studium an der TU München heißt, dauert in der Regel zwischen sechs und acht Semester. Je nach Hochschule oder Universität dauert ein Masterstudiengang noch einmal zwischen  zwei und vier Semester. An den meisten Hochschulen kann der Studiengang nur zum Wintersemester begonnen werden.

Es gibt klassische Vorlesungen und Seminar aber auch eine große Anzahl von Projekten, die du im Rahmen des Studiums alleine, oder auch zusammen mit anderen Studierenden durchführen musst. Dazu musst du Praktika bei Firmen der Luft- und Raumfahrt absolvieren.

Es erscheint sinnvoll, sich neben dem Studium auch an Projekten zu beteiligen, die nicht direkt im Curriculum verankert sind, aber dir die Möglichkeiten geben über das reine Studium hinaus wertvolle Praxiserfahrungen zu sammeln. Nicht selten erlernst du dabei Skills, die deine Bewerbung in den Berufseinstieg sehr befördern.

Felix gehört zum Team von Levitum, einer studentischen Initiative an der TU München, die eine wasserstoffgetriebenes Flugsystem entwickelt.

Felix wollte schon immer was mit Flugzeugen machen, darum ist Aerospace, bzw. Luft- und Raumfahrttechnik sein Traumstudiengang. | Bild: BR

"Bei allen studentischen Initiativen ist es so, dass man nicht nur mit Leuten aus dem eigenen Studiengang in Kontakt kommt. Sondern mit Leuten aus ganz verschiedenen Studiengängen. Das gibt einem ganz viel mit, weil man die verschiedenen Welten kennenlernt. Wir möchten den Einfluss, den die Luftfahrtindustrie auf das Klima hat reduzieren. Wir möchten Emissionen reduzieren. Und dafür gibt es verschiedene Ansätze. Dazu zählt einmal die Erforschung alternativer Antriebskonzepte, dass man z.B. Wasserstoff verwendet statt fossiler Kraftstoffe. Wir wollen mit der Drohne die Technologie demonstrieren, dass es eben möglich ist, so ne Drohne oder ein eVTOL, also ein electric Vertical Take-Off and Landing aircraft auch mit Wasserstoff in die Luft zu bringen."

Felix studiert Aerospace im 4. Master-Semester an der TU München

Welche Studieninhalte erwarten dich?

Luft- und Raumfahrttechnik/Aerospace B.Sc. bzw. B.Eng.

Im Bachelor-Studiengang beschäftigst du dich in der Regel in den ersten drei Semestern mit Kerndisziplinen der Luft- und Raumfahrttechnik wie:

  • Mathematik und Systemtheorie
  • Festkörpermechanik
  • Fluidmechanik
  • Thermodynamik
  • Materialien und Maschinenelemente
  • Elektrotechnik
  • Informationstechnik


Danach folgen praxisorientierte Module, und auch offene Lernformate. Gegen Ende des Bachelor Studiums kannst du dich spezialisieren. Sei es Richtung Luftfahrt, oder Raumfahrt, Strömungsmechanik, oder Satellitenbau. Materialmodellierung, oder Antriebstechnik. Oft ist es so, dass du gerade in den praxisorientierteren Studienangeboten deine Vorlieben entdeckst. Und du lernst fächerübergreifend, auch benachbarte Engineering- und Navigations-Disziplinen mit zu denken.

Die Bachelor-Arbeit schließt das Studium ab. Oft ist sie mit einem Praxis-Projekt verbunden.

Universitäten verleihen nach abgeschlossenem Studium meist den akademischen Titel Bachelor of Science, B.Sc., manche, und das ist abhängig vom Schwerpunkt, den du gesetzt hast den Bachelor of Engineering, B.Eng.

Luft- und Raumfahrttechnik/Aeropace Master Sc.

Im Masterstudiengang kannst du dich weiter spezialisieren, und das Feld ist breit. Es reicht von Flugsystemen im Ganzen, die sich innerhalb oder auch außerhalb der Erdatmosphäre bewegen sollen. Aber auch in einzelnen Disziplinen Luft- und Raumfahrttechnik kannst du dich spezialisieren zum Beispiel:

  • Aerodynamik
  • Leichtbau
  • Flugsystemdynamik
  • Antriebssysteme
  • Regelungstechnik
  • Flugzeugentwurf
  • Raumfahrtechnik
  • Werkstoff- und Materialkunde


Aus diesen Bereichen wählst du dein Thema für die Masterarbeit, die im vierten Mastersemester geschrieben wird und mit einem eigenem Projekt verbunden sind kann.

Auch im Masterstudiengag sind Praktische Übungen an der Hochschule, bzw. Universität, aber auch Praktika bei Firmen zu absolvieren. An manchen Universitäten ist sogar ein Forschungsmodul in das Curriculum eingeplant.

