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Bienensterben Warum so viele Bienen sterben

Viele Imker begleitet, wenn sie im Frühjahr in ihre Bienenstöcke sehen, die Sorge: Wie viele Bienen hat das Bienensterben im vergangenen Winter dahingerafft? Schuld am Sterben von Bienenvölkern sind Milben, Viren und der Mensch.

Published at: 29-9-2022

Eine tote Biene. | Bild: BR/Julia Müller

Seit 2006 ist das Phänomen "Bienensterben" in Europa und den USA bekannt. Neben der Varroa-Milbe, anderen Parasiten und Insektiziden ist es vor allem der einseitige Speiseplan in der modernen Agrarlandschaft, der den Bienen zu schaffen macht: Die Tiere sind so geschwächt, dass regelmäßig eine hohe Anzahl der Völker stirbt. Jedes Frühjahr sind die Imker angespannt und fragen sich, wie viele Bienen-Völker den Winter überlebt haben.

Bienen bedroht: Bienenvölker-Verluste in Deutschland

Im Winter 2020/2021 starben je nach Berechnung zwischen 12,7 und 14,8 Prozent aller Bienenvölker in Deutschland. An der Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Imkerbund nahmen bundesweit knapp 14.000 Imker teil. Etwas mehr als die Hälfte aller meldenden Imker mussten Verluste in unterschiedlichem Umfang verkraften, so der Deutsche Imkerbund e.V. .

Bienen verschwinden: 37 Prozent weniger Bienenvölker in Westeuropa

Bienenzählen im Frühjahr: Bienenvölker sind besonders in Westeuropa zurückgegangen.

Die Bienenvölker und die Honigbienen erholten sich in den letzten Jahren wieder etwas. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2022 sank in Europa die Anzahl der Bienenvölker innerhalb von dreißig Jahren dennoch um dreizehn Prozent. Westeuropa verzeichnet sogar einen Rückgang von 37 Prozent: Gab es 1990 noch 3,5 Millionen Bienenvölker, waren es 2020 nur noch 2,2 Millionen.

Bienensterben: Besonders Wildbienen bedroht

Neben rund einer Million Honigbienenvölker, gibt es in Deutschland auch 600 Wildbienenarten, die - anders als die Honigbienen - meistens alleine und nicht in Staaten leben. Wildbienen geht es besonders schlecht: Laut der Roten Liste für Deutschland sind rund 48 Prozent der rund 550 bewerteten Bienenarten bereits gefährdet oder schon ausgestorben. Das liegt auch daran, dass Wildbienen hohe Ansprüche an ihren Nistplatz und das Nistmaterial haben. Sie leiden besonders darunter, dass ihr Lebensraum schwindet. Außerdem wird die Nahrung durch die Veränderungen in der Landwirtschaft knapper. Eiweißmangel herrscht bei den Bienen schon von klein auf.

Bienensterben - Neue Bienen-Schädlinge im Anflug

Die Bienen sind - neben den altbekannten - auch immer wieder neuen Gefahren ausgesetzt. Invasive Arten können der Artenvielfalt schaden - so breitet sich seit einigen Jahren zum Beispiel der Kleine Beutenkäfer und die Asiatische Hornisse in Europa aus. Diese Bienenparasiten können den Bienen großen Schaden zufügen.

Bienen schützen: Wie invasive Arten Bienen und anderen Insekten schaden

Mit dem Forschungs- und Innovationsprojekt "Bee Warned" wurde im Mai 2017 ein flächendeckendes Monitoring als Frühwarnsystem etabliert, sodass das Vorkommen dieser Parasiten rechtzeitig gemeldet und festgelegte Maßnahmen eingeleitet werden können, so die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau. Das Projekt schult Imker auch bei der Bekämpfung der Schädlinge mit natürlichen Mitteln wie Ölfallen.

Gefährliche Bienenparasiten

Kleiner Beutenkäfer

Der aus Südafrika stammende Kleine Beutenkäfer ist gefährlich für Bienen. Er legt seine Eier direkt im Bienenstock in Ritzen und Spalten ab. Bei bereits geschwächten, weniger abwehrstarken Bienenvölkern auch auf oder in die Waben. Gereift zur Larve frisst der Beutenkäfer Brut, Pollen und Honig - also Nachwuchs und Vorräte - der Bienen auf. Die Käfer leben vergleichsweise lange und pflanzen sich eifrig fort: Weibchen leben im Schnitt sechs Monate und können 1.000 bis 2.000 Eier produzieren. Dadurch kann der Kleine Beutenkäfer innerhalb kurzer Zeit ein ganzes Bienenvolk vernichten - und noch weitere, denn die ausgewachsenen Larven, Wanderlarven genannt, verlassen den Stock und verpuppen sich im Boden. Ein Beutenkäfer-Befall ist anzeigepflichtig.

