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Die Hummel Brummender Bestäuber

Hummeln sind nicht nur ziemlich harmlos, sondern auch freundliche und sehr hübsche Insekten. Nach den Gesetzen der Aerodynamik können sie eigentlich nicht fliegen. Wie gut, dass die Hummeln das nicht wissen.

Stand: 17.03.2022

Video - Interview mit einer Hummel: Eine Hummel plaudert aus dem Nähkästchen

Hummeln gehören hierzulande zu den ersten Insekten, die sich im Frühjahr in die Lüfte erheben. Sie verfügen nämlich über eine Art Standheizung. Wie mit einer Wärmepumpe können Hummeln in nur knapp einer Viertelstunde ihren Flugmotor auf 37 Grad Celsius aufheizen. Gleichzeitig können sie sich mit dieser Fähigkeit auch vor Überhitzung schützen.

Dick und wuschelig: Hummeln - Die unbekannten Bienen

Die Hummel sticht nur, wenn sie muss

Systematik

Ordnung: Hautflügler (Hymenoptera)
Überfamilie: Bienen und Grabwespen (Apoidea)
Ohne Rang: Bienen (Apiformes)
Familie: Apidae
Unterfamilie: Apinae
Gattung: Hummeln
Wissenschaftlicher Name: Bombus
Verbreitungsgebiet: Weltweit, fehlt in Australien und in Afrika südlich der Sahara, als einzige Bienenverwandte haben sie es sogar zum Polarkreis geschafft

Hummeln sind Wildbienen und mit mehreren hundert Arten über die ganze Erde verbreitet. Auf den ersten Blick sehen sich Bienen und Hummeln nicht sehr ähnlich. Hummeln haben einen starken Pelz, und die Brummer wirken mitunter etwas plump. Doch auch sie haben einen Wehrstachel, mit dem sie – wenn man sie sehr, sehr, sehr bedrängt – auch stechen können. Das heißt, nur die Königinnen und Arbeiterinnen können stechen, die Drohnen haben keinen Stachel. Im Gegensatz zur Honigbiene kann die Hummel ihren Stachel aber wieder zurückziehen. Bombus, so der wissenschaftliche Name der Hummel, gehört zu den staatenbildenden Insekten und lebt in Sommerstaaten. Nur in sehr hohen Breiten lebt die Hummel solitär.

Hummeln sind schlaue Brummer

Was wäre das Zusammenleben in einem Staat ohne den Austausch untereinander? Britische Forscher fanden heraus, dass Hummeln voneinander lernen. Sogar sehr komplexe Aufgaben, die weit über den normalen "Hummelalltag" hinausgehen. Und: Schon beim Lernen steigern sie noch ihre Effizienz. Ganz nebenbei haben die Hummeln in dem Experiment auch noch das eine oder andere Tor geschossen.

Die Völker leben je nach Art in ober- oder unterirdischen Nestern, in Baumhöhlen, Fels- und Mauerspalten. Die Nester werden entweder selbst gebaut oder von anderen Tieren wie Vögeln, Mäusen oder Maulwürfen übernommen. Je nach Art besteht der Staat aus etwa 50 bis 600 Individuen und einer Königin. Die meisten Tiere sind Arbeiterinnen. Auf dem Höhepunkt der Volksentwicklung schlüpfen auch Männchen, die Drohnen, und Jungköniginnen. Nur letztere überstehen den Winter, um im Frühjahr ein neues Volk zu gründen. Der Lebenszyklus von Arbeiterinnen und Drohnen dauert etwa drei bis vier Wochen, die Königin wird etwa ein Jahr alt und überwintert im Winterschlaf. In der Regel sind Hummeln ziemlich friedlich, nur die Königinnen untereinander sind aggressiver.

36 Arten von Hummeln gibt es in Deutschland

Zwei Hummeln bei der Arbeit auf Telekie-Blüten

36 Hummelarten gibt es bei uns. Die häufigsten, die auch im Garten vorkommen, sind die Steinhummel, die Gartenhummel, die Erdhummel, die Baumhummel, die Ackerhummel und die Wiesenhummel. Das Farbkleid der frisch geschlüpften Hummeln ist zunächst gräulichweiß. Erst einige Zeit später wechselt dieses Jugendkleid in ein farbenprächtiges Schmuckkleid. Dunkelgelb, hellgelb, ockerbraun, rotorange, orange, graugelb, hellgrau, schwarz, weiß, gestreift und mehr oder weniger uni – alles ist vorhanden. Hierzulande fliegen die ersten Hummeln ab etwa Mitte März aus. Sie finden dann meist schon Weidenkätzchen. Spätestens im Oktober enden dann die Flugzeiten.

