ARD alpha Uni Medizin studieren

Von: Christian Wurzer

Stand: 05.02.2024

Medizin studiert Jim, weil ihn der Körper des Menschen schon immer fasziniert hat. Nach dem Studium an der Uni Heidelberg will er eine Weiterbildung zum Facharzt für Psychiatrie machen, um Menschen zu helfen, die psychologische Probleme haben.

Jim Haberlander studiert Humanmedizin an der Universität Heidelberg.  | Bild: BR/Daniel Peter, HG: stock.adobe.com/upixa

Zulassungsvoraussetzungen

Die Medizin Studiengänge in Deutschland sind zulassungsbeschränkt. Die Studienplätze werden bundesweit zentral vergeben. Jede Bewerbung zum Medizinstudium ist daher über das Bewerbungsportal der Stiftung für Hochschulzulassung https://www.hochschulstart.de einzureichen.

Um für die Bewerbung zugelassen werden zu können, musst du eine der drei folgenden drei Hochschulzulassungsberechtigungen vorweisen können:

  • Allgemeine Hochschulreife (Abitur)
  • Medizinisches Fachabitur
  • Hochschulzugangsberechtigung durch berufliche Qualifizierung (Studieren ohne Abitur)


Im Bewerbungsverfahren für zulassungsbeschränkte Studiengänge kann eine Priorisierung der Studienorte vorgenommen werden.

Dazu unterliegen die Medizin Studiengänge einem Numerus clausus (NC). Der notwendige Notendurchschnitt ist immer abhängig von der Anzahl der Bewerberinnen und Bewerber, die Medizin studieren wollen und die ändert sich jedes Semester. Aber: Nur 30 Prozent der vorhandenen Medizinstudienplätze werden allein über NC vergeben. Im Wintersemester 2023/24 lag der NC für Medizin zwischen 1,0 und 1,1. Für Zahnmedizin lag er zwischen 1,1 und 1,5.

Ob die Qualitäten eines guten Arztes oder einer guten Ärztin durch einen Notendurchschnitt von 1,0 im Abitur bewertet werden können, stellen Kritiker in Frage. Inzwischen steht das Studium der Medizin auch Bewerber:innen mit weniger guten Noten oder gar ohne Abitur, aber mit einschlägiger Berufsausbildung offen.

Medizin studieren ohne NC

Neben dem NC gibt es seit dem Sommersemester 2020 die „Zusätzliche Eignungsquote“, kurz ZEQ. Inzwischen werden rund 60 Prozent der vorhandenen Medizinstudienplätze so vergeben. Die ZEQ orientiert sich nicht an der Abiturnote. Die Universitäten haben je eigene Kriterien, mit denen sie die Studienbewerber auswählen. Daher ist es ratsam sich an der jeweiligen Universität zu erkundigen, wie die Zulassungsbedingungen dort sind, um dann die Priorisierung bei https://www.hochschulstart.de entsprechend gestalten zu können.

In der Regel werden auch Studierfähigkeitstests verlangt, wie zum Beispiel der Test für medizinische Studiengänge, kurz TMS. Im Jahr 2024 verwenden von 37 von 39 Universitäten, an denen Medizin studiert werden kann, den TMS als Auswahlkriterium. Die Universitäten Hamburg und Magdeburg haben einen eigenen Test entwickelt, den Hamburger Naturwissenschaftstest, kurz HAM-NAT-Test.

Weitere zehn Prozent der Studienplätze werden über die Wartezeitquote vergeben. Gerade in der Wartezeit kann man noch zusätzlich punkten, zum Beispiel mit einer in der Zeit absolvierten einschlägigen Berufsausbildung in einem medizinischen Beruf oder abgeleisteten Diensten etwa beim Roten Kreuz, den Maltesern und anderen Gesundheitsdiensten.

Der Studiengang Medizin wird an fast jeder großen Universität angeboten.

