Von Zwergpinguin bis Kaiserpinguin Was wisst ihr über Pinguine?

Stand: 28.12.2022

Könnt ihr euch ein Schmunzeln verkneifen, wenn sich die niedlichen Frackträger watschelnd fortbewegen oder bäuchlings übers Eis schlittern? So ungeschickt Pinguine an Land wirken, so virtuos bewegen sie sich im Wasser. Auch sonst gibt es jede Menge Wissenswertes über die teils gefährdeten Pinguin-Arten.

Kaiserpinguine | Bild: picture alliance / imageBROKER | Wolfgang Jäkel

Wusstet ihr zum Beispiel, dass es 17 verschiedene Pinguin-Arten gibt? Wenn ihr die Südlichen und Nördlichen Felsenpinguine jeweils als eigene Art zählt, wie es einige Experten tun, sind es sogar 18 Arten. Pinguine werden - je nach Art - zwischen 10 und 20 Jahre alt und variieren deutlich in Größe und Gewicht.

Orgelpfeifen: Der größte und der kleinste Pinguin

Infografik: Vergleich von Kaiser- und Zwergpinguinen (Größe und Gewicht) | Bild: picture-alliance/dpa, Montage: BR

Kaiserpinguine: Pinguine der Superlative

Kaiserpinguine | Bild: dpa-Bildfunk

Kaiserpinguine sind die größten, die schwersten, die schnellsten. Sie leben in der eisigen Antarktis und erreichen im Wasser eine Höchstgeschwindigkeit von 15 Stundenkilometern. Sie können bis zu 18 Minuten unter Wasser bleiben und auf der Jagd in Tiefen bis zu 500 Metern tauchen. Trotz dieses extremen Lebens können sie bis zu 20 Jahre alt werden. Diese Superlative toppt keine andere Pinguinart.

Video: Wie Pinguine ausspioniert werden (englisch)

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ROBOT PENGUINCAM MEETS EMPEROR PENGUINS FROM "PENGUINS - SPY IN THE HUDDLE" | Bild: John Downer Productions (via YouTube)

ROBOT PENGUINCAM MEETS EMPEROR PENGUINS FROM "PENGUINS - SPY IN THE HUDDLE"

Bergmannsche Regel: Warum sind Pinguine so unterschiedlich groß?

Die Bergmannsche Regel, die auf den Biologen Carl Bergmann (1847) zurückgeht, versucht zu erklären, warum verwandte Arten endothermer (gleichwarmer) Tiere so unterschiedliche Größen haben können - wie zum Beispiel die Pinguine. Diese Regel besagt vereinfacht, dass Tiere in kälteren Regionen größer sind als in warmen, da so ein günstigeres Verhältnis vom Volumen zur Oberfläche des Pinguins geschaffen wird. Bei einer Verdoppelung der Körpergröße verdoppelt sich auch die Körperoberfläche, das Körpervolumen aber verdreifacht sich. Und vom Körpervolumen hängt auch die Wärmeproduktion ab. Ein größerer Pinguin produziert relativ gesehen mehr Wärme als er durch die Zunahme seiner Körperoberfläche verliert. 

Lebensraum: Pinguine leben auf der Südhalbkugel

Pinguine kommen ausschließlich auf der Südhalbkugel vor. Die Lebensräume der verschiedenen Pinguinarten könnten kaum unterschiedlicher sein, betrachtet man Klima, Geografie und Ökologie. Man findet Pinguine in den Küstengewässern der Antarktis bis zu den Galapagosinseln am Äquator. Darüber hinaus kommen sie in den Gewässern vor Neuseeland, Süd-Australien, Südafrika, Namibia, den Falklandinseln und an der Westküste Südamerikas vor. Kein anderes höheres Lebewesen lebt so nah am eisigen Südpol wie der Kaiserpinguin. Darum ist er auch - wie es die Bergmannsche Regel lehrt - am größten.

