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100 Jahre DIN A4 DIN-Normen regeln unseren Alltag

Stecker, Schuh, Schraube: Fast alle Alltagsgegenstände entsprechen einer bestimmten DIN-Norm. Eine davon habt ihr vermutlich täglich in der Hand: Das Papierformat DIN A4. Vor hundert Jahren wurde sie festgelegt, auf den Millimeter genau.

Published at: 18-8-2022

Das normierte Papierformat DIN A4 wurde am 18. August 1922 festgelegt. | Bild: picture alliance/dpa | Uli Deck

Standards oder Normen festlegen, das klingt erst mal spröde, trocken - und ziemlich deutsch. Tatsächlich wäre das tägliche Leben ohne sie aber mühsam und der internationale Handel in Zeiten der Globalisierung wohl nahezu unmöglich.

Ohne DIN-Normen nicht möglich: Hier passt jeder Container auf den anderen und das weltweit.

Als durchschlagender Erfolg gilt die Einführung des normierten Containers Anfang der 1960er-Jahre. Seitdem können Container aus Asien in Rotterdam auf deutsche Züge umgeladen werden. Aber die wohl bekannteste DIN-Norm habt ihr vermutlich täglich in der Hand: DIN A4, das genormte Papierformat.

Die bekannte DIN A4-Papier-Norm

Die wohl bekannteste DIN-Norm: ein Blatt Papier. Festgelegt im Jahr 1922 und bis heute gültig.

Die wohl bekannteste DIN-Norm ist die DIN EN ISO 216 - besser bekannt als DIN A4. Sie legt seit dem 18. August 1922 fest, dass ein Blatt Papier der Größe A4 exakt 210 mal 297 Millimeter misst. Ohne diese Norm könntet ihr einen Papierbogen weder richtig ins Briefkuvert noch in den Drucker legen. Diese Norm ist immer noch richtig wichtig. Aber wer weiß, vielleicht ereilt sie aber eines Tages auch das Schicksal des rot-schwarzen Textilbands für Schreibmaschinen. Das verschwand irgendwann von der Bildfläche, weil es sich überlebt hatte.

Das Normverfahren - keine schnelle Nummer

Deutsches Institut für Normung

Das Deutsche Institut für Normung in Berlin ist Wächter über rund 34.000 Normen, die es derzeit gibt. Gegründet wurde das Institut vor mehr als hundert Jahren, am 22. Dezember 1917.

Jährlich werden von den Normhütern rund 2.000 Standards überprüft oder neu herausgegeben. Jeder kann einen Antrag auf ein Normierungsverfahren einreichen. Dann kommen die zuständigen Ausschüsse zusammen, von denen es knapp 70 gibt. Ein Ausschuss entscheidet, ob ein Normungsverfahren abgelehnt oder eingeleitet wird. Die Mitarbeiter des DIN-Instituts moderieren die Ausschüsse und rufen Experten aus Industrie, Verbraucherschutz und Verbänden zusammen, die ihr fachliches Know-how in die Waagschale werfen, um über eine Norm zu entscheiden. Auch das Normungsverfahren muss dabei den Regeln entsprechen:

"Normung ist die planmäßige, durch die interessierten Kreise gemeinschaftlich durchgeführte Vereinheitlichung von materiellen und immateriellen Gegenständen zum Nutzen der Allgemeinheit."

DIN 820, von 1977, beschreibt, wie ein Normungsverfahren abzulaufen hat.

Normen sind keine bindenden Gesetze

Der Stecker passt in die Steckdose: Ein gemeinsamer Standard hat sich bis heute nicht durchgesetzt.

