60

Lachen Grinsen macht glücklich, Lachen gesund

Habt ihr heute schon gelacht? Haltet euch nicht zurück, denn Kichern und Grinsen machen glücklich und Lachen ist gesund. Hier erfahrt ihr, warum wir Menschen lachen und was dabei im Körper passiert.

Stand: 05.05.2023 15:55 Uhr

Rund 15-mal am Tag lachen wir: über Witze, peinliche Situationen oder einfach, weil jemand anderes lacht. Dabei lachen Erwachsene deutlich weniger als Kinder, die sogar bis zu 400-mal täglich lachen.

Lachen ist Hochleistungssport für die Muskeln

Beim Lachen betreibt der Körper Hochleistungssport: Vom Gesicht bis zum Bauch sind beim Lachen fast 300 verschiedene Muskeln beteiligt. Allein der "Lachmuskel", der Zygomaticus, spannt 15 Gesichtsmuskeln an. Darunter sind auch die Gesichtsmuskeln des Tränensacks, was dazu führen kann, dass wir Tränen lachen. Bei einem richtigen Lachanfall pressen die Bauchmuskeln die Luft mit einer Geschwindigkeit von 100 Stundenkilometern hinaus.

"Die Nase legt sich in Falten, die Nasenlöcher weiten sich. Der Kopf wird zurückgeworfen, die Augen werden geschlossen. Der Zygomaticus-Muskel zieht den Mund nach oben und sorgt für einen glücklichen Ausdruck. Der Augenmuskel wird angespannt und aktiviert im Gehirn positive Gefühle."

Michael Titze, Psychologe und Lachtherapeut

Gesund: Lachen stärkt die Abwehrkräfte

Die Atmung geht um ein Vielfaches schneller und die Lunge nimmt rund drei- bis viermal so viel Sauerstoff auf wie gewöhnlich. Dabei wird der Brustkorb teilweise schmerzhaft gezerrt und das Zwerchfell hüpft. Die schnellere Atmung regt dabei den Blutfluss an. Und das macht das Lachen so gesund. Mediziner haben festgestellt, dass durch das Lachen auch mehr T-Zellen aktiviert werden. So wird das Immunsystem gestärkt. Allerdings nur, wenn man echt und herzhaft lacht. In einer Metastudie der Universität Jena aus dem Jahr 2022 konnte nachgewiesen werden, dass Lachtherapien in Gruppen positive Effekte auf die körperliche und seelische Gesundheit haben.

Wann Lachen künstlich wirkt

Beim Lachen stoßen wir rhythmische Laute aus. Der einzelne dauert ungefähr 75 Millisekunden und bis zum nächsten vergehen 210 Millisekunden. Stimmt dieses Verhältnis nicht, kommt uns das Lachen künstlich vor. Beim Lachen "modulieren" und "vokalisieren" wir, wie es die Wissenschaftler nennen, ähnlich wie beim Singen. Nach rund sechs Sekunden ist ein Lachanfall erst einmal vorbei.

Wie ihr mit Lachen Stress abbaut

Comedy, Satire, Kabarett zum Anhören

Nach herzzerreißendem Lachen kommt der Körper wieder zur Ruhe. Nach der großen Muskelanspannung und der inneren Massage durch das vibrierende Zwerchfell sind die Muskeln nun gut durchblutet und entspannt. Und die Entspannung betrifft nicht nur den Körper. Denn so ein Lachanfall baut Stresshormone ab.

Warum wir lachen

Warum sich das Lachen überhaupt entwickelt hat, dazu gibt es mehrere Theorien: Eine internationale Studie aus dem Jahr 2010 kommt zu dem Ergebnis, dass das menschliche Lachen den Lauten von Affen ähnelt. Einer Studie der italienischen Universität Siena aus dem Jahr 2023 zufolge entwickelte sich das Lachen evolutionär als eine Art Alarmsignal, die den Umstehenden mitteilt, dass ein besorgniserregendes Ereignis vorbei ist. Besonders der Rhythmus des Lachens helfe dabei, Aufmerksamkeit hervorzurufen, ähnlich wie bei einer Sirene. Eine Untersuchung der Universität Oxford aus dem Jahr 2022 kommt zu dem Schluss, dass Lachen die soziale Bindung zwischen Menschen fördere.

