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Louis Braille und die Blindenschrift Mit viel Fingerspitzengefühl

Dank der Brailleschrift können Blinde mit den Fingern lesen. Louis Braille ist der Erfinder dieser Blindenschrift. Aus nur sechs Punkten entwickelte er ein System, mit dem sich jeder Buchstabe des Alphabets darstellen lässt: die Punktschrift.

Published at: 4-1-2022

Brailleschrift oder auch Blindenschrift: Louis Braille hat die Punktschrift für Blinde erfunden. | Bild: picture-alliance/dpa

Welt-Braille-Tag

Seit 2001 erinnert die Weltblindenunion alljährlich am 4. Januar, dem Geburtstag von Louis Braille, an den Erfinder der Blindenschrift.

Louis Braille kommt am 4. Januar im Jahr 1809 in Coupvray bei Paris zur Welt. Im Alter von drei Jahren sticht er sich aus Versehen mit einem Messer ins Auge. Die Verletzung entzündet sich. Als die Infektion auch das andere Auge erfasst, erblindet Louis vollständig. Trotzdem verliert er nicht den Lebensmut. Louis Braille besucht die Dorfschule und lernt schreiben und rechnen. Er will aber auch lesen können. Deshalb beginnt er mit 13 Jahren, ein Schriftsystem für Blinde zu entwickeln.

Das ABC von Louis Braille: die Brailleschrift

Vom Geheimcode zur Blindenschrift

Die Brailleschrift von Louis Braille: Mit nur sechs Punkten kann sie das komplette Alphabet - und noch viele weitere Zeichen - abbilden.

Dabei greift er unter anderem auf die "Nachtschrift" des französischen Hauptmanns Charles Barbier zurück. Bei dieser Schrift ertasten die Soldaten mit den Fingern ins Papier eingeprägte Punkte, die für Silben oder Buchstaben stehen. So sollen sie bei Nacht Botschaften lesen können, ohne eine Laterne anzünden zu müssen. Die Nachtschrift hat bei der Armee jedoch keinen Erfolg, weil der Code zu kompliziert ist. Louis Braille vereinfacht dieses System stark. Er braucht nur noch sechs Punkte, um die Buchstaben des Alphabets darzustellen. 1825 hat er mit 16 Jahren seine Blindenschrift vollendet. Seither kann Schrift statt mit den Augen auch mit den Fingern gelesen werden.

Brailleschrift ausprobieren

Hier können Sie sich Ihren Text in Blindenschrift übersetzen lassen. Einfach den Text eingeben, den Rest erledigt der Online-Übersetzer der Christoffel-Blindenmission.

Braille-Zeile übersetzt Buchstaben in fühlbare Punktschrift

Eine Braille-Zeile stellt die Brailleschrift mit kleinen Stiften dar, die je nach Buchstabe in einem anderen Muster nach oben fahren.

Ein Buch in Punktschrift hat kein Taschenbuchformat: Ein Band aus der Harry-Potter-Reihe umfasse mehrere Aktenordner, für die Bibel brauche man eher einen ganzen Aktenschrank, erzählt Thomas Schmidt vom Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin (ABSV). Heute gibt es die meisten Texte auch in digitaler Form. Screen-Reader-Programme können den Bildschirminhalt vorlesen. Eine sogenannte Braille-Zeile, eine schmale Leiste unterhalb der Computer-Tastatur, kann die Buchstaben auf dem Bildschirm als fühlbare Blindenschrift darstellen: In den Stab aus Kunststoff sind kleine Stifte eingelassen, die je nach Buchstabe nach oben fahren und ihn in Punktschrift abbilden. So können Blinde nicht nur Bücher, sondern auch Internetseiten und Mitteilungen lesen.

Auf Touchscreens können Blinde nichts ertasten

Schwierig wird es, wenn sich Maschinen, wie zum Beispiel Kaffee- und Waschmaschinen, nur noch über Touchscreens bedienen lassen. Die völlig glatte Bedienfläche macht es Menschen, die nicht oder nur eingeschränkt sehen können, nahezu unmöglich, sie zu benutzen. Dieses Problem hätten Betroffene neuerdings reihenweise mit Geräten, erklärt Thomas Schmidt. "Wir setzen uns dafür ein, dass Haushaltsgeräte barrierefrei sind." Spezialanfertigungen tragen transparente Erhebungen aus Plastik auf dem Display. Mit den Fingerspitzen lassen sich so die Bedienfelder ertasten. Solche Produkte können Sehende dann genauso benutzen. Halte der Trend an, dass sich Haushaltsgeräte über die Sprachsteuerung im Smartphone bedienen lassen, könne das wieder eine Erleichterung werden, sagt Schmidt.