Wassertiere: Meister im Wasser

Wie ein Fisch im Wasser. Pinguine sind hervorragende Schwimmer. | Bild: picture alliance/dpa | Georg Wendt

Pinguine leben mindestens drei Monate des Jahres an Land - und wirken dort mit ihrem watschelnden Gang recht unbeholfen. Einmal im Jahr verlassen beispielsweise die Kaiserpinguine den Meeresbereich und wandern wochenlang ins Innere der Antarktis zu ihren Brutplätzen. Um kostbare Energie zu sparen, rutschen sie, wann immer es möglich ist, auf dem Bauch übers Eis und schieben sich mit ihren Flossen vorwärts.

An das Leben im Wasser - ihrem Element - sind sie jedoch hervorragend angepasst und drehen dort so richtig auf. Sie pflügen mit ihren stromlinienförmigen Körpern und ihren kräftigen Flossen in virtuoser Eleganz durchs Wasser und können, ohne sich irgendwo abstoßen zu können, aus dem Wasser weit aufs Eis schnellen.

Besonderheit: Ein gelber Königspinguin

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Gefährdung: Was den Pinguin bedroht

Zehn bzw. elf der Pinguinarten (wenn man die Südlichen und Nördlichen Felsenpinguine separat zählt) gelten als gefährdet bzw. stark gefährdet. Ursache sind auch hier wir Menschen, denn wir verändern die Bedingungen in den Lebensräumen der Pinguine.

  • Fischerei: Wir fischen Pinguinen und anderen Meeresbewohnern ihre Nahrung weg. So finden zum Beispiel Felsenpinguine, Magellan-Pinguine und Humboldtpinguine häufig in den Meeren nichts mehr zu fressen, weil der kommerzielle Fischfang vor den Küsten Chiles, Perus und Südafrikas ihre Nahrung dezimiert.
  • Umweltverschmutzung: Ob Plastikmüll, Abwasser oder Ölkatastrophen - sie alle bedrohen die Meeresbewohner direkt oder dezimieren die Tiere in der Nahrungskette.
  • Bedrohter Lebensraum: Wir Menschen rücken den Pinguinen immer näher und beschneiden ihren Lebensraum.
  • Klimawandel: Auch der Klimawandel ist ein großes Problem für Pinguine. Die Klimaerwärmung lässt zum Beispiel das Eis der Antarktis immer weiter schmelzen. Die Kaiserpinguine müssen deshalb immer weiter in das eisige Innere vordringen. Zudem reduziert sich das Nahrungsangebot. Die Abschmelzungen führen außerdem dazu, dass tiefliegende Küsten überschwemmt werden und die Pinguine auch hier gezwungen sind, weiter landeinwärts zu wandern, wo häufig schon wir Menschen die Lebensräume beanspruchen.

Rote Liste: Wie steht es um den Bestand der Pinguine?

Die Hälfte der 18 Pinguin-Arten ist nach Angaben der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) gefährdet (4 Arten) oder vom Aussterben bedroht (5 Arten). In dieser Übersicht könnt ihr den aktuellen Status der verschiedenen Pinguin-Arten sehen (in Englisch). Damit gehören Pinguine zur am stärksten gefährdeten Gruppe von Seevögeln.

Zum Durchklicken: Das Leben der Königspinguine

Nerd-Wissen: Was ist typisch für Pinguine?