Hat sich der Normungsausschuss geeinigt, wird der Entwurf im Internet veröffentlicht. Mehrere Monate können Interessierte Änderungsanträge stellen. Am Ende wird die Norm als Dokument veröffentlicht und gilt ab dann. Diese Prozedur kann bis zu fünf Jahre dauern. Sie hat aber nicht wie ein Gesetz einen bindenden Charakter. Niemand muss sich an die Vereinbarung halten. Das Institut selbst ist ein eingetragener, gemeinnütziger Verein. Es verdient einen Großteil seines Geldes damit, dass die Normen über den Beuth-Verlag, ein Tochterunternehmen der DIN, vertrieben werden.

Genormte Gegenstände erleichtern das Leben

DIN-Norm

DIN = Norm hat in D Gültigkeit
DIN EN = Norm hat in Europa Gültigkeit
DIN EN ISO = international anerkannte Norm

Normen regeln unseren Alltag: Ohne sie würdet ihr keine passenden Schuhe in Größe 38 finden oder eure Wäsche sauber bekommen. Denn auch das eingenähte Pflegeetikett in Textilien mit seinen kleinen Symbolen in Form von Waschbecken, Bügeleisen und Trockner sehen dank der Norm DIN EN ISO 3758 immer gleich aus - egal, ob die Kleidung in China oder den USA hergestellt wurde. Auch, dass das Abflussrohr an die hauseigene Toilettenschüssel passt, war mal ein Normverfahren. Einheitliche Produktionsstandards vereinfachen letztlich die Herstellung und den Verkauf von Waren. Inzwischen werden immer häufiger auch Dienstleistungen wie Tauchkurse, Einstellungstests im Personalwesen oder das Reinigen von Schulgebäuden normiert. Ein gewünschter Nebeneffekt: Gibt es eine Norm, die regelt, welches Pigment für die weiße Zahnpastafarbe sorgt oder wie breit Treppenstufen sein sollen, hält sich der Gesetzgeber aus diesen Verfahren raus.

Standard-Steckdosen - ein weltweiter Wunschtraum

Eine gültige Norm für Stecker von Smartphones, heißt nicht, dass sich alle Hersteller daran halten.

Doch leider gibt es auch Treffen, da versagt die mitunter anstrengende Arbeit der Normenausschüsse. Der Kampf um einen einheitlichen Staubsaugerbeutel ist so ein Beispiel. Oder eine international gültige Norm für die Stecker von Handy-Ladegeräten. Es ist eine strategische Entscheidung sich für einen eigenen Standard zu entscheiden, den man sich unter Umständen auch patentieren lassen kann. Oder eben auf Normen zu setzen, die sich möglichst schnell verbreiten und durchsetzen. Das hat beim Stromstecker leider auch nie funktioniert. Das Umrüsten der Steckdosen, Leitungen und Sicherungskästen für einen einheitlichen Weltstecker wäre schlichtweg zu teuer für den Verbraucher geworden. Deshalb bleibt es dabei: Packt besser einen Adapter ein, wenn ihr in betroffene Länder verreist.

Die erste DIN-Norm: der Kegelstift

Der Kegelstift ist ein konisches Verbindungselement, das Maschinenteile zusammenhält. Der Impuls für das Bauteil kam aus der Wirtschaft. Die Norm DIN 1 wurde zehn Wochen nach Gründung des Normenausschusses der Deutschen Industrie (NADI) am 1. März 1918 veröffentlicht. Bis heute hält sich hartnäckig das Gerücht, DIN 1 sei speziell für das Maschinengewehr "08/15" entwickelt worden, ein Gewehr, mit dem das Deutsche Heer im Ersten Weltkrieg kämpfte. Da verschiedene Firmen die Einzelteile für das Gewehr bauten, soll das Militär den Waffenfabrikanten Normen vorgegeben haben, damit es beim Zusammenbauen des Gewehrs nicht zu Problemen kommt. Doch das DIN-Institut in Berlin wehrt sich dagegen, dass DIN 1 auf Betreiben des Militärs entstanden sein soll. Die Norm hat sich trotzdem bewährt und ist bis heute unter dem Namen DIN EN 22339 gültig.


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