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Die Varroamilbe Der gefährlichste Feind der Biene

Sie gilt als der Bösewicht schlechthin, wenn es um das Bienensterben geht: die Varroa-Milbe. Mit importierten Bienen vermutlich nach Europa gelangt, hält sie Imker in Alarmbereitschaft.

Stand: 01.06.2021

Die Varroa-Milben gelten als Hauptgrund für das Sterben von Bienenvölkern. Der Kampf der Imker gegen die Varroa-Milbe ist jedes Jahr wieder notwendig. Im Durchschnitt sterben zehn bis 15 Prozent der Bienenvölker pro Jahr durch den Befall mit der Varroamilbe ab - rund 150.000 Völker insgesamt jährlich, zeigt das Deutsche Bienenmonitoring.

Wie viele Bienenvölker von der Varroa-Milbe befallen sind, hängt immer auch vom jeweiligen Winter ab. Wenn es länger kalt ist, startet die Blühsaison und damit die Bienenzeit später. Dadurch haben die Varroa-Milben weniger Zeit, sich in den Stöcken bis zum darauffolgenden Winter zu vermehren. Geht ein Bienenstock mit einem zu hohen Milbenanteil in den Winter, ist er dem Tod geweiht. Ist der Anteil gering, kann das Bienenvolk damit noch umgehen und überleben.

Varroa-Milben schwächen die Bienen und bringen Erreger mit

Nach einem Milben-Befall zeigt die Bienen-Brut Entwicklungsstörungen und stirbt meist rasch nach dem Schlüpfen. Erwachsene Bienen haben ein geschwächtes Immunsystem und kommen nicht durch den Winter. Die Entgiftung funktioniert nicht mehr und Bienen sind anfälliger gegen Pestizide und andere körperfremde chemische Stoffe, Xenobiotica genannt. Das ist besonders brisant, weil die Milbe auch Viren und Bakterien in den Bienenstock einschleppt.

Greift die Varroa-Milbe Bienen anders an als gedacht?

Seit Jahrzehnten kämpfen Forscher gegen die Varroa-Milbe. Ohne Erfolg. Liegt der Grund darin, dass der Parasit bislang falsch eingeschätzt wurde? Eine Studie weist darauf hin, dass die Varroa-Milbe Bienen nicht die sogenannte Hämolymphe aussaugt (Hämolymphe heißt die menschlichem Blut ähnliche Körperflüssigkeit bei Bienen), sondern ihren Fettkörper anzapft. Das ist sozusagen die Leber der Biene, ein Organ also, dass Nahrung speichert, das Immunsystem stärkt, den Organismus entgiftet und damit gegen Pestizide und Chemikalien stärkt. Eine Störung dieses Kreislaufs würde auch die vielfältigen Krankheitszeichen erklären, die sich Forscher bisher nicht vollständig erklären konnten.

Varroa-Milbe kam in den 1970er-Jahren

Die Langzeitstudie "Deutsches Bienen-Monitoring" hat 2010 die Varroa-Milbe (Varroa destructor) als Hauptgrund für das Schwinden vieler Bienenvölker in den Wintermonaten identifiziert. Die Milbe beschäftigt Bienenforscher schon seit den 1970er-Jahren. 1967 tauchte die Varroa-Milbe erstmals in Europa auf - in Bulgarien und 1977 fand man sie auch in Deutschland. Vermutlich ist der Parasit aus Ostasien mit importierten Bienen nach Europa eingewandert.

Varroa-Milbe hat eine gefährliche Verwandte

Es gibt noch eine zweite Milbe (Varroa jacobsoni) aus der Familie der Varroa. Diese Milbe hat sich eigentlich auf die asiatischen Bienen spezialisiert. Forscher der Purdue Universität in Indiana, USA, konnten zeigen, dass Varroa jacobsoni auch europäische Bienen befallen kann und damit eine Bienenart, die weltweit der häufigste Bestäuber ist.