  • Flugunfähige Vögel: Pinguine sind Vögel und haben Flügel, können aber nicht fliegen. Wisst ihr warum? Ihre Flügel sind zu klein, ihr Gewicht zu groß und ihre Füße zu kurz, um die nötige Startgeschwindigkeit zum Abheben aufbringen zu können. Dafür können Pinguine im Wasser gleiten, als ob sie fliegen. Im Laufe der Evolution haben sie gelernt, ihre Flügel im Wasser wie Flossen und an Land als Sprunghilfen zu benutzen. Beim Laufen helfen sie ihnen, das Gleichgewicht nicht zu verlieren.
  • Der Pinguin-Effekt: Er bezeichnet ein Verhaltensphänomen bei Pinguinen. Die Seevögel leben nahe am Wasser. Dort finden Pinguine ihre Nahrung: Tintenfische, Krill oder kleine Fische. Dort lauern allerdings auch ihre Feinde. Um sich vor ihnen zu schützen, benutzen Pinguine einen Trick. Sie schicken einen Mutigen voraus. Wenn Pinguine Hunger haben, gehen sie meist in kleinen Gruppen auf Nahrungssuche und beobachten zunächst, ob im Wasser Gefahr lauert. Dann wagt ein Tier den Sprung. Erst danach springen dann alle anderen hinterher.
  • Kältestrategien: Zur Brutzeit bilden die Seevögel große Kolonien. Gerade für Pinguine, die in den Polarregionen leben, ist das Zusammenleben überlebensnotwendig. Bei eisigen Temperaturen bis zu minus 40 Grad können sie sich gegenseitig wärmen, wenn sie dicht zusammenrücken. Die Kolonie bleibt immer in einer langsamen Bewegung und die Pinguine wechseln sich immer ab. Die Tiere aus der Mitte lösen die außenstehenden ab, sodass diese sich wiederum in der Mitte aufwärmen können.
  • Fortpflanzung: Eine Pinguin-Paarung ist gar nicht so einfach. Das Männchen kann sich nur schwer auf dem rundlichen Rücken des Weibchens halten. Noch dazu hat das Männchen keinen Penis. Männchen wie Weibchen haben Geschlechtsöffnungen, die für den Paarungsakt aufeinander gepresst werden müssen. Dafür sind meist mehrere Versuche nötig.
  • Brutverhalten: Schon gewusst? Bei den Kaiserpinguinen ist das der Job der Männchen. Sie brüten die Eier aus. Dabei liegen die Eier auf ihren Füßen und werden durch das Bauchgefieder warmgehalten. Um ein wenig Schutz vor der Kälte zu haben, stehen die Kaiserpinguine dabei dichtgedrängt beieinander. Bis die Kinder nach circa 60 Tagen schlüpfen, haben die Männchen fast ein Drittel ihres Gewichts verloren. Denn in der ganzen Zeit müssen sie auf Nahrung verzichten, während die Weibchen Nahrung am Meer suchen. Sind sie zurückgekehrt, lösen sie die hungrigen Männchen ab. Das Erstaunliche: Männchen haben eine Art biologisches Alarmsignal, dass sie vor dem Verhungern schützt. Das gibt ihnen das Signal, die Brutkolonie zu verlassen und sich auf den Weg ans Meer zur Futtersuche zu machen. Meist sind die Weibchen jedoch vorher zurück.
  • Homosexualität: Das ist auch der Grund, warum ihr in Zoos immer wieder einmal homosexuelle Pinguin-Paare beobachten könnt, die Gelege ausbrüten. Was für Aufsehen sorgt, ist allerdings nichts Ungewöhnliches: Gerade bei Vögeln sind homosexuelle Paare verbreitet, männliche Flamingos etwa wurden schon beobachtet, wie sie Eier klauen, um sie gemeinsam auszubrüten.
  • Treue Partner: Die meisten Pinguinarten leben monogam, das heißt, sie bilden zusammen ein Brutpaar und bleiben sich treu - auch wenn sie die meiste Zeit des Jahres eine "Fernbeziehung" führen. Ist es Zeit für die Paarung, wartet das Männchen Jahr für Jahr am Nest auf sein Weibchen. Nur wenn das Weibchen nicht auftaucht, sucht sich das Männchen eine neue Partnerin. Die wird allerdings wieder abserviert, wenn das erwartete Weibchen doch noch auftaucht. Zu einem endgültigen Bruch in der "Beziehung" kann es kommen, wenn es mit der Aufzucht der Küken nicht so recht geklappt hat.

Sex-Video: Die Paarung - ein Balanceakt

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Brillenpinguine Paarung / African Penguins Copulation | Bild: PinguinWissen (via YouTube)

Brillenpinguine Paarung / African Penguins Copulation

Ehrentage: Es geht um das Wohl der Pinguine

Neben dem Ehrentag der Pinguine am 20. Januar, der weltweit begangen wird, gibt es auch noch den Welt-Pinguin-Tag am 25. April. In diesem Zeitraum wandern die Pinguine zu Tausenden zu ihren Brutplätzen. Die Welttage wurden nicht ausgerufen, weil die Tiere so niedlich sind, sondern weil die Bedrohung der Pinguin-Arten zunimmt. An beiden Pinguin-Tagen soll auf die Situation der Tiere aufmerksam gemacht werden.