Von UFOs und Aliens Was steckt hinter unerklärlichen Flugobjekten?

Von: Yvonne Maier

Stand: 18.05.2022

UFO-Sichtungen, die gibt's. Doch was verbirgt sich dahinter? Wirklich eine fliegende Untertasse - oder doch nur ein Wetterballon, die Landescheinwerfer eines Flugzeugs oder ein schlechter Scherz? Jenseits potenzieller kleiner, grüner Aliens beschäftigt sich die Wissenschaft nur zögerlich mit diesen sogenannten UAP, den "unidientified aerial phenomena". Weltweit werden jedes Jahr mehrere Tausend davon gemeldet. Doch nur selten steckt dahinter ein wirklich unerklärbares Phänomen.

Ufo-Sichtung in New Mexico | Bild: picture alliance / Mary Evans Picture Library

Fliegende Untertassen: Seit wann gibt's eigentlich UFOs?

Der Amateurpilot Kenneth Arnold berichtet 1947 erstmals davon, mysteriöse Flugobjekte beobachtet zu haben.  | Bild: picture alliance / Mary Evans Picture Library | -

Nahe Mount Rainier im US-Bundesstaat Washington will Kenneth Arnold im Jahr 1947 mysteriöse Flugobjekte gesehen haben.

Das UFO-Phänomen gibt es noch gar nicht so lange - erst seit 1947 nämlich. Der US-amerikanische Amateurpilot Kenneth Arnold hat damals das erste Mal von neun schimmernden unidentifizierten Flugobjekten berichtet, die er am 24. Juni 1947 beobachtet haben will. Erst dachte er, die Lichtblitze seien Reflexionen der Fenster in seinem Flugzeug gewesen. Als er die aber öffnete, seien die Lichtblitze immer noch da gewesen. Auch Gänse seien es nicht gewesen, so der Pilot. Sondern eher etwas wie "Untertassen" oder "konvexe Objekte".

Viele Jahre später beschrieb er die Art und Weise, wie sie geflogen sind, mit "Untertassen, die über eine Seeoberfläche hüpfen", wie man das vom Steine-Flitschen kennt. Was auch immer Kenneth Arnold damals gesehen hat - die "Fliegenden Untertassen" waren seitdem in der Welt.

Unidentifiziertes Flugobjekt? Was sind UFOs und UAP?

UFO steht für "unidentified flying object" oder "unidentifiziertes Flugobjekt". Der Begriff UAP hingegen legt sich weniger darauf fest, wer oder was sich da nun genau am Himmel und in den Lüften befindet: UAP steht für "unidentified aerial phenomenon", oder "unidentifiziertes Luftphänomen". Von Außerirdischen ist zunächst bei beiden Begriffen nicht die Rede.

UFO und UAP: Unidentifiziert und mysteriös

Ein unidentifiziertes Flugobjekt, aufgenommen 1960 in den USA | Bild: picture-alliance / Mary Evans Picture Library | -

Tatsächlich ähnelt dieses UFO ein wenig einer fliegenden Untertasse - oder? Entstanden ist die Aufnahme 1960 in den USA.

Ufo gesichtet? Die Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens (GEP) e.V.

In Deutschland gibt es einige Vereine, die sich mit UFO-Sichtungen beschäftigen. Einer davon ist die Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens (GEP) e.V.: Ihre Mitglieder bezeichnen sich als Laienforscher. Augenzeuginnen und Augenzeugen können sich auf verschiedensten Wegen bei der GEP melden: per Mail oder Telefon, aber auch über Social Media. Auf der Webseite der Gesellschaft gibt es ein Formular, in dem die wichtigsten Infos standardisiert abgefragt werden.

Rund 5.000 ungeklärte Sichtungen hat die GEP im Laufe der Jahrzehnte gesammelt. Für die meisten UFO-Sichtungen gibt es aber eine natürliche oder technische Erklärung: Meteore, Satelliten, Blitze oder Polarlichter, aber auch Wetterballons oder einfach nur Artefakte auf Bilddateien.

UFO-Phänomen Was steckt hinter dem U in UFO?

"Jedes nicht erklärte Objekt ist für uns eigentlich ein Versagen. Wir wollen das Rätsel ja lösen, wir wollen die Objekte erklären. Und wenn wir dabei auf etwas stoßen, was wir oder was die Menschheit noch nicht gesehen hat, dann ist das natürlich umso spannender."

Danny Ammon, zweiter Vorsitzender der Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens (GEP) e.V.