Suche nach resistenten Bienen-Stämmen

In der Wabe anfällig

Ihr Augenmerk in der Parasiten-Bekämpfung legen die Forscher vor allem auf die natürlichen Abwehrkräfte der Bienen. Manche werden mit Parasiten wie der Varroa-Milbe besser fertig als andere. Ziel ist es, solche Stämme gezielt zu vermehren und befallene Brutzellen schnell auszuräumen oder Stämme zu teilen. So wird der Entwicklungszyklus des Schädlings unterbrochen. Experten appellieren zudem an die Imker, sich keine importierten Bienenvölker aus den USA, Nord- und Südafrika zuzulegen. Denn dort gibt es einen weiteren Schädling, von dem Europas Imker bis jetzt verschont geblieben sind: den Bienenbeutenkäfer.

Was kann der Imker gegen die Varroa-Milbe tun?

Ein Imker kratzt die Wachsdeckel von den Honig gefüllten Waben.

Bislang dürfen Imker die Varroamilbe nur in der Zeit bekämpfen, in der die Bienen keinen Honig produzieren. Rückstände von Chemikalien könnten sonst in den Honig und von dort in den menschlichen Organismus gelangen. Juli und August, die Zeit nach dem Abschleudern also, sind die besten Monate. Wichtig sind aber auch danach noch regelmäßige Befallskontrollen und entsprechende Nachbehandlungen im Herbst und im Winter. Der Varroa-Befall soll im Frühjahr möglichst gering sein, damit die Bienen die Zeit bis zur nächsten Sommerbehandlung gut überstehen. Auf der Seite der Universität Hohenheim, Landesanstalt für Bienenkunde, ist ein Varrose-Bekämpfungskonzept hinterlegt, in dem die einzelnen Schritte im Bienenjahr erläutert werden.

Anti-Milben-Mittel: Säuren und Sauna

Zur Bekämpfung der Varroa-Milbe setzen Imker bislang zum Beispiel Ameisensäure ein, die auf einen Schwamm aufgetragen und zum Verdunsten in den Bienenstock gelegt wird. Allerdings, so stellte das "Deutsche Bienen-Monitoring" fest, ist diese Behandlung im Moment noch nicht ausreichend wirksam, um einen Rückgang des Milbenbefalls in der gesamten Region zu erzielen. Auch Milch- und Oxalsäure kommen als Mittel gegen die Varroamilbe zum Einsatz. Manche Imker versuchen, die Varrao-Milbe mit einer Art Bienensauna zu bekämpfen. Darin werden die Bienenstöcke auf 37 Grad erwärmt. Die Milben sind hitzeempfindlich und werden dadurch geschädigt.

Zufallsfund Lithiumchlorid

Forscher der Universität Hohenheim stießen bei Tests zufällig auf ein weiteres Mittel gegen die Varroa-Milbe: Lithiumchlorid. Die Studie wurde Anfang 2018 in der Fachzeitschrift nature veröffentlicht. Der Wirkstoff wird beim Menschen gegen Depressionen eingesetzt und war lediglich ein Hilfsmittel in den Tests der Forscher.

Lithiumchlorid statt Gentechnik

Geplant hatten die Wissenschaftler, ein viel aufwendigeres gentechnisches Verfahren gegen die Parasiten einzusetzten. Mit dem nobelpreisgekrönten sogenannten RNA-Interferenz-Verfahren, kurz RNAi-Verfahren, sollten gezielt bestimmte Gene der Milbe ausschaltet werden, ohne die Biene zu schädigen. Doch soweit mussten die Forscher nicht gehen. Denn sie erzielten bereits bei einer Vorstufe des Experiments Erfolge.

Zwei Jahre dauerte es, bis die Forscher der Universität Hohenheim identifizieren konnten, was in ihren Kontrollexperimenten eigentlich gewirkt hatte. Schließlich zeigten weitere Tests, dass Lithiumchlorid tödlich für Varroa-Milben ist - eine gut verfügbare und günstig beziehbare Chemikalie. Von Selbstversuchen raten die Forscher ab, da der Wirkstoff noch nicht zugelassen und nicht eingehend erforscht ist sowie auch gegen das Arzneimittelgesetz verstoßen würde.


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