Cannabis-Legalisierung So gefährlich ist Cannabis-Konsum

Von: Delia Friess

Stand: 05.12.2022

Die Legalisierung von Cannabis ist umstritten. Zwar kann Cannabis in manchen Fällen einen medizinischen Nutzen haben - doch spricht das auch für die Freigabe des "Freizeit-Konsums"? Wir erklären euch, welche Folgen das für den Einzelnen und die Gesellschaft haben könnte.

Eine Frau raucht einen Joint. Cannabis-Konsum ist in Deutschland und europaweit in den vergangenen Jahren angestiegen. | Bild: picture-alliance/dpa

Laut den Vereinten Nationen konsumieren rund 209 Millionen Menschen weltweit regelmäßig Cannabis. In den letzten Jahren ist der Konsum zudem stark angestiegen. Auch unter Jugendlichen ist die Droge immer weiter verbreitet. Dabei ist Cannabis in den letzten Jahren deutlich gefährlicher geworden. Kann eine Legalisierung für Erwachsene helfen, die Gefahren von Cannabis-Konsum einzudämmen - oder überwiegen die gesundheitlichen und gesellschaftlichen Risiken?

Begriffsklärung: Cannabis, Hanf und Marihuana - was ist der Unterschied?

Cannabis-Pflanzen von oben | Bild: colourbox.com

Die Hanf-Pflanze wird auch Cannabis genannt und stammt ursprünglich aus dem asiatischen Raum.

Schon seit Jahrtausenden konsumieren Menschen Cannabis, wie die Hanf-Pflanze auch genannt wird. Die getrockneten Blüten der weiblichen Hanf-Pflanze heißen Marihuana und können geraucht werden. Das Harz der Pflanze nennt sich Haschisch und wird meist geraucht oder Gebäck beigemischt. Die Pflanze enthält mehr als hundertfünfzig sogenannter Cannabinoide. Zwei sind besonders von Bedeutung:

Tetrahydrocannabinol (THC) in Cannabis sorgt für die berauschende und süchtigmachende Wirkung. Cannabidiol (CBD) kann THC hingegen abmildern. 2018 bewertete die WHO CBD neu. Zwar soll CBD in bestimmten Maßen, beispielsweise in Kosmetikartikeln, entzündungshemmend wirken, ein positiver Effekt auf die Gesundheit ist jedoch wissenschaftlich nicht bewiesen. Auch laut der Europäischen Arzneimittelbehörde sind noch zu wenig Daten vorhanden, um CBD als unbedenklich zu bezeichnen. Das betonen auch Mediziner des LMU Klinikums München. Bei Tieren sind beispielsweise Nebenwirkungen wie Fortpflanzungsprobleme bekannt.

Hanfsamen können zu Öl oder Mehl verarbeitet werden. Sie enthalten normalerweise keine Cannabinoide. Verbraucherzentralen weisen jedoch darauf hin, dass es auch in CBD- und Hanfsamen-Produkten zu Verunreinigungen mit THC kommen kann.

Video: Superpflanze Hanf

Grafik: Was passiert eigentlich bei Cannabis-Konsum im Körper?

Cannabinoide aus der Hanf-Pflanze docken an Rezeptoren im Körper an und beeinflussen und stören Prozesse.  | Bild: BR

Im Körper befinden sich verschiedene Cannabinoid-Rezeptoren, die sogenannten CB1-Rezeptoren und CB2-Rezeptoren. Daran binden normalerweise körpereigene Substanzen, die die Motorik, das Immunsystem und die Schmerzwahrnehmung beeinflussen. Diese eigenen "Endocannabinoide" steuern auch die Entwicklung des jungen Gehirns. Bei Cannabis-Konsum docken jedoch die starken Cannabinoide der Hanf-Pflanze von außen an die Rezeptoren an. Diese Hanf-Cannabinoide beeinflussen oder stören die Prozesse im Gehirn. Sie können die Balance durcheinander bringen.

THC-Gehalt gestiegen: Droge noch gefährlicher geworden

Die chemische Verbindung von THC. Der THC-Gehalt in Cannabis ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich angestiegen. | Bild: colourbox.com

Der THC-Gehalt ist in den letzten Jahrzehnten stark gestiegen. Das macht Cannabis-Konsum gefährlicher.

