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Corona-Spätfolgen Post-Covid - Wenn das Herz Schaden nimmt

Neben anderen Organen kann auch das Herz von einer Covid-19-Infektion betroffen sein - selbst bei mildem Verlauf. Kardiologen warnen vor Post-Covid-Syndromen am Herzen und können bei ihrer Arbeit in Zukunft auch auf Künstliche Intelligenz zählen.

Stand: 10.01.2022 10:05 Uhr

Reanimation einer Person; bei einer Corona-Infektion kann auch das Herz Schaden nehmen | Bild: colourbox.com

Im Sommer 2020 stellten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Hamburg fest, dass sich das neuartige Coronavirus auch im Herzen ausbreitet. Es kann Herzzellen infizieren und sich darin vermehren, so ihre Studie, die am 27. Juli 2020 in der Fachzeitschrift JAMA Cardiology veröffentlich wurde.

Post-Covid - Zwei Drittel der Covid-19-Erkrankten haben Coronaviren im Herzen

Die Hamburger Forscher hatten 39 verstorbene Herzpatienten untersucht, die mit dem SARS-CoV-2-Virus infiziert waren. Bei rund zwei Drittel der untersuchten Patientinnen und Patienten (24 von 39) konnten die Forschenden im Herzgewebe das neuartige Coronavirus
nachweisen.

"Mit den nun vorliegenden Untersuchungsergebnissen haben wir deutlich mehr Klarheit. Wir wissen, dass SARS-CoV-2 das Herz befällt und sich das Virus auch in der betreffenden Zelle vermehrt."

Dirk Westermann, Kardiologe am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Spätfolgen - Auch bei mildem Verlauf kann das Herz durch Covid-19 leiden

Forschende der Goethe-Universität Frankfurt bestätigen dieses Ergebnis in einer weiteren Studie: Von 100 infizierten Patienten im Alter zwischen 45 und 53 Jahren zeigten Dreiviertel eine Herzschädigung. Diese trat auch bei Patienten auf, die einen milden Verlauf hatten.

"Besonders besorgniserregend ist der Umstand, dass sich eine Infektion mit dem neuen Coronavirus offenbar unabhängig von der Schwere der Infektion, bestehender Vorerkrankungen und dem generellen Verlauf der Akuterkrankung langfristig im Herzen manifestieren kann."

 Valentina Puntmann, Kardiologin an der Universitätsklinik Frankfurt

Myokarditis nach Covid-19: Besonders mittelalte Männer leiden darunter

Bereits Mitte 2020 wies eine Forschungsgruppe auf den Zusammenhang zwischen Covid-19 und Herzmuskelentzündungen hin. In einer systematischen Übersichtsarbeit vom Juli 2021 zeigte sich nun auf Basis von 41 veröffentlichten Fallberichten: Die insgesamt 42 untersuchten Covid-19-Patientinnen und -Patienten, die eine Myokarditis hatten, waren durchschnittlich 43 Jahre alt, 71 Prozent von ihnen waren Männer. Von den 42 Betroffenen erholten sich 67 Prozent, acht starben. Das legt unter anderem nahe, dass mittelalte Männer nach einer Coronainfektion häufiger an einer Myokarditis erkranken.

Symptome, die auf eine Herzmuskelentzündung hindeuten:

  • Atemnot bei Anstrengung
  • Herzrasen
  • Herzrhythmusstörungen
  • Herzschmerzen
  • unerklärliche Müdigkeit und Abgeschlagenheit
  • körperliche Schwäche

Post-Covid - Herzprobleme und Fatigue ähneln sich

Auch junge Menschen können als Post-Covid-Syndrom Herzprobleme bekommen.

Selbst junge und körperlich aktive Menschen können nach einer Coronainfektion eine Herzerkrankung entwickeln. Wenn sich genesene Corona-Patienten nach Monaten immer noch schwach und müde fühlen, wird in manchen Fällen fälschlicherweise ein Fatigue-Syndrom, eine chronische Erschöpfung, diagnostiziert.

"Dieses Fatigue-Syndrom äußert sich durch Abgeschlagenheit, Leistungsknick und Müdigkeit. Seine Ursachen sind letzten Endes noch nicht bekannt. Allerdings ist es auch so, dass die Symptome des Fatigue-Syndroms auch bei einer chronischen Herzmuskelentzündung auftreten können."

Philipp Wenzel, Kardiologe an der Universitätsklinik Mainz

Long-Covid-Nachsorge ist Pflicht für Covid-19-Patienten

Experten empfehlen auch Patienten, die einen milden Verlauf hatten, sich einige Monate nach Abklingen der Covid-19-Infektion erneut untersuchen zu lassen. Manche leiden in der Folge an Herzrasen oder Blutdruckschwankungen. Das Virus ist noch zu unbekannt, als dass bereits sämtliche Spätfolgen bekannt wären. Deshalb ist die ärztliche Begleitung besonders wichtig.

"Es gibt Zentren in Deutschland, zum Beispiel in Freiburg, wo extra Corona-Ambulanzen eingerichtet werden, um Patienten auch nach einer durchgemachten Covid-Erkrankung optimal nachversorgen zu können."

Philipp Wenzel, Kardiologe an der Universitätsklinik Mainz

Behandlung einer Herzmuskelentzündung:

  • Die Pumpfunktion des Herzmuskels wird stabilisiert
  • Die entzündlichen Vorgänge im Körper werden behandelt (etwa gegen Viren mit hochdosierten Immunglobulinen)
  • Regelmäßige Überprüfung der Blutwerte und Herzkontrolle mittels bildgebenden Verfahren (zum Beispiel Magnetresonanztomographie)

Künstliche Intelligenz: Vorhersage von Herzerkrankungen

Aber auch mit Künstlicher Intelligenz wird mittlerweile aussichtsreich am Zusammenhang zwischen Covid-19 und Herzerkrankungen geforscht. Auf Basis von künstlichen neuronalen Netzen entwickeln Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Verfahren, die eine frühzeitige Vorhersage von Herzerkrankungen bei Covid-19-Genesenen garantieren sollen. Eine neue Methode einer Forschungsgruppe erreicht bei einer Vorhersage von Covid-19-bedingten Herzkrankheiten laut eigenen Daten mittlerweile eine Genauigkeit von über 90%.

Weiterführende Links zu Covid-19-bedingten Herzproblemen:

Sendungen:

  • Herz: gefährliche Entzündung durch Infekte. 26.10.2021, 19:00 Uhr, BR Fernsehen.
  • Gesundheit! Herzmuskelentzündung. 26.10.2021, 19:00 Uhr, BR Fernsehen.
  • Vorhofflimmern - was hilft? 27.04.2021, 19:00 Uhr, BR Fernsehen.
  • IQ-Wissenschaft und Forschung. Erschöpfungssyndrom - Langzeitfolge von Covid-19? 19.04.2021, Bayern 2.

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