ARD alpha Uni Geographie studieren

Von: Susanne Bauer-Schramm

Stand: 10.07.2023

Bist du gerne in der Natur unterwegs - auch bei „Schmuddelwedda“, machst dich gerne dreckig? Liebst du Exkursionen? Dann passt Geographie zu dir. Noch dazu beschäftigen sich Studierende der Geographie mit der Gesellschaft, mit dem Leben auf und mit der Erde und sie fragen sich, wie Städte in Zukunft aussehen sollen.

Anna im Studium der Angewandten Geographie B.Sc., RWTH Aachen University | Bild: BR/Montage: BR/Michale Ackermann und Anton Balazh (Hintergrund)

Zulassungsvoraussetzungen

Für ein Geographie Bachelor Studium brauchst du die Allgemeine Hochschulreife (Abitur), Fachgebundene Hochschulreife, Fachhochschulreife oder eine als gleichwertig anerkannte Hochschulzugangsberechtigung (HZB). Der Studiengang Geographie wird fast nur an Universitäten angeboten. Oft kannst du dich direkt an der Hochschule einschreiben, Dadurch, dass sich mancherorts mehr Studieninteressierte bewerben als es Studienplätze gibt (vor allem in Ballungsräumen), kannst du auch mit einem zulassungsbeschränkenden Numerus clausus (NC) rechnen. Er liegt je nach Hochschule bei einem Notendurchschnitt von 2,2 bis 2,9.

Studiendauer und Abschluss

Das Studium der Geographie schließt du mit dem Bachelor of Science (B.SC.) und vertieft mit dem Master of Science (M.Sc.) oder auch mit einem Staatsexamen ab.
Die meisten Bachelor-Studiengänge haben eine Regelstudienzeit von 6 Semestern (entsprechend 180 ECTS-Punkten). Master-Studiengänge der Geographie werden meistens 4-semestrig (entsprechend 120 ECTS-Punkten) angeboten.
Gut zu wissen: Geographie gibt es als Mono- und als Kombi-Bachelor. Hier hast du dann die Qual der Wahl, welches Nebenfach für dich das Beste ist.
Wenn dein Berufsziel Geographie-Lehrer:in ist, gehst du am besten an eine Pädagogische Hochschule und wählst noch ein Nebenfach dazu. Du schließt mit dem Master of Education (M.Ed.) ab. Oder du machst den Abschluss „Staatsexamen“ in Geographie im Durchschnitt mit 7 bis 9 Semestern.
Und es gibt eine kleine Auswahl von Studienangeboten in Teilzeit, berufsbegleitend oder dual, in Verbindung mit einer Ausbildung. Auch im Fernstudium kannst du Geographie im Bachelor und Master studieren.

Welche Skills brauchst du für ein Studium der Geographie?

  • Schulwissen au Erdkunde und Physik
  • Mathematische Kenntnisse für statistische Auswertungen
  • Englisch für internationale Fachzeitschriften
  • Affinität zu Sozial-, Wirtschafts- und Politikwissenschaften
  • Analytische Fähigkeiten
  • Organisationstalent
  • Naturwissenschaftliches Verständnis
  • Kein Problem mit Dreck
  • Freude an Exkursionen auch in fremde Länder
  • Abstraktes Denken
  • Kulturelles Interesse

Ohne Geographie geht fast nix!

Anna im Studium der Angewandten Geographie B.Sc., RWTH Aachen University | Bild: BR/Montage: BR/Michale Ackermann und Anton Balazh (Hintergrund)

"Geografie ist schon sehr, sehr relevant. Man muss sich nur die Nachrichten anschauen, ob es jetzt mit dem Klimawandel zu tun hat, mit Migration, Städtewandel oder -Entwicklung. All das sind Themen, die man in der Geografie behandelt oder behandeln kann, je nachdem, wofür man sich besonders interessiert."

Anna im Studium der Angewandten Geographie B.Sc., RWTH Aachen University

Studieninhalte Worum geht es beim Studium der Geographie?

