Hintergrund Ernährung

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Schokolade Glück zum Anbeißen

Warum macht uns der Biss in ein Stück Schokolade glücklich? Schokolade soll die Produktion des sogenannten Glückshormons Serotonin anregen. Liegt es also an den Hormonen - oder einfach nur am guten Geschmack?

Published at: 12-9-2022

Kind beisst in Schokolade | Bild: colourbox.com

Es gibt viele Gelegenheiten, Schokolade zu genießen. Der Gipfel des Schokoladenkonsums liegt allerdings im Winter: Es ist eine Zeit, in der so manch einer nicht ganz so "gut drauf" ist wie im Sommer. Dieses winterliche Stimmungstief wird (mit)verursacht durch einen erniedrigten Spiegel des Glückshormones Serotonin im Gehirn. Kann Schokolade aber tatsächlich helfen, ein Stimmungstief zu überwinden - gar "glücklich" machen? Oder ist das ein Mythos? Die Antwort lautet: von beidem ein bisschen.

Glücklichmacher Schokolade?

Es wird angenommen, dass Schokolade den Serotoninspiegel im Gehirn anheben kann - und so ein ebenso angenehmes wie mildes "Antidepressivum" darstellen könnte. Das liegt vermutlich an ihrem hohen Zuckergehalt. Zucker ist der Treibstoff unseres Gehirns. Er stimuliert die Umwandlung von Tryptophan, einem Bestandteil der Schokolade, in das Glückshormon Serotonin. Schokolade könnte also aufgrund ihrer Inhaltsstoffe tatsächlich "glücklich" machen. Das Problem: Die Mengen, die in der Schokolade enthalten sind, reichen dafür kaum aus - außer man verschlingt Unmengen. Gleiches gilt auch für den ähnlich wirkenden Inhaltsstoff der Schokolade, dem Theobromin, der Tieren zum Verhängnis werden kann.

Sonne täte es auch

Eigentlich hängt der Serotoninspiegel im Gehirn von der Intensität des Lichtes und von der Dauer der hellen Tagesstunden ab. Deswegen ist ein Spaziergang an der frischen Luft fürs Gemüt die bessere Alternative - und spart sogar Kalorien.

Warum macht Schokolade uns dann froh?

Zur Beruhigung für alle Schokoladen-Fans: Schokolade kann aber trotzdem glücklich machen. Das hat allerdings weniger mit ihren Inhaltsstoffen zu tun, als vielmehr mit dem Schmelzprozess im Mund. Den empfinden viele Menschen als sehr angenehm und dieses Gefühl ist mit Glückshormonen verbunden. "Schokolade hebt die Stimmung, es ist ein regelrechtes Wohlfühlessen", sagt Ingrid Acker, Ernährungsberaterin in Rödermark. Zudem verknüpfen viele den Genuss von Schokolade mit positiven Erlebnissen - zum Beispiel schönen Kindheitserinnerungen.

Feiertage rund um die Schokolade

Vermutlich hat es mit der Beliebtheit von Schokolade zu tun, dass der (meist) braunen Köstlichkeit gleich zwei internationale Gedenktage gewidmet sind: der "World Chocolate Day" am 7. Juli und der "International Chocolate Day" am 13. September.

Insbesondere in den USA begeht man den "World Chocolate Day" am 7. Juli. Dieser bezieht sich angeblich auf jenen Tag im Jahr 1550, an dem Schokolade erstmals vom amerikanischen Kontinent nach Europa eingeführt wurde (auch wenn dies nicht als historisch gesichert gilt). Sicher ist allerdings, dass man Schokolade tatsächlich in Europa bereits seit dem 16. Jahrhundert kennt.

Warum der 13. September als "International Chocolate Day" in die Annalen eingeht, ist hingegen unbestritten. Denn am 13. September 1857 wurde der US-amerikanische Süßwarenfabrikant Milton S. Hershey geboren, der Gründer der Hershey Chocolate Company. The Hershey Company gilt bis heute als einer der größten Schokoladenhersteller weltweit.

Beide Schokoladen-Gedenktage sind übrigens eine Erfindung der amerikanischen National Confectioners Assocation (NCA). Aufgabe dieser Handelsorganisation ist es, den Absatz von Schokolade, Süßigkeiten, Kaugummi und Pfefferminzbonbons sowie die Unternehmen, die diese Leckereien herstellen, zu fördern. Da kommt ein Feiertag für die Schokolade doch gerade recht.  

Glücksfall dunkle Schokolade

Einen Trost für alle Naschkatzen gibt es noch obendrauf: Weichen Sie auf Zartbitterschokolade aus. Wenn Sie die essen, können Sie sich sogar etwas Gutes tun - und zwar nicht nur der Psyche. Denn je mehr Kakao sie enthält - also mindestens 70 besser noch 80 Prozent - desto mehr wirkt sie sich positiv auf den Körper aus, so Prof. Johannes Georg Wechsler, Facharzt für Innere Medizin und Ernährungsmedizin in München.

Denn in Kakao sind Flavanole enthalten. Je dunkler die Schokolade ist, sprich, je höher der Kakaoanteil ist, desto mehr Flavanole sind enthalten. Und diese sollen dafür sorgen, dass die Blutgefäße elastisch bleiben. Zudem wird ihnen nachgesagt, den Blutdruck geringfügig zu senken. So wiesen wissenschaftliche Erkenntnisse und Studien darauf hin, dass dunkle Bitterschokolade - vor allem, wenn sie zudem Nüsse enthält - das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken könne, so Wechsler.

