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Insekten nach Winter Zecken- und käferfrei dank Frost?

Hat sich der letzte Frost verabschiedet, fragen sich Hobbygärtner und Wanderer: Ob und wie haben Zecken, Läuse oder Mücken dieses Jahr wohl die tiefen Temperaturen überlebt? Die Insekten haben da überraschende Antworten parat.

Published at: 18-3-2021

Illustration: Zecke und Borkenkäfer in einer winterlichen Umgebung | Bild: colourbox.com, Montage: BR

Die meisten Insekten befinden sich mit Einbruch des Winters bereits in einem Überwinterungsstadium. Sie haben sich ein dickes Polster angefressen und können so auch über längere Zeit niedrige Temperaturen gut überdauern. Auch wenn es im Frühjahr, besonders im Februar, nach einem kälteren Winter von einigen der Krabblertiere kleinere Populationen geben dürfte, sind sie insgesamt gut gegen Kälte gewappnet.

Trotz Winter: Blattläuse vermehren sich in der warmen Stube

Flucht vor Frost: Blattläuse überleben auf Zimmerpflanzen

Im Herbst legen viele Blattlausarten Eier auf jungen Pflanzentrieben des vergangenen Sommers ab. Danach sterben sie in der Regel. Die Eier aber sind widerstandsfähig gegen Nässe, tiefe Temperaturen und Frost. Liegen sie in der kalten Jahreszeit im Freien, verfallen sie in eine Winterstarre. In warmen Innenräumen dagegen, vermehren sich die für Kulturpflanzen lästigen Schädlinge.

Wespenkönigin sucht im Unterholz Schutz vor Frost

Winterversteck: Wespenkönigin verkriecht sich im Unterholz

Im Herbst, mit dem Tod der alten Königin, löst sich ein Wespenstaat auf. Wenn die Kälte dann einbricht, sterben auch die letzten Arbeitswespen. Einzig die Jungkönigin überlebt nach der Paarung. Sie sucht sich ein geschütztes Plätzchen unter morschem Holz oder in Hohlräumen. Dann verfällt auch sie in eine Winterstarre, in der ihr Minusgrade allein nichts anhaben können.

Zecken erstarren bei Kälte

Winterstarre: So trotzen Zecken dem Frost

Man glaubt es kaum, aber je kälter der Winter, desto mehr Zecken können überleben. Bei durchschnittlichen Temperaturen entfalten die Blutsauger ihre Aktivitäten von März bis September. Um aktiv zu werden, brauchen sie eine hohe Luftfeuchtigkeit, um nicht auszutrocknen, und Temperaturen von über zehn Grad. Wird es kalt oder sogar eisig, verfallen sie in eine Starre und überleben so den Winter. Gefriert der Boden nicht, krabbeln die Zecken in den Wintermonaten herum. Dieses zu frühe Erwachen kann aber tödlich für sie sein, da die Parasiten im Herbst zum letzten Mal Blut gesaugt haben und ihre Energie wegen der fehlenden Starre nicht über den Winter reicht.

Eichenprozessionsspinner: Aus Zucker wird Frostschutzlösung

Eichenprozessionsspinner nutzt Frostschutzmittel

Zahlreiche Insektenarten verharren in einer Art Winterruhe mit einem stark eingeschränkten Stoffwechsel. So zum Beispiel auch der Eichenprozessionsspinner. Der Nachtfalter ist zu zweifelhafter Berühmtheit gekommen, weil seine Gifthaare zu heftigen körperlichen Reaktionen beim Menschen führen können und seine Population sich besonders in Franken extrem ausgebreitet hat. Die Eier des Falters überwintern in Gelegen von bis zu zweihundert Eiern im oberen Baumkronenbereich an ein- bis zweijährigen Zweigen. In diesem Stadium enthalten sie kaum Wasser und sind widerstandsfähig. Als voll entwickelte Insekten bauen die Schmetterlinge in ihre Körperflüssigkeit Zucker ein, der aus Reservestoffen ihres Körpers gebildet ist. Die Kombination wirkt wie eine eigene Frostschutzlösung und senkt den Gefrierpunkt.

Marienkäfer bilden Frostschutzmittel

Überwintern unter Baumrinden: der Marienkäfer

Über ein solches Frostschutzmittel im Blut verfügen einige Insektenarten. So überwintern erwachsene Marienkäfer in großen Gruppen unter Baumrinden, Laubhaufen oder in Felsritzen. Mit Einbruch der Kälte fallen sie in die Winterstarre und kühlen aus. Ihre Körpertemperatur kann dann unter 0 Grad Celsius sinken, denn auch sie wenden einen Trick an: Sie produzieren das körpereigene Glycerin, ein dreiwertiger Alkohol, das sie vor dem Kältetod schützt. Physikalisch senkt Glycerin den Gefrierpunkt von Wasser. Das ist für den Marienkäfer überlebenswichtig, denn gefriert die eigene Körperflüssigkeit bedeutet das für den Käfer den Tod. Das gefrierende Wasser im Inneren des Körpers würde zu inneren Verletzungen führen, die tödlich wären.

Schmuddelwetter im Frühjahr ist tödlich

Der Winter mit seinen frostigen Temperaturen schützt uns also nicht vor unliebsamem Summen, Krabbeln und Brummen im Sommer. Allerdings kann es für die Insekten noch durchaus gefährlich werden: Wenn sich einem kalten Winter mildes und feuchtes Wetter anschließt. Dann sind die Krabbler anfällig für tödliche Pilzkrankheiten und gefährliche Bakterien. Auch wenn es nach wärmeren Phasen nochmals richtig kalt wird und einige Insekten sich schon zu früh aus der Wärmestarre gelöst haben, kann das Erwachen tödlich enden. Am wenigsten mögen Mücken, Käfer und Co. die Kombination eines feuchten Herbstes mit einem nicht zu kalten Winter und einem anschließenden nassen Frühjahr. Dann können sich die Pilze, die Insekten gern befallen, am besten entwickeln.

Richtig arg trifft die Insektenpopulationen auch ein nochmaliger, später Kälteeinbruch, etwa zu den Eisheiligen im Mai. Dann sind die Insekten körperlich schon auf Wärme und Reproduktion eingestellt - eigentlich wie wir Menschen. Wer erträgt schon Schnee im Mai? Aber mal ehrlich: Wenn dafür weniger Krabbelgetier unterwegs ist, dann her damit!


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