Gelotologie: die Wissenschaft vom Lachen

Vom griechischen Wort 'gelos', was auf Deutsch Gelächter heißt, leitet sich die Gelotologie ab - die Wissenschaft vom Lachen. Der Pionier im Fachgebiet des therapeutischen Humors, der US-amerikanische Psychiater William F. Fry, gründete 1964 in Palo Alto sein Institut für Humorforschung und prägte den Begriff der Gelotologie. Er forschte erstmals über die Auswirkungen des Lachens auf körperliche Vorgänge. Ein Krankheitsbild im Zusammenhang mit dem Lachen gibt es auch: die Gelotophobie. Betroffene haben quälende Angst davor, ausgelacht zu werden.

Witze zu verstehen ist harte Arbeit für unser Gehirn

Hat das Gehirn einen Witz erkannt und verstanden, regt es den Körper zum Lachen an und schüttet Glückshormone aus.

Lange suchten Hirnforscher nach einem Humorzentrum im Gehirn. Doch nach bisherigen Forschungen gibt es kein solches Lachzentrum. Die Impulse, die ein Lachen auslösen, können von überall her kommen. Wenn wir gekitzelt werden, sind andere Gehirnzentren aktiv, als wenn uns jemand einen Witz erzählt, wir jemanden auslachen oder uns einfach nur freuen.

Über einen Witz zu lachen, ist schon äußerst komplex: Der erzählte Witz gelangt zunächst über das Ohr ins Hörzentrum, von da geht es weiter in das Zentrum für Sprachverständnis, wo er analysiert wird. Jetzt wird er von der linken in die rechte Hirnhälfte geschleust. Dabei wird abgeglichen, ob sich Emotion und Inhalt entsprechen. Stimmen Emotion und Inhalt nicht überein, findet das Gehirn den Witz witzig und es stimuliert den Körper zum Lachen. Für die vollbrachte Schwerstarbeit belohnt sich das Hirn schließlich selbst mit der Ausschüttung von Glückshormonen. Die können selbst Schmerzen dämpfen.

Lachen für den Weltfrieden am Weltlachtag

Seit 1998 gibt es den Weltlachtag - immer am ersten Sonntag im Mai.

Am ersten Sonntag im Mai wird jedes Jahr weltweit gelacht: Genau um 14.00 Uhr unserer Zeit, für eine Minute. Das Ziel: der Weltfrieden. Lachend soll für Brüderlichkeit und Freundschaft geworben werden, so der Erfinder des Weltlachtages, der indische Arzt Madan Kataria, Gründer der Lach-Yoga-Bewegung. Am 11. Januar 1998 lachten dafür erstmals in Indien 12.000 Menschen gemeinsam los.

Warum Lachen ansteckend ist

Allein das Geräusch lachender Menschen bringt das Gehirn dazu, die Gesichtsmuskeln automatisch aufs Mitlachen vorzubereiten. Deshalb ist Lachen ansteckend. Selbst dann, wenn man den Grund für die gute Laune eines anderen Menschen gar nicht kennt. Und lieber lachen wir mit, als dass wir uns unangenehmen Gefühlen anschließen: Untersuchungen zeigten, dass fremdes Jubeln oder Lachen wesentlich stärkere Hirnaktivitäten auslösen als negative Emotionsgeräusche wie Ekel oder Angst.

Was ist Lach-Yoga?

Gemeinsames Training im Lachclub. Lachen ist nicht nur gesund, es macht auch glücklich.

Wenn etwas gesund ist und zugleich Spaß macht, muss es ein Verkaufsschlager sein. Das dachte sich auch der indische Arzt Madan Kataria, als er 1995 den ersten Lach-Yoga-Club gründete. Heute gibt es weltweit Lachclubs, die das Lachen zur Trainingssache erklären: Es geht nicht um gute Witze und Humor, sondern um die Tätigkeit des Lachens selbst, auch wenn es künstlich ist.

Auch falsches Lachen macht glücklich

Selbst ein falsches Lächeln macht wirklich glücklicher, das bestätigt eine Studie, die 2022 in der Fachzeitschrift "Nature Human Behaviour" erschienen ist. Auf sechs Kontinenten und insgesamt 19 Ländern führten Forschende die Untersuchungen durch. Mehr als 3.800 Teilnehmer erklärten sich bereit, für die Studie ihre Gesichtsmuskeln zu betätigen. Die Ergebnisse zeigten, dass das Nachahmen von glücklichen Gesichtsausdrücken Glücksgefühle auslöst. Jeden Morgen beispielsweise einfach fünf Sekunden lang in den Spiegel zu lächeln, so die Forschenden, könne also im Laufe der Zeit dazu führen, dass wir uns besser fühlen.

"Ein Tag, an dem man nicht lacht, ist ein verlorener Tag."

Charlie Chaplin, Regisseur, Schauspieler und Comedian (1889 - 1977)


60