Forschungshunger: Skurrile Studien rund um die Schokolade

Rund um die Schokoladen-Forschung

Auch so macher Wissenschaftler scheint eine Vorliebe für Schokolade zu hegen. Denn Studien rund um die dunkle Köstlichkeit sind gar nicht so selten. Ob Riechforschung oder der Einfluss von kakohaltiger Naschereien auf wissenschaftlichen Erfolg - Schokoliebhaber unter den Forschern haben bereits Erstaunliches enthüllt.

De Erfolg der Pralinenschachteln

Wie schnell leeren sich Pralinenschachteln auf Krankenstationen, wenn sie frei zugänglich sind? Ärzte in Großbritannien wollten es genau wissen und legten auf vier Krankenstationen in verschiedenen Kliniken jeweils zwei Pralinenschachteln unterschiedlicher Marken aus und beobachteten deren Leerung.

Im Schnitt seien zwölf Minuten vergangen, bis eine Schachtel nach ihrem Auftauchen geöffnet wurde, heißt es in der britischen Studie der Forschenden. Zuerst habe sich das Personal rasch bedient, später sei ein „gleichmäßiger und mit der Zeit immer langsamer werdender Konsum“ beobachtet worden. Nach rund eineinhalb Stunden war im Mittel die Hälfte einer Box geleert. Am Ende war sogar noch Konfekt übrig.

Leselust und Schokoduft

Nach einer belgischen Studie kann der Geruch von Schokolade den Verkauf von Büchern steigern. Die Kundschaft stöberte bei Schokoladenduft mehr als doppelt so häufig in Büchern und suchte weniger zielgerichtet nach Titeln. 40 Prozent mehr Liebesromane und Kochbücher seien verkauft worden.

Das bestätigte auch eine Metastudie polnischer und dänischer Forschender, wonach angenehmer Duft generell meist eine positive Wirkung beim Einkauf habe. Es gebe eine stärkere Bindung an das Geschäft und eine höhere Kundenzufriedenheit. Ein Einfluss auf das tatsächliche Kaufverhalten war allerdings nicht bei allen untersuchten Studien eindeutig nachzuweisen.

Schokolade: Turbo für die Forschung?

Steigt mit dem Schokoladenkonsum in einer Nation auch die Zahl der Nobelpreisträger? Diese These existiert tatsächlich. Konkret belegen lässt sie sich allerdings nicht. Der Schweizer Mediziner Franz Messerli, der mögliche Zusammenhänge in einem – sehr augenzwinkernden – Aufsatz zur Debatte stellte, wurde widerlegt. Denn augenscheinlich ist noch eine dritte Variable relevant: der Lebensstandard. Dieser kann sowohl den Konsum von Genussmitteln als auch das Niveau der wissenschaftlichen Forschung beeinflussen. Im Endeffekt gilt hier also: Korrelation heißt nicht automatisch Kausalität.

Ursache von Löffelschäden

Eine US-amerikanische Studie beschäftigte sich mit einem alljährlich im Frühjahr wiederkehrenden Phänomen: der Schokohasen-Ohren-Amputation. In dem augenzwinkernden Aufsatz wird konstatiert, dass "traumatische Amputationen von Hasenohren aus Süßwaren saisonal bedingt zu sein scheinen und mit dem Osterfest zusammenzuhängen“. Eine Untersuchung von Bildern und Texten der vorangegangenen fünf Jahre im Internet habe ergeben, dass die Zahl solcher Verletzungen bei Schokohasen jeweils zwischen Ende März und Mitte April sprunghaft angestiegen sei. Grund für den Anstieg der Fälle sei das starke Wachstum der Schokohasen-Populationen im Frühjahr und der dadurch vermehrte Kontakt zum Menschen. Ein Problem, das nach dem Osterfest jedoch schlagartig verschwinde... 

Inhaltsstoffe der Schokolade

Prinzipiell ist Schokolade relativ einfach aufgebaut - aus den Hauptbestandteilen Kakaomasse, Zucker und Kakaobutter. Das begründet ihren hohen Nährwert - in hundert Gramm dieser dunklen Köstlichkeit stecken viele hundert Kalorien. Auch da punktet die dunkle Schokolade: Sie enthält weniger Fett und Zucker als helle Vollmilchschokolade. Und: Man höre und staune - auch Schokolade kann Mineralstoffe wie Eisen, Kalzium und Magnesium sowie Vitamine enthalten. Wie viel, hängt von der Sorte ab. Es lohnt sich also, beim Einkauf auf die Inhaltsstoffe zu schauen.

Grundsätzlich gilt: Man sollte Schokolade genießen und sie nicht tafelweise verspeisen. Denn, das kennen viele aus leidvoller Erfahrung, das schlechte Gewissen kommt spätestens dann, wenn wir die Hose nicht mehr zubekommen.

Tipp: Schokolade richtig lagern

Ideal ist es, Schokolade bei gleichbleibender Temperatur, am besten zwischen 16 und 18 Grad, zu lagern. Ein Vorratsraum ist ein guter Ort. Im Kühlschrank kann es sein, dass es der Schokolade zu kalt wird. Dann bildet sich diese hässliche weißliche Schicht aus Zuckerreif. Er entsteht, weil das Wasser auf der Schokoladenoberfläche kondensiert und so den Zucker aus der Masse herauslöst.

Wird Schokolade zu warm gelagert, bildet sich der sogenannte Fettreif. Anstatt Zucker sammelt sich hier das Fett an der Oberfläche. Die Schokolade ist aber trotz der weißen Schicht noch gut und kann verzehrt werden. Übrigens auch nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums. Erst, wenn die Schoki ranzig riecht, ist sie nicht mehr genießbar. Dann ist das Fett schlecht.


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