Haustiere Freunde des Menschen oder Klimaschädlinge?

Stand: 18.05.2022

Katzen, Hunde und Meerschweinchen gehören zu den beliebtesten Haustieren in Deutschland. Rund 34,9 Millonen von ihnen leben mit uns unter unseren Dächern. Sie tun unserer Psyche gut, aber der Umwelt nur bedingt.

Border Collie Welpe blickt in die Kamera | Bild: picture alliance / Zoonar | Christiane Weimer

Der Trend zu Katze und Hund Tierische Mitbewohner

Sie sind meistens klein und kuschelig, die tierischen Mitbewohner in Deutschland. Katze und Hund scheinen unsere absoluten Lieblings-Haustiere zu sein: Allein 16,7 Millionen Katzen wohnen unter unseren Dächern, der Trend nach Katze und Hund ist schon seit Jahren steigend und während der Corona-Pandemie hat sich das nochmal verstärkt.

Farbige Kreisgrafik: Verteilung der Heimtiere in privaten Haushalten in Deutschland 2021: Katzen (16,7 Mio), Hunde (10,3 Mio), Kleintiere (4,6 Mio), Ziervögel (4,6 Mio), Aquarien (3,1 Mio), Gartenteiche (2,3 Mio), Terrarien (1,2 Mio). | Bild: Quelle: IVH/Grafik: BR

Haustier-Statistik Jedes Land hat seinen Favoriten

Weltweit unterscheidet sich das Lieblingshaustier-Potential sehr. Prozentual am häufigsten (Stand 2015) werden Vögel in der Türkei gehalten (20 Prozent der dort gehaltenen Haustiere), Zierfische sind in chinesische Haushalten beliebt (17 Prozent), in Russland mögen die Menschen Katzen besonders gerne (57 Prozent) und Hunde sind Favoriten in Argentinien (66 Prozent).

Mensch und Tier Tausende Jahre Kooperation

Verhaltensforscher Konrad Lorenz

"Der Wunsch, ein Tier zu halten, entspringt einem uralten Grundmotiv, nämlich der Sehnsucht des Kulturmenschen nach dem verlorenen Paradies."

Reinhören: Podcast-Reihe "Das Tier und Wir" bei SWR2 Wissen

Illustration zur Podcast-Reihe "Das Tier und Wir", SWR2 Wissen: Spezial | Bild: SWR / Britta Wagner

Ohne Tiere geht es nicht: Wir zähmen, züchten, bewundern sie oder ekeln uns vor ihnen, haben sie zum Fressen gern oder schätzen sie als Familienmitglied. Ein 10-teiliger Schwerpunkt von SWR2 Wissen Spezial beleuchtet verschiedene Aspekte dieser komplexen Beziehung. Ob Tierwohl, Jagd oder Artenschutz: Vom 21. Mai 2022 bis 23. Juli 2022 wird es tierisch!

Rassetiere: Was wir Haustieren antun

Teacup-Dogs: Hunde, die so gezüchtet sind, dass sie in eine Teetasse passen | Bild: colourbox.com

Große Kulleraugen, runde Köpfe, winzige Körper: "Teacup Dogs" sind in sozialen Medien der Renner. Stars wie Paris Hilton haben Mini-Hunde bekannt gemacht. Doch die Mini-Züchtungen sind eine Qual für die Hunde und teuer für Halter. Viele Züchtungen haben große gesundheitliche Probleme, Möpse zum Beispiel bekommen schlecht Luft, weil ihre Schnauze so verkürzt ist. Andere Hunde haben ein erhöhtes Risiko für Hüftschäden.

Pro & Contra Tier anschaffen oder nicht?

  • Haustiere können uns fit halten, zum Beispiel, wenn wir regelmäßig lange Spaziergänge mit einem Hund unternehmen. Hundebesitzer kommen häufiger auf die von der WHO empfohlenen 150 Minuten Bewegung in der Woche, als Nicht-Hundebesitzer. Und Menschen, die regelmäßig rausgehen und sich dort bewegen, haben ein stärkeres Immunsystem.
  • Haustiere halten uns gesund. Allein der Umstand, dass man von Tieren umgeben ist und vor allem das Streicheln von Tieren hilft dabei, den Blutdruck zu senken. Es werden auch weniger Stresshormone ausgeschüttet. Wer krank ist, wird durch sein Haustier motiviert, wieder schneller auf die Beine zu kommen.
  • Wer alleine wohnt und ein Haustier hält, der fühlt sich weniger einsam. Darüber hinaus helfen sie dabei, mit anderen Menschen Kontakte zu knüpfen. Das können andere Haustierbesitzer sein, oder Menschen, die gerne das fremde Haustier streicheln wollen. Tiere sind ein guter Anlass, um ein unverbindliches Gespräch mit Unbekannten zu führen.
  • Haustiere trösten in schwierigen Lebenslagen, wie einer Trennung oder nach einem Todesfall. Kinder vertrauen ihren Haustieren auch oft ihre Ängste und Sorgen an.
  • Die Ökobilanz von Haustieren ist schlecht: Ein 30 Kilogramm schwerer Hund verursacht in seinem Leben rund 19 Tonnen CO2, rund eine Tonne pro Lebensjahr. Das entspricht in etwa dem CO2-Ausstoß der mehrstündigen Flugreise von Frankfurt auf die Kanarischen Inseln. Eine etwa vier Kilogramm schwere Katze verursacht in einem Jahr dieselben CO2-Emissionen wie eine Autofahrt von 1.164 Kilometern. Je nachdem wie groß das Haustier, desto schlechter die Ökobilanz.
  • Haustiere können Krankheiten übertragen: Katzen können zum Beispiel für schwangere Frauen und ihr ungeborenes Kind gefährlich werden, wenn das Tier den Parasit Toxoplasmose in sich trägt. Der Kontakt findet über Katzenkot statt. Darüber hinaus werden Hunden und Katzen auch Antibiotika verabreicht, was langfristig zu Resistenzen führen kann. Viele Menschen sind auch allergisch gegen Katzenhaare. Das sollte man vor dem Kauf testen.
  • Haustiere können ins Geld gehen. Hunde und Katzen vom Züchter können schon mal mehrere Hundert Euro kosten. Dazu kommen Kosten für den Tierarzt, Futter, Transportbox, Spielsachen und anders Zubehör. Im Durchschnitt kostet ein Hund seinen Halter 102 Euro im Monat und das viele Jahre lang.

Feucht, Trocken, Snacks Tiernahrung

Im Schnitt geben die Deutschen 3,6 Milliarden Euro im Jahr für Tiernahrung aus, so der Industrieverband Heimtierbedarf. Den größten Anteil hat dabei Katzenfutter, dazu gehören auch "Snacks" wie Katzenmilch. Etwas weniger machte das Hundefutter aus, dann folgten Kleintierfutter und die Nahrung für Zierfische. Etwa ein Drittel mehr als im Jahr vorher wurde für Wildvogelfutter ausgegeben.