Mission Cosmic Kiss Astronaut Matthias Maurer auf der ISS

Stand: 12.11.2021

Matthias Maurer ist eingezogen: Seit dem 12. November ist der deutsche Astronaut auf der Internationalen Raumstation ISS, um für die ESA im Weltall zu forschen. Auf seine Mission Cosmic Kiss hat Maurer viele Jahre lang gewartet.

Matthias Maurer in Weltraumanzug im Training | Bild: GCTC - A. Shelepin

Sechs Jahre lang hatte sich Matthias Maurer auf diesen Moment vorbereitet: Am Donnerstag, 11. November, begann um 3.03 Uhr unserer Zeit für den ESA-Astronauten die Reise ins All.

Matthias Maurer reiste offiziell als der sechshundertste Mensch ins All, zusammen mit der US-Astronautin Kayla Barron und ihren beiden Kollegen von der NASA Raja Chari und Thomas Marshburn - die Crew-3. An Bord einer Dragon-Raumkapsel des privaten Raumfahrtunternehmens SpaceX ging's zur Internationalen Raumstation. Damit ist Maurer der erste Deutsche, der in einer SpaceX-Kapsel reiste.

In der Nacht auf den 12. November kam der deutsche Astronaut Matthias Maurer (ganz rechts) zusammen mit drei NASA-Kollegen auf der Internationalen Raumststation ISS an. Dort wurden sie von den drei verbliebenen Kosmo- und Astrnauten der Expedition 66 begrüßt, mit denen sie bis März 2022 die Wohngemeinschaft im All bilden. | Bild: dpa-Bildfunk/Uncredited

Matthias Maurer (ganz rechts) nach der Ankunft der Crew-3 (alle in blau) auf der ISS.

Nach rund 22 Stunden kam die Crew-3 in der Nacht auf den 12. November auf der ISS an und wurden herzlich begrüßt: Drei Kosmo- bzw. Astronauten zogen die vier neuen Mitbewohner mit einer Umarmung in die Raumstation.

Crew-3: Noch einmal winken, dann geht's los

Die Crew-3 vor dem Start zur Internationalen Raumstation ISS. Der deutsche Astronaut Matthias Maurer fliegt als erster Deutscher in einer Kapsel des US-Unternehmens SpaceX ins All.  | Bild: picture alliance / newscom | JOE MARINO

Mehrmals war der Start der Crew-3 verschoben worden - einmal war das Wetter schlecht, dann gab es ein "kleines medizinisches" Problem.

Matthias Maurer: Machte sich vor dem Start der Rakete keine Sorgen, aber...

"Man sitzt dort auf 500 Tonnen hochexplosiven Treibstoffs. Das ist, unabhängig davon, ob es eine neue oder alte Rakete ist, schon ein gewisses Gefühl, wo man sich vielleicht auch ein paar Gedanken macht."

Matthias Maurer, Astronaut

Exklusiv: Matthias Maurer kurz vor seinem Start

"Mir geht es wunderbar - es ist gerade die Ruhe vor dem Sturm!" Matthias Maurer im Interview mit der Space Night - über seinen Auftrag als Astronaut und seine persönliche Mission.

Ungesund: Leben im Weltall

Schwerelosigkeit

  • Knochen und Muskeln bilden sich zurück, darum stehen jeden Tag zwei Stunden Sport auf dem Programm.
  • Blut wird stärker Richtung Herz und Kopf gepumpt. Die Folge: Der Kopf schwillt an, Astronauten sind wie aufgedunsen.
  • Hirnwasser wird aus dem Kopf nicht ausreichend abgepumpt. Die Folge: Das Gehirn wird minimal gequetscht. Das Hirnwasser drückt auch auf die Netzhaut und beeinträchtigt vorübergehend das Sehvermögen.