THC-Gehalt ist stark gestiegen:
Als die Hippies in den 1960er-Jahren Cannabis rauchten, lag der THC-Gehalt bei rund einem Prozent. Durch gezüchtete Hanf-Pflanzen ist der THC-Gehalt in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen und liegt oft über zwanzig Prozent. Dem europäischen Drogenbericht zufolge liegt der THC-Gehalt von Haschisch derzeit durchschnittlich bei 21 Prozent und von Marihuana bei elf Prozent. Der THC-Gehalt kann aber von Land zu Land und sogar von Stadt zu Stadt unterschiedlich sein. Außerdem ist er von außen nicht erkennbar. Gleichzeitig ist weniger CBD in den Produkten, der Wirkstoff, dem ein ausgleichender Effekt zugeschrieben wird.

Cannabis ist häufig gestreckt:
Andere Rauschmittel wie synthetische Cannabinoide oder sogar Haarspray können beigemischt sein. Das passiert, wenn der THC-Gehalt Händlern zu niedrig erscheint oder sie das Produkt strecken wollen. Unbemerkt konsumierte synthetische Cannabinoide erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Zusammenbrüche, Infarkte und Nierenversagen. Cannabis aus natürlichen Hanf-Pflanzen führt normalerweise nicht unmittelbar nach dem Konsum zum Tod. Die synthetischen Cannabinoide in illegalen Cannabis-Produkten haben allerdings in den letzten Jahren zu mehr Notfalleinsätzen und sogar Todesfällen geführt.

Risiko für Psychosen ist erhöht:
Ein höherer THC-Gehalt verstärkt erheblich das Risiko, an Psychosen zu erkranken und abhängig zu werden: Laut einer Studie in elf europäischen Ländern ist das Psychose-Risiko für Menschen, die Cannabis konsumieren, gegenüber Nichtkonsumenten erhöht. Bei täglichem Konsum und einem THC-Gehalt von über 10 Prozent sogar um das Fünffache. In Deutschland hat sich der Konsum in den letzten zehn Jahren verdoppelt - und Deutschland verzeichnet in den letzten zwei Jahrzehnten deutlich mehr Klinikaufenthalte nach Cannabis-Konsum, wie die Vereinten Nationen hervorheben: Mehr Menschen müssen sich wegen psychischer Problemen infolge von Cannabis stationär behandeln lassen, viermal mehr wegen Psychosen. Wissenschaftler der Universität Ulm kommen zu einem ähnlichen Schluss. Ein solcher Anstieg habe sogar Auswirkungen auf das Gesundheitssystem, so die Forschenden.

Zahl der Abhängigen steigt:
Einer Studie zufolge wird einer von zehn Menschen abhängig von Cannabis. Laut den Vereinten Nationen ist die Zahl der Klinikaufenthalte wegen Cannabis-Abhängigkeit in den letzten Jahren sogar um das Achtfache angestiegen. Abhängigkeit und psychische Erkrankungen haben aber auch soziale Konsequenzen für die Betroffenen und ihre Familien. Cannabiskonsum ist teuer und Drogenabhängigkeit geht häufig auch mit einer Stigmatisierung und juristischen Konsequenzen einher.

Grafik: Immer mehr Jugendliche rauchen Cannabis

Der Cannabis-Konsum unter Jugendlichen ist gestiegen. | Bild: BR

Den World Drug Reports der UNOCD zufolge konsumieren mehr junge Menschen als in den Generationen zuvor Cannabis. Aber wie sieht es in Deutschland aus? Auch bei uns wird ein deutlicher Anstieg unter jungen Menschen verzeichnet. Am höchsten ist der Anteil an jungen Menschen, die schon einmal im Leben Erfahrung mit Cannabis gesammelt haben (Lebenszeit-Prävalenz), gefolgt von jungen Menschen, die einmal in den letzten 12 Monaten (12-Monats-Prävalenz) konsumiert haben. Aber auch der Anteil jener, die in den letzten 30 Tagen (30-Tage-Prävalenz) Cannabis genommen haben oder regelmäßig konsumieren, steigt.

Jugendliche und junge Erwachsene: Warum ist Cannabis gerade für sie so schädlich?