Medizin studieren geht auch ohne Einser-Abitur

Jim Haberlander studiert Humanmedizin an der Universität Heidelberg.  | Bild: BR/Daniel Peter

"Für mich persönlich war auf jeden Fall das Reinkommen ins Studium die größte Challenge. Also ich hatte kein glattes 1.0 Abi. Ich hatte 1.4, was hieß, dass ich natürlich nicht direkt anfangen konnte. Ich habe meinen Notendurchschnitt durch eine Prämie im TMS, also dem Test für medizinische Studiengänge, verbessert."

Jim Haberlander studiert Humanmedizin an der Universität Heidelberg.

Studiendauer und Studienablauf

Das Studium der Medizin dauert zwischen 12 und 13 Semester, je nach Universität. In Heidelberg, der Universität, an der auch Jim studiert, sind es 13 Semester. Das Medizinstudium erschöpft sich keinesfalls nur mit Lernen aus Büchern. Es ist gespickt mit praktischen Anteilen, die in die verschiedenen Arbeitsgebiete der Medizin einführen.

Vorklinikum: Im ersten, vorklinischen Teil des Studiums absolvierst du zunächst ein Praktikum in Krankenpflege.

Klinikum: Im zweiten, dem klinischen Teil deines Studiums absolvierst du Praktika, sogenannte Famulaturen, in den verschiedenen Bereichen einer Klinik, zum Beispiel im Bereich Innere Medizin, Chirurgie oder Ambulanz. Eine Famulatur in einer hausärztlichen Praxis ist Pflicht.

Bedingung, dass du überhaupt diese Praktika antreten kannst, ist das Bestehen des Physikums, der ersten ärztlichen Prüfung nach dem vorklinischen Studienabschnitt. Diese Praktika führen dich ein in die ärztliche Patientenversorgung der ambulanten und stationären Krankenversorgung. Normalerweise dauern diese Famulaturen 30 Tage und sind in der vorlesungsfreien Zeit abzuleisten.

Medizinisches Praxisjahr: Die letzten beiden Semester deines Medizin Studiums sind geprägt durch das medizinische Praxisjahr, dem sogenannten PJ. Im Mittelpunkt des Praxisjahres steht die Ausbildung am/der Patienten:in. Du lernst die Arbeitsabläufe in einem Krankenhaus kennen.

Das medizinische Praxisjahr absolvierst du in der Universitätsklinik oder in von der Universität anerkannten Lehrkliniken und Lehrpraxen. Es sind 16-wöchige Praktika in den Bereichen Innere Medizin, Chirurgie und in einem weiteren Fachbereich deiner Wahl, zum Beispiel Allgemeinmedizin, Frauenheilkunde, Kardiologie. Das PJ kann auch im Ausland geleistet werden. Die exakten Konditionen erfährst du an deiner Universität.

Studieninhalte am Beispiel der Universität Heidelberg

Im vorklinischen Teil des Medizinstudiums erwirbst du Grundlagenwissen in folgenden Fachbereichen:

  • Chemie
  • Physik
  • Zellbiologie mit den Fächern Biochemie, Humangenetik und Mikrobiologie, Organe und Organfunktionen mit den Fächern Mikroskopische Anatomie, Biochemie und Physiologie
  • Medizinische Psychologie und Soziologie
  • Heidelberger Praxisprogramm - HeiPrax A mit den Bereichen Allgemeinmedizin und Anatomie am Lebenden


Viele der Lehrveranstaltungen sind im vorklinischen Teil des Studiums Laborpraktika.

Im klinischen Teil beschäftigst du dich mehr mit Krankheiten und deren Therapiemöglichkeiten und damit diesen Fachgebieten:

  • Propädeutik
  • Innere Medizin
  • Chirurgie


Im achten und neunten Semester vertiefst du dich in diese Fächer:

  • Augenheilkunde
  • Dermatologie
  • Venerologie
  • Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (HNO)
  • Infektiologie und Immunologie
  • Neurologie
  • Psychotherapie und Psychiatrie
  • Arbeits-, Rechts-, Sozial- und Umweltmedizin (ARSU)
  • Epidemiologie, medizinische Biometrie und medizinische Informatik (EBI)
  • Frauenheilkunde
  • Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin (GTE)
  • Humangenetik
  • Kinderheilkunde


Nach dem klinischen Teil des Studiums folgt das Praktische Jahr (PJ).

