Energiewende Solarzellen auf dem Weißen Haus spalten die Politik

Von: Franziska Konitzer

Stand: 11.10.2021

Der US-Präsident und die Solaranlagen: Erst installiert, dann eingemottet, schließlich wieder auf dem Dach platziert. Solarzellen auf dem Weißen Haus dienen nicht nur der Energieversorgung, sondern haben auch Signalwirkung.

Sehen kann man sie auf diesem Bild, nicht, aber da sind sie: Die Solarzellen, die US-Präsident Barack Obama auf dem Dach des Weißen Hauses installieren ließ. Solarenergie im Weißen Haus waren immer auch ein Politikum, seit US-Präsident Jimmy Carter im Jahr 1979 öffentlichkeitswirksam die ersten Solarpaneele auf dem Dach aufstellen ließ.  | Bild: picture alliance / newscom | KEVIN DIETSCH

Das Weiße Haus, 1600 Pennsylvania Avenue, Washington D.C.: Hier schaltet und waltet einer der mächtigsten Menschen der Welt, der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Worüber er auch schaltet und waltet, ist die Energieversorgung seines eigenen Amts- und Wohnsitzes. Sonnenergie-Anlagen als Politikum? Die Geschichte der erneuerbaren Energien in Form von Sonnenkollektoren und Solarzellen auf dem Dach des Weißen Hauses ist alles andere als geradlinig. Sie beginnt im Jahr 1979 mit einer Pressekonferenz an einem ungewöhnlichen Ort ...

1979. Jimmy Carter steigt dem Weißen Haus aufs Dach

Am 20. Juni 1979 veranstaltet der damalige US-Präsident Jimmy Carter eine Pressekonferenz an einem ungewöhnlichen Ort: Auf dem Dach des Weißen Hauses stellt er die neue Solaranlage vor.  | Bild: picture alliance / empics | Harvey Georges

Am 20. Juni 1979 veranstaltet der damalige US-Präsident Jimmy Carter eine Pressekonferenz auf dem Dach des Weißen Hauses.

Der 39. Präsident der Vereinigten Staaten, Jimmy Carter (Demokratische Partei), bat am 20. Juni 1979 die Presse hoch hinauf: auf das Dach des Weißen Hauses nämlich. Er stellte die dort neu installierte Solaranlage vor. Strom konnten diese Sonnenkollektoren nicht erzeugen - aber Wasser heiß machen, unter anderem für die Cafeteria und die Wäscherei. Zwar schienen der Klimawandel sowie der Bedarf an erneuerbaren Energien damals noch in weiter Ferne. Aber Jimmy Carter hatte sich der Energie- und Umweltpolitik verschrieben. Man steckte mitten in einer Ölpreiskrise und der US-Präsident befand, dass es für die Sonne kein Embargo geben könne. Somit war die Solaranlage auf dem Dach des Weißen Hauses auch ein gutes Stück Symbol - weg vom importierten fossilen Brennstoffen, hin zu heimischen erneuerbaren Energien.

Solarenergie: Der unbegangene Weg?

"In einer Generation kann diese Sonnenheizung entweder eine Kuriosiät sein, reif fürs Museum, ein Beispiel für einen unbegangenen Weg. Oder sie könnte ein kleiner Teil eines der größten und aufregendsten Abenteuer werden, das das amerikanische Volk je unternommen hat: Wir nutzen die Energie der Sonne, um unsere Leben zu bereichen, während wir uns von unserer Abhängigkeit von importiertem Öl befreien."

Jimmy Carter, 39. Präsident der Vereinigten Staaten, am 20. Juni 1979

1986. Die Solaranlage wird abgebaut und eingemottet.

Ronald Reagan folgte als US-Präsident auf Jimmy Carter. Er ließ die Solaranlage vom Dach des Weißen Hauses entfernen.  | Bild: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | RON EDMONDS

Der 40. US-Präsident Ronald Reagan (Republikanische Partei).

Der Nachfolger von Jimmy Carter, Ronald Reagan, vertrat andere politische Ansichten. Seine Regierung hatte wenig übrig für erneuerbaren Energien. 1986 wurden die Solaranlage nach Arbeiten auf dem Dach des Weißen Hauses nicht wieder aufgebaut und verschwand in einem Lager.

2003. George W. Bush lässt das Schwimmbad mit Solarenergie heizen

Wenn er eine symbolträchtige Handlung im Sinn hatte, so hat er sie nie publik gemacht: Der 43. US-Präsident George W. Bush (Republikanische Partei) ließ während seiner Amtszeit Solaranlagen im Weißen Haus installieren: eine 9-Kilowatt Photovoltaik-Anlage zur Stromerzeugung sowie zwei Solarthermie-Anlagen für die Warmwasser-Versorgung. Eine Pressekonferenz zu diesem Anlass gab es nicht.

2013. Die Solaranlage auf dem Dach des Weißen Hauses

Der 46. US-Präsident Barack Obama hält vor einem Solarpark in Utah eine Rede.  | Bild: picture alliance / AP Photo | Rick Bowmer

Der 46. US-Präsident Barack Obama hält vor einem Solarpark in Utah eine Rede.

Schon zu seinem Amtsantritt hatte der 46. US-Präsident Barack Obama (Demokratische Partei) verkündet, wieder eine Solaranlage auf dem Dach des Weißen Hauses installieren zu wollen und nicht etwa auf irgendwelchen Nebengebäuden. Natürlich konnte man nicht das ganze Dach damit vollpflastern - Platz für Sicherheitskräfte und Scharfschützen musste bleiben. Aber auch sonst hatte dieser US-Präsident keine Scheu, sich in der Öffentlichkeit mit erneuerbaren Energien ablichten zu lassen. Der Klimawandel und seine Folgen waren inzwischen offensichtlich geworden. 2015 unterzeichneten die USA das internationale Klimaabkommen von Paris, in dem sich die Staaten dieser Welt dazu verpflichten, die Erderwärmung auf möglichst unter zwei Grad Celsius zu halten. Um das zu schaffen, braucht es vor allem eine Abkehr von fossilen Brennstoffen, hin zu erneuerbaren Energien, zu denen auch der Solarstrom zählt.

Erneuerbare Energien: Solarstrom als Symbol

Auf dem Dach des Weißen Hauses kann man die Solarpaneele erkennen.  | Bild: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Joe Raedle

Auf dem Dach des Weißen Hauses befindet sich eine Solaranlage.

Der Nachfolger von Barack Obama, Donald Trump (Republikaner) hat den Klimawandel geleugnet. Unter ihm traten die USA aus dem Pariser Klimaabkommen aus. Immerhin: Die Solaranlage auf dem Dach des Weißen Hauses ließ er unangetastet. Wiederum sein Nachfolger Joe Biden (Demokraten) trat dem Klimaabkommen wieder bei. Derzeit decken die USA rund drei Prozent ihres Strombedarfs mithilfe von Sonnenenergie.

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