Nach abgeschlossenem Studium verleihen Universitäten und Hochschulen den akademischen Titel Master of Science, M.Sc.

Welche Skills brauchst Du?

  • Überdurchschnittliche Kompetenzen in den MINT-Fächern
  • Fähigkeit abstrakt, logisch und systemorientiert zugleich zu denken
  • Fächerübergreifendes Verständnis auch für andere Ingenieurwissenschaften und Naturwissenschaften
  • Kreativität und Einfallsreichtum
  • Sehr gute fachspezifische Englischkenntnisse
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Zielorientierung
  • Selbstständiges Arbeiten

Karriere und Verdienst

Die Luft- und Raumfahrtindustrie ist sehr international aufgestellt. Zum Beispiel hat der große europäische Flugzeugbauer Airbus, die Fertigungsstätten für Flugzeugkomponenten über mehrere Länder verteilt und führt die Teile erst zur Endfertigung an einem Standort zusammen. Auch die militärische Flugzeugentwicklungen sind in Europa international getragene Projekte.

Gleiches gilt für die Raumfahrt. Die Europäische Raumfahrtagentur ESA wird von derzeit 22 europäischen Mitgliedstaaten getragen und hat ihre Standorte entsprechend verteilt. Es gibt keine nationalen Raumfahrtprojekte in Europa.

Das bedeutet, dass sich für Luft- und Raumfahrtingenieur:innen  Beschäftigungsmöglichkeiten im In- und Ausland ergeben. Klar, das ist zunächst der Bereich des Flugzeug- und Raketenbaus, dazu kommt die Satellitenentwicklung, die Flughafeninfrastruktur, die Fluggesellschaften, internationale zivilen und militärischen Luftfahrtentwicklungsprojekten und die zugehörige Zuliefererindustrie.
Aber auch in zunächst untypisch anmutenden Branchen, wie zum Beispiel der Automobilindustrie, der Metallindustrie, der Schienenfahrzeugherstellung und bei Herstellern von Windkraftanlagen sind Skills von Luft- und Raumfahrtingenieur:innen gefragt.

Große Teile der Forschung und Weiterentwicklung in der Luft- und Raumfahrtechnik sind über die Universitäten und Hochschulen organisiert. Auch hier gibt es Beschäftigungsmöglichkeiten.

Wichtig für deine Karriere ist, ob die als Abschluss auch einen Master, oder gar eine Promotion präsentieren kannst. Der Master qualifiziert für Führungsaufgaben, eine Promotion erleichtern den Aufstieg auf der Karriereleiter weiter. Und: Nicht nur Universitäten bieten Promotionen im Luft- und Raumfahrttechnik an, auch einige Hochschulen eröffnen die Möglichkeit der Promotion.

Als Flugzeugingenieur:in, oder als Raumfahrtingenieur:in verdienst du gut.

Gemessen an den sonstigen Verdienstmöglichkeiten in der freien Wirtschaft sind die Gehälter sogar überdurchschnittlich hoch. Im Schnitt liegen die Einstiegsgehälter bei rund 5677 Euro Brutto im Monat, im Mittel bei rund 6450 Euro Brutto. Spitzenverdienste liegen höher als über 6900 Euro Brutto, sind aber nicht mehr erfasst.

Der Grund ist der: Die Bundesagentur für Arbeit errechnet die Durchschnittsgehälter nach den Beitragsbemessungsgrenzen in der Rentenversicherung. Überschreiten einzelne Gehälter diese Beitragsbemessungsgrenze, müssen die Unternehmen diese Gehälter nur bis zur Bemessungsgrenze melden. Damit hat aber die Bundesagentur für Arbeit keine Daten, um gesicherte Durchschnittsgehälter zu ermitteln.

Klar kommt es immer auch auf das Unternehmen an, in dem du beschäftigt bist.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Flugzeuge und Raketen bauen ist Teamarbeit, Teamarbeit und nochmal Teamarbeit

Felix wollte schon immer was mit Flugzeugen machen, darum ist Aerospace, bzw. Luft- und Raumfahrttechnik sein Traumstudiengang. | Bild: BR

"Fürs Aerospace Studium sollte man fit sein in Mathe, physikalisches Verständnis mitbringen, räumliches Vorstellungsvermögen. Klar. Das ist ein anspruchsvolles Studium, man muss sich schon echt reinknien. Aber dieses Endprodukt: ich kann danach Raketen designen, ich kann danach Flugzeuge auslegen - das gibt einfach unheimlich Motivation. Was man erst während des Studiums merkt ist, wie viel Spaß es macht, wenn man auf Leute mit ähnlichen Interessen stößt. Mit denen zusammenarbeiten kann, gemeinsam an einem Projekt arbeiten kann."

Felix studiert Aerospace im 4. Master-Semester an der TU München