Ufos gibt's doch? Interview mit Hakan Kayal, Professor für Raumfahrttechnik

Warum UFO-Forschung: Deshalb sollten wir UFOs und UAP erforschen

  • Selbst wenn ein UFO kein UFO ist, könnte ein neues Naturphänomen dahinterstecken.
  • Vielleicht handelt es sich beim UAP auch um fortschrittliche Militärtechnologien anderer Staaten, die in unseren Luftraum eindringen.
  • Aber vielleicht könnte das jeweilige ungeklärte Phänomen auch tatsächlich, nun ja, von Außerirdischen stammen. Oder?

Pentagon vs. Aliens: Die UFO-Berichte des US-amerikanischen Verteidigungsministeriums

Im Mai 2022 waren die UFOs in den USA Thema für die Politik. Das erste Mal seit 50 Jahren berichtete das US-Verteidigungsministerium (Pentagon) vor dem US-Kongress von unerklärlichen Luftraumphänomenen. Angestoßen wurde diese Veranstaltung durch einen Bericht des Pentagons vom Sommer 2021 zu UAPs.

Eine gekürzte Variante des damaligen Berichts ist der Öffentlichkeit zugänglich. Untersucht wurden UAPs, die zwischen 2004 und 2015 gemeldet wurden und zwar von Militärs oder dem US-Geheimdienst, insgesamt 144 Vorfälle. Bei 18 davon wurden "ungewöhnliche" Bewegungs- oder Flugmuster beobachtet.

Damit gemeint sind UAPs, die gegen den Wind zu fliegen scheinen, abrupte Flugmanöver machen oder extrem schnell fliegen. Auch Geräuschlosigkeit, dass man keinen Antrieb erkennen kann oder dass sie scheinbar intelligentes Verhalten zeigen, also ausweichen oder die Beobachter verfolgen, gehören dazu. Das Pentagon teilte die UAPs in seinem Bericht in fünf Kategorien ein: Müll in der Luft, zum Beispiel Folienballons, natürliche Luftphänomene wie Eiskristalle, die seltsame Signale im Radar hervorrufen können, dann militärische Technologie, die geheim gehalten wird, feindliche Systeme wie zum Beispiel Drohen, und schließlich: "andere".

Und diese "Anderen", die lassen UFO-Gläubige natürlich aufhorchen. Zwar müssten außerirdische Raumschiffe theoretisch in diese Kategorie fallen - das Pentagon geht aber auf jeden Fall nicht davon aus, dass die unerklärten Phänomene außerirdische Flugobjekte waren.

Schlagzeilen machten die UAPs im Sommer 2021. Da veröffentlichte das Pentagon, das US-Verteidigungsministerium, einen lange erwarteten Bericht zu UAPs. Eine gekürzte Variante ist der Öffentlichkeit zugänglich. Untersucht wurden UAPs, die zwischen 2004 und 2015 gemeldet wurden und zwar von Militärs oder dem US-Geheimdienst, insgesamt 144 Vorfälle.  | Bild: picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Uncredited

Ein UAP aus dem Jahr 2015: Zwar kann das Pentagon nicht alle Vorfälle erklären, geht aber nicht von Aliens als Verursacher aus.

Bei dieser Aussage blieben die Experten auch bei der Veranstaltung im Mai 2022 vor dem Kongress. Zwar wisse man weiterhin bei den meisten gemeldeten Phänomenen nicht, was sie seien. Es lägen insgesamt zu wenige Daten vor. Videos von Kampfpiloten gäbe es zwar schon, aber sie zeigten das rätselhafte Phänomen oft unscharf, technisch verändert oder nur für den Bruchteil einer Sekunde. Hier könnt ihr die gesamte Veranstaltung anschauen. Immerhin gründet das Pentagon jetzt eine Taskforce, um die Phänomene in Zukunft besser untersuchen zu können.

Roswell, New Mexico, USA: UFOs und Verschwörungstheorien

"UFO"-Fund bei Roswell, New Mexico | Bild: picture alliance / Mary Evans Picture Library | -

Schon mal von Roswell, New Mexico, gehört? Dort soll 1947 laut einem Pressebericht eine "fliegende Untertasse" abgestürzt sein.

Geheime Alien-Besuche: Verschwörung oder gesunder Menschenverstand?

"Ich habe tatsächlich schon für die US-Regierung gearbeitet, mit der höchsten Geheimhaltungsstufe. Und um ehrlich zu sein, ich war noch nie beeindruckt davon, wie die Regierung Dinge geheim hält. Ich glaube, das können sie nicht. Aber gut, manche Leute glauben das. Aber dann muss man weiterdenken, dass jede Regierung auf der Welt das Geheimnis behalten kann. Denn sonst würde das heißen, dass die Außerirdischen nur die USA besucht haben, das finde ich komisch. Es geht immer darum, dass wir es nicht beweisen können, weil es ja geheim gehalten wird. Und damit kann man nicht argumentieren, das ist sehr praktisch. Man kann es nie widerlegen."