Im Studium der Geographie erwartetet dich ein sehr breites Spektrum mit vielen verschiedenen Inhalten je nach Universität:

  • Human Geographie
  • Physische Geographie
  • Bodengeographie, Hydrologie und Biogeographie
  • Klimatologie
  • Geographie des globalen Südens
  • Klimageographie & Geomorphologie
  • Statistik und Forschungsmethoden
  • Geoinformationsverarbeitung (GIS), Kartographie und empirische Methoden
  • Ressourcenmanagement
  • Gesellschaft und Raum
  • Wirtschaft, Raum und Macht
  • Raum- und Regionalplanung
  • Geographie der Globalisierung
  • Stadtentwicklung
  • Stadt- und Wirtschaftsgeographie
  • Sozial- und Kulturgeographie
  • Landschaftsplanung
  • Geomorphologie
  • Regional- und Stadtplanung
  • Mensch-Umwelt-Systeme

W- Fragen für Studierende der Geographie

  • Warum breiten sich die Wüsten immer mehr und mehr aus?
  • Warum verläuft ein Fluss genau so und nicht anders?
  • Warum gibt es immer mehr Hochwassergebiete?
  • Warum befinden sich die Städte genau in diesem Bereich auf der Landkarte?
  • Wieso entwickeln sich Städte so, wie sie sind?
  • Wie sehen Städte der Zukunft aus?
  • Was passiert, wenn es immer weniger nutzbare Bergweideflächen gibt?
  • Welchen Einfluss hat die Landwirtschaft auf die Erdoberfläche?


Diese kleine Auswahl an Fragen macht deutlich, wie interdisziplinär das Studium der Geographie aufgestellt ist, wie sehr Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften, Kartographie aktuell immer mehr Geoinformatik in einander greifen.

Entscheidung Mehr in die Tiefe oder in die Breite studieren?

Hier ist es gut sich schon im Studium zu entscheiden, ob du eher den generalistischen Anspruch hast oder doch lieber gleich deinen Schwerpunkt setzen willst in Physischer Geographie oder Human Geographie. Je nach Uni kannst du dich schon in der Wahl des Bachelors, während dem Bachelor und spätestens im Master für die Spezialisierung entscheiden.

Studienverlauf Bachelor of Science am Beispiel der RWTH Aachen University

Im 1. Semester:

  • Physische Geographie mit
  • Geomorphologie und Klimatologie
  • Wirtschaftsgeographie mit Industriegeographie
  • Methoden
  • Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten, inkl. Geländepraktikum
  • Geostatistik
  • Kartographie


Hier gibt es Einblicke in klimatologische Messungen an der RWTH-eigenen Messstation, Bodenprobenauswertungen, Kartierungen, Befragungen und statistische Auswertungen. 

Im 2. Semester:

  • Physische Geographie mit
  • Boden- und Biogeographie, Grundseminar und Geländepraktikum
  • Wirtschaftsgeographie mit
  • Dienstleistungsgeographie, Agrargeographie
  • Methoden mit
  • Visualisierung, Geostatistik (SPSS)

Im 3. Semester und 4. Semester:

  • Humangeographie mit
  • Stadt- und Bevölkerungsgeographie
  • Räumliche Planung
  • Grundseminar und Geländepraktikum
  • Projektmodul mit Empirischen Methoden
  • Projektstudie
  • Methoden wie Geographische Informationssysteme (GIS)


Nebenfach und Wahlpflichtmodul (ab 3. Semester) z. B.:

  • Abfallwirtschaft und Umwelttechnik
  • Biologie
  • BWL
  • VWL
  • Geowissenschaften 1
  • Informatik
  • Mathematik
  • Stadtplanung
  • Verkehrswesen
  • Siedlungswasserwirtschaft
  • Geodäsie, Georisiken und Ressourcenmanagement nur als Wahlpflichtmodul möglich


Im 4. Semester zusätzlich:

  • Regionale Geographie
  • Regionalseminar, Regionalpraktikum


Im 5. und 6. Semester:

  • Vertiefung
  • Aufbaumodul 1 und 2 (nach Wahl Teilgebiete aus der Physischen oder der Human Geographie mit Wirtschafts-, Stadt- und Bevölkerungsgeographie)
  • Bachelorarbeit


Exkursionen weltweit

Mit Beginn des Studiums finden Geländeübungen und Exkursionen statt, mit tiefergehenden Einblicken in die geographischen Besonderheiten der Region. Längere Studienfahrten werden in europäische Nachbarländer und auf andere Kontinente organisiert.
Für angehende Geographinnen und Geographen sind internationale Erfahrungen besonders wichtig. Hierzu gibt es Kooperationen zwischen dem Geographischen Institut und Hochschulen weltweit. Es werden Partnerschaften mit Universitäten in fast allen EU-Ländern mit Hilfe des EU-Mobilitätsprogramm Erasmus+ gepflegt. Während der Aufenthalte gibt es im Rahmen der IDEA League Student Grants Kurzzeitstipendien für die Studierenden. Für alle Oman-Interessierte und Studierende, die gerne die Mongolei im Studium bereisen möchten, gibt es an der RWTH Aachen University intensive Partnerschaften mit der German University of Technology in Oman und dem German Mongolian Institute for Resources and Technology Mongolei.