Allerdings seien solche digitalen Technologien eher eine Unterstützung für Jüngere, glaubt Cornelia Jurrmann, die Sprecherin des Sozialverbands VdK. Jedes Jahr erblinden in Deutschland circa 10.000 Menschen. Die Hälfte der Betroffenen sei 80 Jahre oder älter. Sie könnten viele Techniken nicht mehr erlernen.

Digitale Welt: Bilder, Grafiken und Videos - ein weiteres Problem für Blinde

Dass Informationen immer mehr durch Bilder, Grafiken und Videos übermittelt werden, stellt sehbehinderte und blinde Menschen vor immense Probleme. Technologien, durch die Sehgeschädigte diese Informationen nutzen können, gibt es zwar, doch sie sind sehr teuer. Die bisher verfügbaren Geräte mit Monitoren, die zumindest einfache Grafiken in der Blindenschrift Braille darstellen können, kosten teilweise mehrere Zehntausend Euro und sind zudem groß und schwer.

Menschen mit einer Sehbehinderung tun sich in der digitalen Welt oft schwer.

Einige deutsche Wissenschaftler arbeiten nun daran, handlichere und erschwinglichere Geräte auf den Markt zu bringen. So hat die Karlsruher Maschinenbauingenieurin Elisabeth Wilhelm im Rahmen ihrer Dissertation einen Prototyp für einen handlichen Monitor entwickelt, der Computerbilder und -grafiken in ertastbare Braille-Muster umwandelt. Ziel ihrer Forschungsarbeit sei es gewesen, ein leichtes und mobil nutzbares Gerät in Din-A4-Größe zu schaffen, das um die 3.000 Euro kostet und für den Aufbau von Bildern höchstens zehn Sekunden benötigt, erklärt die junge Wissenschaftlerin. Für den Prototyp von der Größe eines Handys und mit 300 ertastbaren Punkten hat sie 2016 den Deutschen Studienpreis der Körber-Stiftung erhalten. "Der Prototyp hat gezeigt, dass es funktioniert, aber es muss noch weitergeforscht werden", sagt Wilhelm.

Dass die für die weltweit mehr als 300 Millionen schwer sehgeschädigten und blinden Menschen in der zunehmend digitalen Welt essentielle Technologie auch vorankommt, daran arbeitet derzeit ein Team um Bastian Rapp vom Freiburger Zentrum für interaktive Wirkstoffe und bioinspirierte Technologien (FIT) an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. "Wir sind in ersten Vorstudien, auch bereits mit Sehbehinderten in der Erprobung", erklärt Rapp. Der nächste Schritt sei eine größere Studie, in der Hoffnung, erste Kleinserien des Geräts bis Ende 2023 auf den Markt bringen zu können.

Brailleschrift bis heute unverzichtbar

Die Brailleschrift sei auch noch im Alter erlernbar - wenn auch nicht so leicht wie für Menschen, die von Geburt an blind sind, sagt Thomas Schmidt vom Allgemeinen Blinden- und Sehbehindertenverein Berlin. Sie ist deshalb bis heute ein wichtiges Hilfsmittel für alle, die nicht oder nicht gut sehen können. Mittlerweile hat die Punktschrift sogar den Sprung ins Digitalzeitalter geschafft. Der Erfinder selbst konnte den weltweiten Erfolg seiner Erfindung nicht mehr miterleben. Er starb 1852 mit nur 43 Jahren an Tuberkulose. Hundert Jahre später wurde er ins Panthéon überführt, die Ehrengrabstätte vieler berühmter französischer Persönlichkeiten.

  • Welt-Braille-Tag: Gespräch mit Christian Seuß, Deutscher Blindenbund: 04.01.2020, 09:05 Uhr, Bayern 2 am Samstagvormittag
  • Die Geschichte der Braille-Schrift: 04.01.2018, 13.05 Uhr, radioWelt, Bayern 2.
  • Das Motiv des Blinden - Mit der Haut sehen: 02.01.2018, 9.05 Uhr, radioWissen, Bayern 2.
  • Louis Braille und die Blindenschrift: 04.01.2015, 22.30 Uhr, Meilensteine der Naturwissenschaft und Technik, ARD-alpha.

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