Modell eines Gehirns. Der Cannabis-Konsum ist vor allem für das Gehirn von jungen Menschen schädlich. | Bild: colourbox.com

Besonders gefährlich ist Cannabis für junge Menschen: Das Gehirn entwickelt sich bis zum 25. Lebensjahr und kann durch den Konsum Schaden nehmen.

Für Jugendliche ist der Cannabis-Konsum besonders risikoreich. Das zeigt die Studienlage eindeutig. Der Grund ist, dass sich das menschliche Gehirn bis etwa zum 25. Lebensjahr noch entwickelt. Laut einer Studie betrifft dies insbesondere die Großhirnrinde: Bei jungen Menschen, die Cannabis konsumieren, entwickelt sie sich in Regionen, in denen es besonders viele Cannabinoid-Rezeptoren gibt, anders. Das kann zu Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisstörungen und sogar Intelligenzminderung führen.

Bei Jugendlichen kann der Konsum auch Lernprobleme verursachen, mit möglicherweise weitreichenden Folgen für ihr Leben: Junge Cannabis-Konsumenten brechen statistisch häufiger die Schule ab. Im Gegenzug sind Schulprobleme häufig ein Grund, warum Jugendliche Cannabis konsumieren, sagt Dr. med. Sophie-Kathrin Kirchner, Oberärztin in der Adoleszentenambulanz für Cannabis und Psychose (CaP) an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Augsburg. Auch bei Erwachsenen verändert sich bei lebenslangem Konsum die Großhirnrinde.

Gehirnentwicklung: Richtet sich nicht nach juristischer Volljährigkeit

"Die Entwicklung des menschlichen Gehirns richtet sich nicht nach der juristischen Volljährigkeit. Bis etwa zum 25. Lebensjahr, manchmal auch länger, entwickelt sich das Gehirn. Besonders in der Pubertät muss das Gehirn viel Neues lernen. Jugendliche und junge Menschen sind deshalb besonders gefährdet, nach Cannabis-Konsum an Psychosen zu erkranken und abhängig zu werden."

Dr. med. Sophie-Kathrin Kirchner, Oberärztin, Leitung der Adoleszentenambulanz für Cannabis und Psychose (CaP), Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Augsburg

Hohe Risiken: Psychosen, Abhängigkeit, Herzinfarkte

Ein junges Mädchen sieht doppelt und greift sich an den Kopf. Der Cannabis-Konsum birgt vor allem für Jugendliche hohe Risiken.  | Bild: colourbox.com

Junge Menschen haben ein besonders hohes Risiko, durch Cannabis an Psychosen zu erkranken.

Die Studienlage zeigt: Cannabis-Konsum führt nicht nur zu mehr Psychosen, auch das Risiko an Angstzuständen und Depressionen zu erkranken, ist für junge Cannabis-Konsumenten höher als für Erwachsene und Nicht-Konsumenten. Einer Untersuchung in den USA zufolge ist selbst Jahre nach dem regelmäßigem Cannabis-Konsum das Risiko für junge Menschen, an einer Psychose mit Paranoia und Halluzinationen zu erkranken, gesteigert.

Durch das Cannabis können psychiatrische und psychische Erkrankungen aber auch früher eintreten. Junge Menschen werden außerdem häufiger abhängig. Wenn sie täglich Cannabis konsumieren, steigt das Risiko einer Abhängigkeit auf bis zu fünfzig Prozent. Zudem führt das Rauchen von Cannabis auch zu mehr Herzinfarkten bei jungen Menschen. Außerdem gibt es wohl einen Zusammenhang zwischen Cannabis-Konsum und Hodenkrebs bei jungen Männern.

Aber ist Cannabis auch eine Einstiegsdroge? Es klaffe eine Lücke zwischen Zigaretten, Alkohol und Cannabis auf der einen und härteren Drogen auf der anderen Seite, sagt die Medizinerin Sophie-Kathrin Kirchner. Wer allerdings regelmäßig Cannabis konsumiere, sei auch aufgeschlossener gegenüber anderen Drogen.

