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Komet C/2021 A1 Leonard Schweifstern jetzt mit bloßem Auge zu sehen

Das gab's lange nicht mehr: Ein Komet rast gerade der Sonne und der Erde entgegen und wird dadurch so hell, dass Sie ihn leicht beobachten können. Inzwischen sogar mit bloßem Auge.

Author: Heike Westram

Published at: 6-12-2021 | Archiv

Kometen sind eisige Gesellen vom fernen Rand des Sonnensystems. Immer wieder kommen sie von dort zu Besuch, umkreisen die Sonne und werden manchmal für kurze Zeit am Firmament sichtbar. Doch nur selten ist ein solcher Schweifstern hell genug, um ohne Spezialausrüstung gesehen zu werden. Jetzt haben Sie dazu vielleicht bald Gelegenheit, denn der Komet C/2021 A1 Leonard kommt gerade der Erde und der Sonne ganz nah!

Der Schweifstern ist erst der Erde und dann der Sonne nah

Schon seit Wochen linsen Amateur-Astronomen mit Teleskopen und Ferngläsern nach dem Kometen Leonard. Jetzt wird es richtig spannend: Am 12. Dezember erreicht der Komet seinen erdnächsten Punkt mit nur rund 35 Millionen Kilometern Entfernung zu uns. Dann wird er am hellsten und gerade noch für uns zu sehen sein. Seine größte Annäherung an die Sonne am 3. Januar 2022 können wir dagegen nicht beobachten.

So hell wird Komet Leonard

Sonnen- und Erdnähe zusammen sorgen dafür, dass C/2021 A1 Leonard recht hell wird: Seine scheinbare Helligkeit könnte 4 mag erreichen, das reicht, um ihn mit bloßem Auge zu entdecken, wenn Sie bei absoluter Dunkelheit und einem sehr klaren Himmel nach ihm suchen. In den Morgenstunden des 6. Dezember wurde Komet Leonard erstmals ohne Hilfsmittel gesichtet - von einem Beobachter auf La Palma. Allerdings hatte er die Sichtbarkeitsgrenze gerade erst überschritten.

Die Koma eines Kometen

Anders als bei einem Stern, dessen punktförmiges Licht klarer zu sehen ist, verteilt sich die angegebene scheinbare Helligkeit eines Kometen auf seine Koma, die diffuse Wolke aus Staub und Gas, die den Kometenkern umgibt.

Mit anderen Worten: ein schimmernder Matschfleck, der nicht so gut zu sehen ist wie ein Stern von gleicher Helligkeit. Der lange Kometenschweif ist erst mit einem Teleskop wirklich gut erkennbar.

Wann und wo? Tipps zur Beobachtung des Kometen

Für die Beobachtung des Kometen C/2021 A1 Leonard gibt es zwei Faktoren, die sich leider gegenläufig entwickeln. Das eine ist die erwartete Helligkeitsentwicklung: Anfang Dezember ist Leonard mit 7 mag scheinbarer Helligkeit nur in Ferngläsern und Teleskopen zu sehen, wird aber täglich heller. Der Beobachter am 6. Dezember schätzte den Kometen auf etwa 6 mag. Am hellsten wird der Komet voraussichtlich am 12. Dezember.

Komet Leonard am Firmament finden

Andererseits ging Komet Leonard Anfang Dezember schon kurz nach Mitternacht auf und stand morgens um sechs Uhr, wenn es gerade noch finster ist, sehr hoch am Himmel - ideal zur Beobachtung. Sein Aufgang verspätet sich seither aber tagtäglich, und zwar immer schneller: erst um eine Viertelstunde täglich, dann um eine halbe, danach noch schneller. Bis zum 7. Dezember geht Leonard vor zwei Uhr nachts auf, bis zum 10. Dezember immerhin vor vier Uhr, am 12. Dezember aber erst gegen sechs Uhr, so dass es schon dämmert, wenn der Komet hoch genug über die Dunstschichten am Horizont gezogen ist.

Dadurch ist es schwer zu sagen, welche Tage sich am besten eignen, um nach dem Kometen zu suchen. Ein Glücksspiel, insbesondere, weil ja auch die Helligkeitsentwicklung eines Kometen sich nicht immer an die Vorhersagen hält und der Kometenkern auch zerbersten kann, je näher er der Sonne kommt.

Zumindest stört der Mond nicht: Am 4. Dezember war Neumond und seither sind die Morgenstunden mondlos.

Schweifstern Weihnachten nicht mehr zu sehen

Ein Weihnachtsstern wird Komet Leonard allerdings nicht. Zwar ist er dann (hoffentlich) immer noch unterwegs, aber aus unserer Sicht zu nah bei der Sonne, dadurch können wir ihn nicht mehr sehen.

Schön und schwierig

Wenn Sie den Kometen beobachten wollen, sollten Sie jede störende Lichtquelle meiden. In einem lichtstarken Fernglas (auf einem Stativ!) erscheint der Komet als grünlicher, etwas matschiger Fleck. Durch ein Teleskop betrachtet ist er richtig beeindruckend und zeigt auch einen zarten Schweif.

Der Kometenschweif

So entsteht der Kometenschweif

Ein solcher Schweif wächst, wenn sich ein Komet der Sonne nähert. Sie erhitzt den Eisball und sorgt dafür, dass Gase und Eispartikel aus dem Kometen austreten und den typischen Schweif bilden. Eigentlich sogar zwei Schweife: einen weißlichen Staubschweif und einen grünlichen Ionenschweif.

Ein Schweif fliegt auch mal voraus

Komet mit zwei entgegengesetzten Schweifen

Der größere Ionen- oder Plasma-Schweif zieht übrigens nicht hinter dem Kometen her, sondern weist immer von der Sonne weg, da die leichten Ionen vom Sonnenwind "davongeblasen" werden. Der Schweif kann also auch seitlich vom Kometen wegweisen oder fliegt ihm gar voraus, wenn der Komet sich von der Sonne wieder entfernt. Der kürzere, leicht gekrümmte Staubschweif, der sich bei manchen Kometen bemerkbar macht, zieht dem Kometen hinterher.

Komet im Banne von Jupiter

Kometen-Umlaufbahnen sind normalerweise stark elliptisch: Die Schweifsterne ziehen nahe an der Sonne vorbei und entfernen sich dann wieder bis an den Rand des Sonnensystems. Viele der Kometen sind periodisch, kommen also immer wieder mal in die Nähe der Sonne, wenn auch manchmal erst nach vielen Jahrtausenden.

Komet C/2021 A1 Leonard gehört allerdings zu einer ganz speziellen Sorte von Kometen, den hyperbolischen. Er könnte durch die Annäherung an die Sonne einen so starken Schubs bekommen, dass es ihn ganz aus dem Sonnensystem katapultiert und er nie mehr zurückkehrt.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für München

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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