#deinklimaprojekt Im Bürgerprojekt Solar wird der Balkon zur Photovoltaikanlage

Stand: 02.11.2021

Auf dem Balkon selbst Strom erzeugen und nutzen: Mini-Photovoltaikanlagen machen's möglich. Eine Initiative vernetzt dafür Privatpersonen mit einer Solarfirma. Wir bewerten das Bürgerprojekt im Steckbrief: Wie viel bringt das Kraftwerk zuhause?

Susanne und Markus Droth vom Bürgerprojekt Solar aus Fürstenfeldbruck. | Bild: Johanna Zach

Was? Darum geht's im Bürgerprojekt Solar

Das Bürgerprojekt Solar aus Fürstenfeldbruck organisiert Sammelbestellungen von Mini-Photovoltaikanlagen bei einem bayerischen Hersteller. Privatpersonen erhalten die Module, die oft auch "steckerfertige PV-Anlagen" genannt werden, dann vergünstigt und können sie zum Beispiel auf ihrem Balkon oder ihrer Garage befestigen.
In Fürstenfeldbruck gab es bislang (Stand Oktober 2021) drei Sammelbestellungen, mehr als 60 Module wurden ausgeliefert.

Warum? Das ist das Ziel des Bürgerprojekts Solar

Das Bürgerprojekt Solar setzt sich für eine unkomplizierte, grüne Stromerzeugung für den Eigenverbrauch ein. Je mehr Leute bestellen, desto günstiger wird es für den Einzelnen. Die Herstellerfirma produziert größtenteils in Deutschland und klimaneutral mit Solarenergie.

Wer? Die Menschen hinter dem Bürgerprojekt Solar

Hinter dem Bürgerprojekt Solar in Fürstenfeldbruck stecken Susanne und Markus Droth: Sie besitzen selbst eine Balkonanlage und wollen möglichst viele Leute motivieren, auch etwas zur Energiewende beizutragen.

Wo? Hier wird das Bürgerprojekt Solar durchgeführt

Interessenten für die Mini-Photovoltaikanlagen gibt es bislang vor allem in Fürstenfeldbruck. Nach und nach wird das Projekt auch in den Nachbarregionen bekannt.

Seit wann? So lange gibt es das Bürgerprojekt Solar schon

Die ersten Bestellungen gab es Anfang 2021.

Anschauen: Ilka Knigge lässt sich die Mini-Photovoltaikanlage zeigen

Grösste Hindernisse: Diese Nachteile gibt es bei Mini-Photovoltaikanlagen

Ein Photovoltaikpaneel kostet je nach Anbieter zwischen rund 500 und 900 Euro. Bis man die Anschaffungskosten wieder reingeholt hat, können etwa sieben bis zehn Jahre vergehen. Strom wird nur erzeugt, wenn die Sonne scheint. Ihre volle Leistung können die Photovoltaikmodule nur auf der Südseite produzieren, dann darf auch kein anderes Gebäude oder ein Baum stören und Schatten darauf werfen.

Interessierte müssen bedenken: Die Mini-Photovoltaikanlagen besitzen keinen Speicher - was nicht direkt verbraucht wird, fließt ohne Gegenleistung ins Netz. In Deutschland darf man nur 600-Watt-Anlagen betreiben - in diesem Fall sind das zwei Solarpaneele pro Haushalt. Wer eine größere Anlage besitzt, kann für die Einspeisung ins Stromnetz Geld bekommen. Dafür muss man allerdings ein Gewerbe anmelden.

Der Netzbetreiber vor Ort muss die Mini-Photovoltaikanlagen unterstützen. Die Besitzer melden sie dort an. Manchmal ist es nötig, alte Zähler gegen einen sogenannten Zweirichtungszähler auszutauschen. Außerdem braucht man eine spezielle Energiesteckdose. Installieren sollte die Anlage eine Elektrofachkraft.

Was noch? Hier gibt es ähnliche Projekte

  • In München gibt es zum Beispiel "Solar2030": Die Initiative will bis 2030 die "Energiewende von unten" mittels Balkonkraftwerken erreichen und München auf 100 Prozent erneuerbare Energien umstellen.
  • Der "Wattbewerb" ruft in einem Wettbewerb bundesweit Städte und Gemeinden zur Nutzung von mehr Photovoltaikanlagen auf. In manchen Städten werden die Mini-Photovoltaikanlagen sogar gefördert.

Experten-Einschätzung: Das sagt der Experte zum Bürgerprojekt Solar

Stephan Baur, Wissenschaftler im Bereich Erneuerbare Energien | Bild: Johanna Zach

Wir haben Stephan Baur, Wissenschaftler am Lehrstuhl für Erneuerbare und Nachhaltige Energiesysteme an der Technischen Universität München sowie Lehrer für Mathematik, Physik und Informatik, gefragt. Er besitzt selbst eine Balkon-Photovoltaikanlage.

Vorteile des Bürgerprojekts:
"Es ist auf jeden Fall hilfreich, um Hürden abzubauen und das Thema mehr in den Fokus zu rücken. Die Sammelbestellungen haben den Vorteil, dass sich die Interessenten die Recherche sparen, direkt mit einem vertrauenswürdigen Hersteller zusammengebracht werden und auch bei der Auslieferung persönlich Fragen stellen können, zum Beispiel zur Montage. Der Anfahrtsweg wird dadurch auf einen Tag reduziert und die Kosten für jeden Einzelnen auch.

Was man beachten sollte:
"Eine solche Anlage lohnt sich nicht für jeden. Fragen, die man sich vorab stellen sollte, sind zum Beispiel: Ist der Balkon sonnig genug? Lohnt sich eine große Anlage auf dem Dach vielleicht mehr? Erlaubt es der Vermieter? Kann ich die Energie tagsüber direkt verbrauchen? Je nachdem, wie effizient man den Strom nutzt, kann man mit zwei Modulen à 300 Watt 30 Prozent seiner Stromkosten sparen."

Nachgerechnet Was könnten wir sparen, wenn jeder mit geeignetem Balkon mitmacht?

  • Gesamtstrombedarf in Deutschland (2020): 488 Terrawattstunden/Jahr (TWh/a)
  • Davon benötigter Haushaltsstrom: 120 TWh/a
  • Bestand an Wohnungen in Mehrfamilienhäusern: 21.000.000 Stück
  • Davon mit geeignetem Balkon: 2.000.000 Stück
  • Installation einer 600 Watt-Balkonanlage mit etwa 500 kWh/a: 1 TWh/a Gesamtenergieerzeugung
  • Entspricht etwa 1 % des gesamten Haushaltsstroms
  • Entspricht etwa 5 bis 10 % eines Kohlekraftwerkes

Experte Stephan Baur hat diese grobe Schätzung vorgenommen und bewertet die Idee der privaten Balkon-Photovoltaikanlagen zusammenfassend so:
"Das ist nur ein kleiner Beitrag, aber aus vielen kleinen Schritten wird sich die Energiewende zusammensetzen. Viel wichtiger ist, dass die Menschen damit ein besseres Bewusstsein für den eigenen Energieverbrauch bekommen. Insgesamt wird es immer wichtiger werden, die Energie dann zu nutzen, wenn sie da ist."

Wie mitmachen? Kontaktdaten und weitere Infos zum Bürgerprojekt Solar

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