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Hunde Vom Wolf zum Haustier

Rund 20.000 bis 40.000 Jahre ist es her, dass Mensch und Wolf die ersten Schritte aufeinander zu gingen. Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft: Wir sind auf den Hund gekommen.

Stand: 09.05.2022

Auch dieser Hund (Canis lupus familiaris) stammt ursprünglich vom Wolf ab.  | Bild: picture alliance / empics | Jeff McIntosh

Der Haushund (Canis lupus familiaris) ist der älteste Begleiter des Menschen. Was uns vereint ist, dass wir in Gemeinschaften leben und sehr kommunikativ sind. Auch der Vorfahr des Hundes, der Wolf, ist ein soziales Tier. So hatten Mensch und Wolf eine gemeinsame Basis, um Freundschaft zu schließen.

Wie der Wolf ein Haustier wurde

Flauschig mag er sein, ist aber kein Haustier: der Wolf. Alle heutigen Hunde stammen vom ursprünglich von ihm ab.

Die aktuelle Studienlage besagt, dass vor 20.000 bis 40.000 Jahren Jäger und Sammler aus lediglich einer Region den Wolf gezähmt und damit zum Hund gemacht hätten. Wo? Irgendwo in Eurasien. Ein Gegenvorschlag lautet, dass der Wolf gleich zweimal domestiziert wurde, einmal in Europa, einmal in Ostasien. Vermischt hätten sich diese unabhängig voneinander entstandenen Hunde erst viel später, als die ostasiatischen Hunde mit dem Menschen nach Europa kamen und dabei den europäischen "Ur-Hund" teilweise verdrängten. Und eine weitere Studie schlägt vor, dass der Hund vor 18.000 bis mehr als 30.000 Jahren in Europa zum besten Freund des Menschen wurde.

Forscherinnen und Forscher sind sich nicht einig, da es nicht genügend altes Erbgut von Hunden und Wölfen aus jender Zeit gibt, um sich wirklich ganz sicher zu sein, wann, wo und wie oft der Mensch den Wolf gezähmt hat. Neuere Studien belegen aber, dass alle Hunde gemeinsame Vorfahren haben, die sich von denen der Wölfe unterscheiden - und dass sich bereits vor 11.000 Jahren fünf verschiedene Abstammungslinien herauskristallisiert haben.

Einer wie Hund und Katz

Hund und Katze hatten einen gemeinsamen Urahn

Auch wenn ihnen heute eine ständige Rivalität unterstellt wird – Hund und Katze stammen vom selben Prototypen ab: dem Dormaalocyon latouri. Diesem wird eine Verwandtschaft mit allen heutigen Raubtieren bescheinigt, mit Bär, Robbe, Löwe, Wolf, Wiesel oder Tiger. Ein Team um Floréal Solé und Richard Smith vom Königlich-Belgischen-Institut für Naturwissenschaften hat in der Nähe des belgischen Dormall Fossilien des Baumbewohners gefunden und genau untersucht. Sie kamen zu dem Ergebnis, dass der Mix vor etwa 55 Millionen Jahren die Regenwälder des frühen Eozäns bewohnte.

Die Forscher ordnen den Urräuber zu den sehr frühen Vertretern der Raubtiere unter den Säugern ein und sehen ihn als Vorfahren der Katzen und der Hunde. Zwar ist er nicht der erste gemeinsame Urahn der Katzen- und Hundeartigen, diesem aber sehr nah. Und so sehen die Forscher im Dormaalocyon latouri den frühesten bisher bekannten Räuber mit lebender, direkter Nachkommenschaft.

Eine ganz besondere Beziehung: Mensch und Hund

Hat sich der Wolf den Menschen ausgesucht?

Irgendwann kam ein Mensch auf die Idee, Wolfsjunge selbst aufzuziehen.

Vieles spricht dafür, dass der Wolf sich den Menschen ausgesucht hat und nicht umgekehrt. Die Wölfe folgten vor Zehntausenden von Jahren vermutlich den Menschen und profitierten von ihren Jagderfolgen und Nahrungsresten. Irgendwann kamen diese Jäger auf die Idee, junge Wölfe mit der Hand aufzuziehen.

Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass der Wolf schon zu Zeiten der Jäger und Sammler domestiziert wurde, also lange, bevor der Mensch sesshaft wurde und Rinder oder Schafe domestizierte. Vermutlich kamen unsere Vorfahren völlig ohne Hintergedanken "auf den Hund". Das legen Studien bei Stämmen in Südamerika und Asien nahe, die noch heute wie in der Steinzeit leben. Bei ihnen haben die meisten Hunde keinerlei Aufgabe.

Durch Dressur domestiziert: Hund, hol das Stöckchen!

Beliebte Übung bei der Dressur: Hund apportiert Stock.

Unsere Vorfahren haben aber wohl bald gemerkt, dass man kleinen Wölfen auch etwas beibringen kann. Sie begannen deshalb, die Wildtiere zu dressieren. Mit der Zeit gewöhnten sich die beiden aneinander und die Wölfe veränderten sich: Äußerlich sahen sie noch lange wie ihre wilden Vorfahren aus. Doch die Tiere wurden zahmer und fixierten sich immer mehr auf den Menschen.

Wolf und Hund: Verwandt und doch verschieden

Im Wolfsforschungszentrum im österreichischen Grünau versuchen Wissenschaftler, die Unterschiede zwischen Wölfen und Hunden zu erforschen. In vielem sind sich die Verwandten ähnlich, doch sie unterscheiden sich auch sehr. Wölfe sind Wildtiere und an ein Leben in der Natur angepasst. Sie sind stets misstrauisch und sehr wachsam. Der Hund hingegen verhält sich ganz anders, denn er hat eine ökologische Nische entdeckt: den Menschen. Hunde verstehen es ausgezeichnet, ihre Bedürfnisse mitzuteilen und so den Menschen für ihre Zwecke einzuspannen.

Der Hund setzt auf Gejaule statt Gewalt

Hunde können durch Jaulen auf ihre missliche Lage aufmerksam machen.

Im Forschungszentrum zeigt das ein einfaches Experiment: Die Verhaltensforscher stellen einen Teller mit Fleisch in einen Käfig. Weder ein Wolf noch ein Hund können ihn alleine öffnen. Lässt man einen Wolf vor den Käfig, versucht er ihn mit viel Kraftaufwand zu öffnen. Der Hund hingegen wendet sich, sobald er merkt, dass er nicht weiterkommt, an die Menschen. Mit Blicken und Lauten bettelt er darum, die Türe zu öffnen.

Evolutionärer Superstar

Ähnliches passiert bei Millionen von Hundebesitzerinnen und -besitzern jeden Tag: Sie öffnen Schränke, Tüten und Dosen für ihren Hund, sie kaufen Futter und tragen es nach Hause. Der Hund bekommt seine Nahrung, ohne etwas dafür tun oder gar etwas riskieren zu müssen. Wenn er krank wird, bringt ihn sein Frauchen oder Herrchen sogar zum Arzt.

Einerseits wird man dekoriert, andererseits muss man für sein Futter nichts mehr tun: Hunde haben eine erfolgreiche Überlebensstrategie gewählt.

Eine evolutionär ungemein erfolgreiche Strategie, die sich auch in Zahlen niederschlägt: Allein in Deutschland leben über zehn Millionen Hunde. Bei Wölfen gibt es nach Angaben des WWF hingegen weltweit nur noch 180.000 Exemplare. Das bedeutet: Für die Vorfahren der Hunde war die Anpassung an den Menschen ein höchst erfolgreicher Schritt in der Evolution.

Tag des Hundes

Am 12. Juni 2022 feiert der Verband für das Deutsche Hundewesen (VDH) den "Tag des Hundes".

Der "Internationale Welttag des Hundes" findet dagegen am 10. Oktober statt. Beide Tage sollen auf die besondere Rolle des Hundes für unsere Gesellschaft hinweisen.

Versteht mich mein Hund?

Hundebesitzer sind längst davon überzeugt, dass ihr tierischer Freund sie versteht und auf ihre Stimmung reagiert. Tatsächlich scheinen die Tiere nicht nur auf die Tonlage, sondern auch auf den Inhalt zu hören, wenn ein Mensch etwas zu ihnen sagt. Dafür sprechen einige Studien:

Tierisches Verständnis

Hunde verstehen Menschen

Tierische Versuchsteilnehmer: Hunde in einem MRT.