Prüfungen, die es zu bestehen gilt:

Physikum:
Zum Abschluss des vorklinischen Studienabschnittes findet die erste ärztliche Prüfung statt, das sogenannte „Physikum“. Mit dieser ersten bestandenen Prüfung kannst du mit der Doktorarbeit starten, falls du promovieren willst.

Nach den vier Famulaturen im klinischen Studienabschnittes legst du die zweite ärztliche Prüfung ab.

Das Praktische Jahr, das sogenannte PJ, beendet die dritte ärztliche Prüfung. Mit Bestehen dieser Prüfung, darfst du die Berufsbezeichnung Arzt bzw. Ärztin führen und kannst die Approbation als Arzt oder Ärztin beantragen.

Promotion: Die meisten Medizinstudierenden schließen ihre universitäre Ausbildung mit einer Promotion ab. Hintergrund: Ohne eine Doktorarbeit bist du zwar Arzt oder Ärztin und darfst diese Berufsbezeichnung auch führen. Der akademische Titel Dr. med. bleibt denen vorbehalten, die promoviert haben. Im Zweifelsfall erleichtert die Promotion auch die Anstellung in einer Gesundheitseinrichtung, auch Patienten sind manchmal beruhigter, wenn der „Doktor“ auch ein „promovierter Doktor“ ist.

Fettstoffwechsel und Psyche stehen in Verbindung

Jim Haberlander studiert Humanmedizin an der Universität Heidelberg.  | Bild: BR/Daniel Peter

"In meiner Doktorarbeit gehts drum, dass ich den Fettstoffwechsel im Gehirn untersuche. Es geht um Zellorganellen, die dafür da sind, Fettsäuren abzubauen. Mutationen im Gehirn können das natürlich beeinträchtigen. Und ich will sehen, wie diese Mutationen Einfluss auf das Lernverhalten haben können und gleichzeitig natürlich auch, wie sich die Zellen verändern, die von dieser Mutation betroffen sind. Natürlich hat es auch einen Bezug zu meinem Interesse an der Psychiatrie, weil man so auch die Grundlagen des menschlichen Gehirns erforscht und die Strukturveränderungen, die ich erforsche, auch einen Einfluss auf die Psyche haben können."

Jim Haberlander studiert Humanmedizin an der Universität Heidelberg.

Welche Skills solltest du mitbringen?

  • Affinität zu Naturwissenschaften
  • Interesse am Menschen
  • Fähigkeit abstrakt, logisch und analytisch zu denken
  • Bereitschaft zum Auswendiglernen großer Stoffmengen
  • Belastbarkeit, Ausdauer und Durchhaltevermögen
  • Teamgeist
  • Sozialkompetenz
  • Emotionale Intelligenz und Empathie

In welchen Berufen und Branchen arbeiten Medizinerinnen und Mediziner?

  • In Hausarztpraxen als Allgemeinarzt oder Allgemeinärztin
  • Mit eigener Praxis als Facharzt oder Fachärztin
  • In Unternehmen als Betriebsarzt oder Betriebsärztin
  • In den Medien als Medizinjournalisten und Fachjournalistinnen
  • Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen an Hochschulen, Universitäten und Forschungsinstitutionen
  • In Gesundheitsbehörden als angestellte Ärzte und Ärztinnen
  • Medizintechnik und Medizininformatik
  • Bei der Bundeswehr in der Sanitätsausbildung, als Truppenarzt oder Truppenärztin in Sanitätszentren und den Bundeswehrkrankenhäusern,
  • Bei NGOs, wie zum Beispiel „Ärzte ohne Grenzen“
  • In Gesundheitseinrichtungen und Krankenhäusern des Roten Kreuzes, der Malteser, der Caritas, der Diakonie, der AWO und andern
  • … in der Politik, Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ist Arzt.