Seth Shostak, Astronom, SETI-Institut

Militärversuch statt UFO: Was wirklich über Roswell abstürzte

Alien-Museum in Roswell | Bild: picture alliance / ZUMAPRESS.com | Brian Cahn

In Roswell ist zwar 1947 kein Raumschiff abgestürzt, aber die Stadt vermarktet den angeblichen Alien-Besuch bis heute.

Was war denn nun in Roswell? Am 8. Juli 1947 erschienen Presseberichte, dass eine "fliegende Untertasse" in der Nähe der Kleinstadt Roswell abgestürzt sei. Die US-Army soll sie dann gefunden haben. Im Jahr 1980 wurde die Geschichte in einem Buch wieder aufgegriffen und die Verschwörungserzählung nahm so richtig ihren Lauf. Ein Raumschiff sei da abgestürzt, Leichen von Aliens geborgen worden - und klar: Alles wurde seitdem von der Regierung geheim gehalten.

Doch 1994 wurde offiziell bekannt: Bei dem abgestürzten Objekt handelte es sich um einen Ballon, der mit Schallsensoren ausgestattet war. Damit wollte das Militär von der Roswell Army Air Force Base aus sowjetische Atomtests aufspüren, ein Projekt mit der höchsten Geheimhaltungsstufe. 1997 wurden auch noch weitere Zeugenaussagen zu den Außerirdischen ausgewertet - mit dem Ergebnis: entweder waren sie erfunden oder es lag eine Verwechslung mit ganz menschlichen Fallschirmspringern vor.

SETI Auf zur Suche nach außerirdischer Intelligenz

SETI-Forscher Seth Shostak | Bild: picture alliance / Karsten Lemm | Karsten Lemm

Das SETI-Institut, für das Seth Shostak arbeitet, ist nicht dezidiert auf der Suche nach UFOs, sondern nach Anzeichen außerirdischer Intelligenz.

Der Astronom Seth Shostak kennt sich aus mit Außerirdischen: Er sucht hauptberuflich nach intelligentem Leben im Universum und arbeitet für das SETI-Institut in Kalifornien. SETI steht für "Search for Extraterrestrial Intelligence", der Suche nach außerirdischer Intelligenz. Das Institut selbst ist eine Nichtregierungsorganisation, die aber mit der NASA und anderen Einrichtungen kooperiert. Seth Shostak und seine Kolleginnen und Kollegen nutzen eine Radioantennenanlage in in Kalifornien, um ins Weltall hinein zu lauschen. Sie versuchen im natürlichen Rauschen charakteristische technische Signale zu finden, die von intelligenten Zivilisationen stammen könnten.

Bislang wurde noch kein derartiges Signal gefunden.

Sollten wir wirklich außerirdisches Leben finden, in welcher Form auch immer, werde das natürlich die Menschheit verändern. Und diese Veränderung würden wir schon verkraften, sagt Seth Shostak. Besser wäre es - denn geheim halten ließe sich das in Wahrheit wohl nämlich auch nicht.

Nichts zu sehen: UFOs gesucht, nichts gefunden

"Wissen Sie, der Himmel wird dauernd beobachtet. Die USA haben Radarstation, die entweder nach Raketen Ausschau halten, die in unseren Luftraum fliegen, oder sie schauen nach Satelliten, die unsere Satelliten ausschalten wollen. Solche Dinge. Und diese Radarstationen können ein Objekt in der Größe einer Murmel erkennen - in einer Höhe von 300 Kilometern! Das ist ziemlich gut. Und man sollte doch annehmen, dass man ein außerirdisches Raumschiff sehen könnte, wenn es hier herumfliegt. Klar, man kann immer sagen, die US-Regierung verschweigt uns das. Aber es gibt fast 1.000 Satelliten, die jeden Tag Fotos der Erde machen, da sind einige von den Europäern. Die sehen auch nichts. Und es gibt hunderttausende Amateur-Astronomen auf der ganzen Welt. Die sehen auch nichts."

Seth Shostak, Astronom, SETI-Institut

Frag' den UFO-Experten: Wurden wir schon von Außeridischen besucht?

GEEK ART - Bodypainting and Transformaking: UFO Photoshooting mit Enrico Lein als Außerirdischer mit einem UFO im Filmwelt Center. Bad Münder, 13.10.2021 - Ein Projekt des Fotografen Tschiponnique Skupin und des Bodypainters und Transformakers Enrico Lein | Bild: picture alliance / Geisler-Fotopress | Tschiponnique Skupin/Geisler-Fot

"Ich glaube, dass man mit einiger Wahrscheinlichkeit sagen kann, das wird zurzeit nicht wirklich von Außerirdischen besucht werden."

Danny Ammon, zweiter Vorsitzender der Gesellschaft zur Erforschung des UFO-Phänomens (GEP) e.V.