Eine Untersuchung von Hunden im Magnetresonanztomografen (MRT) zeigte, dass Hunde ähnlich wie Menschen spezielle Areale für die Verarbeitung von Sprache besitzen: Bei beiden Arten liegen die Spracherkennungsregionen an ähnlicher Position der Hörrinde und scheinen ähnlich zu funktionieren. Und bei beiden gibt es Regionen, die speziell vom emotionalen Gehalt eines Lautes aktiviert werden. Die Forscher gehen deshalb davon aus, dass Hunde durchaus den emotionalen Gehalt, der über die Stimme oder ein Geräusch transportiert wird, wahrnehmen.

Hunde können den Inhalt unserer Worte verstehen

Vielleicht hat dieser Hund etwas ausgefressen und wird gerade nicht gelobt?

Eine weitere Studie zeigte, dass Hunde nicht nur verstehen, was wir sagen, sondern auch, wie wir es sagen. Hunde würden demnach das Gesprochene mit der Betonung kombinieren, um die Worte korrekt zu interpretieren. Also immer dran denken: Wenn schon loben, dann bitte auch so klingen!

Hunde haben ein Kurzzeitgedächtnis

So viel Spielzeug! Manche Hunde können sich die Namen für ihr Spielzeug prima merken und gelten als besonders sprachbegabt.

Ausdrücke wie "Sitz" oder "bei Fuß" beherrschen die meisten Hunde, wenn man sie trainiert. Meist apportieren sie auch ihr Spielzeug, wenn man sie dazu auffordert. Hunde haben offenbar aber auch ein Kurzzeitgedächtnis und können neue Wörter schnell erlernen. Allerdings haben sie sie nach einer Stunde wieder vergessen. Damit neue Vokabeln aber auf Dauer gespeichert werden, bedarf es daher vieler Wiederholungen und Übung.

Hunde können ihren Menschen nur an der Stimme erkennen

Hunde scheinen Stimmen nach ähnlichen Kriterien wir wir Menschen auseinanderzuhalten.

Hunde können ihre Besitzerinnen oder Besitzer außerdem auch nur an ihrer Stimme erkennen. Wenn euer Hund nicht hören will, liegt das also wahrscheinlich nicht daran, dass er oder sie euch nicht versteht.

Ist der Napf halbvoll oder halbleer?

Hunde haben Charakter

Hunde besitzen Temperament - manche mehr, manche weniger. Das ist ähnlich wie bei uns Menschen. Australische Wissenschaftler der University of Sydney sind weiter gegangen, sie haben Hunde in Optimisten und Pessimisten eingeteilt. Nützlich kann das Wissen über den Charakter eines Hundes bei der Auswahl von Begleithunden sein.

Vorfreude oder Desinteresse

Doch wie unterscheiden Forscher positiv von negativ denkenden Hunden, da diese ja nicht über ihre Befindlichkeiten Auskunft geben können? Die Wissenschaftler haben den Vierbeinern bei einem hohen Ton feine Milch angeboten, bei einem tiefen Ton nur fades Wasser. Das heißt, die Tiere haben gelernt, die unterschiedlichen Töne mit einem Ereignis zu verknüpfen. In einem nächsten Schritt ließen sie die Testtiere einen mittleren Ton hören. Und siehe da: Optimistisch gestimmte Tiere reagierten mit Vorfreude, Pessimisten dagegen blieben desinteressiert.

Helfersyndrom oder Suchhund

Da die Pessimisten unter den Vierbeinern etwas Negatives erwarten, halten sie sich zurück und sind vergleichsweise wenig risikofreudig. Sie lassen sich nach Enttäuschungen recht schnell entmutigen. Ganz anders die Optimisten-Hunde: Sie resignieren bei Misserfolgen nicht so schnell und sind weniger risikoscheu. Dieses Wissen ist bei der Ausbildung von Hilfshunden wichtig: Die Vorsichtigen unter den ihnen sind eher als Blindenhunde geeignet, da sie vorausschauend agieren müssen. Die Mutigen unter ihnen lassen sich dagegen besser als Suchhunde einsetzen, wo Risikofreude und Beharrlichkeit von Nutzen sind.

Wie intelligent ist euer Hund?

Hunde erinnern sich

Warum der Hund das macht? Er folgt dem "Mach's mir nach"-Kommando.

