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Glücksforschung Was uns wirklich glücklich macht

Wenn es einen Weltglückstag, einen Glücksatlas, Glücksschulungen und eine Glücksministerin gibt, dann ist es Zeit, sich über das Glück Gedanken zu machen - gerade in Zeiten von Corona und Krieg. Was macht eigentlich glücklich?

Published at: 21-3-2022

Junge Frau springt glücklich auf einer Wiese in die Luft | Bild: colourbox.com

Was ist Glück? Wann fühlt man es und wie? Kann man dem Glücksgefühl, gerade in dieser zermürbenden Corona-Zeit, auf die Sprünge helfen? Wir haben Infos und Tipps zum Glücklichsein gesammelt.

Was ist Glück?

Der Duden definiert Glück als eine "angenehme und freudige Gemütsverfassung, in der man sich befindet, wenn man in den Besitz oder Genuss von etwas kommt, was man sich gewünscht hat". Es sei ein "Zustand der inneren Befriedigung und Hochstimmung". Glücksforscher sprechen von einem subjektiven Wohlbefinden, das für jeden etwas anderes bedeuten kann. Für Psychologen ist es gekennzeichnet vom häufigen Auftreten positiver Gefühle und seltenem Auftreten negativer Emotionen. Sie warnen im Zusammenhang mit Glück aber auch vor einer "toxischen Positivität": Gefühle wie Trauer oder berechtigte Unzufriedenheit dürften auch nicht einfach übertüncht werden. Für die selbsternannte Glücksministerin Gina Schöler ist der Schlüssel zum Glück, das eigene Leben in die Hand zu nehmen, es aktiv zu gestalten und das Beste aus allen Situationen zu machen.

"Glück bedeutet nicht, dass alles Friede-Freude-Eierkuchen ist."

Gina Schöler, selbsternannte Glücksministerin

Zu viel Glück ist auch nicht gesund

Am 20. März ist Weltglückstag!

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat den 20. März zum "Internationalen Tag des Glücks" erklärt. Er soll daran erinnern, dass zum Glück mehr gehört als Wirtschaftswachstum und Umsatz - nämlich Mitgefühl, Gemeinwohl und nachhaltige Entwicklung.

James Olds, Psychologe an der University of Michigan, hat Ende der 1950er-Jahre das Lustzentrum im Gehirn entdeckt. Bei Versuchen mit Laborratten war ihm aufgefallen, dass sie die elektrische Stimulation eines bestimmten Gehirnareals mochten. Als sie diese Region per Knopfdruck selbst stimulieren konnten, drückten sie den Knopf so lange, bis sie vor Durst, Hunger und Erschöpfung fast am Glücksrausch gestorben wären.

Von Glücksministern, Glücksstaaten und Glücksrezepten

Glücksministerin

Das "Ministerium für Glück und Wohlbefinden" ist 2012 als Kunstprojekt von Studenten an der Mannheimer Hochschule für Gestaltung gestartet. Die aktuelle, selbsternannte Glücksministerin ist die Kommunikationsdesignerin Gina Schöler. Sie ist keine Wissenschaftlerin, sondern versteht sich als Glücksbotschafterin.

Staatsglück

Das asiatische Königreich Bhutan im Himalaya hat in den 1970er-Jahren das Glück seiner Bevölkerung zum Staatsziel erklärt und besitzt tatsächlich ein echtes Glücksministerium. Das Glück der Bevölkerung ist in der Verfassung festgeschrieben und wird als Bruttonationalglück gemessen.

Glücksrecht

Das "Streben nach Glück" (pursuit of happiness) haben die Gründerväter der USA als eines der unveräußerlichen Rechte in die Unabhängigkeitserklärung mitaufgenommen.

Glücksatlas

Laut dem World Happiness Report, dem Weltglücksreport, der Vereinten Nationen für das Jahr 2021 sind die Menschen in Finnland am glücklichsten. Finnland wurde damit bereits zum fünften Mal in Folge zum glücklichsten Land der Welt erkoren. Das hat vor allem mit dem gegenseitigen Vertrauen zu tun, das sie sich untereinander und auch den Behörden, der Polizei und der Justiz gegenüber entgegenbringen. Demnach seien den Initiatoren des Reports zufolge soziale Unterstützung, großzügige Hilfsbereitschaft und Vertrauen in Regierungen wesentliche Faktoren für Glück und Wohlbefinden.

Deutschland findet sich bei der Auswertung von Daten aus drei Jahren nicht mehr in den Top Ten und rutscht vom 7. auf den 14. Platz ab. Nach den Finnen kommen die Dänen, Isländer, Schweizer, Niederländer, Luxemburger, Schweden und Norweger. Danach folgen Israel, Neuseeland und Österreich. Die unglücklichsten unter den für 2021 ausgewerteten 146 Ländern sind Zimbabwe, der Libanon und Afghanistan.