Isolation

  • Auch wenn sie selbst gewählt ist, kann die Isolation Astronautinnen und Astronauten aufs Gemüt schlagen. Die Folge: depressive Stimmung oder Lagerkoller.
  • Es kommt häufiger zu Allergien, und zwar oft erst nach der Rückkehr, das Immunsystem ist durch die Isolation gespannt wie ein Bogen. Astronautinnen und Astronauten klagen zum Beispiel über Hautrötungen, die monatelang andauern können.

ISS-Alltag: Experimente und Sport

Damit der Körper in der Schwerelosigkeit nicht so viel Muskel- und Knochenmasse verliert, steht auf der ISS nach dem Abendessen Sport auf dem Programm, jeden Tag zwei bis drei Stunden. Die Astronauten führen dabei auch Untersuchungen an sich selbst durch. Andere Experimente untersuchen, wie Pflanzen in der Schwerelosigkeit wachsen. Eines Tages sollen sich Weltraumfahrer von ihnen ernähren. Matthias Maurer wird auch spezielle Metall-Plättchen testen. Ihre Oberflächen sind so bearbeitet, dass Bakterien keinen Halt finden. Das könnte auch auf der Erde nützlich sein, um die Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern. Insgesamt soll Matthias Maurer weit über hundert wissenschaftliche Experimente auf der ISS durchführen.

Mission Cosmic Kiss: Die Experimente

ESA-Chef: Warum Maurer ausgewählt wurde

"Weil er gut ist."

Jan Wörner, damaliger Generaldirektor der Europäischen Raumfahrtagentur ESA, im Jahr 2017

Porträt: Das ist Matthias Maurer

Training: Zu Wasser und zu Land

Astronautentraining in den USA | Bild: NASA / Norah Moran

Matthias Maurer, Tom Marshburn, Raja Chari und Kayla Barron (v.l.) beim Überlebenstraining im Johnson Space Center der NASA in Houston, Texas.

Schwerelosigkeit lässt sich auf der Erde nur in kurzen Parabelflügen trainieren. Als Alternative muss Wasser herhalten. Stundenlang verbringen angehende Astronauten wie Matthias Maurer in voller Montur in gigantischen Schwimmbädern, um Handgriffe zu üben und der Schwerelosigkeit nah zu kommen. Darüber hinaus müssen die Astronauten und Astronautinnen die Technik an Bord der Raumkapsel und der ISS beherrschen, sich mit den wissenschaftlichen Versuchen auskennen, die sie im Weltraum machen und sie lernen auch, kleinere medizinische Eingriffe umzusetzen.

Maurer will zum Mond: Wie riecht der Weltraum?

Ausbildung: Überleben rund um die Welt

Matthias Maurer beim Überlebenstraining im Meer | Bild: ESA–Stephane Corvaja, 2017

Zusammen mit chinesischen Kollegen trainierte Maurer das Überleben nach einer unplanmäßigen Landung im Meer.

Drei Jahre lang dauerte die Astronautenausbildung von Matthias Maurer. Weitere zwei Jahre bereitete er sich auf seine konkrete ISS-Mission vor. Eine der größten Herausforderungen war das Überlebenstraining in Schweden. Trainieren musste er auch das Überleben im Wasser, falls die Raumkapsel ins Meer fällt und nicht sofort gefunden wird. Die Ausbildung fand rund um die Welt statt, gemeinsam mit chinesischen, russischen, amerikanischen und europäischen Raumfahrern.

Maurer: Das Anstrengendste am Training

"Es gibt sehr viel intensive Einheiten und das schwerste Training, was vielleicht körperlich als auch mental das Anstrengendste ist, das ist das Training unter Wasser: Wenn wir in dem schweren Raumanzug der NASA üben, wie wir einen Weltraum-Außenbord-Einsatz durchführen. Das ist etwas, da muss man geistig sechs Stunden hochkonzentriert sein, aber auch körperlich sehr, sehr fit sein, weil die Arbeit in diesem Anzug sehr, sehr anstrengend ist."

Matthias Maurer, Astronaut

Tipp: Matthias Mauer auf Social Media

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