#deinklimaprojekt Klimafreundlich wohnen in der Genossenschaft

Stand: 02.11.2021

Zwei Münchner Genossenschaften hatten Großes vor und haben ein klima- und ressourcenschonendes Haus für ihre Mitglieder gebaut. Wie klimafreundlich ist das Haus RIO? Wir stellen es im Steckbrief vor - und lassen es bewerten.

Das Haus RIO der Wohngenossenschaften WOGENO und wagnis in München Riem. | Bild: BR/Tom Holderries

Was? Das macht das genossenschaftliche Haus RIO besonders

Das Haus RIO in München Riem umfasst fünf Stockwerke und 150 Wohnungen. Es besteht weitestgehend aus regionalem Massivholz und nutzt vorwiegend alternative Energien: Auf dem Dach ist eine Photovoltaik-Anlage verbaut, die laut Betreiber "Isarwatt" über das Jahr verteilt 75 Prozent der benötigten Energie im Haus erzeugen kann. Energie für Heizwärme und Warmwasser liefert eine Geothermie-Anlage in der unmittelbaren Nähe. Die Wohnungen sind bewusst kleiner gehalten, dafür gibt es Gäste-Appartements und Gemeinschaftsräume, die gemeinsam genutzt werden.

Warum? Das ist das Ziel des RIO-Projekts

Das Haus RIO in München Riem zeigt, wie Wohnen klimaschonender werden kann. Laut einem UNO-Bericht gehen 38 Prozent der weltweiten Emissionen auf den Gebäude- und Bausektor zurück. Für die Erreichung der Pariser Klimaziele müssen auch in diesem Bereich Treibhausgase eingespart werden. Das funktioniert über Strom aus erneuerbaren Energien, eine gute Dämmung und die Wahl der richtigen Baumaterialien: Beton und Zement gelten als besonders klimaschädlich, weil ihre Herstellung bereits Treibhausgase erzeugt. Holzbau ist eine klimafreundliche Alternative.

Wer? Hinter dem Haus RIO stecken Genossenschaften

Beim Haus RIO handelt sich um ein genossenschaftliches Projekt: Wohnungen können dort ausschließlich Mitglieder der verantwortlichen Genossenschaft mieten, in diesem Fall der Münchner Wohngenossenschaften WOGENO und wagnis. Genossenschaften sind Wirtschaftsunternehmen, die zahlenden Mitgliedern günstigen Wohnraum anbieten. Wer in einer Genossenschaftswohnung wohnt, ist Mieter und Eigentümer: Mit den erworbenen Genossenschaftsanteilen erhalten die Mitglieder auch einen Anteil am Gesamtbesitz der Genossenschaft. Ziel beider Genossenschaften ist es, ein selbstverwaltetes, soziales und ökologisches Wohnen zu ermöglichen.

Wo? Hier ist das Haus RIO zu finden

Das Gebäude RIO steht im Münchner Osten im Stadtteil Riem, direkt an der U-Bahnstation Messestadt Ost. Teile des Grundstücks liegen auf dem Gelände des ehemaligen Münchner Flughafens.

Seit wann? So lange gibt es das Haus RIO schon

Das Gebäude wurde laut WOGENO im Jahr 2017 von der Stadt München gekauft und im Winter 2020/2021 fertiggestellt.

Anschauen: Ilka Knigge nimmt das Haus RIO unter die Lupe

Grösste Hindernisse: Damit hatte das Projektteam RIO zu kämpfen

Laut Projektleiterin Lena Skublics waren die "größten Hindernisse bei der Planung und dem Bau von RIO die stark steigenden Baukosten". Auch, wenn Ressourcensparen und Klimaschutz oberstes Ziel waren, hätten die Kosten "Einsparungen in allen Bereichen hervorgerufen." Dies würde auch für die Kalkulation und Finanzierung von zukünftigen Bauprojekten gelten, da mit weiter steigenden Baukosten zu rechnen sei.

Was noch? Hier gibt es weitere Genossenschaften

Inzwischen gibt es in zahlreichen deutschen Städten Wohnungs- oder Baugenossenschaften. Auf dieser Plattform haben sich über 400 Genossenschaften zusammengeschlossen.

Experten-Einschätzung: Das sagt der Experte zum RIO-Projekt

Wir haben nachgefragt! Das sagt Hans Peter-Ebert, Vorstand Zentrum für Angewandte Energieforschung e.V.:

... zur Bauweise mit Massivholz:
"Massivholzbau hat den Riesenvorteil, dass es im Wesentlichen CO2-neutral ist. Das heißt, ich verwende ein Material, was natürlich wächst, CO2 bindet, und dann für Jahrzehnte einen Speicher bildet. Er steht anderen Baumaterialien dabei nicht nach, was die Leistungsfähigkeit betrifft. Massivholz hat eine geringere Wärmeleitfähigkeit, das macht es sehr energieeffizient bezüglich Wärmedämmung."

... zu Photovoltaik auf Häuserdächern:
"Das macht auf jeden Fall Sinn, weil wir brauchen die Energie regenerativ erzeugt. Und das heißt, wir müssen und können unsere Oberflächen an den Gebäuden ausnutzen: das Dach beispielsweise, aber auch die Fassade."

... zu weiterer Energieidee:
"Solarthermie zum Beispiel wäre auch möglich. Oder ein Mix aus beiden. Das ist auch ein System, das noch nicht verbreitet ist: hybride Kollektoren, die auf der gleichen Fläche Strom und Warmwasser erzeugen."

... zum Haus generell:
"Von den Komponenten her macht das großen Sinn - also nachhaltige Baumaterialien und die Verwendung von nachhaltigen erneuerbaren Energien."

... zu weiteren klimafreundlichen Ideen:
"Ich hätte mir vielleicht mehr Grün gewünscht am Gebäude. Grün hilft auch, um den energetischen Standard des Gebäudes zu heben, weil ich damit verschatte. Der Wind kommt nicht so an die Oberflächen heran. Und ich helfe der Natur, indem ich Insekten ansiedle oder Lebensraum gebe."

Mehr Wissen: Weitere Infos zum RIO-Projekt und zu Genossenschaften

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