Hummeln sind unersetzliche Bestäuber vieler Kultur- und Wildpflanzen

Hummeln ernähren sich von Pollen und Nektar und haben einen ziemlich langen Arbeitstag; bis zu 18 Stunden. Eine Königin kann bereits bei zwei Grad Celsius ausfliegen und Blüten besuchen, eine Arbeiterin braucht auch nur sechs Grad. Selbst bei Schnee oder Hagel machen sich die Hummeln auf den Weg. In Jahren mit ungünstiger Witterung sind es deshalb die Hummeln, die einen völligen Ernteausfall verhindern. Bienen brauchen es deutlich wärmer und würden sich außerdem nie "die Füße nass" machen. Deshalb ist die Hummel so unersetzlich bei der Bestäubung vieler Pflanzen. Besonders die Pflanzen mit langen und tiefen Blütenkelchen brauchen Hummeln. Wer also Wildbienen im Garten hat, muss sich um die Ernte keine Sorgen machen.

Hummeln haben Fußgeruch

Hummeln markieren Blüten

Britische Forscher haben Fußgeruch bei Hummeln festgestellt. Offenbar hat jede Hummel ganz individuelle "Schweißfüße". Und was des Menschen Leid, ist der Hummel Freud': Den fleißigen Bestäubern erspart der Fußgeruch viel Arbeit. Die Insekten hinterlassen beim Nektarsammeln ihren Duftstoff auf den Blüten und markieren sie damit. Schon beim Anflug auf eine Blüte erkennt eine Hummel: Hier habe ich schon allen Nektar ausgesaugt. Oder eine andere Hummel, denn auch das erkennen die Hummeln offenbar.

Viele Hummeln stehen auf der Roten Liste

Auch wenn sie unentbehrlich für die Landwirtschaft und die Natur sind - in der sich zunehmend verändernden Umwelt haben es selbst die robusten Hummeln immer schwerer. Abgesehen von natürlichen Feinden und auch bei Hummeln vorkommenden Krankheiten: Hummeln finden häufig kein ausreichendes Blüten- und Nistplatzangebot mehr. Von den in Bayern vorkommenden Hummel- und Schmarotzerhummelarten werden inzwischen zwei Arten als ausgestorben beziehungsweise verschollen aufgeführt; viele Hummelarten gelten als gefährdet bis stark gefährdet und stehen auf der Roten Liste.

Gefahr für die Hummel: Neonicotinoide

Eine Hummel sucht nach Nektar in einem blühenden Krokus.

So setzt auch den Hummeln der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln der weit verbreiteten Neonicotinoide zu, wie ein Laborexperiment von Wissenschaftlern um Gemma Baron der Royal Holloway University of London in Egham gezeigt hat: Das Team testete an über 300 Königinnen der Dunklen Erdhummel, wie der Wirkstoff Thiamethoxam auf sie wirkte. Dabei verwendeten sie eine Menge des Neonicotinoids, die in der Landwirtschaft durchaus üblich ist. Bei dem Versuch schrumpfte die Zahl der eierlegenden Hummelköniginnen um 26 Prozent und die belasteten Königinnen legten ihre Eier früher. Aus den Daten berechneten die Forscher wie sich ein Hummelvolk entsprechend weiterentwickeln würde: Für das Überleben einer Hummel-Population habe der Einsatz von Neonicotinoiden dramatische Folgen, so die Forscher im Fachjournal "Nature, Ecology & Ecolution" im August 2017. "Wenn Königinnen keine Eier produzieren und neue Völker hervorbringen, ist es möglich, dass Hummeln ganz aussterben", so Baron.

DIY Video: Hummeltopf bauen

Tipps zu Nisthilfen

Nisthilfen für Hummel & Co.

Unter wildbienen.de, einer privaten Webseite, finden Sie ausführliche und hilfreiche Informationen rund um den Bau von Nisthilfen. Auch beim Naturschutzbund Deutschland e.V. gibt es Tipps dazu.

Sendungen über Hummeln:


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