Zu viel Unwissen: Mehr Aufklärungsarbeit über Cannabis nötig

"Viele Patienten wissen oft gar nicht, was in dem Cannabis ist, das sie da konsumieren. Bei vielen Menschen ist noch zu viel Unwissen über die Gefahren von Cannabis-Konsum vorhanden. Auch junge Menschen gehen häufig davon aus, dass Cannabis-Konsum keine negativen Folgen hat. Die Symptome, wie die von einer Psychose, stellen sie dann häufig nicht in den Zusammenhang mit Cannabis. Insbesondere junge Menschen sollten besser und ausführlicher über Cannabis und die möglichen Folgen des Konsums aufgeklärt werden."

Dr. med. Sophie-Kathrin Kirchner, Oberärztin, Leitung der Adoleszentenambulanz für Cannabis und Psychose (CaP), Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Augsburg

Medizinischer Nutzen: Kann Cannabis in bestimmten Fällen helfen?

Hilft Cannabis bei bestimmten Erkrankungen? Die Studienlage ist noch nicht ausreichend, um Hinweise auf positive Effekte immer zu belegen.  | Bild: colourbox.com

Ob Cannabis eine positive Wirkung haben kann, ist bei vielen Erkrankungen unbelegt: Die Studienlage ist oft unzureichend.

Seit 2017 ist die Einnahme von Cannabis zu medizinischen Zwecken in bestimmten Fällen erlaubt. Dafür gibt es aber hohe Hürden: So müssen Ärzte einen Antrag bei der Krankenkasse stellen. Es gibt Wirkstoffe, die als Kapseln oder Sprays eingenommen werden, oder aber das Marihuana wird verschrieben und geraucht.

Cannabis mit THC-Gehalt: Die Studienlage, ob Cannabis einen medizinischen Nutzen hat, ist oft noch nicht ausreichend. Es gibt bisher nur Hinweise, dass Cannabis den Appetit nach Chemotherapien oder von HIV-Patienten leicht steigern kann sowie bei Spastiken helfen könnte. Bei chronischen Schmerzen durch rheumatische Erkrankungen oder Multiple Sklerose ist eine leichte Verbesserung hingehen belegt. Bei anderen Erkrankungen ist die Studienlage noch nicht ausreichend, um positive Effekte von Cannabis beweisen zu können.

CBD: Die WHO erwähnt auch Hinweise, dass CBD bei Epilepsie helfen könnte. Zudem könnte CBD gegen Tumore und in der Palliativmedizin helfen.

Gesundheitliche Risiken durch die medizinische Freigabe: Der medizinische Konsum von Cannabis kann ebenfalls mit bestimmten Nebenwirkungen einhergehen, darunter Übelkeit. Die Vereinten Nationen weisen sogar extra darauf hin, dass die medizinische Legalisierung und die Legalisierungsdebatte in Deutschland auch dazu geführt haben könnte, dass es mehr Klinikaufenthalte in Deutschland infolge von Cannabis-Konsum gibt: Cannabis könnte insgesamt mehr Akzeptanz in der Gesellschaft erfahren. Dadurch würden die Gefahren häufiger unterschätzt.

Video: Wie könnte die "Freizeit-Legalisierung" von Cannabis aussehen?

Klare Regeln: THC-Obergrenze, Jugendschutz und Gefahrenaufklärung

"Ich sehe die Vor- und Nachteile einer Legalisierung. Im Falle einer Legalisierung sollte es klarere Regeln als im Eckpunkte-Papier geben. Vor allem sollte der Jugendschutz verbessert und gewährleistet werden. Eine klare THC-Obergrenze und eine Regelung für die Zusammensetzung von THC und CBD wären wünschenswert. Das ist aber schwer zu kontrollieren. Zudem gibt es noch Unklarheiten bezüglich der erlaubten Menge von Abgabe und Besitz. Auch sollte man mehr in Präventionsmaßnahmen und Therapieangebote investieren. Menschen sollten eine Risikokompetenz erwerben."

Dr. med. Sophie-Kathrin Kirchner, Oberärztin, Leitung der Adoleszentenambulanz für Cannabis und Psychose (CaP), Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Universität Augsburg

Kanada, USA, Portugal: Das passiert in anderen Ländern

Eine EU-Karte mit einer durchgestrichenen Cannabis-Pflanze. | Bild: colourbox.com

Die EU sagt bisher "Nein" zum Konsum und Verkauf von Cannabis. Allerdings weichen die Mitgliedsstaaten teilweise davon ab.