Nicht nur Primaten, auch Hunde besitzen wohl ein episodisches Gedächtnis: Sie können sich Ereignisse merken, die zum Zeitpunkt des Geschehens keine Bedeutung für sie hatten. Bei einem "Mach's mir nach"-Experiment beobachten Hunde beispielsweise, wie ein Mensch an einen Schirm tippt. Nach einem "Mach's mir nach"-Kommando tippt der Vierbeiner ebenfalls an den Schirm. Das alleine wäre allerdings noch kein Beweis für ein episodisches Gedächtnis. Daher brachten Forschende den Tieren bei, sich nach jeder menschlichen Aktion hinzulegen. Gaben die Wissenschaftler dann unvermittelt das "Mach's mir nach"-Kommando, erinnerten die Hunde sich an die beobachtete Handlung und imitierten sie. Diesen Test wiederholten die Forscher nach einer Minute und nach einer Stunde. Auch dann hatten die Tiere die Aktion noch im Gedächtnis.

Schlau wie Kleinkinder

Hunde können zählen. Sie kommen zwar nur bis fünf, aber immerhin!

Im Durchschnitt können sich Hunde um die 165 Worte merken, bis fünf zählen und Fehler in leichten Berechnungen erkennen. Davon ist der amerikanische Psychologe und Hundeexperte Stanley Cohen überzeugt. Cohen schreibt Hunden sogar die mentalen Fähigkeiten von zwei- bis zweieinhalb-jährigen Kindern zu.

Mittels Augenkontakt

Hunde haben andere mentale Fähigkeiten als ihre Vorfahren, die Wölfe, entwickelt.

Hunde reagieren ebenso wie Kleinkinder auf Signale wie Augenkontakt oder direktes Ansprechen. Kognitionsbiologen des Wiener Messerli Forschungsinstituts fanden heraus, dass Hunde wie Kinder nur dann Verhalten nachahmen, wenn es für sie Sinn macht. Und: Hunde verstehen den Zeigegestus des Menschen ohne Probleme - im Gegensatz zu Wölfen. Darüber hinaus können Hunde auch der Sprechrichtung eines Menschen folgen und so verstecktes Futter aufspüren, sagen Forscher des Max-Planck-Instituts für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Das können nicht mal Menschenaffen, geschweige denn Wölfe.

Lust auf Wurst

Hunde haben sich ihrer Umgebung perfekt angepasst: und diese Umgebung sind wir Menschen.

Aber wie intelligent sind Hunde tatsächlich und was heißt intelligent?  Man kann sagen, Hunde haben kognitive Fähigkeiten und zwar die, die sie brauchen, um in ihrer Umwelt perfekt leben zu können. Den Hunden geht es nur darum, aus jeder Situation das Beste für sich herauszuholen. Und da geht es manchmal um die Wurst.

Perfekter Begleiter

Eigentlich sind Hunde ganz schön schlau - oder?

Fazit: Intelligente Hunde gibt es wohl nur in Trickfilmen. In der Biologie heißt es Anpassung. Der Hund hat sich im Rahmen seiner genetischen Möglichkeiten perfekt an den Menschen angepasst. Er hat sogar eine eigene Kommunikation entwickelt, um seine Bedürfnisse mitzuteilen oder die Bedürfnisse des Menschen zu verstehen. Ganz schön schlau.

In welchem Alter lernen Hunde am schnellsten?

Junge Hunde sind leicht abzulenken, lernen aber schnell.

Das hat Lisa Wallis von der Vetmed-Uni Wien an 145 Border Collies im Alter zwischen sechs Monaten und 14 Jahren untersucht. Dabei traten auffallend große Ähnlichkeiten zwischen Hund und Mensch zutage. Bei Tests zeigte sich, dass ein Objekt dann interessant für den Hund ist, wenn sich ein Mensch damit beschäftigt. Wissenschaftler sagen: Die "soziale" Aufmerksamkeit ist bei Hunden größer als die "nicht-soziale". Außerdem stellte sich heraus, dass die Konzentrationsfähigkeit bei den ein- bis zweijährigen Hunden leidet, sie waren leichter abzulenken. Gleichzeitig wiesen die pubertierenden Hunde aber auch die steilste Lernkurve auf. Sie konnten ihre Leistungen in den Tests am schnellsten verbessern. "Die Pubertät bei Tieren wie beim Menschen birgt auch ein erhebliches Potenzial", betont Wallis.


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