ARD alpha Uni Hebamme studieren · Babys auf die Welt helfen

Author: Christian Wurzer

Published at: 2-11-2022

Hebammenwissenschaft, bzw. Hebammenwesen sind sehr junge Studiengänge. Hochschulen und Universitäten bieten ihn als Bachelor und Masterstudiengang an. Für Samira erfüllt sich mit dem Studienbeginn ein Lebenstraum. Hebamme werden!

Samira, Studentin der Hebammenwissenschaften an der Technischen Hochschule Nürnberg | Bild: BR

Zulassungsvoraussetzungen

Für das Studium der Hebammenwissenschaft mit Bachelor Abschluss musst du die  Allgemeine Hochschulreife, also ein Abitur, eine Fachgebundene Hochschulreife oder eine Fachhochschulreife, also ein Fachabitur vorweisen. Einige Hochschulen haben den Studiengang mit einem Numerus Clausus (NC) belegt. Hier gilt es also nachzusehen, ob das an der Universität oder Hochschule deiner Wahl der Fall ist und wo der NC liegt.

An einigen Hochschulen und Universitäten wird ein vorangehendes Orientierungspraktikum empfohlen.

Bewerber:innen mit einer Ausbildung im pflegerischen Bereich und wenigstens drei Jahren Berufserfahrung können ebenfalls für das Studium der Hebammenwissenschaft zugelassen werden.

Hebammenwissenschaft kannst du in Vollzeit, aber auch ausbildungsbegleitend studieren. Einige Hochschulen und Universitäten bieten den Studiengang Hebammenwissenschaft dual und damit praxisintegrierend an. Dazu musst du schon bei der Studienplatzbewerbung einen Ausbildungsvertrag an einer mit der Hochschule oder Universität kooperierenden Kliniken vorweisen.

Dazu kommen nun noch einige Anforderungen, die direkt deine Person betreffen:

  • Ärztliches Attest über die geistige und körperliche Eignung zur Ausübung des Berufs der Hebamme
  • Erweitertes polizeiliches Führungszeugnis
  • Ausländische Studierende müssen sich vorher absolvierte Berufsausbildungen und Berufspraxisjahre anerkennen lassen und dazu Deutschkenntnisse im Level B1 vorweisen. Für die spätere Berufspraxis empfiehlt der Hebammenverband Deutschkenntnisse auf dem Level C1.


Manche Hochschulen laden zusätzlich zu einem Bewerbungsgespräch ein, in dem sich die Studiengangsverantwortlichen ein persönliches Bild von dir machen.

Klar, Voraussetzung für das Master Studium Hebammenwesen M.Sc. ist ein Bachelor Abschluss im Bereich der Hebammenwissenschaft oder auch der Pflegewissenschaft. Manche Hochschulen akzeptieren eine abgeschlossene Berufsausbildung zur Hebamme oder im Bereich der Pflege verbunden mit einer mehrjährigen Berufserfahrung.

Wichtig für alle, die Hebamme werden wollen: Nur noch bis zum 31.12.2022 ist eine Ausbildung zur Hebamme an einer Hebammenschule ohne Studium möglich. Diese muss dann bis zum 31.12.2027 abgeschlossen sein. Eine EU-Verordnung und damit veränderte Berufsanforderungen machen danach ein akademisches Studium notwendig, was sich allerdings später auch insbesondere in Anstellungsverhältnissen finanziell positiv auswirkt.

Das alles lernst du im Studiengang Hebammenwissenschaft

Studieninhalte und Studienablauf

Ein Studium der Hebammenwissenschaft dauert zwischen 4 und 10 Semestern. Mit abgeschlossener Berufsausbildung und Berufserfahrung kannst du in der Regel direkt in das dritte oder vierte Semester einsteigen, was natürlich die Studiendauer insgesamt verkürzt. Auch ob du Vollzeit oder dual studierst, wirkt sich auf die Studiendauer aus. Vorteil im dualen Studium ist immer die mitlaufende Berufsausbildung.

Das Bachelorstudium ist sowohl dual als auch als Vollzeitstudium sehr praxisorientiert, in Modulen ausgestaltet.

Studienfächer, hier nur einige:

  • Gesundheitswissenschaftliches Denken und Arbeiten
  • Sozialrecht und Gesundheitswesen
  • Biomedizinische Grundlagen
  • Hebammenbegleitung in der Schwangerschaft und Geburtsvorbereitung
  • Hebammenbegleitung während der Geburt
  • Hebammenbegleitung in Wochenbett und Stillzeit
  • Gynäkologische Krankheitslehre
  • Gesundheitsbezogene Situationen von Neugeborenen erkennen
  • Frauen und Familiengesundheit
  • Perinatale Hebammenbegleitung
  • Selbstständiges und ökonomisches Arbeiten
  • Komplexes Fallverstehen
  • Steuerung von Versorgungsprozessen
  • Berufsethische Werthaltungen und Einstellungen


Zusätzlich sind pro Studienabschnitt mehrere Praxiseinsätze zu absolvieren. Meist sind in jedem Lehrgebiet zwei zu absolvieren: In der Schwangerschafts- und Geburtsvorbereitung, der praktischen Geburtshilfe, der Wochenbett und Stillzeit, der Neonatologie und Gynäkologie sowie eine interdisziplinäre Projektarbeit sichern das theoretisch Erlernte ab.

