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Corona-Spätfolgen Wenn milde Symptome bleiben

Coronaviren können sämtliche Organe attackieren und zu heftigen Spätfolgen führen. Manchmal bleiben aber auch nur milde Symptome zurück. Nicht so schlimm, könnte man meinen. Aber was tun, wenn sie über Monate nicht weggehen? Das senkt die Lebensqualität und schürt Ängste, da nicht klar ist, wann man wieder ganz gesund wird.

Von: Veronika Bräse

Stand: 22.09.2022

Leichte Symptome wie Husten können lange bleiben | Bild: picture-alliance

Weltweit leidet etwa jede und jeder Zehnte Infizierte an Symptomen, die lange nach der akuten SARS-CoV-2-Infektion auftreten. Betroffen sind Menschen aller Altersgruppen, in wenigen Fällen auch Kinder. Die häufigsten Symptome, die in leichter Form über einen längeren Zeitraum anhalten können:

  • Tagsüber größere Müdigkeit als vor der Corona-Infektion
  • Leichte, immer wiederkehrende Kopfschmerzen
  • Husten, Atembeschwerden bei körperlicher Belastung
  • Anhaltende Geruchs- und Geschmacksstörungen
  • Herzklopfen oder Herzstolpern, Brustschmerzen
  • Niedergeschlagenheit bis hin zu depressiven Verstimmungen
  • Schlafstörungen und Ängste
  • Muskelschmerzen
  • Haarausfall

Coronaviren können Organe schädigen

Krankheitszeichen können nach schwerem, aber auch nach leichtem Verlauf der Covid-19-Erkrankung zurückbleiben. Forschende des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf haben in einer Studie, die am 6. Januar 2022 im Fachblatt "European Heart Journal" veröffentlicht wurde, 443 Personen mit leichten Symptomen zehn Monate lang begleitet und umfassend untersucht. Es zeigte sich, dass sie leichte Organschädigungen davongetragen haben:

  • Drei Prozent geringeres Lungenvolumen als in der Kontrollgruppe
  • Abnahme der Pumpkraft des Herzens um ein bis zwei Prozent
  • Abnahme der Nierenfunktion um drei Prozent

Außerdem ließen sich bei einigen der untersuchten Personen zurückliegende Beinvenenthrombosen im Ultraschall erkennen.

"Die gute Nachricht ist, dass wir bei der geistigen Leistungsfähigkeit nach mildem Covid-19-Verlauf keinen Unterschied zur Normalbevölkerung sehen. Wir sehen aber ehemalige Gefäßthrombosen und Folgen für Herz, Lunge und Niere."

Stefan Blankenberg, Mediziner am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf

Long Covid: Coronaviren können Organe schädigen.

Die Studienteilnehmer hatten im Jahr 2020 eine milde Covid-19-Infektion ohne Krankenhausaufenthalt, waren zum größten Teil noch nicht geimpft und mit der Delta-Variante des Coronavirus infiziert. Die Langzeitbeobachtung führte zu diesen Ergebnissen.

Omikron führt seltener zu Post-Covid

Eine Studie in Großbritannien legt nahe, dass die Wahrscheinlichkeit an Spätfolgen zu erkranken seit dem Auftreten der Omikron-Varianten um 20 bis 50 Prozent geringer war, je nach Alter und Zeit seit der Impfung.

"Die Omikron-Variante scheint seltener zu Long Covid zu führen als frühere Varianten, aber immer noch hat eine von 23 Personen, die sich mit Covid-19 infizieren, länger als vier Wochen Symptome. Angesichts der Anzahl der Betroffenen ist es wichtig, dass wir sie weiterhin bei der Arbeit, zu Hause und innerhalb des Gesundheitssystems unterstützen."

Claire Steves, Studienleiterin am King’s College London zu Long Covid bei Omikron

Die Impfung schützt vor Post-Covid

Mittlerweile ist ein Großteil der Bevölkerung geimpft und unterscheidet sich somit von den Probandinnen und Probanden der Hamburger Studie. Eine vollständige Corona-Schutzimpfung kann vor Langzeitfolgen schützen. Darauf deuten die Ergebnisse mehrerer Untersuchungen hin. So haben etwa Forschende des King’s College London herausgefunden, dass eine vollständige Corona-Impfung das Risiko für Langzeitschäden halbiert. Wer längerfristig an leichten Symptomen leidet, sollte den Weg zum Arzt nicht scheuen, auch wenn die Krankheitsanzeichen nicht so gravierend sind. Das ist deshalb sinnvoll, weil das SARS-CoV-2-Virus Organschäden anrichten kann, die nicht immer von allein ausheilen.

"Es ist wichtig, sechs bis neun Monate nach der Erkrankung eine sehr basale Nachuntersuchung durchführen zu lassen. So ist man auf der sicheren Seite."

Stefan Blankenberg, Mediziner am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf


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