Verdienst

Die Gehälter für Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapie, so wie Jim einer werden will, bewegen sich zwischen 6128 Euro Brutto im Monat und mehr als 6750 Euro Brutto im Monat. Höhere Gehälter sind möglich. Beim Berufseinstieg verdienen junge Assistenzärztinnen und Ärzte im Schnitt ab 5692 € brutto im Monat. Auch können Gehälter über 6750 Euro Brutto im Monat erreicht werden.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Karriere

Der Berufseinstieg nach dem Medizinstudium in einer Klinik startet in der Regel mit einer Weiterbildung zum Facharzt bzw. zur Fachärztin. Während dieser Zeit arbeiten die angehenden Fachärzte und Fachärztinnen als Assistenzärztinnen und Assistenzärzte unter einem Oberarzt an einem Klinikum. Nach der Assistenzzeit und zur Qualifizierung zum Facharzt bzw. zur Fachärztin kannst du dich niederlassen. Das bedeutet, du kannst eine eigene Praxis aufmachen oder eine Praxis übernehmen. Seit Jahren sind die Chancen dafür auf dem Land wesentlich besser als in den Ballungsräumen größerer Städte. In großen Städten kann es sein, dass du in deinem Fach, sei es sowohl in der Allgemeinmedizin als auch in anderen fachmedizinischen Gebieten, keine Zulassung für eine eigene Praxis bekommst.

Die Alternative bleibt, dass du dich bewirbst für eine Anstellung in einem Krankenhaus, einem Sanitäts- und Rettungsdienst oder als Betriebsarzt/-ärztin in einem Unternehmen. Eine weitere Möglichkeit bietet dir eine wissenschaftliche Karriere in einem Medizinunternehmen oder an einer Universität.

Auch der Sanitätsdienst der Bundeswehr sucht angesichts der neuen Sicherheitslage Truppenärzte und Truppenärztinnen. Studiert wird „über die Bundeswehr“. Das Medizinstudium wird über die Bundeswehr eingeleitet. Dafür stehen der Bundeswehr 250 Studienplätze pro Jahr an zivilen Universitäten zur Verfügung. Zunächst durchlaufen die angehenden Studierenden eine dreimonatige militärische Grundausbildung. Danach geht es ins Studium an einer zivilen Universität als Offiziersanwärter oder Offiziersanwärterin. Mit Antritt der Grundausbildung verdienen die angehenden Studierenden der Medizin je nach persönlicher Lebenssituation 2045 Euro Netto im Monat, später im Studium steigert sich das Gehalt, je nach Dienstgrad, auf bis zu 2525 Euro Netto im Monat und bemisst sich nach den Besoldungsgruppen A 5 bis A 9. Die Mindestverpflichtungszeit liegt bei 17 Jahren. Das heißt: Nach dem Studium sind noch weitere 11 Jahre im Sanitätsdienst der Bundeswehr zu leisten. Danach besteht die Möglichkeit sich als Berufssoldatin, Berufssoldat zu bewerben und bei der Bundeswehr zu bleiben. Näheres zum Studium für den Sanitätsdienst der Bundeswehr erfahrt ihr in den Karrierecentern der Bundeswehr.

Medizin studieren, Menschen zu helfen

Jim Haberlander studiert Humanmedizin an der Universität Heidelberg.  | Bild: BR/Daniel Peter

"Grundsätzlich finde ich den menschlichen Körper einfach wahnsinnig faszinierend. Das war es, was mich dazu gebracht hat Medizin zu studieren, einfach das Wissen, wie der menschliche Körper aufgebaut ist. Dieses Wunder, dass wir jeden Tag am Leben sind, fasziniert mich seit Beginn des Studiums und auch schon davor und das hat bis jetzt nicht abgerissen. Einerseits diese wahnsinnig spannenden Fakten über sich selbst zu lernen, aber auch über die Menschen in meiner Umwelt, das war mir wichtig und das motiviert mich auch. Gleichzeitig dann auch noch damit helfen zu können und nicht nur in so einem Vakuum zu lernen, sondern dass man Leuten damit Heilung schenken kann, dass man auch für Menschen da ist. Ich finde das einfach eine superschöne Erfahrung, das gibt einem das Gefühl, das man kompetent ist, in dem, was man tut."

Jim Haberlander studiert Humanmedizin an der Universität Heidelberg.

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