Asiatische Hornisse

Die Asiatische Hornisse ist erstmals im September 2014 nahe Freiburg in Deutschland gesichtet worden. Wie die heimische Hornisse mit hellem Hinterteil jagt die Asiatische Hornisse mit ihrem charakteristischen dunklen Hinterteil die Bienen. Nur viel effektiver: Fast scheint es, als wenn sie sich absprechen würden. Sie entscheiden sich für ein Bienenvolk, überwachen es aus der Luft und fangen alle heimkehrenden Bienen ab. 2016 ist die Asiatische Hornisse in die Liste der unerwünschten Spezies der Europäischen Union aufgenommen worden.

Fliege Apocephalus borealis

In den USA bedroht eine parasitäre Fliege ganze Bienenvölker. Die Fliegenart Apocephalus borealis nistet sich in den Honigbienen ein. Die Insekten verlassen daraufhin ihren Bienenstock, brechen zu einem orientierungslosen Rundflug auf und sterben.

Der Parasit Nosema ceranae

In den vergangenen Jahren wurden einheimische Bienen auch noch von einem anderen asiatischen Bienen-Parasiten befallen: Nosema ceranae. Der kleine einzellige Parasit nistet sich im Darm der Bienen ein und verbreitet sich durch den Kot im Bienenstock. Er verursacht schwere Erkrankungen und bedroht ganze Bienenvölker. Zunehmend verdrängt er seinen Verwandten Nosema apis, der ursprünglich in Europa als Erreger verbreitet war.

Viele Bienen sterben durch veränderte Lebensbedingungen

Bienensterben: Hohe Verluste bei bayerischen Bienen

Auch die Lebensbedingungen selbst machen den Bienen heutzutage zu schaffen. Experten machen sich Sorgen um die schwindende Widerstandskraft der Bienen: Verglichen mit früher reicht heute ein wesentlich geringerer Varroa-Befall aus, um ein Bienenvolk auszurotten. Wissenschaftler versuchen zwar, resistente Bienen zu züchten oder die Bienen sogar gegen den Befall zu impfen, jedoch bereiten die industrielle Landwirtschaft und der Einsatz von Pestiziden den Bienen weiterhin Probleme.

Dünner Speiseplan für die Biene

Lebenselixier Nektar

Bienen brauchen Blumen zum Überleben. Blütenpollen sind wichtig für die Ernährung der Bienenbrut und der jungen Bienen. Nektar liefert die nötige Energie zum Fliegen, er ist so etwas wie das Benzin der Bienen. Sie benötigen eine große Blumenvielfalt, um über das ganze Jahr hinweg gut ernährt zu sein.

Gespritzt und monoton

Auf dem Land gibt es diese Vielfalt aber immer weniger. Die extrem ertragsorientierte Landwirtschaft mit Monokultur-Flächen steht in Verdacht, den Bienen zu schaden. Viele Wiesen werden zudem schon vor der Blüte gemäht, damit geht auch Bienennahrung verloren. Die Folge ist Mangelernährung.

Landflucht der Bienen

Auch große Gärten mit einem reichhaltigen Blütenangebot werden rar auf dem Land. Es fehlt die Vielfalt. All das führt inzwischen dazu, dass es viele Imker und Bienen in die Stadt zieht. Dort gibt es inzwischen durch Blütenpracht in Parks und auf Balkonen mehr Futter. Dementsprechend wächst die Zahl der Stadtimker. Durch den Urban Beekeeping Trend verzeichneten die Imkereien laut dem Deutschen Imkerbund e.V. in den vergangenen Jahren Steigerungsraten von 15 - 20 Prozent. 2021 pendelte sich der Zuwachs an Stadtimkern mit 1, 8 beziehungsweise 2,6 Prozent wieder auf den Bundesdurchschnitt ein.

Weltbienentag: Warnung vor weniger Bestäubungsleistung

Seit 2018 wird jährlich am 20. Mai der Weltbienentag begangen. Eingeführt durch eine Resolution der Vereinten Nationen, soll der Tag die Situation der Bienen stärker in die öffentliche Wahrnehmung rücken. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) warnte anlässlich des Weltbienentages 2022 davor, dass durch das Bienensterben auch die Bestäubungsleistung zurückgeht. Bienen und andere Insekten spielen eine wichtige Rolle für die Landwirtschaft: Mandeln, Äpfel, Kaffee oder Erdbeeren sind Lebensmittel, die wir dank der Bestäubung von Bienen haben, betont die Organisation. Auch deshalb sei der Schutz der Bienen wichtig.


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