Auf Grund der Corona-Pandemie haben die Autoren des Berichts ihre Kriterien angepasst. In den Jahren zuvor waren wirtschaftliche Lage, Lebenserwartung, soziale Netze und Freiheit entscheidend. Jetzt konzentrierten sich die Glücksforscher zunehmend auf den Zusammenhang zwischen Wohlbefinden und Covid-19. Vor allem die Hilfe für Fremde, Freiwilligenarbeit und Spenden sei in allen Teilen der Welt stark gestiegen.

Glücksrezept

"Hygge" gilt oft als das Glücksrezept der Dänen, lässt sich jedoch nicht einfach ins Deutsche übersetzen. Es meint so viel wie Gemütlichkeit und Wärme, sich im positiven Sinne abzuschotten und die Welt draußen zu lassen.

Die Chemie des Glücks

Wenn etwas geschieht, das besser ist als erwartet, werden die Neuronen im Mittelhirn aktiv: Sie stoßen den Glücksstoff Dopamin aus und leiten ihn ins untere Vorderhirn sowie ins Frontalhirn weiter. Im Vorderhirn treibt das Dopamin die dortigen Neuronen dazu an, opiumähnliche Stoffe zu produzieren - die machen uns euphorisch. Im Frontalhirn führt das Dopamin dazu, dass unser Gehirn besser funktioniert und auch gleich zum Empfinden von Glück geschärft wird: Es steigert unsere Aufmerksamkeit, wir merken uns dieses glücklichmachende Ereignis. So lernen wir, was uns gut tut. Eigentlich ist das Glücksgefühl also nur ein Nebenprodukt unseres Lernvermögens. Das Glücksempfinden flaut auch wieder ab - mit einer Überdosis Euphorie würde uns das gleiche Schicksal wie den Ratten im Glück-per-Knopfdruck-Versuch ereilen.

"Unser Gehirn ist nicht dafür gebaut, dauernd glücklich zu sein, aber es ist süchtig danach, nach Glück zu streben."

Manfred Spitzer

Unseres Glückes Schmied

SLC6A4, das Glücks-Gen

Das Gen SLC6A4 leitet das Hormon Serotonin in die Zellen weiter. Das macht uns entspannt und gut gelaunt. Wer die Langform des Gens besitzt, bekommt mehr Serotonin ab - und sieht eher das Positive.

Internationalen Studien zufolge wird die Veranlagung zum Glücklichsein zu etwa 50 Prozent von unseren Genen bestimmt. Die Lebensumstände machen rund 10 Prozent aus. Die restlichen 40 Prozent haben wir selbst in der Hand. Was können wir also zu unserem eigenen Glück beitragen?

Was uns ganz allgemein glücklich macht

Die UNO hat Glücks-Grundbedingungen aufgestellt:

  • mindestens 2.500 Kalorien pro Tag
  • einen Wasserverbrauch von 100 Litern am Tag
  • mindestens sechs Quadratmeter Wohnraum
  • einen Platz zum Kochen
  • eine sechsjährige Schulbildung

Glücksforscher haben ganz bestimmte Faktoren erhoben, die uns glücklich machen:

  • eine stabile Beziehung - Heiraten bringe noch ein Quäntchen mehr Glück
  • Freundschaft
  • Geselligkeit
  • Gesundheit
  • einen den eigenen Fähigkeiten entsprechenden Beruf
  • Kinder
  • ausreichend Geld zur Erfüllung der Grundbedürfnisse

"Glück besteht aus einem hübschen Bankkonto, einer guten Köchin und einer tadellosen Verdauung."

Jean Jacques Rousseau

Dem Glück auf die Sprünge helfen

Die Botenstoffe, die die positiven Gefühle hervorrufen, werden auch bei einer Meditation oder beim Sport ausgeschüttet. Beim Meditieren geht der ganze Organismus in einen ausgeglicheneren Zustand über, den das Gehirn als angstfrei und entspannt deutet. Ähnlich ist es bei körperlicher Aktivität: Sie hebt die Laune, weil das Gehirn dann vermehrt Serotonin und Endorphin ausschüttet.

"Gott, was ist Glück? Eine Grießsuppe, eine Schlafstelle und keine körperlichen Schmerzen, das ist schon viel."