Die Bachelorarbeit wird in den letzten Semestern geschrieben. An der TH Nürnberg, an der Samira studiert, geschieht das im sechsten Semester. Im siebten Semester findet die Abschlussprüfung statt.

Die staatliche Prüfung besteht aus einem schriftlichen, einem mündlichen und einem praktischen Teil.

Wer alle Voraussetzungen, also die bestandene Abschlussprüfung, bestandene staatliche Prüfung, ein sauberes erweitertes polizeiliches Führungszeugnis, die ärztliche Bestätigung über die gesundheitliche Eignung und Deutschkenntnisse auf Level B1 verfügt, erhält die Erlaubnis gemäß § 5 des Hebammengesetztes HebG zum Führen der Berufsbezeichnung Hebamme, bzw. Entbindungspfleger.

Hebamme sein heißt Verantwortung für Mutter und Kind zu übernehmen

Samira, Studentin der Hebammenwissenschaften an der Technischen Hochschule Nürnberg | Bild: BR

"Mir ist es wichtig, in dem Fach gut zu sein, weil ich ein gutes Examen schreiben möchte und ich dieses Wissen auch so für die Praxis brauche. Dass ich erkenne, wann die Herztöne des Babys fallen oder zu schnell sind, sonst könnte das für das Baby kurz nach der Geburt echt gefährlich werden."

Samira, Studentin der Hebammenwissenschaften an der Technischen Hochschule Nürnberg

Welche Skills brauchst Du?

  • Innere Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen, für Mutter und Kind
  • Teamfähigkeit
  • Kommunikationsfähigkeit
  • Empathie
  • Verständnis für humanmedizinische Zusammenhänge
  • Bereitschaft zu unregelmäßigen Arbeitszeiten
  • Psychische Stabilität und Belastbarkeit
  • Selbstständiges Arbeiten
  • Liebe zum Menschen

Hebammen und Entbindungspfleger, so heißen männliche Hebammen, arbeiten in Einrichtungen wie:

  • Krankenhäusern
  • Geburtshäusern
  • Hebammenpraxen
  • Öffentlichen Gesundheitsdiensten
  • Elternschulen
  • Forschung und Entwicklung
  • als Selbstständige

Berufsaussichten und Verdienst

Derzeit hast du als Absolvent:in der Hebammenwissenschaften sehr gute Berufsaussichten. Wie überall im Pflegebereich herrscht Fachkräftemangel. Hebamme sein bedeutet auch: werdende Mütter vor, während und nach der Geburt zu begleiten. Du betreust die Mütter in den ersten Wochen mit ihrem neugeborenen Baby, manchmal bis zum Ende der Stillzeit.

Im öffentlichen Dienst verdienen Hebammen und Entbindungspfleger im Monat zwischen 3357 Euro Brutto und 4432 Euro Brutto, je nach Berufserfahrung und Position in der jeweiligen Einrichtung.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Freie Hebammen und Entbindungspfleger sind in ihrem Verdienst abhängig von der Zahl ihrer Einsätze. Die Hebammen-Vergütungsvereinbarung regelt die Bezahlung der durch die Hebammen angebotenen Einzelleistungen, die auch durch die Krankenkassen übernommen werden.

Hebamme sein - in emotionalsten Momenten Emotionen beherrschen

Samira, Studentin der Hebammenwissenschaften an der Technischen Hochschule Nürnberg | Bild: BR

"Das war bei meinem ersten Einsatz hier. Ich war natürlich auch noch relativ neu. Zu der Schicht bin ich hier die Treppe hochgekommen. Ich bin dann am Kreissaal vorbeigelaufen und da hat mir die Hebamme nur noch zugerufen: Hol die Kollegin! Hol die Notliege! Und ich bin zum Not-Op gerannt, um die Notliege zu holen. Man überlegt selbst: Wird es die Frau schaffen? Wird es das Kind schaffen? Und in dem Moment dann zum Mann reinzugehen, der natürlich seinerseits total aufgelöst war, das war eine sehr schwierige Situation, wenn auf einmal so ein Mann vor dir steht, der weint und du bist im ersten Semester und hast gerade angefangen und weißt gerade nicht: Möchte er eine Umarmung, möchte er das nicht. (…) Wie erkläre ich ihm die Situation, dass ich ihm Hoffnung vermittle, ohne ihm falsche Hoffnungen zu machen? Dass es der Mutter und dem Kind gut geht, habe ich erfahren, als die Hebamme selbst zurückgekommen ist. (…) Dann war natürlich große Erleichterung in dem Moment, dass es einfach gut ausgegangen ist. Der Vater war in dem Moment richtig froh. Da sind schon auch Freudentränen geflossen bei ihm."

Samira, Studentin der Hebammenwissenschaften an der Technischen Hochschule Nürnberg