In den vergangenen Jahren haben einige Staaten Cannabis legalisiert, darunter auch Kanada und mehrere US-Bundesstaaten.

Kanada: In Kanada ist seit 2018 auch Jugendlichen und jungen Erwachsenen ab 18 Jahren der Konsum von legalisiertem Cannabis erlaubt, die Altersgrenze ist je nach Provinz unterschiedlich. Ein Jahr nach der Legalisierung hat sich die Zahl der Erstkonsumenten nahezu verdoppelt, wobei ein Großteil davon ältere Kanadier darstellten. 30 Prozent aller Konsumenten sind zwischen 15 und 24 Jahre alt. Schon vor der Legalisierung wurde in Kanada viel Cannabis geraucht, nach der Legalisierung gab es aber insgesamt keinen explosionsartigen Anstiegstrend. Eine der Hoffnungen war es, den Schwarzmarkt auszutrocknen. Dieser ist aber nur leicht zurückgegangen und besteht parallel weiter: Cannabis wird dort weitaus billiger verkauft. Den Analysen der kanadischen Behörden zufolge nutzen aber vor allem regelmäßige Cannabis-Konsumenten vermehrt legale Produkte.

USA: In den USA ist die Gesetzgebung in den verschiedenen Bundesstaaten unterschiedlich. Den Vereinten Nationen zufolge ging die Menge an beschlagnahmtem Cannabis zunächst zurück. Demzufolge habe sich der Drogenhandel auf andere Drogen verlagert, bis während der Corona-Krise wieder ein Anstieg des beschlagnahmten Cannabis verzeichnet wurde. Die Datenlage zum Konsum ist unterschiedlich: Seit 2012 stieg der Cannabis-Konsum in den Bundesstaaten mit einer Legalisierung an, dies war jedoch auch in Bundesstaaten ohne Legalisierung der Fall. Laut einer Analyse des Wissenschaftlichen Dienstes des Deutschen Bundestags, der sich auf die Studienlage bis 2019 bezieht, soll unter Jugendlichen der Konsum teilweise sogar zurückgegangen sein. Eine Studie von 2022 kommt jedoch zu dem Schluss, dass insbesondere essbare Cannabis-Produkte deutlich häufiger von Jugendlichen konsumiert werden. Laut den Autoren haben die Legalisierungen in den USA dazu beigetragen, Cannabis Kindern und Jugendlichen zugänglicher zu machen: Es werde der Anschein erweckt, dass die Droge sicher sei.
Andere Daten legen einen Zusammenhang zwischen Cannabis-Legalisierung und dem Rückgang der Kriminalitätsrate in einigen US-Bundesstaaten nahe. Allerdings soll es auch deutlich mehr Verkehrsunfälle geben.

Portugal: In der EU sind Cannabis-Handel und -Konsum durch EU-Recht verboten. Allerdings weichen in der Realität einige Mitgliedsstaaten teilweise davon ab. Portugal etwa reformierte seine Drogenpolitik 2001. Drogenbesitz bis zu einer bestimmten Menge führt dort nicht zu Verhaftungen oder Verurteilungen. Cannabis-Verkauf und der Anbau sind aber illegal. Man spricht deshalb in Portugal nicht von einer Legalisierung, sondern von einer Entkriminalisierung. Wird Cannabis zum Konsum sichergestellt, muss man bei einer Drogenberatungsstelle vorsprechen und gegebenenfalls ein Bußgeld zahlen. Gleichzeitig setzt das Land auf mehr Präventionsmaßnahmen und Street Working. Durch die Reformen konnte Portugal die Zahl der Drogentoten infolge von Heroin reduzieren. Der Cannabis-Konsum liegt offiziellen Zahlen zufolge im mittleren europäischen Durchschnitt. So hatten 2016 in Portugal 11 Prozent aller Erwachsenen und 13 Prozent aller Schüler schon einmal Cannabis probiert. 2018 lagen diese Werte in Deutschland deutlich höher: 28,2 Prozent der Erwachsenen und 22 Prozent der Schüler hatten bereits Erfahrungen mit Cannabis.