Theodor Fontane

Tipps zum Glücklichsein

  • sich fragen: Was tut mir gut? Was brauche ich zum eigenen Wohlbefinden?
  • das Glück auch in kleinen Momenten suchen: z.B. bei einer zweiminütigen Kaffeepause
  • Meditation & Achtsamkeitsübungen: z.B. Kleinigkeiten im Alltag ganz bewusst ausführen
  • Yoga, Bewegung & (Outdoor-) Sport
  • Kochen & Essen
  • Lesen
  • Tagträumen
  • laut singen
  • jemanden anrufen oder jemandem schreiben
  • anderen etwas schenken
  • nach einem stressigen Tag Spazierengehen
  • beim Spazierengehen neue Wege einschlagen oder solche, die mit positiven Gefühlen besetzt sind
  • Sorgen nicht verleugnen und nicht anhäufen, sondern Stück für Stück angehen und sich evtl. auch Hilfe dafür holen

"Der Volksmund ist hier sehr weise: Teilen Sie Ihre Sorgen - denn geteiltes Leid ist halbes Leid. Und: Teilen Sie Glücksmomente, denn geteiltes Glück ist doppeltes Glück."

Thomas Bonath, Psychotherapeut

"Happy Food" - Lebensmittel, Glück zum Anbeißen

Es gibt tatsächlich "Happy Food", das glücklich machen kann: Lebensmittel, die Tryptophan enthalten, können die Serotoninbildung ankurbeln - wenn sie mit Kohlenhydraten kombiniert werden. Gut für die gute Laune sind zum Beispiel Käse, Eier, Fleisch, Hülsenfrüchte, Fisch, Nüsse und Getreide. Allerdings müssen wir sehr viel davon essen, um einen deutlich stimmungsaufhellenden Effekt zu verspüren. Dass Essen glücklich macht, kann auch daran liegen, dass es einfach gut schmeckt und sich im Mund gut anfühlt oder weil es uns an besondere Situationen erinnert und wir es zusammen mit lieben Menschen genießen.

Das Glück trainieren

Öfter mal was Neues: mehr Abwechslung, mehr Glück

Glücksbotenstoffe werden auch ausgeschüttet, wenn wir einen abwechslungsreichen, aufregenden Alltag haben. So schreibt Stefan Klein in seinem Buch "Die Glücksformel", dass man das Glück wie eine Fremdsprache lernen und trainieren kann: Freude, Lust, Aufmerksamkeit, Neugier und Lernen seien untrennbar miteinander verbunden. Deshalb sei es wichtig, sich um menschliche Beziehungen zu bemühen, Kontraste und Herausforderungen zu suchen und einen aktiven Alltag zu leben.

"Dein Glück hängt von den guten Gedanken ab, die du hast."

Marc Aurel

Die Jagd nach Glück macht unglücklich

Was jedoch sicher unglücklich macht, ist ein übereifriges Streben nach Glück. Zu diesem Schluss kommt eine Studie von der Rutgers University Newark und der University of Toronto vom März 2018. Die Wissenschaftler schreiben: "Auf der Jagd nach Glück scheint Zeit zu verschwinden, wenn Glück als Ziel betrachtet wird, das stetige Anstrengung erfordert. Die Ergebnisse untermauern die wachsende Zahl von Arbeiten, die nahelegen, dass die Suche nach Glück ironischerweise auf Kosten der Zufriedenheit geht." Anders gesagt: Man wird wohl nie ganz so glücklich, wie man es gerne wäre, arbeitet sich aber an dieser Sehnsucht auf. Die Wissenschaftler raten: "Erfolgreicher könnten Interventionen sein, die den Leuten einfach mehr Zeit verschaffen und damit, im Gegenzug, mehr Wohlbefinden." Man könnte sich also auch einfach mal als schon ziemlich glücklich betrachten und sich wieder etwas entspannen.

Praktische Übungen zum Glücklichsein

  • sich morgens im Bett fünf Dinge überlegen, für die man dankbar ist
  • sich abends bewusst machen, was man tagsüber gut gemacht hat
  • Positives aufschreiben und vielleicht sogar teilen - z.B. als Post-it an der Wand
  • jeden Tag eine Minute lächeln
  • jeden Tag jemandem ein Kompliment machen
  • jeden Tag Zeit im Freien verbringen

"Egal wie schwierig unsere Situation sein mag: Wir haben immer eine gewisse Entscheidungsfreiheit und die Möglichkeit, unser Glück selbst in die Hand zu nehmen. Allein diese Perspektive zu verinnerlichen und sich immer wieder daran zu erinnern, macht einen großen Unterschied."

Thomas Bonath, Psychotherapeut

  • Selbstoptimierung - der Weg zum Glück? ARD-alpha, 21.04.2022, 15.15 Uhr
  • Dem Glück auf der Spur: ARD-alpha, Fannys Friday Doku, 17.01.2022, 16.30 Uhr

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