Berufspraktikum

In der Vorlesungsfreien Zeit wird dringend geraten, ein 6-wöchiges Berufspraktikum zu machen, um wertvolle Einblicke in Arbeitsfelder zu gewinnen und die im Studium erworbene Expertise praktisch anzuwenden. Hier gehen im Studium 8 Creditpoints ein.

Geographie an der RWTH Aachen

Anna im Studium der Angewandten Geographie B.Sc., RWTH Aachen University | Bild: BR/Montage: BR/Michale Ackermann und Anton Balazh (Hintergrund)

"Ich finde das Studium hier besonders toll, weil die Seminare nicht so groß sind. Das heißt, es ist auch ein geschützter Rahmen, in dem wir da lernen, wie man seine eigenen Daten oder seine eigenen Sachen präsentieren kann. Und es macht dann auch viel mehr Spaß, wenn man seine Kommilitonen kennt, mit denen zusammen rausgeht, auf Exkursion ist, da wird man auch schnell zu Freunden."

Anna im Studium der Angewandten Geographie B.Sc., RWTH Aachen University

Gut zu wissen: Unterschied zwischen Geographie und Geowissenschaften

Geographie wird laut dem Lexikon der Geographie als die Wissenschaft von der Erdoberfläche in ihrer räumlichen Differenzierung, ihrer physischen Beschaffenheit sowie als Raum und Ort des menschlichen Lebens und Handelns bezeichnet. Wenn du aber in die Tiefen des Erdballs eindringen willst, dann bist du bei Geowissenschaften richtig. Hier wird Geologie, Geophysik und Mineralogie gelehrt. Hier beschäftigst du dich mit dem Erdaufbau Hier findest du Antworten auf Fragen nach Ressourcen, was die Erde alles bietet und wie die Ressourcen zu finden sind. Als Geograph:in beschäftigst du dich dagegen mit den Folgen für die Bevölkerung und die Umwelt, wenn fossile Energieträger gefördert und verbrannt werden.

Beruf und Karriere

Durch die interdisziplinäre Studienausrichtung kannst du in folgenden Bereichen sehr gut tätig werden, hier sind aber keine Grenzen gesetzt:

  • Umweltschutz und Umweltmanagement
  • Entwicklungshilfe
  • Stadt-, Regional- und Verkehrsplanung
  • Standortplanung
  • Regionalentwicklung,
  • Wirtschaftsförderung,
  • Immobilienwirtschaft
  • Entsorgungswirtschaft
  • Logistik
  • Tourismus- und Citymanagement
  • Standortmanagement in Privatwirtschaft
  • Marketing- oder PR-Bereich in Privatwirtschaft
  • Beratung (vor allem bei sozial- und wirtschaftswissenschaftlicher Schwerpunkt im Studium)
  • Entwicklung und Nutzung von Geo-Informationssystemen
  • EU-Administration
  • Politikberatung
  • Internationale Behörden
  • Forschung


Es gibt kein klassisches Berufsfeld für Geographinnen und Geographen. Sie sind in nahezu jeder Branche vertreten und sowohl in der freien Wirtschaft als auch im öffentlichen Dienst tätig. Laut dem Deutschen Verband für Angewandte Geographie e.V. (DVAG e.V.) ist die fachliche Breite von Geographinnen und Geographen Chance und Herausforderung zugleich.
Insgesamt sind die Chancen auf dem Arbeitsmarkt als positiv zu bewerten. Laut einer Studie des DVAG e.V. gelingt jedem zweiten Mitglied der Befragten innerhalb von 3 Monaten nach Beendigung des Studiums der Eintritt in eine berufliche Beschäftigung, drei von 4 der befragten Mitglieder befinden sich in einer unbefristeten Vollzeitbeschäftigung. Und jedes dritte Mitglied ist in einer Führungsposition tätig.

Gehalt

Laut der Plattform Gehalt.de liegt das durchschnittliche Brutto-Einstiegsgehalt für Geographinnen und Geographen bei ca. 3.340 Euro brutto im Monat. Es steigt dann im Lauf des Arbeitslebens (9 und mehr Jahre) auf 4.200 brutto Euro im Monat an. Die Gehaltsspanne bei Geographen ist sehr weit. Es kommt immer darauf an, ob du gleich nach dem Bachelor zum Arbeiten anfangen willst. Wie bei jedem Studiengang ist für ein besseres Einstiegsgehalt ein Masterstudium zum Vertiefen sicher gut, dafür studierst du aber länger.
In Bayern, Baden-Württemberg Hessen und Hamburg hast du gute Chancen auf eine hohe Bezahlung.