Der Europäische Drogenbericht gibt zwar jährliche Trends und Entwicklungen bekannt, die Daten sind eigenen Angaben zufolge jedoch oft statistisch nicht exakt: Die Faktoren, die in den jeweiligen Ländern zu den Ergebnissen führen, seien häufig so unterschiedlich, dass sie kaum einen Vergleich zulassen.

Ein eindeutiges Fazit erlaubt die Datenlage aktuell nicht, weitere Langzeitbeobachtungen zu den Auswirkungen von Cannabis-Konsum sind notwendig. Laut den Vereinten Nationen machen sich die Folgen einer Cannabis-Legalisierung erst Jahrzehnte später bemerkbar. Die Auswirkungen seien in jedem Land verschieden und oft nicht miteinander vergleichbar.

Vereinte Nationen: Folgen zeigen sich erst Jahrzehnte später

"Die vollen Auswirkungen der Legalisierung auf die öffentliche Gesundheit, Sicherheit und die Strafjustiz werden erst in Jahrzehnten sichtbar werden. [...] Eine Cannabis-Legalisierung ist kein Lichtschalter, den man an- und ausschalten kann. [...] Die medizinische Freigabe und Debatte um Legalisierungen können ein Faktor von weiteren sein, warum es in Deutschland mehr Krankenhausaufenthalte infolge von Cannabiskonsum gibt und mehr konsumiert wird."

Vereinte Nationen, United Office of Drugs and Crime, World Drug Report 2022

Pro und Contra: Welche Folgen kann die Legalisierung des Freizeit-Konsums haben?

PRO:

  • Kontrolle der "Inhaltsstoffe" kann zu weniger Konsum von verunreinigtem, gestrecktem Cannabis oder solchem mit mit zu hohem THC-Gehalt führen.
  • Konsumierende kommen aus der Illegalität heraus.
  • Der Kontakt zu anderen Drogen über Dealer kann verringert werden.
  • Weniger Stigmatisierung kann zu mehr Therapiebereitschaft führen.
  • Der Schwarzmarkt könnte zumindest teilweise ausgetrocknet werden.
  • Der Konsum in Ländern mit einer Legalisierung ist im Durchschnitt nicht signifikant angestiegen.
  • Steuergelder für u.a. Gerichtsprozesse könnten eingespart werden, die dann für Aufklärungs- und Präventionsarbeit genutzt werden könnten.
  • Der legale Anbau und Verkauf kann Arbeitsplätze schaffen.

CONTRA:

  • Die medizinische Legalisierung fand in Deutschland schon 2017 statt: Medizinische Argumente einer Legalisierung von Freizeit-Konsum sind hinfällig.
  • Seit 2017 ist die Zahl der Klinikaufenthalte in Deutschland infolge von Cannabis-Konsum angestiegen: Laut UN-Drogenbehörde kann dies im Zusammenhang mit der medizinischen Legalisierung und Legalisierungsdebatte stehen.
  • Die soziale Akzeptanz von Cannabis steigt und Gefahren werden unterschätzt.
  • Der Jugendschutz ist derzeit nicht ausreichend gewährleistet. Auch die Abgabe von Alkohol ab 18 Jahren funktioniert selten. Das Suchtpotential und Gesundheitsrisiko ist aber gerade für Jugendliche hoch.
  • Die Unterscheidung von legalem und illegalem Cannabis ist schwierig.
  • Das Vorhaben, den Schwarzmarkt auszutrocknen, könnte wie in Kanada nicht funktionieren.
  • Arbeits- und Verkehrsunfälle können zunehmen.
  • Der Anbau in Deutschland verbraucht Energie und verursacht Treibhausgase, da hauptächlich in Gewächshäusern angebaut werden muss.

Probleme mit Cannabis? Hier findet ihr Hilfen und weitere Infos

Einer sitzenden Jugendlichen wird eine Hand gereicht. Für Jugendliche ist Cannabis besonders gefährlich. Sie entwickeln nach Cannabis-Konsum häufiger Psychosen und andere Erkrankungen.  | Bild: colourbox.com

Suchtberatungsstellen helfen, wenn ihr oder eure Freunde Probleme mit Drogen habt und Hilfe braucht.